Vorträge und Diskussionsrunden auf der Landessynode

Zukunft kirchlicher Dienste und Werke im Fokus

Der Journalist und Theologe Wolfgang Thielmann
Der Journalist und Theologe Wolfgang Thielmann © Maren Warnecke / Nordkirche

26. Februar 2016 von Stefan Döbler

Lübeck-Travemünde. Das Schwerpunktthema „Zukunft der Dienste und Werke“ steht heute (26. Februar) im Mittelpunkt der 13. Tagung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). „Dient einander mit der Gabe, die ihr empfangen habt.“ – unter dem biblischen Motto aus dem 1. Petrusbrief diskutieren die Synodalen über Bereiche kirchlicher Arbeit und kirchlichen Lebens, die in besonderer Weise Lebenszusammenhängen und -situationen von Menschen sowie gesellschaftlichen Themen gewidmet sind. Zuvor hatten die Synodalen auf der 12. Tagung der Landessynode im September 2015 Eckpunkte zur „Zukunft der Ortsgemeinde“ beschlossen.

Zu den kirchlichen Diensten und Werken zählen neben Bereichen wie Diakonie, Krankenhaus- und Notfallseelsorge, Kirchenmusik, Beratung und Bildung zum Beispiel auch die kirchliche Arbeit mit und für Menschen aller Generationen und in besonderen Lebenssituationen, die Partnerschaft mit Christen in der ganzen Welt, Friedens- und Entwicklungsdienst und Flüchtlingsarbeit.

Professorin Pohl-Patalong: „Evangelium auf unterschiedlichen Wegen kommunizieren“

Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong (Christian-Albrechts-Universität Kiel) eröffnete die theologische Diskussion mit einem Impulsvortrag zum Thema „Evangelium kommunizieren auf vielfältigen Wegen – Dienste und Werke als Teil der Kirche“. Die Professorin für Praktische Theologie betonte: „Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Pluralität, in der sich auch die Glaubenswege vervielfältigen und Menschen auf sehr unterschiedlichen Wegen zu Gott kommen und ihren Glauben leben, verändern, mit ihm neu anfangen, muss die Kirche das Evangelium auf sehr unterschiedlichen Wegen kommunizieren.“

Ortskirchengemeinde und kirchliche Dienste und Werke stünden oft in Konkurrenz zueinander und sähen weniger ihren gemeinsamen Auftrag, würden aber unterschiedliche Wege zu den Menschen bahnen. Pohl-Patalong: „Meine Vision für das Verhältnis der kirchlichen Organisationsformen ist also, dass sie sich alle künftig von ihrem gemeinsamen Auftrag her begreifen, das Evangelium in Wort und Tat mit möglichst vielen Menschen des 21. Jahrhunderts zu kommunizieren, und dass sie gemeinsam fragen, welche Aufgaben in welcher Form von welcher Organisationsform am sinnvollsten bearbeitet werden kann.“

Pastor Friedemann Magaard: Warnung vor Entfremdung

Pastor Friedemann Magaard, Geschäftsführer und Theologischer Leiter des Christian Jensen Kollegs (CJK), einem Bildungs- und Tagungszentrum der Nordkirche, fragte in seinem Impulsvortrag nach Chancen und Defiziten: „Die Professionalisierung kirchlicher und darin besonders diakonischer Dienste ist notwendig, ist unumkehrbar, sie ist ein Gewinn, aber dieser Gewinn hat seinen Preis: die Gefahr möglicher Entfremdung spezialisierter Arbeitsweisen von Alltagsleben und Alltagswegen der Christenmenschen.“

Magaard bekräftigte einen Anspruch aus dem Verhältnis zwischen Diakonie und verfasster Kirche. Danach möge die Diakonie kirchlicher, theologischer werden; zugleich aber die verfasste Kirche und die Kirchengemeinde wieder diakonischer: „Genau das vollzieht sich aktuell in der Flüchtlingsarbeit: Die Diakonie in den Landesverbänden und kirchenkreislichen Werken sowie die Kirchenkreise und Kirchengemeinden beziehen sich wirkungsvoll aufeinander und kooperieren. Was sich hier abbildet, steht Modell für die Arbeit von Diensten und Werken und von Kirchengemeinden im Allgemeinen. Die verschiedenen Bereiche beziehen sich aufeinander, wirken miteinander, handeln füreinander. Das bedeutet auch: Dienste und Werke vertiefen kirchliche Arbeit, ohne in Nischen zu verschwinden. Sie folgen einer Spezialisierung und Professionalisierung, ohne Distanz von kirchlichem Alltag.“

Wolfgang Thielmann, ZEIT: „Gutes Ansehen färbt ab auf die Kirche“

Der Journalist und Theologe Wolfgang Thielmann (ZEIT, Christ & Welt) verwies in seinem Impulsvortrag „Dienste und Werke – aus gesellschaftlicher Sicht“ darauf, dass die kirchlichen Dienste und Werke „so etwas wie die die gute Seite der Kirche – neben dem Pastor oder der Pastorin“ seien. „Pastoren sind in aller Regel Vertrauenspersonen am Ort. Wer Lokalzeitungen liest, dem springt dieser Befund geradezu ins Auge. Über den Ort hinaus genießen kirchliche Werke Vertrauen und verbreiten es weiter.“ Eine Umfrage zeige, dass beispielsweise die Diakonie in allen Altersgruppen sehr bekannt sei; 94 Prozent der Deutschen würden sie kennen.

Thielmann erinnerte auch an den Theologen und Sozialpädagogen Johann Hinrich Wichern, der im 19. Jahrhundert die Innere Mission der Evangelischen Kirche sowie das Rauhe Haus in Hamburg gegründet hat: „Wichern sah, dass das damalige Angebot der Kirche die Arbeiterfamilien nicht erreichte, die in den Strudeln der Industrialisierung ihr Einkommen und ihre soziale Verankerung verloren. Er gründete soziale Einrichtungen und beriet Gründer. Er versuchte, seiner Kirche die Augen für eine systemische Bekämpfung der Not zu öffnen, und er sah, dass die Not auch politisch angegangen werden musste.“

Heute würden selbst kritische Kampagnen und Berichterstattungen am Ansehen der Diakonie abperlen „wie der Regen an einem frisch polierten Auto“, so Thielmann: „Wer erlebt hat, dass die Schwestern im Krankenhaus ihn mitfühlend gepflegt haben, wer erlebt hat, wie sie für ihre Patienten gegen ihren Zeitplan kämpfen, wer erlebt hat, dass ein Arzt am Krankenbett Zeit hatte und – es ist selten, kommt aber vor – wenn er nach der Aufzählung aller Komplikationen und Risiken den verängstigten Patienten nicht allein gelassen, sondern ihm angeboten hat, mit ihm zu beten, bei dem fällt die Kritik von Journalisten, Humanisten und anderen durchs Raster. Auch das belegen die Umfragen im Blick auf die Diakonie. Und dieses Ansehen färbt ab auf die Kirche.“

Arbeitsgruppen und Buch zum Verhältnis von Kirche und Diensten und Werken

Im Verlauf des heutigen Nachmittags befassen sich die 156 Mitglieder der Landessynode in zehn Arbeitsgruppen intensiv mit dem Thema „Zukunft der Dienste und Werke“. Dabei wird es unter anderem um Dienste und Werke als kirchliche Heimat bzw. Gemeinde gehen sowie um Fragen zum Haupt- und Ehrenamt, zu Seelsorge, missionarischer Orientierung und digitalem Wandel. Ergebnisse und Empfehlungen dieser Arbeitsgruppen sollen in der Kammer für Dienste und Werke der Nordkirche aufgenommen und weiter bearbeitet werden. Die Themensynode ist zugleich Teil der Vorbereitung einer im Herbst geplanten zielorientierten Planung für die weitere Arbeit Dienste und Werke der Nordkirche.

Am Rande der Tagung der Landessynode wurde heute das gerade erschienene Buch „Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben“ von Sebastian Borck, Leiter des Hauptbereichs 2 (Seelsorge, Beratung und ethischer Diskurs) der Nordkirche, vorgestellt. Borck befasst sich darin geschichtlich und systematisch-theologisch mit dem Verhältnis von Kirche und ihren Diensten und Werke in den Herausforderungen der Gesellschaft.

(Sebastian Borck: „Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben. Die Kirche und ihre Dienste und Werke in den Herausforderungen der Gesellschaft“, Lutherische Verlagsgesellschaft Kiel, 2016)

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