Zwischen Härte und Stärke im Gefängnisalltag
12. Februar 2026
In der Hamburger Strafvollzugsanstalt "Santa Fu" bietet Birgit Dušková den Insassen Raum für Gespräche. Sie erlebt das Zusammenleben der Insassen nicht als von Härte geprägt, sondern von innerer Stärke.
Der „harte Knacki“ im Gefängnis - das ist ein Bild, das in vielen Köpfen beim Thema Strafvollzug vorherrscht. Amerikanische Gefängnisserien wie „OZ - Hölle hinter Gittern“ oder die deutsche Serie „Der Frauenknast“ vermitteln Eindrücke von Gewalt und Härte im Strafvollzug. Das diesjährige Fastenmotto will zu „Sieben Wochen ohne Härte“ inspirieren. Aber wie kann das aussehen, an einem Ort, der so stark mit Gewalt assoziiert wird, wie ein Gefängnis?

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Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Fuhlsbüttel, umgangssprachlich „Santa Fu“ genannt, ist eine Haftanstalt für Männer mit 384 Plätzen. Sie gehört zum Langzeitstrafvollzug, hier sitzen also Straftäter, die eine Haftstrafe ab drei Jahren verbüßen müssen. Seit Juli arbeitet Birgit Dušková hier als Gefängnisseelsorgerin. Sie veranstaltet Gottesdienste für die Insassen und bietet Raum für Gespräche. „Außerdem biete ich sozusagen ein kleines Büro für Extrabedarfe. Ich kann für die Insassen mal etwas ausdrucken oder eine Briefmarke besorgen, zum Beispiel“, sagt sie.
Ein falsches Bild
„Das Bild vom Strafvollzug ist teilweise stark bestimmt von Nachrichten aus den USA: ständige Auseinandersetzung, Randale, Gangs, die gegeneinander kämpfen.“ Dieses Bild könne Dušková für die JVA Fuhlsbüttel nicht bestätigen. Stattdessen beobachte sie durchaus einen bedachten Umgang unter den Insassen: „Das Typische ist, dass Menschen ziemlich genau darauf achten, wo die Grenze zum anderen ist. Aufpassen, nicht so in den anderen hineinzurennen. Natürlich kommt es auch immer wieder mal zu Spannungen.“
Diese Spannungen seien für die Seelsorgerin aber keine Eigenheit des Strafvollzugs. „Die Gefangenen müssen sich in diesem Gefüge des Gefängnisses natürlich irgendwie positionieren und dafür sorgen, dass sie einen Stand haben.“ Auch in der JVA könne es sonst zu Mobbing kommen, erläutert sie. Gleichzeitig könne sie sich jedoch kein soziales Gefüge vorstellen, in dem das nicht der Fall wäre. „Das fängt mit der Schulklasse an, ist aber auch im Großraumbüro und in der Kirche der Fall.“
Das Bild vom „harten Knacki“ könne die Pastorin deshalb so nicht bestätigen. „In der JVA, so meine Wahrnehmung, ist das Ideal die innere Stärke“, erklärt sie. Und diese zeige sich auch in der Achtung der Grenzen des Anderen. „Wer hier stark ist, der ruht eher in sich, das richtet sich nicht nach außen. Damit, keine Schwäche zulassen zu können oder zu wollen, hat das aber sicher auch etwas zu tun.“
Zwischen Härte und Stärke
Ein besonders sensibles Thema für die Insassen seien zum Beispiel ihre Beziehungen „nach draußen“, also zur Familie, zu Partnerinnen oder Partnern und zu Kindern. „Da zeigen sich die Insassen besonders verletzlich. Darüber mal sprechen zu können, das verarbeiten zu können, dafür ist auch die Seelsorge da.“
Mit Dušková könnten die Insassen also über alles sprechen, was sie im Gefängnisalltag beschäftigt. Der Grundsatz ihrer Seelsorge sei es, „den Menschen zu ermutigen, diese Stärke aus sich selbst zu ziehen und auf sich zu vertrauen“. So weiß die Pastorin auch, wie die Insassen diese innere Stärke in ihrem Leben im Gefängnis entwickeln: „Indem sie sich selbst eine Struktur geben können und auf ihre Gesundheit achten, sich Ziele setzen, an etwas arbeiten.“
Vor ihrer Tätigkeit in der JVA hat die Pastorin als Seelsorgerin in der Abschiebehaft gearbeitet. In ihrer Arbeit als Gefängnisseelsorgerin habe Dušková gelernt: „Ein Leben ganz ohne Härte, das ist ein Privileg. Menschen werden in harte Lebenssituationen gebracht, die sie sich nicht ausgesucht haben.“
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Die Stärke, die sie in der JVA täglich beobachte, sei oft auch erforderlich, um mit solchen harten Situationen, wie etwa dem Leben im Gefängnis, umzugehen. „Natürlich geht es bei diesem Gedanken nicht darum, eine Art toxische Empathie für die Tat selbst zu entwickeln.“ Trotzdem sei es ihr wichtig, den Insassen nicht vorschreiben zu wollen, wie sie ihr Leben hinter Gittern gestalten. Denn: „Woher weiß ich denn, wie man im Langzeitstrafvollzug klarkommen kann?“
