Personalie

Tourismusexperte der Nordkirche geht in den Ruhestand

Am Dienstag (21. Juni, 16 Uhr) wird Ulrich Schmidt mit einem Gottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi (Innenstadt) in den Ruhestand verabschiedet.
Am Dienstag (21. Juni, 16 Uhr) wird Ulrich Schmidt mit einem Gottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi (Innenstadt) in den Ruhestand verabschiedet.© Annette Klinkhardt

21. Juni 2022 von Annette Klinkhardt

Der Tourismusexperte der Nordkirche, Ulrich Schmidt, geht er in den Ruhestand. Unsere Fragen beantwortet Schmidt im ICE von Hamburg nach Hannover zu einem Treffen des EKD-Konvents Kirche und Tourismus. Nachdem er fünf Jahre für die EKD eine Projektstelle hatte, ist er seit Gründung des Konvents deren Sprecher. Als Tourismusbeauftragter sei er es gewohnt unterwegs und „in vollen Zügen“ zu arbeiten, meint er lachend.

Als Tourismusexperte müssen Sie es wissen – drei Traumziele innerhalb der Nordkirche?

Traumziele sind die Inseln, ich mag Usedom  und Föhr, aber auch Stralsud und Lübeck sind traumhaft schöne Städte, die eine Reise wert sind.

Mal ehrlich: Ist die Nordkirche tatsächlich die schönste Landeskirche innerhalb der EKD?

Eine diplomatische Antwort: Wer Meer mag, für den ist es die Nordkirche, wer Berge mag, sollte lieber nach Bayern.

Angefangen haben Sie als „Campingpastor“. Beim Thema Ravioli vom Gaskocher und Gemeinschaftsduschen scheint es ja nur zwei Fraktionen zu geben: Die einen schwören auf Camping, die anderen hassen es. Wozu gehören Sie?

Ich habe in unseren Teams immer gerne auf Campingplätzen gelebt, da war das gut auszuhalten. Privat bevorzuge ich ein anderes Format, da ich im Urlaub mit Familie nicht ganz so viel Nähe zu anderen Menschen brauche.

Zur Person 

Ulrich Schmidt (geboren 1956) war von 1989 bis 2014 Leiter der Kirche Unterwegs mit acht Campingplätzen in Dänemark und Schleswig Holstein. 2003 führte er die Aktion "Tritt ein! – Die Kirche ist offen" ein. 

Seit 2008 ist er mit der Konzeption der Tourismusarbeit in der nordelbischen Kirche beauftragt, später dann in der Nordkirche mit einem Tourismusfonds. Zu seinen Aufgaben gehört etwa die Beratung von Kirchengemeinden und die Projektentwicklung mit den Kirchenkreisen. 

Seit 2010 bereitet er den jährlichen, von ihm gegründeten Fachkongress Kirche und Tourismus der Nordkirche mit hochrangigen Vertretern aus Kirche, Tourismus und Tourismusforschung vor. 

Zwischen 2012 und 2017 war er mit dem EKD Projekt Entwicklung kirchlicher Angebote im Tourismus beauftragt. Seit 2020 ist Schmidt Sprecher des Konvent Kirche und Tourismus in der EKD. 

Ulrich Schmidt ist verheiratet und hat drei Kinder. 

Ihr wichtigster Tipp, damit ein Urlaub gelingt?

Nicht zu viel vornehmen und aufeinander achten. Wahrnehmen, dass man im Alltag nicht so viel Zeit miteinander verbringt und meist auch weniger Platz als zu Hause ist. Früher hätte ich gesagt, gemeinsam spielen, heute ist das im Zeitalter der Smartphones schwieriger - aber warum den Kindern nicht zeigen, dass es Kniffel auch analog und mit echten Würfeln gibt und das richtig Spaß machen kann?  Und vielleicht auch mal die Rollen von zu Hause ändern – vom Kochen bis zum Aufräumen usw.

Was können wir als Nordkirche dafür tun, dass sich Menschen im Urlaub erholen, Atem holen und die Seele baumeln lassen können?

Angebote zur „Entschleunigung und Ruhe“ machen: Von der offenen Kirche bis zur Atempause am Meer. Und natürlich die Gute-Nacht-Geschichte und weitere Angebote für die Familien. Präsent sein, erkennbar sein, damit Menschen, wenn sie Fragen oder Sorgen haben, uns auch entdecken können.

Sie haben mit Leuten aus der Tourismusbranche zu tun und mit Kirchenleuten. Was können wir als Kirche von den Touristikerinnen lernen?

Touristikleute wissen aus Umfragen sehr genau, was die Menschen in ihrer Region suchen und versuchen, dafür die entsprechenden Angebote zu machen. Da sollten wir genauer hinsehen und das anbieten, was wir im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten anbieten können. Immerhin 20  Prozent aller Urlauber suchen spirituelle Angebote oder wollen „Reisen mit Sinn“. Das sollten wir uns an mehr Stellen zu Herzen nehmen.

Warum besuchen Touristen im Urlaub Kirchen?

Menschen besuchen eine Kirche, weil sie den großen Raum wahrnehmen wollen und weil sie sich selbst im Kirchenraum anders wahrnehmen. Im Urlaub gibt es eine größere Offenheit für die Fragen des Lebens, dabei kann ein Kirchenraum hilfreich sein. Natürlich auch aus geschichtlichem Interesse. Und sie suchen Glaubenszeugnisse. 

Und sie wollen sich willkommen fühlen. Wie kann das gelingen?

Eine geöffnete Kirche, die einladend ist. Also aufgeräumt und gerne mit der Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden.

Sommerkonzerte für die Touristen, Urlauberfamilien am Sonntag im Gottesdienst in der Dorfkirche – was bedeutet das für die Kirchengemeinden auf Usedom oder Amrum?

Die Konzerte und Gottesdienste sind sehr gut besucht, wenn die Kirchengemeinde Angebote machen, dafür sind Urlauberinnen und Urlauber sehr dankbar.

Wichtig finde ich, dass der Gottesdienst einladend gestaltet ist, damit auch Menschen, die aus einer anderen Landeskirche oder überhaupt selten in einen Gottesdienst gehen, dem Ablauf gut folgen können.

Wenn Sie für Ihre Tätigkeit als Tourismusexperte ein Kissen mit einem biblischen Motto bestickt bekämen – welcher Vers wäre das?

„Er zog aber sein Straße fröhlich“. Der Vers stammt aus der Geschichte mit dem Kämmerer aus Äthiopien in Apostelgeschichte 8. Der fährt nach Jerusalem und trifft dort Philippus. Der antwortet auf seine Fragen, tauft ihn und lässt ihn dann seinen Weg gehen – fröhlich.

40 Jahre unterwegs im Auftrag des Herrn - worauf sind Sie richtig stolz?

Die ersten Jahre habe ich bei „Kirche am Urlaubsort“ und „Kirche unterwegs“ ehrenamtlich gemacht, da waren wir ein großes Team.

Stolz bin ich, dass ich viele Gemeinden beraten konnte. Oft habe ich erlebt, dass es im Umkreis von 30 Kilometern dreimal dasselbe Projekt gibt und jede glaubt, sie biete es „weltexklusiv“. Durch runde Tische konnte ich viele Ideen breiter bekannt machen.

Stolz bin ich auf viele geöffnete Kirchen und die Einrichtung des Tourismusfonds. Damit konnten wir an vielen Orten in der Nordkirche die Arbeit für Menschen im Urlaub professionalisieren und ausweiten. Leider sind die Mittel ausgeschöpft. Jetzt gilt es, diese Arbeit fortzuführen – auch in Zeiten des Umbruchs und der Sparmaßnahmen. So wird die Arbeit in Wyk auf Föhr nahezu eingestellt, das betrübt mich sehr. Vor 40 Jahren habe ich da mein erstes Praktikum gemacht und erlebt, wie dankbar die Menschen für unsere Angebote sind.

Sichtbare Zeichen Ihrer Tätigkeit sehe ich fast täglich in Greifswald vor dem Dom und habe ich auch schon in Heringsdorf entdeckt. Einige finden sich ja sogar in Sachsen-Anhalt…

Ja, das sind unsere 36 Strandkörbe zum Reformationsjubiläum 2017. Jeweils 18 stammen aus Meldorf von der Stiftung Mensch und vom Diakoniewerk Bethanien in Ducherow bei Anklam, hergestellt in Heringsdorf  auf Usedom – mitfinanziert von fast allen größeren Tourismusorten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Erst wurden wir belächelt – was sollen Strandkörbe in Wittenberg? Nun stehen neun unserer Strandkörbe dort dauerhaft als Stadtmöblierung.

Wo macht ein Tourismusexperte Urlaub?

Ich mache auf Sardinien Urlaub, wo die Strände meist nicht so voll sind. Oder man geht ein Stück weiter. Und ich brauche Wärme und Sonne.

Nordkirche und Tourismus – welche Schätze gilt es noch zu heben?

Mehr Kooperation miteinander. Angebote gemeinsam entwickeln und bewerben.

Sie sind auch Sprecher des EKD-Konvents Kirche und Tourismus. Wie gestaltet sich das Thema deutschlandweit?

Es gibt wenige Landeskirchen, die aufgestellt sind wie wir, das sind die in den anderen größeren Urlaubsländern Württemberg, Bayern und Niedersachsen. Allen Landeskirchen würde ich wünschen, dass sie sich der großen Chancen bewusst werden, die das Thema Kirche und Tourismus bietet. 

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