24. Februar 2019 | Marienkirche Bad Segeberg

Und der Samen, den Gott in uns gesät hat, auch dieser Same möge immer wieder Frucht bringen.

Taufkerzen im Ordinationsgottesdienst in Bad Segeberg, Foto: Wendt/Nordkirche
Taufkerzen im Ordinationsgottesdienst in Bad Segeberg, Foto: Wendt/Nordkirche

06. März 2019 von Gothart Magaard

Predigt im Ordinationsgottesdienst

Liebe Festgemeinde,

und heute ganz besonders: liebe Ordinandin, lieber Ordinand,

ein bekannter Evangeliumstext steht heute im Mittelpunkt dieses Ordinationsgottesdienstes: Eine große Menge Menschen kommt zusammen. Aus Dörfern und Städten eilends, um zu hören, was Jesus, dieser große Erzähler des Glaubens zu sagen hat. Sie wollen hören, wie es um Gott und die Welt steht. Und sind voller Hoffnung auf Veränderungen.

Hören wir noch einmal auf den Abschnitt aus dem Lukasevangelium:

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Liebe Gemeinde,

gerade der Evangelist Lukas zeichnet ja die Jesus-Geschichte ein in die große prophetische Hoffnungsgeschichte Israels. Die schwangere Maria singt von dem Gott, der die Gewaltigen vom Thron stößt und die Niedrigen erhöht, der die Hungrigen sättigt und Reiche leer ausgehen lässt.

Das ist der große Horizont für den Weg dieses Menschen, geboren im Stall, dort, wo Gott die einfachen Menschen unter einfachsten Bedingungen findet. Es ist schon bemerkenswert, was diese Menschen nun zu hören bekommen. Sie hören vom Leben in der Landwirtschaft. Von der Erfahrung eines Bauern oder einer Bäuerin. Ganz alltägliches. Sie streuen die Samenkörner auf den Acker. Aber dieser Acker ist kein kultiviertes Feld wie wir es kennen, sondern hat ganz unterschiedliche Böden und Wachstumsbedingungen. Ein steiniges, dorniges Feld mit dünner Erdschicht.

Nicht alle Saat geht auf, nicht alle Saat kann überhaupt aufgehen: manches wird von Vögeln gefressen, anderes wird erdrückt durch andere Pflanzen, wieder anderes vertrocknet. Aber einiges geht auf und trägt Frucht, viel Frucht: dreißigfach, sechzigfach, ja sogar hundertfach!

Indem jesus dieses Gleichnis erzählt, wird aus Alltagsgeschehen Evangelium. Gott handelt wie ein Sämann. Er teilt aus. Er bestellt das Land großzügig in seiner Verschiedenheit. Er macht sich von den Erfolgsaussichten, den Prognosen der einen oder der anderen nicht abhängig. Und dann lässt er die Erntezeit auf sich zukommen. Man wird sehen, wo es wächst. Man wird sehen, wie viel wächst. Er tut das, was er tun kann. Aber er lässt auch einfach wachsen, er vertraut.

So bekommt das Alltagsgeschehen hier eine besondere Wendung, wenn es zum Gleichnis wird und mit Gott zu tun hat: Ich höre den Erzähler zu uns sagen: Mit der unberechenbaren Großzügigkeit und Freundlichkeit dieses Gottes könnt ihr rechnen in euren immer zu kurz greifenden, zu ängstlichen oder zu ernsthaften Prognosen.

Ihr solltet damit rechnen, dass Gottes Wege in dieser Welt andere sind, als die, die ihr euch ausrechnet, die ihr erwartet. Gerade in der Begegnung mit diesem Menschen, mit Jesus, durch den Gott unsere Gottesbilder hinter sich lässt und Teil der Alltagsgeschichten dieser Welt wird. Der Alltagsgeschichte des heimatlosen Paares in Bethlehem zuerst. Dann der Fischer und Zöllner und der Kranken.

Alltagsgeschehen wird Evangelium – in Begegnungen, im Erzählen und im Teilen von Brot. In der Zeitverschwendung Gottes an uns Menschen – an diesen ewig um sich selbst kreisenden Gesellen, mit großen Erwartungen, an andere und sich selbst, und mit kleinem Glauben. Mit dem alltäglichen Glück und dem Scheitern, dem Fragment und den kleinen und größeren Kunstwerken.

Großzügig – wie der Landwirt den Samen aufs Land wirft, verschenkt sich dieser Gott an uns. Das ist das Evangelium, das uns anvertraut ist, und von dem sich der besondere Dienst einer Pastorin, eines Pastors in unsere Kirche herleitet. Mit vollen Händen gilt es, das Evangelium des freundlichen Gottes auszuteilen, ja hineinzuwerfen in den Alltag dieser Welt. Es den Menschen anzuvertrauen, in Worten und Taten. In den alltäglichen Momenten und in denen, in den besonderen Schwellensituationen.

Geiz oder Berechnung vertragen sich nicht mit dieser Frohbotschaft. Sie vertragen sich nicht mit dem Gedanken einer am Evangelium ausgerichteten Kirche, die einladend, gastfreundlich und vielschichtig sein will. Mit einer Kirche, die Grenzen zu überwinden sucht. Die den Frieden sucht. Den Sprachlosen ihre Stimme leiht. Die Menschen, die kleinen und die großen, „mit Gott groß“ werden lässt. Und die Menschen den Glauben, den täglichen Neuanfang zutraut, im Vertrauen darauf, dass Gott an ihnen immer schon gehandelt hat, wenn wir ihnen begegnen.

Liebe Festgemeinde,

Gottes Wege haben ein Ziel: sie führen zu den Menschen. Das gilt nun in besonderer Weise heute für Sie, liebe Schwester Ahmed, lieber Bruder Hillmann. Sie kommen gerade in Ihren neuen Gemeinden an, hier in Bad Segeberg und in Lensahn. Sie lernen in diesen ersten Wochen gerade sehr viele Menschen kennen, die hochverbundenen und engagierten, und die, die gelegentlich dabei sind oder froh sind, dass es die Gemeinde gibt, und die, die die skeptisch und mit Abstand den Kontakt riskieren.

Und Sie beide gehen Ihre Wege mit Lebensfreude und gesunder Neugierde und mit theologischem Sachverstand, so habe ich Sie in der Vorbereitung auf diesen Tag kennengelernt. Sie sind bereit sich einzubringen, mit Ihrer Leidenschaft, mit neuen Ideen, mit Idealismus und dem Blick vom Außen.

Ja, und auch mit Ihren Ecken und Kanten, mit Eigenheiten und ihren besonderen Lebens- und Glaubensgeschichten, so wie die Menschen in den Gemeinden sie ja auch haben.

Sie beide sollen heute, am Tag Ihrer Ordination, wissen und spüren: Sie sind willkommen! Ihre Gemeinden, die Menschen, die dort haupt- und ehrenamtlichen engagiert sind, und viele andere freuen sich auf Sie und die Zusammenarbeit mit Ihnen. Das haben wir auch in der Vorbereitung dieses Gottesdienstes gespürt. Viele Menschen waren bereit, mitzugestalten, mitzudenken, mitzuplanen, und dafür bin ich sehr dankbar!

Und als Bischof stimme ich in die Freude über Ihr Kommen ein und bin davon überzeugt, dass sich in unserer ganzen Kirche viele Menschen auf Sie freuen. Sie beide werden heute auch begleitet von Menschen aus ihren Familien und Freundschaften, und darüber freuen wir uns. Beide sind Sie offen für das, was nun auf Sie zukommt. Sie sind gestärkt durch das Studium und die Ausbildung und Begleitung im Predigerseminar, durch die Gemeinschaft in Ihrem Vikariatskurs und all das, was Sie aus Ihren Vikariatsgemeinden mitnehmen. Der Ausbildungsweg ist nun abgeschlossen. Sie lassen damit auch etwas hinter sich.

Das merken Sie bereits in der Verantwortung, in den Erwartungen, mit denen Sie umgehen lernen müssen. Ich bin zuversichtlich, dass Sie in den nächsten Monaten und Jahren in das Amt hineinwachsen werden, zu dem wir Sie heute beauftragen.

Dabei spüren wir, dass unsere Kirche sich verändert. Und unsere Gesellschaft verändert sich auch. Uns ist allen miteinander aufgetragen, diese Veränderungen mit dem Evangelium im Herzen zuversichtlich und mit Haltung mitzugestalten: Selbstbewusst und selbstkritisch, mutig und sorgfältig, liebevoll und tatkräftig. Wir alle sind als Christinnen und Christinnen in den Dienst des Evangeliums genommen mit all dem, was wir als Person mitbringen. Ganz und gar, mit Herz und Verstand, mit Gelingen und Scheitern – Wir sind genau so in den Dienst genommen und gefordert und dabei menschenfreundlich angesehen.

Und auch wenn es heute um Ihre Ordination geht, so möchte ich unterstreichen, dass Sie nicht die einzigen sind, die im Dienste des Evangeliums unterwegs sind. Sie tun Ihren Dienst in der Gemeinschaft der Pastorinnen und Pastoren und der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Kirchenmusiker, Diakoninnen, der Küster, der Mitarbeiterinnen in den Kitas und in der Verwaltung.

Sie tun Ihren Dienst in gemeinsamer Verantwortung mit den Mitgliedern der Kirchengemeinderäte und vieler engagierter Menschen in den Gemeinden, die das Evangelium in Wort und Tat bezeugen. Insofern geht es in Ihrem Dienst nicht nur darum, das Evangelium großzügig auszuteilen und weiterzusagen, sondern eben auch darum, hinzuschauen, wo etwas wächst, das andere ausgesät haben. Und sich darüber zu freuen.

Allerdings ist dieses Wachstum, anders als auf dem Acker zu sehen, nicht immer offensichtlich. Für dieses Wachstum braucht es unsere besondere Aufmerksamkeit, ein besonderes Hinschauen und Hinhören für das, was durch Gespräche, Impulse, durch Gottesdienste, Konfirmandenarbeit oder Seelsorge angeregt wird und zum Wachsen kommt. Vieles davon ist unsichtbar. Der Same des Evangeliums, den Sie, liebe Schwester Ahmed und lieber Bruder Hillmann, säen werde, wird auch fruchtbaren Boden finden. Mal mehr und mal weniger und auch dort, wo Sie es nicht erwartet hätten.

Und der Samen, den Gott in uns gesät hat, auch dieser Same möge immer wieder Frucht bringen. Manche Idee wird vielleicht versanden. Mancher Plan wird im dornigen Gestrüpp des Alltags hängenbleiben. Doch anderes wird auf gutes Land fallen und hundertfach Frucht bringen. Der reiche Segen Gottes, und seine gute Botschaft, die die Begeisterung für seine Sache in Ihnen geweckt hat, mögen Sie stärken in ihrem Dienst – darum bitten wir heute. Und wir freuen uns auf Ihre Stimme, Ihre Gaben als Pastor und Pastorin unserer Kirche.

Amen.

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