Wissenschaft

Wie Papst Innozenz XII. vor 325 Jahren das Neujahrs-Chaos beendete

Auf Silvester am 31. Dezember folgt Neujahr am 1. Januar - das scheint selbstverständlich, aber es war nicht immer so
Auf Silvester am 31. Dezember folgt Neujahr am 1. Januar - das scheint selbstverständlich, aber es war nicht immer so© Gundolf Renze - Fotolia

30. Dezember 2015 von Simone Viere

Auf Silvester am 31. Dezember folgt Neujahr am 1. Januar. Das scheint selbstverständlich, aber es war nicht immer so. Erst 1691, vor 325 Jahren, wurde der Neujahrstag von Papst Innozenz XII. festgelegt - und hat sich bis heute bewährt.

Nur neun Jahre lang war Innozenz XII. Papst in Rom, von 1691 bis 1700. Bereits im ersten Amtsjahr leitete er eine Reihe von Reformen ein. Dazu gehörte auch eine wichtige Kalenderfrage: Er legte fest, dass immer mit dem 1. Januar das neue Jahr beginnen sollte. Das hatten zwar schon die Römer so gemacht, und auch für Papst Gregor XIII. (Papst von 1572-1585) und seinen berühmten "Gregorianischen Kalender" begann das Jahr mit dem 1. Januar. Doch längst nicht alle Länder hielten sich daran.

Im Mittelalter waren den Chroniken zufolge diverse Neujahrstage gebräuchlich. Manche feierten ihn am 25. Dezember, mit der Geburt von Jesus Christus. In Frankreich war es bis weit ins 16. Jahrhundert hinein üblich, das Jahr zu Ostern beginnen zu lassen. Dann pendelte Neujahr wie Ostern durch den Kalender, als bewegliches Fest. Anderenorts feierte man Neujahr am 6. Januar oder am 21. März, zum Frühlingsbeginn. Auch der 25. März kam als Neujahrstag infrage, der Tag der Verkündigung von Mariä Empfängnis.

In Wirtschaft, Verkehr und Wissenschaft gilt der 1. Januar als Jahresbeginn

Dieses Chaos wollte Innozenz XII. beseitigen. Dass er sich langfristig durchsetzen konnte, zeigt der Blick in die heutige Neujahrspraxis der weitgehend säkularen, modernen Welt: In Wirtschaft, Verkehr und Wissenschaft gilt international der 1. Januar als Jahresbeginn, und dementsprechend laufen einen Tag zuvor die weltweiten Silvesterfeuerwerke einmal rund um den Globus.

Doch andere Jahresanfänge gibt es immer noch - trotz Innozenz XII. - selbst in der Christenheit. In England war bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts der 26. März als Jahresanfang üblich. Alten Traditionen zufolge ist nach wie vor der 1. Advent der Beginn des Kirchenjahres, auch bei Protestanten. Syrisch-orthodoxe Christen begehen ihn am 1. Oktober.

Andere Jahresanfänge gibt es noch immer

Andere Kulturen und Religionen haben gänzlich andere Jahresanfänge und sogar andere Jahreszählungen - für sie gibt es keinerlei Grund und Anlass, sich an päpstliche Dekrete zu halten. So war am vergangenen 14. September der jüdische Neujahrstag des jüdischen Jahres 5776. Mit Sonnenuntergang am 14. Oktober 2015 begann das islamische Jahr 1437. Am 8. Februar 2016 feiern die Chinesen ihr Neujahrsfest, nach dem traditionellen Kalender beginnt das Jahr des Affen.

Kalender und ihre Berechnungen gehören weltweit zu den kompliziertesten Mysterien, die es gibt. Schon vor Urzeiten grübelten Gelehrte darüber nach, wie sich die unterschiedlichen Umlaufzeiten des Mondes um die Erde und die der Erde um die Sonne zur Erstellung von Kalendern nutzen lassen konnten. Einbezogen werden musste auch die Abfolge von Tag und Nacht, also die Eigenbewegung der Erde.

Alle vier Jahre ein Schaltjahr

Die Erklärung für Schaltjahre - auch 2016 ist eines - liefert die Astronomie. 940 Millionen Kilometer legt die Erde jährlich auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne zurück. Dafür braucht sie etwa 365,24 Tage. Ein normales Jahr hat 365 Tage. Die restlichen 0,24 Tage summieren sich in vier Jahren fast zu einem ganzen Tag. Darum ist jedes vierte Jahr ein "Schaltjahr" mit 366 Tagen. Die bleibenden Ungenauigkeiten werden durch ausgeklügelte Verfahren behoben.

Die Schalt-Regel besagt: Alle Jahre, die sich durch vier teilen lassen, sind Schaltjahre. Ausgenommen davon sind Jahreszahlen auf glatte Hunderter - es sei denn, sie lassen sich durch 400 teilen. So war 1900 kein Schaltjahr, 2000 dagegen war eines. 2400 wird wieder eins sein, 2100, 2200 und 2300 aber nicht. Dieses recht genaue Verfahren hält den Gregorianischen Kalender Experten zufolge für mindestens 3.000 Jahre "stimmig". Trotzdem ergeben sich minimale Abweichungen vom Sonnenjahr, also dem Lauf der Erde um die Sonne. Sie werden mit einzelnen Schaltsekunden ausgeglichen.

Papst Innozenz XII. wusste davon im Einzelnen vermutlich nichts. Aber ihm gebührt die Ehre des Neujahrstages 1. Januar. Damit bekräftigte er nicht nur Papst Gregor XIII., sondern auch die römischen Konsuln, die schon im Jahr 153 vor Christus den 1. Januar zum Neujahrstag gemacht hatten - vorher war es der 1. März. Davon zeugen noch die heutigen Monatsnamen September bis Dezember, die vom März aus gezählt der siebte (lateinisch septimus) bis zehnte (lateinisch decimus) Monat waren. Die Zählung der Monate änderte sich, die Namen aber blieben.

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