Bonhoeffer-Die letzte Stufe Filmabend und Gespräch
Sa, 8. November 2025 19:30
Uhr
Kompassgemeinde Gemeindehaus Schilksee |
Ankerplatz 1 | 24159 Kiel
Leitung: | Pastor Jens Voß |
Veranstalter: | Ev.-Luth. Kompass-Kirchengemeinde |
Vor 80 Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer im Konzen-
trationslager Flossenbürg hingerichtet. Mit seinem
ganzen Leben gab Bonhoeffer in beeindruckender
Weise ein Zeugnis für Zivilcourage und gelebtes Christsein.
Es begann mit einer steilen Karriere: Der junge Theologe war
schon Hochschullehrer, bevor er das für den Pfarrerberuf nö-
tige Mindestalter von 25 Jahren erreicht hatte. Nach einem
Vikariat in Barcelona ging er nach New York und lernte in den
schwarzen Gemeinden Harlems die Bewegung des ‚social
gospel‘ kennen. Zurück in Deutschland wurde er Privatdozent
und Studentenpfarrer in Berlin und war als Jugendsekretär
des "Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen“ aktiv.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde
alles anders. Am 1. Februar – dem gleichen Tag, an dem Hitler
seine erste Rundfunkansprache hielt – sprach Bonhoeffer
im Radio offen über „Wandlungen des Führerbegriffes“ und
warnte davor, dass der Führer zum Verführer werden könne.
Die Übertragung wurde mitten im Vortrag abgebrochen.
Aber nicht nur die politische Obrigkeit brachte Bonhoeffer
mit seinen offen Äußerungen gegen sich auf, sondern auch
die kirchliche. In dem Vortrag „Die Kirche vor der Judenfrage”
empörte er viele evangelische Kollegen durch die Forderung
an die Kirche, sich auf die Seite der Juden zu stellen und
„nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern
dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.”
Als man Bonhoeffer 1933 eine Pfarrstelle in London anbot,
griff er zu. So war er zunächst von außen Zeuge des Kirchen-
kampfes, der in Deutschland entbrannte: Gegen die dem Na-
tionalsozialismus gleichgeschalteten ‚Deutschen Christen‘
formierte sich die ‚Bekennende Kirche‘. Bonhoeffer selbst
nahm im August 1934 an einer internationalen ökumeni-
schen Konferenz auf der dänischen Insel Fanø teil, es wurde
immer deutlicher, dass er dem Geschehen in Deutschland
nicht länger von außen zusehen konnte. In einem Vortag
fragt er: „Worauf warten wir noch? Wollen wir selbst mit
schuldig werden wie nie zuvor? Wir wollen reden zu die-
ser Welt, kein halbes, sondern ein ganzes Wort, ein mutiges
Wort, ein christliches Wort. Wir wollen beten, dass uns die-
ses Wort gegeben werde – heute noch – wer weiß, ob wir uns
im nächsten Jahr noch wiederfinden?“
Im folgenden Jahr kehrte Bonhoeffer nach Deutschland zu-
rück und übernahm die Ausbildung des theologischen Nach-
wuchses der Bekennenden Kirche. Nachdem das Prediger-
seminar Finkenwalde 1937 geschlossen wurde, führte er
diese Arbeit verdeckt fort, bis die Gestapo 1940 sie endgültig
unterband. Die Berufung auf einen Lehrstuhl in New York
lehnte Bonhoeffer ab, weil er sich den Herausforderungen in
Deutschland nicht durch die Flucht ins Exil entziehen wollte:
„Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine
christlichen Haltungen. Den Christen rufen nicht erst die Er-
fahrungen am eigenen Leibe, sondern die Erfahrungen am
Leibe der Brüder, um derentwillen Christus gelitten hat, zur
Tat und zum Mitleiden.“
Durch seinen Schwager Hans von Dohnanyi bekam Bonhoeffer
Kontakt zu Admiral Wilhelm Canaris, Leiter des militärischen
Geheimdienstes und wichtige Schlüsselfigur im Widerstand
gegen Hitler. Obwohl er seit 1941 wegen seiner „volkszerset-
zenden Tätigkeit“ Rede- und Schreibverbot hatte, wurde er
aufgrund seiner Auslandskontakte als unabkömmlicher Mit-
arbeiter der Abwehr eingestellt. Auf seinen Reisen gelang es
ihm, wichtige Informationen des Widerstands ins Ausland zu
schaffen.
Nach mehreren fehlgeschlagenen Anschlägen des Wider-
stands auf Hitler wurde Dietrich Bonhoeffer am 5. April 1943
wegen „Wehrkraftzersetzung“ in Untersuchungshaft genom-
men. Nachdem dann im April 1944 das Attentat Stauffen-
bergs scheiterte, deckte die Gestapo auch die Verbindung
Bonhoeffers zum Widerstand auf. Er wurde zunächst in der
Gestapo-Zentrale inhaftiert, 1945 ins KZ Buchenwald über-
stellt und am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet.