3. Januar 2019 | Fielmann Akademie Schloss Plön

Zukunftsweisendes Projekt zur Stärkung des Miteinanders

03. Januar 2019 von Gerhard Ulrich

Grußwort zum Bankett im Rahmen der Jahrestagung der Patristischen Arbeitsgemeinschaft unter dem Thema „Wohltätigkeit im antiken und spätantiken Christentum“

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland begrüße ich Sie alle sehr herzlich. Ich freue mich, dass die Patristische Arbeitsgemeinschaft sich entschlossen hat, in diesem Jahr hier in Plön, mitten in Schleswig-Holstein, zu tagen. Ich freue mich, dass damit nicht nur viele deutsche Spezialistinnen und Spezialisten, sondern auch Expertinnen und Experten aus den übrigen deutschsprachigen Regionen Europas hierhergekommen sind. Dass auch ein Redner aus den USA zu uns gestoßen ist, bereichert die Veranstaltung ganz besonders - ein persönliches „warm welcome“ an Daniel Caner.

Es ist eine Ehre für uns, dass in unserer Landeskirche derartige Tagungen abgehalten werden. Mich persönlich freut es besonders, bei Ihrer Tagung dabei sein zu dürfen, weil mir als Bischof immer an guter, an wissenschaftlicher  Theologie gelegen ist. Sie trägt dazu bei, dass unsere Verkündigung überzeugend ist, insbesondere wenn wir die Predigt als Gespräch und gerade auch als ein Gespräch mit der kritischen Zeitgenossenschaft verstehen. Ohne Theologie keine Kirche, und erlauben Sie mir die Formulierung: Ohne Kirche auch keine Theologie. Es ist gut, dass wir aufeinander angewiesen sind.

Gerne möchte ich auch etwas zu unserer noch recht jungen Landeskirche sagen. Die Bildung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland hat einen Zeitraum von nur fünf Jahren beansprucht. Das Aufeinander-Zugehen und Sich-miteinander-Verbinden der ehemaligen Mecklenburgischen, der Nordelbischen und der Pommerschen Kirche gestaltete sich in einem Prozess von hoher Dynamik, und das Ergebnis ist ein Ereignis mit kirchlicher und gesellschaftlicher Symbolkraft: historisch ist unsere Landeskirche die jüngste im Bereich der Evangelischen Kirchen in Deutschland – und sie ist ein Ergebnis der Wende vor fast 30 Jahren, ein Ergebnis der friedlichen Revolution, die die trennende Mauer zum Einsturz brachte und die Grenzzäune überwand.

Die Nordkirche – das ist viel mehr als eine Fusion. Es ist ein recht erfolgreicher Weg des Aufeinander-Zu- und dann miteinander Weitergehens. Geprägt vom Willen, sich auf Augenhöhe zu begegnen und dabei die großen kulturellen und historisch gewachsenen Unterschiede zwischen den ehemals selbstständigen Einheiten nicht zu verleugnen, sondern ihnen Lebensräume zu schaffen. Solch ein Wille ist natürlich immer der Versuch, es zu wollen: Dass dem Partner seine Bedeutung nicht nach seiner Mitgliederzahl oder ökonomischen Stärke beigemessen wird. Vielmehr diese seine Bedeutung als gegeben zu glauben, weil jede der drei Kirchen aus Ost und West, die hier zusammenkamen und nun zusammenwachsen, Teil des durch die Zeit wandernden Gottesvolkes ist und Anteil hat an der Verheißung: Gottes Versöhnung mit uns ermöglicht auch Versöhnung zwischen Menschen. Versöhnung, die wir in unserer gemeinsamen Kirche leben und in die Gesellschaft hineintragen können.

Ihre Gründung ist so auch ein Zeichen gegen problematische ökonomische und soziale Trends. Norddeutschland wächst politisch und wirtschaftlich nicht weiter zusammen – das hatten wir einmal geglaubt und gewünscht. Vielmehr scheint es durch die Sogwirkungen der großen Ballungsräume Stettin, Berlin, Hamburg und Kopenhagen auseinander zu driften und sich aufzuspalten in verschiedene Metropol- und Regiopol-Regionen.

Gleichzeitig verringert sich der gesellschaftliche Zusammenhalt in unserem Land. Viele haben Angst vor dem sozialen Abstieg und glauben, sich Solidarität nicht mehr leisten zu können. Viele sehnen sich auch bei uns zurück nach einer homogenen und scheinbar heilen Gesellschaft. Können nicht glauben, dass Vielfalt in der Gesellschaft nicht Unsicherheit sondern Reichtum bedeutet. Wasser auf die Mühlen der Populisten ist das allemal, das die ermuntert, nun noch einmal Öl ins Feuer zu gießen.

Dies in allen drei Bundesländern, auf deren Gebieten die Nordkirche lebt, doch wohl am stärksten in Mecklenburg-Vorpommern. Längst ist es auch hier im Norden nicht mehr selbstverständlich, dass jede und jeder dazugehört. Erst recht nicht, wenn er als Flüchtling oder Armutswanderer an unsere Türen klopft. Viele sehnen sich als Folge ihrer Zukunftsangst zurück; dass es wieder so werden soll – wie es nie gewesen ist: einfach, überschaubar, homogen. Angesichts mancher bedenklichen Entwicklungen ist die Entstehung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland auch ein zukunftsweisendes Projekt zur Stärkung des Miteinanders in unserem Land.

Damit kann ich gut bei Ihrer Tagung anschließen. Wohltätigkeit - oder wie wir in kirchlicher Sprache eher sagen Diakonie - ist ein Wesensmerkmal des Christentums. Daher halte ich das Thema „Wohltätigkeit im antiken und spätantiken Christentum“, mit dem Sie sich in diesen Tagen beschäftigen, für äußerst relevant. Und es ist lohnend, die Anfänge der Diakonie zu bedenken. Karl Holl sprach vom Christentum der Tat! Und Adolf von Harnack hat einmal festgestellt, dass das karitative Handeln die beste missionarische Maßnahme des frühen Christentums war.

Was bedeutet das heute für das Verhältnis zwischen verfasster Kirche und Diakonischen Werken? Auch in unserer Nordkirche spielt die Diakonie eine zentrale Rolle. Sie ist ein herausragendes Lebenszeichen unserer Kirche. Gerade in einer Zeit, in der das Wissen über Fragen des Glaubens zu verkümmern scheint und die Grundlagen der eigenen Kultur immer weniger selbstverständlich vertraut sind, wird durch die Dienstleistungen der Diakonie der Auftrag der Kirche erkannt. Die Hinwendung zu den Schwächsten; die Versorgung derer, die ohne Assistenz nicht leben können ist das zentrale Anliegen unserer Verkündigung in Wort und Tat. Dass den Armen das Evangelium verkündet ist, spricht Jesus zu Beginn seines Wirkens klar aus – genauso, wie er sich selbst als den Arzt der Menschen bezeichnet. In der Verkündigung der Tat wird den Menschen deutlich, welches Menschenbild uns leitet: Jeder einzelne Mensch hat von Gott geschenkt seine je eigene, unantastbare Würde, die nicht erworben, durch Leistung erkauft oder großzügig gewährt werden kann. Wir stehen als Kirche und Diakonie an der Seite der Schwachen und Elenden, bei denen, die ohne Obdach und ohne Zukunftsaussicht sind. Wir sehen den Gekreuzigten in jedem traumatisierten Flüchtling, in jedem Opfer sexueller Gewalt: Ebenbilder Gottes sie alle wie wir gleichermaßen. Dass Menschenliebe und Gottesliebe zusammengehören, ist ein Zentrum unserer Verkündigung. Und unsere Präsenz in der Gesellschaft ist ein wichtiger Beitrag gegen Menschenverachtung, Respektlosigkeit und Hass.

Gerade in einer Zeit, in der Menschen das sogenannte christliche Abendland meinen verteidigen zu müssen, indem sie gegen kulturelle und religiöse Vielfalt aufbegehren, ist es unerlässlich, immer wieder sachlich und fundiert nach den Wurzeln zu fragen, aus denen wir uns und unseren Glauben und unseren Dienst speisen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich besonders, dass Sie das Plöner Schloss als Tagungsort ausgesucht haben. Es liegt in einer Gegend, die für die Kulturgeschichte Europas von Bedeutung ist. Auf der anderen Seite des Plöner Sees liegt die Kirche von Bosau. Es handelt sich um die erste Bischofskirche dieser Gegend. Wir befinden uns mitten im ehemaligen Gebiet der slawischen Wagrier. Vicelin hat hier nicht nur missioniert, er hat hier auch die ersten kirchlichen Strukturen aufgebaut, zu denen der Bischofssitz von Bosau gehörte. Helmold von Bosau, ein Kirchenhistoriker wie Sie, hat davon ausführlich berichtet. Das Stift in Preetz, 1211 als Benediktinerinnenkloster gegründet, trug zu der Festigung des Christentums in dieser Region entscheidend bei - es ist nicht nur für den Holsteinischen Adel, sondern auch für starke Frauen ein wichtiger Ort in unserer Region gewesen. Ich freue mich, dass Sie diese beiden Orte meiner Kirche noch besuchen werden - auch in dieser winterlichen Zeit werden Sie damit zwei Höhepunkte unserer norddeutschen Kultur kennenlernen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie tagen in einem Schloss, einem Schloss, dass einst den Herzögen von Schleswig-Holstein-Plön als Residenz gedient hat. Ich verschone Sie heute Abend mit der komplizierten Geschichte Schleswig-Holsteins und verzichte darauf, Ihnen zu erklären, wie es zu dieser Linie der Schleswiger Herzogsfamilie gekommen ist. Wir haben uns heute Abend nicht für historische Vorträge getroffen, sondern um den Anlass Ihres Zusammenkommens als Patristiker an diesem Ort angemessen zu feiern. Ich freue mich sehr, dass wir, dem hiesigen genius loci entsprechend, ein kleines Bankett zelebrieren können.

Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein, vertreten durch Landespastor Heiko Nass und ich als Landesbischof der Nordkirche und Vorsitzender der Ersten Kirchenleitung, dürfen Sie dazu einladen. Ich wünsche uns allen nicht nur kulinarische Genüsse, sondern auch gute Gespräche und viele inspirierende Ideen – und Ihnen allen wünsche ich einen guten, gesegneten Verlauf Ihres Kongresses.

 

Datum
03.01.2019
Quelle
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Von
Gerhard Ulrich
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