"Rostock denkt an Seeleute"

Weihnachtsaktion: Seemannsmission packt Päckchen und plant digitalen Gottesdienst

Die Seemannsmission versucht, Seeleuten ein Licht der Hoffnung und des "Nicht-Vergessen-Seins" zu sein - besonders in diesem Jahr.
Die Seemannsmission versucht, Seeleuten ein Licht der Hoffnung und des "Nicht-Vergessen-Seins" zu sein - besonders in diesem Jahr.© mirzamlk, AdobeStock

23. November 2020

Die Rostocker Seemannsmission will den Seeleuten auch in diesem Corona-Jahr die Advents- und Weihnachtszeit verschönern. Geplant sind ein Adventskalender, Weihnachtspäckchen und -karten, eine Christbaumaktion sowie ein aufgezeichneter Weihnachtsgottesdienst, den sich die Seeleute auf USB-Stick mitnehmen können, berichtet Seemannsdiakonin Stefanie Zernikow .

Der Seemannsclub "Hollfast" im Überseehafen ist offen. "Selbstverständlich finden weiterhin Bordbesuche und der notwendige Lieferdienst statt. Die Seeleute können weiterhin Geld tauschen, überweisen, und wir versorgen sie auch mit der notwendigen Kleidung."

Christbaumaktion am 7. Dezember

Die Christbaumaktion soll am 7. Dezember stattfinden. Allerdings ist laut Zernikow noch unklar, ob die Bäume wieder von einem Boot aus auf die Schiffe im Hafen gehievt werden dürfen. Alternativ könnten die gespendeten Bäume landseitig zu den Seeleuten gebracht werden, so die Leiterin der Seemannsmission.

Stefanie Zernikow
Die neue Seemannsdiakonin in Rostock: Stefanie Zernikow.© privat

Zudem sollen 400 Päckchen und Karten der Seemannsmission sowie weitere 400 zusätzliche Weihnachtskarten aus Kirchengemeinden an Seeleute im Rostocker Hafen verteilt werden. Im Rahmen der neuen Aktion "Rostock denkt an Seeleute" hatte die Seemannsmission darum gebeten, Weihnachtskarten mit einem kurzen englischen Gruß zu schreiben, sie vielleicht auch zu bemalen oder mit einem Sticker zu versehen. Für die Päckchen wurden Hygieneartikel, originalverpackte Süßigkeiten und Gebäck, gekaufte oder selbst gestrickte Socken, Schals, Handschuhe und Mützen sowie Weihnachtsdeko, Stifte oder Kalender erbeten.

Wärmendes selbst Gestricktes für die Seeleute

Die ersten Sachspenden und etwa 140 handgeschriebene Weihnachtskarten seien schon bei der Seemannsmission eingetroffen, so Zernikow. Die Geschenke sollen vor, während und auch noch nach Weihnachten verteilt werden. "Wir sind dankbar, dass sich auch die Stricklieseln und die Verdi-Senioren so fleißig mit selbst gestrickten Socken, Mützen, Schals und Handschuhen beteiligen, die wir an die Seeleute weitergeben dürfen."

Weihnachtsgottesdienst auf USB-Sticks

Auch die Fest-Vorbereitungen mit dem Weihnachtsgottesdienst sind angelaufen. "Wir hoffen, dass wir mit Seeleuten in unserem Club feiern können. Doch wenn es weiterhin so bleibt, dass die Seeleute ihr Schiff nicht verlassen dürfen, gehen wir - wie schon an Ostern - zu den Seeleuten von Schiff zu Schiff und feiern den Weihnachtsgottesdienst an der Reling oder direkt vor den Schiffen auf der Pier." Zusätzlich soll ein Weihnachtsgottesdienst aufgenommen und auf USB-Sticks gespeichert werden. "Die USB-Sticks wollen wir an die Seeleute verteilen, die an Weihnachten nicht im Rostocker Hafen sind, damit sie zumindest einen Weihnachtsgottesdienst auf See feiern können."

Auch in diesem Jahr werde es wieder einen Adventskalender geben, der von den Verdi-Senioren gespendet wird. "Normalerweise durfte immer der erste Seemann, der in den Club kommt, das Päckchen öffnen. Falls kein Seemann in den Club kommt, nehmen wir das jeweilige Päckchen mit an Bord."

Seeleute leiden in diesem Jahr besonders

Die Situation der Seeleute sei schon immer schwierig gewesen, doch in diesem Jahr sei es besonders schlimm, sagte Zernikow. "Es ist kaum auszuhalten, wie mit diesen Menschen umgegangen wird, denen wir so viel verdanken." Ein Brief eines Kapitäns beschreibe gut, was im Moment auf vielen Schiffen los ist. Darin heißt es unter anderem: "16 Mitglieder meiner Besatzung haben ihre Vertragszeit überschritten, und trotz meiner besten Bemühungen kann ich nichts tun, um sie durch eine neue Besatzung abzulösen." Tagtäglich arbeite er "mit einer erschöpften Besatzung, von der einige einen enormen Schaden an ihrer psychischen Gesundheit erleiden".

Seemannsmisison will ein Licht der Hoffnung sein

Die Seemannsmission versuche, Seeleuten ein Licht der Hoffnung und des "Nicht-Vergessen-Seins" zu sein, zu bringen, so die Diakonin. "Wir hören zu, versorgen sie mit allem, was sie brauchen und versuchen, alles zu organisieren, was sie sich wünschen." Das bedeute neben Bordbesuchen und Lieferdienst auch, dass die Seemannsmission Geschenke für die Lieben der Seeleute besorgt und einen Paket-Service anbietet.

 

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