Segensworte und Erbauliches - jeden Sonnabend

Wir wünschen Ihnen Zeit zum Kraftschöpfen mit Gottes Segen.

8. August 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Der Klang der Friedensglocke von Hiroshima bewegt mich jedes Jahr tief. Auch am Donnerstag war das so, als 75 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima der fürchterlichen Folgen gedacht wurde: Der unendlich vielen Toten. Der bald darauf Gestorbenen. Der unter den Folgen der Bombe lebenslang leidenden Überlebenden. Der Zerstörung der Stadt und ihrer Umgebung.

Die Glocke von Hiroshima mahnt uns alle zum Frieden. Mahnt uns, Atomwaffen zu ächten. Atomwaffen, wie sie neun Staaten auf dieser Erde besitzen und einsetzen könnten. Mir graust es bei diesem Wissen.

Morgen wird an die Opfer der zweiten Atombombe 75 Jahren erinnert. Die Stadt Nagasaki traf es ebenso ohne Vorwarnung wie zuvor Hiroshima. Auch in dieser Stadt und in ihrem Umkreis wurde fast alles Leben vernichtet und bis in unsere Tage leiden Menschen und Natur unter den Folgen.

Genau zwischen diesen beiden Tagen wird heute das Augsburger Hohe Friedensfest gefeiert. Seit 370 Jahren erinnert dieses Fest an den Religionsfrieden zwischen Protestanten und Katholiken nach ihrem drei Jahrzehnte währenden Krieg im 17. Jahrhundert.

Seit damals leben Protestanten und Katholiken in unserem Land friedlich zusammen. Seitdem ist auch klar, wie unendlich kostbar und wertvoll ein friedliches Miteinander ist. Auch und besonders ein friedliches Miteinander aller Religionen.

Drei Tage in dieser Woche mahnen uns, Frieden zu schaffen. Ich will tun, was in meiner Macht steht, um Frieden zu schaffen, Wettrüsten zu beenden und Atomwaffen auf immer zu ächten. Und ich bete: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unsern Zeiten.“

Ein friedvolles Wochenende wünsche ich Ihnen!

Ihre 
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

25. Juli 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

ohne Corona würde morgen normalerweise das traditionelle Friedensfest auf dem Ohlsdorfer Friedhof stattfinden. Auf ganz besonders anrührende und lebensnahe Weise gedenken die Hamburger der Opfer, der Gefallenen und auch der Überlebenden des 2. Weltkrieges, betrauern das Leid und würdigen ihren Mut. Vor fünf Jahren, zum 70. Geburtstag des Friedens, durfte ich hier schon einmal eine Rede halten.

Dieses Jahr hätte ich gern von meiner Mutter erzählt, die uns Kindern prägende Bilder von ihrem Friedensfest 1945 mitgegeben hat: Wie sie als Flüchtling am 8. Mai 1945 endlich in Uetersen ankam. Total erschöpft.

Es gab friedensfrohe Menschen, die ihr zu essen und zu trinken gaben. Und diese großartige Geschichte, wie sie mit ihrer Freundin Ille, mit der sie diese Flucht durchgestanden hat, auf einmal unter der Friedenseiche anfing zu tanzen. Mit  Stiefeln und Wintermantel, bei brütender Hitze. Sie hatte so viel durchlebt: Bombenhagel, zertrennte Familien, grauenhafte Gewalt und die ständige Angst, ob sie den morgigen Tag erlebt.

Das ist jetzt 75 Jahre her. Was wäre aus uns allen geworden, hätten damals nicht so viele Menschen geholfen? Sicherlich, es gab auch Ablehnung gegenüber den Flüchtlingen. Doch viel mehr noch erinnere ich Geschichten meiner Mutter von Erbarmen und Herzlichkeit: Bauern, die extraschöne Kartoffeln zum Sammeln auf den Feldern ließen. Milch, die morgens vor der Zimmertür stand. Freundschaften, die ein Leben lang hielten.

Für mich ist das Evangelium pur. Die Aufnahme von Menschen auf der Flucht ist tief verwurzelt in unserem christlichen Glauben. Jeder fliehende und bei uns Hilfe suchende Mensch hat eine unverlierbare Würde. Es ist mein mütterliches Erbe und ich höre dabei immer Jesus, der uns gesagt hat: „Ich war ein Fremder und ihr habt mich aufgenommen.“

In diesem Sinne grüßt Sie friedvoll
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

18. Juli 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

erinnern Sie sich noch an die Wochen im Frühjahr, als nahezu täglich Veranstaltungen abgesagt werden mussten? Meist hieß es dann: Das holen wir nach. Später, wenn die Einschränkungen nicht mehr gelten, wenn die Pandemie vorbei ist. Der Kopf ahnte, dass das eine sehr vage Hoffnung sein könnte. Das Herz aber wollte getröstet werden. 

Inzwischen ist vieles nachgeholt worden, wenn auch in ganz anderer Form. Es gab Konfirmationen am Gartenzaun und viele andere kreative Ideen analog wie digital sind viele auf Veränderungskurs. Gut so!. Die andere Seite dabei: Es gibt das nicht Nachholbare. Das einsame Sterben, die nicht gepflegten Kontakte und die nicht gelösten Konflikte. Es gibt Rückstände in der Schule oder in der Ausbildung, die sich auswirken werden. Es gibt Arbeit, die verloren bleibt, und tiefe Unsicherheit. 

Das Virus hat erfahrbar gemacht, wie verletzlich wir sind und wie endlich das Leben ist. Es lässt sich eben so vieles nicht mehr nachholen. Manchmal ist aufgeschoben doch aufgehoben. Deswegen verspricht die christliche Hoffnung keine Wiedergeburt, kein „Reset“ für das Leben.

Christliche Hoffnung weiß um das unwiederbringlich Verlorene. Sie geht aber ganz fest davon aus, dass Gott immer wieder Anfänge schafft. Gott hält am Leben fest, allen Krisen und allen Pandemien zum Trotz. Darauf gründet sich die Hoffnung, die Paulus so schön in Worte gefasst hat: „Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.“ Also: nicht aufschieben das Leben, leben wir‘s  jetzt!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten hoffnungsfrohen Sommer-Sonnabend und grüße Sie herzlich 

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

11. Juli 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

muss dieser Kerl mich mit seiner Kelle ausgerechnet jetzt rauswinken! Ich habe es doch eilig. Ja, ich war zu schnell. Aber ich habe doch niemanden gefährdet oder behindert! Die Wut steigt in mir hoch, als ich auf den Polizeibeamten zufahre. Der weist mich freundlich, aber bestimmt auf mein Vergehen hin, nennt sachlich die Summe, die ich zu berappen habe, und wünscht mir eine gute weitere Fahrt.

Auf dieser Weiterfahrt meldet sich ein neues Gefühl: Ich schäme mich. Wieso traf meine Wut diesen Polizisten? Er hat seinen Job gemacht, korrekt und in verbindlichem Ton. Kein Grund, mich aufzuregen. Ich hätte auch fünf Minuten eher losfahren können, entspannt.

Und zu meiner eigenen Überraschung kommt sogar noch eine weitere Emotion bei mir ins Spiel: Dankbarkeit. Auf einmal bin ich denjenigen dankbar, die für Ordnung in unserem Land sorgen, Straftäter dingfest machen und mich schützen. Sie sind Menschen wie du und ich, Gottes Geschöpfe, mit einer dünnen Haut unter der Uniform, die einer sehr herausfordernden Tätigkeit nachgehen. Diese Menschen werden – ebenso wie Rettungskräfte – beschimpft, bespuckt und bedroht.

Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern …?

heißt es beim Propheten Maleachi (2,10).

Es mag sein, dass ich noch einmal die Höchstgeschwindigkeit missachte. Doch ich respektiere die Menschen, die über die Einhaltung der Gesetze wachen. Ich bin froh, dass es sie gibt.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht
Ihr Bischof Tilman Jeremias

04. Juli 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie das? Sie entdecken ein Buch, das Sie absolut spannend finden, und klicken auf ‚jetzt kaufen‘. Am Ende heißt es aber ‚nie lesen‘, weil Sie kaum Muße finden, sich darin zu vertiefen. Ich habe jetzt beschlossen: In diesem Sommer wird das anders!

In diesem Sommer freue ich mich auf Jenta. Sie ist die Heldin des Romans, den ich im Urlaub zu Ende lesen möchte: „Die Jakobsbücher“ von Olga Tocarczuk. Ich liebe diesen Roman, weil er mich mit einem ganzen Chor aus unterschiedlichen Figuren umstellt. Jenta ist sozusagen die Chorleiterin, die mich entführt in eine turbulente Handlung mit farbenfrohen Schauplätzen und sehr lebendigen Figuren, erzählt mit fantasiebegabter Leidenschaft für das goldene Zeitalter des Barock.

Vor allem fasziniert mich Jenta durch die Glaubenswelten, die sie betritt. Der lebendige Austausch zwischen den Religionen, Judentum und Christentum, ist so vergnüglich dargestellt, dass es mich fast wieder traurig stimmt. Weil ich genau diese Lust gegenwärtig vermisse: Einander zu begegnen, sich über Gott auszutauschen und das friedliche Zusammenleben der Religionen als Bereicherung zu verstehen. .

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, heißt es im Buch der Bücher. Das hat Olga Tocarczuk in ihrem Roman so gut aufgenommen, dass ich ihn verschlingen kann:  „Die schwarze, eigens verfertigte Tinte verwischt, verschwimmt, die Buchstaben verlieren ihre Form, das Wort wird im Körper befreiender Geist.“ So nimmt Jenta Gottes Wort in sich auf. Nicht ihr Wissen macht sie klug, sondern der Austausch darüber. 

Das wünsche ich Ihnen in diesem Sommer: Muße für ein gutes Buch und überraschende Begegnungen darin. Befreien Sie Königin Waschti im biblischen Buch Ester aus ihrem Schattendasein. Besuchen Sie eine skurrile Figur wie Johannes, den Täufer, in der Wüste. Das geht sogar kostenlos in den Online-Bibeln im Netz. 

Möge uns Gott Muße, Trost, Neugier und Staunen schenken, wie geistreich seine Schöpfung sein kann. Und die Lust, davon einander zu erzählen.

Einen behüteten Sommer wünscht Ihnen  
Kristina Kühnbaum-Schmidt
Landesbischöfin aus Schwerin

27. Juni 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Mann steht bis zu den Hüften im Wasser, mit wild zerzaustem Haar, ringenden Händen und einer Vision – so stelle ich mir Johannes, den Täufer vor. Jedes Jahr am 24. Juni feiern wir seinen Gedenktag. Er war ein Rebell seiner Zeit, berühmt, aber auch besonders, voller Feuereifer predigte er das nahende Gottesreich, faszinierend hoffnungsmutig. Wir müssen uns ändern, so kann es nicht weitergehen. Das war seine Botschaft: Umkehr in die Zukunft! Als hätte er damals schon etwas gewusst von dieser Corona-Zeit mit all ihren Unsicherheiten.

Doch das Reich kam anders als von ihm gedacht. Nicht als hereinbrechende Apokalypse, sondern zwischen und mitten den vielen kleinen und großen Täuflingen auf dieser Welt. Es war und ist überall da, wo Menschen liebevoll und wachsam für einander sind. Wer getauft wird, ist Teil der großen und lebendig machenden Gemeinschaft Gottes, die tröstet und stärkt. Wer so getauft wird, wird zugleich Mitglied der Kirche. 

An diesem Wochenende wurde veröffentlicht, dass 2019 sehr viele Menschen aus der Kirche ausgetreten sind. Mich beschäftigt und besorgt das seit langem. Zumal mir in Gesprächen auffällt, dass viele gar nicht wissen, wer oder was „Kirche“ wirklich ist und welche Arbeit von uns getragen und (mit)finanziert wird. Diakonie und Obdachlosenarbeit, Seemannsmission, Krankenhausseelsorge, Pfadfinder, Gospelchöre und Weihnachtsoratorien, Kitas, Flüchtlingshilfe, Lebensberatungsstellen – alles das gäbe es ohne Kirche nicht. Wir sind eine Solidargemeinschaft, die die Unterstützung vieler braucht, damit sie sich weiter stark machen kann für die Schwachen.

Über 80.000 Ehrenamtliche und viele Hauptamtliche in der Nordkirche leisten - oft im stillen Raum Seelsorge, schützen Menschen, fördern Dialoge und Zusammenhalt. Und so sind wir auch eine Wertegemeinschaft, die wir in dieser unsicheren Zeit brauchen! Deshalb meine herzliche Bitte: Tretet nicht aus. Sprecht mit uns, fragt kritisch nach. Auch Kirche muss sich stetig verändern. Umkehr in die Zukunft ist angesagt, auch bei uns. Lasst uns gemeinsam daran mitwirken, dass die Stimme der Nächstenliebe in diesem Land nicht leiser wird.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit.
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

20. Juni 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gute Worte. Segensworte auf dem Weg durch den Alltag. Auch ich sehne mich danach, dass mir solche Worte gesagt werden. Dass ich sie zu hören und zu lesen bekomme. Wobei ich unter guten Worten keine Schönrederei verstehe. Auch kritische Worte können ja gut und segensreich wirken.

Wenn aber Menschen mit Worten ihren Hass über andere ausschütten, sie bedrohen und dafür noch Zustimmung ernten, insbesondere im weltweiten Netz, und sich dabei  in der Anonymität sicher fühlen, dann ist das nicht Kritik, sondern Hetze.

Künftig muss mit härteren Strafen rechnen, wer Menschen im Netz beleidigt, ihnen Gewalt androht, Hass-Posts verbreitet, sexuelle Übergriffe ankündigt oder den Aufruf zu Gewalt durch seine Likes billigt. Das hat der Bundestag in dieser Woche beschlossen. Beleidigungen im Netz, wie sie auch im öffentlichen Raum unter Strafe stehen, können dann mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.

Denn egal ob Hass und Hetze im Netz oder auf der Straße stattfinden – die schmerzhaften und z.T. auch schrecklichen Folgen erfahren Menschen ganz real. Im eigenen Alltag. Am eigenen Leib. An der eigenen Seele. 

Real aber ist auch, was wir an Wertschätzung, Zuneigung, Ermutigung und Trost im Netz einander weitergeben. Ich glaube: Es gibt keinen Bereich unseres Lebens, wo wir nicht von Gottes unbeirrbarer Liebe umgeben sind.

Lassen Sie uns deshalb diese Liebe einander weitergeben. Mit guten Worten. Mit Segensworten, wie ich sie Ihnen heute sagen möchte: Geh deinen Weg in der Kraft, die Gott dir schenkt. Halte Ausschau nach der Liebe. Die Barmherzigkeit Christi umhülle dich. Gottes Geist stärke dich. Geh deinen Weg in Frieden!

Ein behütetes Wochenende wünscht Ihnen
Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

13. Juni 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ferienzeit! Wahrscheinlich haben viele von uns den Urlaub noch nie so dringend gebraucht wie dieses Jahr. Die Anspannung im dauernden Ausnahmezustand, Home Office und Schule zu Hause, Sorgen um die Zukunft, Angst vor der Infektion.

Viele Menschen sind einfach nur fertig und sehnen sich nach Strandkorb, Durchatmen, Entspannen. Nach der Fülle des Lebens, der Schönheit des Lebens.

Wie gut, dass schöne Orte bei uns nicht weit weg sind. Fernreisen gehen nicht, und sicher bleiben auch beim Urlaub vor der Haustür genug Einschränkungen. Aber Pause muss sein, dringend. Die Türen zahlreicher Kirchen im Land sind weit offen, für einen Moment der Ruhe, um eine Kerze anzuzünden, für ein kleines Konzert oder einen Gottesdienst.

Die Seele soll auftanken in der kommenden Sommerzeit:

„Ja, ich ließ meine Seele still und ruhig werden; wie ein kleines Kind bei seiner Mutter, wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.“

heißt es in Psalm 131.

Ich wünsche Ihnen einen erholsamen und gesegneten Urlaub!

Ihr Bischof Tilman Jeremias

06. Juni 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. 

Welches Wort könnte besser passen! Heute feiern wir in Rendsburg die ersten beiden von insgesamt fünf Gottesdienste zur Ordination der neuen jungen Pastorinnen und Pastoren im Sprengel. 

Am Anfang ihres Wirkens im Pfarramt mit seinen vielfältigen und herausfordernden Aufgaben werden sie im Gottesdienst gesegnet. Zugleich werden sie berufen und in die verschiedenen Gemeinden im ganzen Land entsandt. Darin zeigt sich eine wichtige Grundlage unseres Glaubens: Was wir tun – und das gilt für jede und jeden von uns – beginnen wir nicht mit uns selbst, sondern mit dem Segen Gottes. Der Segen ist der Ort absoluten Angenommen-Seins. Es leuchtet Gottes Angesicht über uns. Der Segen ist ein Ort des Friedens, in dem unser Leben geborgen ist.  Er bewahrt uns nicht vor dunklen oder schweren Zeiten – aber er gibt die Zuversicht, dass wir getrost in unseren Alltag gehen können. Er vergewissert uns, dass Gott uns  die nötige Kraft verleiht, das Leben zu bestehen und für das Gute zu wirken. 

So freue ich mich als Bischof gemeinsam mit meinen Bischofsgeschwistern auf die kommenden Ordinationsgottesdienste, die wir zwar mit begrenzter Teilnehmerzahl, aber so festlich wie möglich feiern werden. Vor allem freue ich mich auf die neuen Pastorinnen und Pastoren, die mit frischen Ideen und großer Offenheit für Bewährtes und Neues kommen. Gottes Segen möge sie und uns alle begleiten!

Ihr Bischof Gothart Magaard

30. Mai 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

beschwingt und ein bisschen wehmütig: So ist Pfingsten 2020 für mich. Pfingsten 2019 haben wir gemeinsam und fröhlich in Schwerin meine Einführung als Landesbischöfin gefeiert. Mit einem tollen Fest! Wir hatten Gäste aus der ganzen Welt, und viele, die nicht anreisen konnten, waren durch die Fernsehübertragung live verbunden. 

Ja, ich schwelge ein bisschen. Und merke, wie anders Pfingsten in Corona-Zeiten ist. Wir sind nicht an großer Zahl gemeinsam an einem Ort. Aber auch in diesem Jahr feiern wir, was uns verbindet, in vielen Formen und Sprachen: Gottes Geist. Sein Geist beflügelt und beschwingt. Und lässt uns alle eins sein. Unabhängig davon, wie weit entfernt wir voneinander leben oder wie viel Abstand wir zueinander halten müssen.

In Gottes Geist sind wir alle eins – auch wenn wir uns nicht immer einig sind. Aber wir alle leben aus seinem Geist der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens. Wir sind eins, weil wir alle Gottes geliebte Geschöpfe sind. Weil wir in Christus alle versöhnte Geschwister sind. Weil wir alle durch Gottes Geist Verantwortung für übernehmen. Für die Weitergabe des Evangeliums in Wort und Tat. Uns stark machen für Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Und nicht aufhören uns nach Gottes schöpferischer Geisteskraft zu sehnen, die auch das dunkelste Dunkel hell und hoffnungsvoll machen kann. 

So bitte ich auch dieses Jahr mit den Worten eines Pfingstliedes: „Komm Gott Schöpfer, Heiliger Geist, besuch das Herz der Menschen dein.“ Ich sehne mich nach Gottes Geisteskraft. Und danach, dieses Lied bald wieder singen zu können. Gemeinsam und voller Sehnsucht.

Von ganzem Herzen wünsche Ihnen gesegnete und frohe Pfingsten!

Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

23. Mai 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

oft höre ich den Satz: „Ich will mein altes Leben zurück.“ Als wir noch uneingeschränkt einander begegnen, die Großeltern besuchen, miteinander arbeiten, reisen und Feste feiern konnten und als die Kinder unbeschwert miteinander spielen konnten. 

Von vielem mussten wir uns in dieser Zeit verabschieden, auf vieles verzichten. Und ganz neue Dinge bedenken und lernen. Jetzt können wir – glücklicherweise wieder – Gottesdienste in den Kirchen feiern, aber immer mit Abstand und ohne Singen und herzliches Gespräch bei einer Tasse Kaffee im Anschluss. 

Es gibt viele Unsicherheiten und es bleibt ungewiss, wie sich die nächsten Wochen und Monate gestalten. Ist dies alles eine Zwischenzeit oder die neue Normalität?
Der Sonntag „Exaudi“ symbolisiert eine Zwischenzeit. 

Nach dem Abschied Jesu blieben die Jüngerinnen und Jünger ratlos zurück. Wie sollte es weitergehen? Der Geist Gottes wurde ihnen als Tröster und Helfer versprochen. Aber noch lebten sie zurückgezogen und warteten. Wie es Durststrecken im Leben mit sich bringen. Es braucht Zeit: Der Abschied muss verkraftet werden, Neues muss wachsen. Es ist die Zeit, Gott um seinen Geist zu bitten. 

So auch für uns: Es ist die Zeit, Altes zu bedenken, neue Möglichkeiten herauszufinden und eigene Kräfte anders einzusetzen. Es ist die Zeit, das Leben für die Zukunft zu verändern. Das kann eine individuelle, ebenso eine gesellschaftspolitische Entscheidung sein. 

„Der Geist hilft unserer Schwachheit auf!“ ermutigt Paulus. Bitten wir, dass Gottes Geist uns stärken möge, das neue Leben aus Gottes Hand zu nehmen. 

Ihr Bischof Gothart Magaard

16. Mai 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Katholiken, Protestantinnen, Juden, Muslime, Budhistinnen und Bahaí vereint im Gebet: Wie so oft in diesen Tagen kommen die heilsamen Worte per youtube. Ein wenig verwackelt mit dem Handy oder der Kamera des PC aufgenommen. Umso beeindruckender ist der Inhalt: Gläubige aller Religionen waren am Donnerstag zu einem weltweiten Gebetstag für die Überwindung der Pandemie aufgerufen.

Und der Runde Tisch der Religionen in Deutschland hat dafür ein Video produziert. Da treten nacheinander ein katholischer Bischof, eine evangelische Bischöfin, nämlich meine Hamburger Kollegin Kirsten Fehrs, ein Rabbiner, zwei Vertreter des Zentralrats der Muslime, eine Buddhistin und eine Vertreterin der Bahaí in Deutschland auf. Sie beten vor der Kamera, auf Deutsch, auf  Hebräisch und auf Arabisch, sie singen und sie sprechen.

Hier wird klar: Beten ist eine universelle Sprache. Das Beten verbindet die Religionen, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Das Anliegen verbindet die Beterinnen und Beter. Alle bitten um Linderung der Leiden in Corona-Zeiten, um wirtschaftliche Erholung, um einen möglichst bald gefundenen Impfstoff. Im Gebet sprechen führende Vertreterinnen und Vertreter der Religionen eine Sprache. Sie reden zu Gott und treten für die Menschen in unserem Land ein, besonders diejenigen, die es gerade schwer haben.

Morgen ist „Rogate“, der Sonntag des Gebets. Er erinnert uns, wie viel Kraft darin liegt, still zu werden vor Gott, die Hände zu falten und fürbittend an andere Menschen zu denken. Solches Gebet verbindet uns über Ländergrenzen und Religionsgrenzen hinweg. 

Gebet der katholischen Europäischen Bischofskonferenzen

Gott Vater, Schöpfer der Welt,
du bist allmächtig und barmherzig.
Aus Liebe zu uns hast Du Deinen Sohn
zum Heil der Menschen an Leib und Seele
in die Welt gesandt.
Schau auf Deine Kinder,
die in dieser schwierigen Zeit der Prüfung und Herausforderung
in vielen Regionen Europas und der Welt
sich an Dich wenden,
um Kraft, Erlösung und Trost zu suchen.
Befreie uns von Krankheit und Angst,
heile unsere Kranken,
tröste ihre Familien,
gib den Verantwortlichen in den Regierungen Weisheit,
den Ärzten, Krankenschwestern und Freiwilligen Energie und Kraft,
den Verstorbenen das ewige Leben.
Verlasse uns nicht im Moment der Prüfung,
sondern erlöse uns von allem Bösen.
Darum bitten wir Dich,
der Du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist
lebst und herrschst bis in alle Ewigkeit.
Amen.

Ihr Bischof Tilman Jeremias 

9. Mai 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 8. Mai jährt sich zum 75. Mal das Ende des Zweiten Weltkriegs. Dieses Datum reiht sich ein in die Erinnerung an die letzten Wochen der Nazi-Diktatur und ihrer Opfer und an die Befreiung der Konzentrationslager. Und ich überlege, wie mich dieses Datum und seine Deutung geprägt hat. 10 Jahre nach Kriegsende geboren erinnere ich mich an meine langsam erwachende Aufmerksamkeit für dieses Datum und seine Deutung  in meiner Jugend. Ich erinnere mich an Schweigen, Diskutieren und Streiten.

Was mich in den letzten Jahren beschäftigt und berührt hat? Die Begegnungen in der KZ-Gedenkstätte Ladelund mit den Menschen aus Putten in Niederlanden und Einzelnen, die überlebt haben, und die Versöhnungsgeschichte, die daraus erwuchs.  Und das Friedensgebet zusammen mit meinem englischen Bischofsbruder Christopher Cocksworth aus Coventry auf dem britischen und deutschen Soldatenfriedhof in Kiel, das Nagelkreuz aus Coventry in St. Nikolai in Kiel bereits seit 1947 und die Friedensgebete bis heute. 

„Das Gegenteil von Erinnerung und Gedächtnis ist nicht Vergessen, es ist: Gleichgültigkeit“, sagt Elie Wiesel.  Mit unserem  Gedenken treten wir der Gleichgültigkeit entgegen. In diesem Jahr kaum gemeinsam an besonderen Orten,  und doch verbunden miteinander. Und wir werden dabei aufmerksam für die Gegenwart: Wir wollen nicht hinnehmen, wenn sich Menschenverachtung und Antisemitismus wie in Hanau oder Halle in unserem Land breit machen. Wir wollen unsere Kinder und Jugendlichen zu  demokratischem Denken ermutigen. Wir wollen Solidarität leben in Europa und weltweit. 

Das Gedenken am 8. Mai ruft uns alle auf,  für eine Welt des Friedens, der Freiheit und der Menschenwürde zu streiten. Für diese Grundwerte müssen wir mutig einstehen.

Ihr Bischof Gothart Magaard

2. Mai 2020

Liebe Freundinnen und Freunde,

Solidarität ist immer ein Weg, kein Zustand. Da muss geredet, verhandelt, manchmal auch gerungen werden. Auch und gerade jetzt in Corona-Zeiten, in denen viele um ihre Arbeit und Existenz bangen.

Mir geht das nahe – das Corona-Virus macht bewusst, wie wichtig Arbeit ist und die Erfahrung, sinnhaft mitwirken zu können in dieser Gesellschaft. Und wie wichtig es ist, die zu würdigen, die viel zu oft im Schatten bleiben: All die in den Supermärkten, Apotheken, Krankenhäusern, Heimen, Schulen, Unis, Kitas, der Stadtreinigung. Danke ihnen allen: sie prägen das soziale Gesicht unseres Landes!

So erzählt eine Unternehmerin: „Wir bekommen von unseren Kunden ganz viel Zuspruch. Sie sagen uns: Wir müssen unbedingt bestehen bleiben. Es tut gut, zu wissen, dass man nicht allein ist. Darum ist Hoffnung derzeit das überwiegende Gefühl, was ich habe.“

Hoffnung wie diese Unternehmerin empfinden sicherlich nicht alle; Angst um die Existenz geht auch ziemlich an die Seele. Umso wichtiger ist es, das Motto für den 1. Mai, an dem wir sonst normalerweise gemeinsam auf die Straße gehen würden, ins Leben und ins Laufen zu bringen: „Solidarisch ist man nicht allein.“

Dieses Motto trifft ja den Nerv. Trotz der Vereinzelung, die wir gezwungenermaßen erleben durch Kontakteinschränkungen und Home-Office, müssen wir aktiv dranbleiben, um neue Formen des Miteinanders zu entwickeln. Das ist die Aufgabe der Zukunft.

Nur Technik allein macht es nicht – auf dem Weg der Gerechtigkeit ist´s das Team, die Gemeinschaft das, was zählt. Dies hätte ich auch bei dem Gottesdienst am 1. Mai gesagt, der ja inzwischen schon eine kleine Tradition ist, und auf den ich mich schon im nächsten Jahr freue.

Morgen feiern wir stattdessen einen besonderen Radiogottesdienst, um 10 Uhr auf NDR Info, in dem Menschen aus den verschiedensten Berufsgruppen zu Wort kommen – und Hoffnung machen. Denn das gilt: Solidarisch ist man nicht allein.

Darum wünsche ich Ihnen ein solidarisch-lebendiges und gesegnetes 1. Mai-Wochenende. Bleiben Sie behütet!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

25. April 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Ich bin traurig, dass ich diesen Sonntag meine Konfirmation nicht mit meiner Familie und meinen Großeltern feiern kann. Ich hoffe sehr, dass ich sie im Sommer wiedersehen kann.“ So sagt es Julian, 14 Jahre, aus Hamburg – einer der vielen Jugendlichen, die sich so sehr auf ihre Konfirmation gefreut hatten.

Dieses Wochenende wäre es für viele soweit gewesen. Mit Maiglöckchen und erster Krawatte, aber vor allem: Segen. Für das Leben, für die Zukunft, für die Gemeinschaft, die wir als Christinnen und Christen miteinander leben.

Ein Segensfest der Lebendigkeit, in dem die Jugendlichen sagen: "Mit Gottes Hilfe sage ich Ja zu meiner Taufe, bestätige sie – das heißt ja Konfirmation, confirmare – und setze damit heute einen neuen, heiligen Beginn." Ein Fest des Lebens und des Bekennens.

Doch die Konfirmationen wurden abgesagt. Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden und ihre Familien und Freundinnen und Freunde bedeutet das einen ganz großen Schmerz. All die Planungen, all die Freude auf dieses bedeutsame Fest! Doch es ist ja nicht alles abgesagt: vielleicht können wir nicht feiern, wie wir es uns vorgestellt haben.

Aber Gottes Segen lässt sich von einem Virus nicht aufhalten. Sondern er wirkt in der Verbundenheit, die wir füreinander und untereinander empfinden. Er spannt sich wie ein Regenbogen über unser Leben, über das Hier und Jetzt. Und ich merke: wir sind beieinander in diesen Tagen. Und Gott ist mit uns.

Also, warum nicht trotzdem im Geiste zusammenkommen, über jede Entfernung hinweg. Nehmt euch den Raum und betet zusammen. Singt gemeinsam. „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen.“ So heißt es im Gesangbuch unter der Nummer 170. Und weiter: „Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder weinen wird gesegnet sein.“ Denn Segen, lebendige Gemeinschaft und Liebe - sie alle sind mitten unter uns. Trotzdem. Und sie lassen sich nicht aufhalten. Daran glaube ich.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

18. April 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

in diesem Jahr war Ostern ganz anders. Die Gottesdienste haben mir gefehlt und die Musik und die Gemeinschaft, auch in der Familie. Zugleich habe ich ganz anderes, überraschend Österliches erlebt. Es gab viel Aufmerksamkeit für das, was Ostern bedeutet. Großes Interesse und Offenheit waren zu spüren. 

An vielen Orten wurden  Gottesdienste und  Andachten ins Netz gestellt und unzählige, kreative Ideen sind entstanden: Ostersteine, Ostergrüße und Osterglocken... In den Zeitungen wurde die Osterbotschaft unübersehbar platziert. Beim Einkaufen wurde ich angesprochen: „Danke für die Worte online, das hat mir gut getan!“  Jemand anderes sagte: „Vielen Dank, dass Sie über die Zeitung zu uns nach Hause gekommen sind!“  Vielleicht erreichte die Osterbotschaft durch all unser Engagement in der Nordkirche in diesen Corona-Zeiten mehr Menschen als sonst.

In diesen Zeiten von „Neu-Geboren-werden“ zu sprechen, so wie es uns der kommende Sonntag vorgibt, klingt auf den ersten Blick unpassend. Und doch wächst in der Krise Neues! Das ist unübersehbar. Dieses neue Aufmerken, die Offenheit und Menschen, die einander danken und füreinander sorgen – das sind für mich österliche Erfahrungen in diesem Jahr. „Auf, auf mein Herz mit Freuden, nimm wahr, was heut geschieht“ singt Paul Gerhard in dem bekannten Osterlied. Es geschieht viel – lassen wir uns weiter überraschen! 

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

11. April 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Karsamstag - ein stiller Tag. Als ob die Welt tief einatmet und von ganzem Herzen aufseufzt. Seufzt über Tote und Sterbende in Krankenhäusern und Elendsvierteln. Über Leid und Verzweiflung in den Flüchtlingslagern. Über das stille Weinen der Einsamen, deren Tränen jetzt niemand liebevoll abwischt. 

Von einem „unaussprechliches Seufzen“ spricht der Apostel Paulus. Ein Seufzen der ganzen Schöpfung, ein Seufzen der ganzen Menschheit. Kaum in Worte zu fassen. Nicht einmal in Worte für ein Gebet. Paulus setzt einen trotzigen Satz dagegen: „Wir sind gerettet auf Hoffnung hin.“ (Röm 8, 24) Hoffnung wie ein Silberstreifen am dunklen Horizont.

Wenn der Karsamstag eine Farbe hätte — für mich wäre es ein transparentes Schwarz. Ein Schwarz, das Angst, Leid und Tod, die Karfreitagserfahrungen dieser Welt in sich trägt. Aber ein Schwarz, durch das das Licht des heraufziehenden Ostermorgens schon hindurch schimmert. Als tröstlicher Vorbote, dass es nicht dunkel, nicht traurig und verzweifelt bleiben wird. Weil Gottes Liebe das nicht zulässt. Weil auch wir das nicht zulassen, wenn wir an seiner Liebe orientiert leben: an der Seite von Kranken und Sterbenden, mit rettender Hilfe für Flüchtlinge und im aufmerksamer Kontakt mit denen, die allein sind.

Beim Seufzen des Karsamstages soll es nicht bleiben. Und es wird auch nicht dabei bleiben: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Röm 8,38)

Bleiben Sie behütet - Gott segne Sie!

Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hier wohnt Hoffnung! Seit ein paar Tagen leuchtet er mir entgegen: ein mit Wachsmalstiften bunt gemalter Regenbogen in einem Fenster meiner Nachbarschaft. Und ich freue mich jedesmal, wenn ich daran vorbeigehe. 

Regenbögen, auf Papier gezeichnet mit Buntstiften, gebastelt aus Transparentpapier oder direkt auf die Scheiben gemalt mit Fingerfarben. 

Begonnen als kleine Aktion zieren die bunten Bögen nach Italien, Spanien und England auch hierzulande immer mehr Fenster. Kinder, die zu Hause bleiben müssen, malen einen Regenbogen und signalisieren damit allen kleinen und großen Leuten, die vorbeikommen: Du bist nicht allein. 

Auch ich bin zu Hause. Hier wohnt Hoffnung. Wenn wir dieser Tage die Passionsgeschichte lesen, erfahren wir, was das bedeutet: Hoffnung gegen den Tod. Das ist eine Hoffnung, die die Angst, den Kontrollverlust, den Schmerz und die Ungerechtigkeit kennt.

„In der Welt habt ihr Angst“, sagt Jesus im Angesicht seines Todes zu seinen Freunden, „aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33).

Ich bin ganz überwältigt davon, wie viele Christinnen und Christen, wie viele Kirchengemeinden in diesen Tagen zeigen: Hier wohnt Hoffnung. 

Indem sie jeden Abend eine Kerze ins Fenster stellen. Indem sie mittags die Glocken läuten. Indem sie ihren Eltern, die sie nicht besuchen können, eine Osterkerze schicken. Indem sie mit ihren Kindern beten und singen. Indem sie telefonisch für andere da sind. Indem sie unbeirrt den Sonntagsgottesdienst feiern – ins Wohnzimmer gestreamt. Indem sie Einkaufsdienste organisieren und Predigten in Briefkästen verteilen. Ich bin überzeugt, dass gerade sehr stark wahrgenommen wird, dass Wissenschaft und Politik nicht alles beherrschen, sondern dass hier noch eine Stimme zu hören ist: Unsere Stimme der Hoffnung.

Ihr
Bischof Tilman Jeremias

#CoronaCare #Hoffnung #digitaleNordkirche #RegenbogengegenCorona

28. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit einer knappen Woche leben wir mit der Kontaktsperre. So etwas haben wir noch nie erlebt. Das Ausmaß der Einschränkungen löst viele Gedanken und Ängste aus. Menschen, die alleine leben, vereinsamen. Berufliche Existenzen stehen auf dem Spiel. Kranke können nur eingeschränkt seelsorgerlich begleitet werden. Andere warten auf wichtige Termine, die über ihre Zukunft entscheiden. Das wirtschaftliche Ausmaß des Shut-Downs ist kaum auszudenken.

Wie lange wird die Krise dauern? Wie halten wir das psychisch über Wochen aus? 

Große Verunsicherungen und Ängste gehen mit dieser neuen Lebenssituation einher. Die spüre ich auch. Das ist ganz natürlich, denn Angst gehört zu unserem Leben dazu. Angst hat wichtige Funktionen: Sie warnt vor Gefahren. Sie ruft zur Aufmerksamkeit. Sie sensibilisiert dafür, dass nichts selbstverständlich ist. Angst kann einen allerdings auch über die Maßen bedrängen und die Luft zum Atmen nehmen. In einer Situation größter Angst betet David zu Gott:

 „Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.“  (Psalm 142,2) 

David macht keinen Hehl daraus: „Mein Geist ist in Ängsten.“ Ängste zu benennen und laut auszusprechen, tut an sich schon gut: Gott im Gebet die Sorgen und Nöte zu sagen. Wenn wir unser Herz ausschütten, wird es leichter und wir können wieder atmen. So findet David zum Gottvertrauen zurück: „Du kennst meinen Pfad“. 

Auch wenn der Boden wankt, wird Gott uns halten. In diesem Vertrauen können wir leben! Wieviel ist uns doch geschenkt, wofür wir gerade in Krisenzeiten dankbar sein können: Solidarität, Hilfsbereitschaft, kreative Ideen gegen den Blues, mehr Zeit für Gespräche am Telefon und last but not least: Gute medizinische Versorgung. 

„Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.“  (Psalm 142,2) 

Bleiben Sie behütet in dieser Zuversicht!

Ihr Bischof Gothart Magaard

21. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Nachrichten überschlagen sich: Infektionsketten, steigende Fallzahlen. Die ängstliche Frage nach Todesfällen. Schulen und Kindergärten sind geschlossen, das öffentliche Leben ruht. Viele machen sich große Sorgen um ihre Lieben, um ihren Arbeitsplatz. Seit gestern gibt es in einzelnen Bundesländern Ausgangssperren. Wer weiß, wie die Situation sein wird, wenn Sie diese Zeilen lesen?

Wie gut täte es jetzt, zusammen zu sein. Mit vielen nah beieinander zu stehen, Hände zu halten, Umarmungen zu spüren. Aber genau das geht jetzt nicht. Genau das darf jetzt nicht sein. Nicht einmal mehr in Gottesdiensten in unseren Kirchen. Dort können sie derzeit nicht stattfinden. Denn um miteinander Leben zu schützen, brauchen wir zueinander jetzt vor allem eines: Abstand.

Mich bewegen in diesen Tagen unterschiedliche Gefühle. Manchmal werde ich ängstlich und müde - aber dann sehe ich, wie sorgsam und liebevoll Menschen aufeinander achten. Die einen bieten an, für andere einzukaufen. Andere verteilen Ostersteine, die sich finden lassen als Hoffnungsglück. Und wieder andere tun alles, damit auch obdachlose Menschen jetzt nicht vergessen werden.

Mir macht das neue Hoffnung. Denn nicht nur der Virus breitet sich aus, nein: Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Fürsorge, Hoffnung tun es auch. Wir breiten sie aus und halten dagegen: gegen Ängste, Sorgen, Müdigkeit, Krankheit und Tod. 

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?“, fragt der 121. Psalm. Nicht auf alle Fragen und Sorgen finde ich eine Antwort - aber ich bitte Gott inständig, es dabei nicht zu belassen. Und ich bitte Gott, uns alle mit der Antwort des Psalms zu umarmen: „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Bleiben Sie behütet - Gott segne Sie!

Ihre Kristina Kühnbaum-Schmidt
Landesbischöfin

15. März 2020

Liebe Leserin, liebe Leser,

ich verstehe die Sorgen und Ängste, die viele Menschen jetzt haben und die auch mich beschäftigen. Mich tröstet und ermutigt, dass Gott uns in allen Situationen unseres Lebens begleitet und uns stärken will.

Das hilft mir, nicht in Panik zu verfallen, sondern besonnen zu bleiben. Ich hoffe, dass wir daraus Kraft schöpfen, damit wir besonders jetzt für die Schwächsten da sind und uns gegenseitig liebevoll unterstützen.

Trotz aller Einschränkungen sind wir verbunden – besonders mit gefährdeten oder erkrankten Menschen. Dafür nutzen wir auch weiterhin alle der jeweiligen Situation angemessenen Formen direkten Kontaktes und noch einmal verstärkt die Möglichkeiten digitaler Kommunikation.

Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

13. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie schnell unser sorgsam geordnetes Leben aus dem Gleis geraten kann! Hamsterkäufe, Veranstaltungsabsagen, Schulschließungen, das bestimmt auf einmal unseren Alltag.

Da kann es leicht passieren, dass man mitgerissen wird in einen Strudel aus diffuser Verunsicherung oder gar in Panik gerät. Paulus saß im Gefängnis, als er folgenden Vers an seinen Mitarbeiter Timotheus schrieb:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Verzagtheit sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,17)

Der Apostel sagt nicht einfach „Du brauchst keine Angst zu haben, Gott regelt das schon“. Er weiß, dass die Angst zum Leben dazu gehört, und er weiß, dass Krisen zum Leben dazugehören.

Doch er setzt ihnen deutliche Grenzen: Wir, die Kinder Gottes, sind den Umständen und unseren Gefühlen nicht machtlos ausgeliefert. Gott hat uns beschenkt mit seiner Kraft, mit Liebe und mit Besonnenheit. Was für eine Zusage! Vertrauen wir darauf.

Ihr Bischof Tilman Jeremias

07. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Es ist kalt geworden in Hamburg und eine winzige Anmutung von Winter weht durch die Straßen.

Unweigerlich fühle ich noch mehr mit, wenn ich die Bilder der Flüchtlinge verfolge, die an der syrisch-türkischen Grenze ausharren und vor den Bomben in Syrien fliehen. Sie haben Angst vor dem Erfrieren. Ganz real. Man muss sich die Berichte der letzten Tage vor Augen halten: Kinder und ganze Familien sind schon erfroren, weil sie keinen Schutz vor der Kälte gefunden haben. Außerdem schaffen es die Menschen aus dem Bürgerkriegsgebiet von Idlib kaum, aus der gefährdeten Zone zu entkommen, weil die Türkei ihre Grenze geschlossen hat. Währenddessen sind andere Geflüchtete im Niemandsland zwischen der Türkei und Griechenland brutaler Gewalt durch europäische Grenzer ausgesetzt.

Viele Menschen von ihnen sind schon seit Jahren auf der Flucht und ihr letztes Hab und Gut verloren. Männer können nicht mehr zu ihren Frauen auf der anderen Seite der Grenzen. Es gibt kein vor und kein zurück. Doch wenn Deutschland und Europa dieses Elend ausblenden, wegschauen und so tun, als ginge uns das alles nichts an, steckt auch die EU fest. In verstörender Enge der Herzen.

Wovor haben die Europäer Angst? Allen Ernstes. Es gibt doch Ansätze von Lösungen. Und es gibt den Willen, humanitär Hilfe zu leisten. Die Stadt Hamburg etwa hat – wie einige andere Bundesländer auch -  glücklicherweise signalisiert, dass sie minderjährige Flüchtlinge und Familien aufnehmen würden. Doch noch geht in Europa nichts zusammen. Nach wie vor setzt man auf Abschottung und startet Alleingänge. Dabei könnten wir – würde man dem Gebot der Nächstenliebe und Humanität wirklich folgen wollen – Brücken bauen und Hände reichen: die Genfer Flüchtlingskonvention zum Beispiel gesteht Menschen das Recht zu, an der Grenze wenigstens einen Asylantrag zu stellen.

In der Wärme meines Mantels wünsche ich mir viel mehr Energie für  Dialog und Kooperation, gegen menschliche Kälte. Brandaktuell dazu die heutige Tageslosung: „Rede einer mit dem anderen Wahrheit und richtet wahrhaftig und recht, schafft Frieden in euren Toren.“ (Sacharja 8,16)

Frieden und Segen für Sie und Euch – von Herzen.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

29. Februar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

sieben Wochen ohne - seit Aschermittwoch sind Menschen im Fasten-Modus. Die einen verzichten auf Alkohol oder Schokolade, andere sind dann mal off-line. 

Sieben Wochen ohne Pessimismus, so lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion. Leichtfüßig und optimistisch kommt das daher. Aber so einfach ist der Verzicht auf Pessimismus gerade in diesen Tagen auch wieder nicht. Da gibt es Ängste wegen des Corina-Virus, Sorgen um unser Land angesichts rechtsextremistisch und rassistisch motivierter Anschläge.  

Sieben Wochen ohne Pessimismus könnte da leicht missverstanden werden: Als gespielte Zuversicht - trotz aller Trauer, aller Ohnmacht, aller Fragen ohne Antwort, die einen in diesen Tagen und Wochen auch ergreifen können.

Sieben Wochen ohne Pessimismus ist so sicher nicht gemeint. Auf Pessimismus zu verzichten, das könnte aber heißen: Wir stehen ein für eine Zuversicht, die sich auf Gottes Zusagen verlässt.

Eine Zuversicht, aus der heraus wir gut begründet und belastbar füreinander einstehen und einander zur Seite stehen - unabhängig von Nationalität, Religionszugehörigkeit, sexueller Orientierung, und auch von Besitzstand und Vermögen.

Einfach, weil wir Menschen sind, geliebte Geschöpfe Gottes und einander als solche anerkennen und würdigen. Als Menschen, die sich einander respektvoll und barmherzig zuwenden. Da kann man dann wirklich auf Pessimismus verzichten. Und getrost in den nächsten sieben Wochen schon mal damit anfangen.

Ein behütetes Wochenende wünscht
Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

22. Februar

Liebe Leserin, lieber Leser,

nicht sprachlos bleiben. Zusammenstehen. Widersprechen. Aufmerksam bleiben, respektvoll, mutig und hoffnungsstark. So wollten es mehrere Hundert Menschen auf dem Hamburger Rathausmarkt am Donnerstag. Die Parteien hatten den Bürgerschaftswahlkampf unterbrochen, um nach den terroristischen Morden von Hanau gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Die fremdenfeindliche, rassistische Gewalt sollte deutlich hörbaren Widerspruch finden. Schließlich war dies schon der dritte tödliche rechtsextreme Anschlag innerhalb weniger Monate. Sie wollten nicht sprachlos bleiben, alle miteinander, weil Demokratie die gemeinsame Stimme aller Demokratinnen und Demokraten braucht. „Tu deinen Mund auf für die Stummen“, fordert alttestamentliche Weisheit (Sprüche 31,8). Es erleichtert mich zu sehen, dass so viele Menschen sich nicht stumm machen ließen und nicht sprachlos bleiben. Rechte Gewalt und Menschenverachtung finden Widerspruch, auch durch uns Christinnen und Christen. Das ist ein Hoffnungszeichen.

Nicht sprachlos bleiben – das könnte auch das Motto gewesen sein, als vor heute genau fünfzig Jahren an der Hamburger Hauptkirche St. Petri das Beratungs- und Seelsorgezentrum seine Arbeit aufgenommen hat. An sieben Tagen stehen dort ausgebildete Ehrenamtliche bereit für seelsorgliche Gespräche – offen, kostenlos, anonym. Ganz bewusst an der belebten Mönckebergstraße, im Strom der vielen Menschen, ist dieses offene Gesprächsangebot geschaffen worden, das sich zu einem echten Erfolgsmodell entwickelt hat. Niemand muss sprachlos bleiben, das ist die Botschaft, jeder und jede soll ein Gegenüber zum Zuhören finden, wenn das Leben schwierig oder einsam geworden ist. Auch solches Engagement, das Nächstenliebe par excellence lebt, setzt Zeichen für eine Menschlichkeit, die uns alle widerstandsfähiger gegen Populisten, Rassisten und „Rattenfänger“ macht. Lassen Sie uns das laute Widersprechen, aber auch das einfühlsame Zuhören immer neu üben und pflegen!

Es grüßt Sie herzlich und wünscht einen gesegneten Sonntag

Ihre

Bischöfin Kirsten Fehrs

15. Februar

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit verschiedensten Ikonen lockt eine Ausstellung „Ikonen. Was wir Menschen anbeten“ in die Bremer Kunsthalle. Der Kurator der Ausstellung ließ alle Räume der Kunsthalle ausräumen, um jeden Raum neu mit nur einem Meisterwerk  zu bestücken.

Ikonen sind traditionell Bilder von Heiligen und von Christus selbst, die in den östlichen, orthodoxen Kirchen verehrt werden. Ikonen als Heiligenbilder gelten mehr als bildliche Darstellungen. Sie haben eine Aura und ziehen den Betrachter in die Anbetung hinein.

Die Ausstellung zeigt Kunstwerke aus neun Jahrhunderten. In wechselnden Fotospots zeigt die Ausstellung auch historisch-emotionale Bilder aus unserer Zeit, wie den Kniefall von Willy Brandt oder ein Foto von Greta Thunberg. Dazu Bilder aus der Markenwelt und Popkultur bis hin zu Influencern. Ob Mittelalter oder Gegenwart: Es geht um Spiritualität, Andacht und Anbetung.

Ich selbst gehe mit dem Begriff Anbetung eher sparsam um. Kirchenräume laden mich zum Gebet ein: ein Altar, eine Kreuzesfigur oder ein Bild. Und manchmal kommt mir das Lied in den Sinn: „Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge…“

Ich werde aber auch das Bild vom Kniefall Willy Brandts im Dezember 1970 vor dem Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos nicht vergessen. Willy Brandt sagte einmal „Unter der Last der jüngsten Geschichte tat ich, was Menschen tun, wenn die Worte fehlen.“

Zugleich werden wir heute von Bildern überflutet. Und wir wissen, dass Bilder manipulativ eingesetzt werden.

„Ikonen.Was wir Menschen anbeten“ – die Ausstellung führt mich in die Begegnung mit Ikonen der Kunstgeschichte und mit dem Ikonischen in unseren Alltagswelten. Und damit zur Frage, was wir Menschen anbeten.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Bischof Magaard

8. Februar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

welche Visionen haben Sie?

Hat sie das schon mal jemand gefragt? Und wenn ja – was haben Sie geantwortet? 

In meinem neuen Amt als Bischof wurde ich öfter mit dieser heiklen Frage konfrontiert. Ich gucke ins letzte Buch der Bibel: Dem Seher Johannes wird ein Blick in den Himmel gewährt. Was er schaut, ist von großer Pracht und Majestät: Eine Lichtgestalt, umgeben von sieben goldenen Leuchtern, zugleich gleißend von göttlicher Hoheit und furchterregend durch die feurige Autorität. Der Seher fällt zu Boden und hört die große Selbstoffenbarung des Menschensohns: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

Meine Kinder versinken in Fantasy- Literatur und -filmen. Sämtliche Motive der biblischen Apokalypse finden sich dort wieder, bis hin zum endzeitlichen Vernichtungskampf Gut gegen Böse. Und ich – als Vater und Christ – lerne mitzugehen: Sobald der Menschensohn in all seiner Pracht und Stimmgewalt den Mund öffnet, fühle ich mich wieder auf sichererem Terrain. Es ist emotional und rational kaum auszuloten, dass diese göttliche Prachtgestalt kein anderer ist als der im Elend gestorbene Gekreuzigte. 

Ich gucke in die Welt: 260 Millionen Christinnen und Christen leben ihren Glauben unter Bedrückung und Todesangst. Wann immer ich sie jedoch besuche, kommen sie mir viel glaubensfröhlicher entgegen als unsereiner. Auch in meinem Sprengel Mecklenburg und Pommern haben Menschen in bedrängter Situation zu DDR-Zeiten ihren Glauben sehr bewusst gelebt, wurden Keimzelle für die Friedliche Revolution. 

Sie alle und der Seher Johannes bringen mich auf eine entscheidendere Spur: Christus ist da, seit aller Zeit, für alle Zeit, als Überwinder des Todes. Er ist da in unserem entkirchlichten Land, besonders aber da, wo Menschen bedrängt sind. Auf ihn mein Leben zu bauen, ihm zu vertrauen und zu folgen, ist visionär. Mehr Vision geht nicht.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Ihr Bischof Tilman Jeremias

1. Februar

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute schon eine Revolution angezettelt? Rezepte dafür gibt es einige in der Bibel. Meine persönliche Revolution im Alltag: Ich versuche, Menschen zu begegnen ohne Ansehen der Person. Also, ohne ihn oder sie gleich in eine Schublade zu stecken: Status - check, Bildung - check, soziale Stellung - check, Erfolg – check, Attraktivität?

Dieses innere Maßnehmen läuft so automatisiert und ist so selbstverständlich in unserer Gesellschaft, dass der Verzicht darauf nichts weniger ist als revolutionär. Revolutionäre Nachfolge Jesu. Jesus ging, wohin er kam, zunächst zielstrebig zu denen, die angeblich nicht zählen: zu den Betrügern und den „Unmoralischen“, zu Aussätzigen und Außenseitern, zu seelisch Belasteten und zu Kindern. Er aß mit ihnen, hörte ihnen zu, berührte sie. Und machte damit eindeutig klar, dass die Liebe Gottes unsere Ausgrenzungsmuster auf den Kopf stellt: „Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll“, sagt Petrus in der Apostelgeschichte. Was für eine Revolution!

Ihr Bischof Tilman Jeremias

25. Januar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

zwei wunderbare Tage liegen hinter mir, denn diese Woche fand wieder die Ordinationsrüstzeit statt: Sechzehn junge Frauen und Männer, die mit Gottes Segen auf dem Weg ins Pfarramt sind, sechzehn frische Ideen davon, wie Kirche lebendig, visionär, innig und heilsam sein kann. Was für ein Geschenk!

In Gesprächen, Andachten und Bibelarbeiten wurde deutlich: das gemeinsame miteinander auf dem Weg sein ist ein Schlüsselmoment, um Kirche mit- und weiterbauen zu können. Die Gewissheit „ich bin nicht allein“ trägt und ermutigt.

Denn es sind viele, die Tag für Tag an diesem Reich Gottes bauen, klug und mutig, mit Witz und Charme – Frauen, Männer, Kinder, Ehrenamtliche wie Hauptamtliche, jeder mit seiner besonderen, manchmal kurvenreichen und doch immer berührenden Biografie. Menschenkinder Gottes!

Mit den Worten „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ hat Gott Abraham los geschickt, ein großes Volk zu werden. Nicht nur Freude hat Abraham in diesen Aufbruch begleitet, sondern auch Muffensausen vor der großen Aufgabe.

Kirche bauen, gemeinsam aufbrechen und Neues wagen, das ist eine große Herausforderung. Doch wir arbeiten gemeinsam daran, dass sie wächst und trägt und Zufluchtsort ist. Mit den Jungen und den Alten. Den Gesunden und den Wackeligen.

Gottes Segen begleitet uns jeden Tag dabei, in unserem Tun und Beten. „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist“ heißt es in dem Choral von Klaus-Peter Hertzsch. Ja, darauf dürfen wir vertrauen: dass wir gemeinsam getragen sind von Gottes Liebe, auf verschlungenen Pfaden, über grünende Auen und durch tiefe Täler hindurch. Hinein in seine Weite.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

18. Januar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt so Bibelstellen, die fordern uns heraus. Sie eignen sich nicht zur gemütlichen Verkündigung eines „lieben“ Gottes. Auch ich drücke mich ganz gerne vor ihnen. Fluchworte gehören dazu.

Wie das des Propheten Jeremia: So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom Herrn (Kapitel 17,5). Nun können wir heutigen Christinnen und Christen fragen: Warum denn Fluch?

Wir wollen vom Segen hören, ihn empfangen! Bitte kein Zorn Gottes, bitte kein Fluch! Damit werden wir aber weder dem biblischen Zeugnis gerecht, noch unserer alltäglichen Erfahrung. Jeremia spricht diesen Fluch nicht ins Blaue, sondern in eine konkrete politische Situation: Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. droht das babylonische Heer, Jerusalem zu zerstören. Israel setzt allein auf Menschen, nämlich auf die Militärmacht Ägypten. Der Prophet verurteilt diese Allianz und geht noch einen radikalen Schritt weiter: Wer sich allein auf Menschen verlässt, ist wie ein Strauch in der Wüste, abgeschnitten vom Strom des Lebens.

Mit diesen Worten macht sich Jeremia keine Freunde. Doch im Nachhinein stellen sie sich als Gottes Stimme heraus. Wir brauchen auch das Fluchwort: Unser Leben ist nicht nur Gesegnet-Sein, sondern auch Schmerz, Scheitern, Versagen, Sterben.

Wie gut aber, dass die Androhung des Fluchs nicht das letzte Wort des Propheten ist! Wie oft in der Bibel ist das folgende Segenswort kräftiger und bunter. Und auch wenn ich das Fluchwort in seiner Wucht ernstnehme: Als in Jesus Christus geliebte Geschöpfe gehören wir zu Gott. Wir bewegen uns in seinem Segensstrom, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen.

Ein schönes Wochenende wünscht
Ihr Bischof Tilman Jeremias

11. Januar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Sternsinger waren da! Gestern haben Sie die Außenstelle des Landeskirchenamtes und meine Kanzlei in Schwerin besucht. Sie haben die Geschichte von den drei Weisen auf dem Weg zur Krippe erzählt und besungen. Und dann haben sie feierlich 20*C+M+B+20 über die Tür geschrieben: „Christus Mansionem Benedicat - Christus segne dieses Haus“.

Der Besuch der Schweriner Sternsinger ist ein schönes Zeichen unserer ökumenischen Verbundenheit hier im Norden. Aber nicht nur deshalb habe ich mich über ihren Besuch sehr gefreut. Sondern auch, weil mich beeindruckt, wie engagiert sich die Sternsinger-Kinder für andere Menschen einsetzen.

Denn diese Kinder singen und segnen nicht nur, sondern sammeln auch Spenden. In diesem Jahr für Menschen im Libanon. Dort leben jetzt 1,2 Millionen Kriegs-Flüchtlinge aus Syrien - ein Viertel der Gesamtbevölkerung im Libanon! Die Sternsinger sammeln Geld für Projekte zur Verständigung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen, zwischen Christen und Muslimen, um allen, die in Not sind, zu helfen.

So bringen die Sternsinger Segen, sind selbst ein Segen und geben uns die Chance, ein Segen für andere zu sein – mit unseren Spenden für Menschen, die Frieden suchen - im Libanon und weltweit.

Möge geschehen, was das diesjährige biblische Leitwort der Sternsinger sagt:

Wenn die Menschen auf den Wegen des gerechten Gottes gehen, werden sie aus Schwertern Pflugscharen machen, und die Kriege zwischen den Völkern finden ein Ende. (Jes 2,2-5)

Und mögen wir alle das, was in unseren Kräften steht, dazu tun!

Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

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