Segensworte und Erbauliches - jeden Sonnabend

Wir wünschen Ihnen Zeit zum Kraftschöpfen mit Gottes Segen.

19. Oktober 2019

Liebe Leserin, liebe Leser,

Freunde waren zu Besuch. Fast ein halbes Jahr haben wir uns nicht gesehen. Es gab also viel zu erzählen und viel zu fragen. Der Abend wollte einfach kein Ende nehmen. Und alles ging so mühelos, als hätten wir uns erst vor ein paar Tagen zum letzten Mal getroffen.

Für mich war das ein kostbarer Abend. Mit Vertrauen und Offenheit füreinander. Mit der Gewissheit: Wir sind füreinander da, stehen uns zur Seite, auch dann, wenn unsere Ansichten und Meinungen zuweilen durchaus konträr sind. Aber ich weiß: ich kann mich fallen lassen, bin geborgen und getragen – einfach so.  

Die Theologin Dorothee Sölle hat das in ihrem Gedicht „Lob der Freundschaft“ so beschrieben:

Freundschaft ist:
verfügbar sein und verfügen,
reden können und nicht reden müssen,
fragen können und nicht verzweifeln, wenn keine Antwort kommt. 

Dieses Lob der Freundschaft erinnert mich an den biblischen Satz „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ Und ich denke: ja, es ist wichtig, füreinander da zu sein. Ganz persönlich und unmittelbar. An langen Abenden, auf gemeinsamen Spaziergängen, mit einer kurzen liebevollen Nachricht, einer aufmerksamen Nachfrage, und und und…

Vielleicht sind die wieder länger werdenden Abende auch für Sie gute Gelegenheiten, die Freundschaften zu pflegen und zu behüten, die Ihnen kostbar sind. Ich wünsche Ihnen dafür gesegnete Begegnungen!

Ihre
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

05. Oktober 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Erntekrone, Kürbisse, Äpfel, Brotlaibe... Wenn an diesem Sonntag in vielen Gottesdiensten Erntedank gefeiert wird, freue ich mich besonders über das Lied: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf den Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand…“.

Zugleich beschäftigen mich Fragen: Wie kann es gerecht zugehen in unserem Land und unserer Welt? Damit Kinder in diesem reichen Land nicht unter der Armutsgrenze leben müssen. Damit die Menschen in aller Welt Zugang zu sauberem Trinkwasser, zu ausreichend Nahrung und zu Bildung bekomme?

Erntedank: Wir danken Gott für die Gaben der Schöpfung und freuen uns an aller Vielfalt. Und wir danken den Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, die gepflanzt, gegossen und gedüngt, verarbeitet und vermarktet haben. Und wir vergessen nicht die Menschen weltweit, die unter Hunger und Mangelernährung leiden.

So freue ich mich über viele Erntedankgottesdienste in liebevoll geschmückten Kirche und besonders auf den Gottesdienst und die Diskussionen beim  Landeserntedankfest in Schönberg.

Ein gesegnetes Erntedankfest wünsch Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

28. Oktober 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Damals ist der Himmel ein Stück aufgegangen“ - so beschreibt Uta Loheit die Zeit vor 30 Jahren. Die Tage, Wochen und Monate der Friedlichen Revolution. Uta Loheit gehörte zu denen, die 1989 erstmals eine Gruppe des Neuen Forums in der DDR offiziell anmeldeten. Beim damaligen Rat des Bezirkes Schwerin.

Vor einigen Tagen habe ich dazu einen beeindruckenden Zeitungsbericht gelesen. „Damals ist der Himmel ein Stück aufgegangen“ - dieser Satz geht mir jetzt nicht mehr aus dem Kopf.

Am 3. Oktober, in wenigen Tagen, feiern wir zum 29. Mal den Tag der Deutschen Einheit. In diesem Jahr richtet das Land Schleswig-Holstein die zentralen Feierlichkeiten aus. In Kiel erwartet alle ein vielfältiges Festprogramm. Zum Auftakt des 3. Oktober feiern wir einen Ökumenischen Gottesdienst in der St. Nikolai-Kirche in Kiel.

Ich freue mich sehr auf diesen Gottesdienst. Er steht unter der Überschrift „Gottes Kraft erneuert“. Ja, die Erneuerung, der mutige Menschen wie Uta Loheit bereits vor 30 Jahren zusammen mit vielen anderen den Weg brachen, die gilt es zu feiern.

Es gilt auch, über die Erneuerung nachzudenken, die wir heute brauchen. Um dann diesem Nachdenken entsprechend zu handeln. Es gibt ja genug zu tun: Im Blick auf die noch offenen Themen der Einheit von Ost und West in unserem Land ebenso wie im Blick auf die weltweiten Herausforderungen von Frieden und Bewahrung unserer Schöpfung.

Gottes Kraft erneuert auch heute, auch uns - darauf vertraue ich.

Gesegnete, fröhliche und friedliche Feiern zum Tag der Deutschen Einheit wünscht

Ihre

Kristina Kühnbaum-Schmidt
Landesbischöfin

21. September 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

gerade hat die Synode der Nordkirche getagt. Es ging um Familienformen, Beziehungsweisen: Vielfalt sehen und fördern – Menschen stärken“. Im Titel bin ich vor allem an dem Wort „Sehen“ hängengeblieben.

Vielfalt sehen. Damit beginnt es. Wahrnehmen, dass es bei anderen anders ist. Und dass es noch nie und nirgendwo einfach und klar und nur harmonisch war, das Beziehungsleben, das Familienleben.

Vielfalt sehen. Wenn ich Vielfalt sehe, dann kann ich sie auch fördern. Dann kann ich versuchen, zu stärken, zu begleiten, und wo nötig, auch zu hinterfragen. Aber Letzteres eben nicht um meiner eigenen Begrenztheiten willen, sondern weil ich hingesehen und wahrgenommen habe.

„Herr, ja du kennst mich genau. Du liebst mich und blickst zu mir hin“ -so heißt es im 139. Psalm.

Den Einzelnen sehen, wie er oder sie ist. Ich selbst möchte auch so angesehen werden.

Eine gute Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

14. September 2019

Liebe Leserin, liebe Leser,

Herz auf laut. So lautet das Motto der Nacht der Kirchen heute Abend in Hamburg. Herz auf laut. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund, heißt es in der Bibel. Vom Herz in den Mund? Stimmt, denke ich! Manchmal wird Liebe erst real, wenn sie ausgesprochen wird. Liebe, die für sich bleibt, wird sich nicht entfalten und bleibt eine Träumerei.

Für Jesus ist das Herz des Menschen der Mittelpunkt. Aus ihm heraus entsteht die Liebe. Und der Verstand.  Das „Herz“ in der Bibel liebt klug.  Und mit einer unerhörten Leidenschaft!

Und wenn du dich einfach mal davon anstecken lässt? Wenn du mit Herzenslust in die Nachtheiligkeit gehst und sagst: Du bist einzig für mich, Jesus, denn du brennst noch. Ich höre deine Lieder und mein Herz fängt an zu summen. Du veränderst meinen Blick. Wenn du wegschaust, suche ich dich. Dein Feuer wärmt mich. Und: Mit Deiner Hilfe glaube ich an Wahrhaftiges wie Heil werden, lieben, ehrenvoll glauben.

Versteht das heute noch jemand? Ich hoffe es so sehr. Denn Jesu ganzes Leben löst Hoffnung und Mut aus, was ist wichtiger in diesen Zeiten?! Er öffnet  Barrieren. Akzeptiert nicht den Status quo. Will das bessere Leben. Und die Menschen, die sich in seiner Nachfolge engagieren, auch.  Wir können sie treffen mit vielen Ideen in der Nacht der Kirchen für Flüchtlinge, Einsame, Kinder. Da finde ich so viel Kreativität, wovon das Herz überfließt. Und ich merke beim Durchblättern des Programms: Wenn dein Herz laut wird, wenn du aufstehst und dich beschwerst über eine weitere Ungerechtigkeit im Leben, über Sexismus oder Ausgrenzung, dann passiert etwas. Dann bleiben die Opfer nicht im Dunklen und im Schweigen. Auch das zeigen die vielen Christen in Hamburgs Kirchen heute Nacht: Ein lautes Herz kann Abgründe überwinden, Spaltung, sogar Wut. Lassen Sie uns gemeinsam die Resonanz spüren in der Begegnung und in der Vielfalt dessen, was die Kirchen heute Nacht erzählen. Zum  Segen für die Menschen in dieser Stadt.

Ich wünsche Ihnen diese Segenskraft im ganzen Leben, ihre herzhafte Lautstärke, ihre Liebe zwischen den Zeilen.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

07. September 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ lautet das Motto des diesjährigen Tags des Offenen Denkmals, der am 8. September bundesweit und auch in vielen unserer Kirchen begangen wird. Im Schleswiger Dom erwarten wir viele Menschen über den ganzen Tag und bieten Informationen zu den Baumaßnahmen und insbesondere zu der Sanierung der Fenster.

Als „Heterotopien“ werden Kirchen im Anschluss an den französischen Denker Michel Foucault bezeichnet, das heißt als „Anders-Orte“, in denen inmitten von Raum und Zeit eben Anderes an der Zeit ist und Raum hat.

Ich denke, dass es nicht Gott ist, der diese Anders-Orte braucht. Wir sind es, die sie brauchen, auch in der Moderne. Wir brauchen sie mit ihrer Erhabenheit. Mit dem, was uns Staunen lässt. Mit dem Geheimnisvollen. Wir brauchen sie als Resonanzraum von Melodien, als Segensraum oder als Ort der Stille.

Dort, wo Kirchen gebaut, erhalten und neu gestaltet werden, damit sie diesem Geschehen Raum geben und so Gott und den Menschen dienen, ist es richtig, sich engagiert und kreativ für ihre Erhaltung einsetzen – und mein Dank gilt allen, die dies an vielen Orten haupt- oder ehrenamtlich tun. Denn in solchen Räumen werden wir gestärkt für unseren Alltag draußen vor den Kirchentüren, um „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ zu sein.

So lade ich Sie herzlich ein: Kommen Sie am 8. September vorbei und feiern Sie mit, in Schleswig oder vor Ort bei Ihnen!

Das ganze Programm finden Sie hier!

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

31.08.2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Jesus rät zu Gaunereien!“ So würde heute wohl eine Boulevardzeitung die Geschichte bei Lukas 16, 1-9 überschreiben. Skandal! Worum geht es?

Jesus erzählt ein Gleichnis, in dem ein Geschäftsführer seinem Chef Geld unterschlagen hat. Der Chef kommt ihm auf die Schliche, und um seine Haut zu retten, greift der leitende Angestellte zu weiteren Betrügereien. In die verstrickt er dann gleich noch eine Reihe von anderen Leuten. Rügt Jesus dieses Verhalten nun? Wird der Gauner bestraft oder wenigstens verwarnt, wie jeder fromme Sonntagsschulbesucher erwarten darf?

Nein, Jesus durchkreuzt unsere Erwartungen und bringt als Pointe der Geschichte: „Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte.“ Ja, Jesus hat Humor. Hier handelt er wie ein Kabarettist, der tiefe Wahrheiten humorvoll verpackt ausdrückt.

Ich lese diese Geschichte als Bild für das Gericht Gottes, das uns alle erwartet. Wer wird bestehen? Doch wohl die Netten, Anständigen mit den moralisch hochstehenden Standards, oder? Nein, sagt Jesus in dem Gleichnis. Nach menschlichen Maßstäben, nach juristischem Denken könnte niemand vor Gottes Gericht bestehen. Gerettet und erlöst werdet ihr allein durch die Barmherzigkeit Gottes. Deshalb: Seid barmherzig miteinander, seid nachsichtig untereinander und – Humor hilft meist mehr als Empörung.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht
Ihr Bischof Hans-Jürgen Abromeit

24. August

Liebe Leserin, lieber Leser,

Rauskommen aus der Komfortzone, aber auch Mut, mal dem Vorgesetzten etwas zu sagen. Das sind Vorsätze, die ich diese Woche gehört habe beim Azubi-Gottesdienst im Michel. Mit fast 400 jungen Leuten, den Ausbildern und Ausbilderinnen, der Handelskammer und Handwerkskammer - und mit einem sehr zugewandten Grußwort des Schulsenators und der grandiosen Michel-Band. Vorbereitet von Azubis selbst war es eine ganz besondere Feier zum Start in den Beruf:  So viele erbaten die persönliche Segnung für ihre Ausbildung!

Junge Menschen werden gebraucht und umworben. Nicht nur in so vielen Berufsfeldern, wo es an Fachkräften mangelt. Sondern auch bei uns in den Kirchen und überall wo Engagement gefragt ist. Beim Segnen der Azubis habe ich gespürt: Gott heißt uns in der Welt willkommen und solch ein Signal brauchen wir Menschen. Wenn ich merke , dass die Welt auf mich wartet, dann sehe ich auch meine Chancen, mich einzubringen. Mit der Willkommensbotschaft im Gepäck packt man gerne an, da treten Ohnmachtsgefühle schnell in den Hintergrund. Und wer sich für seinen Lebensweg engagiert, der sieht auch, was das fürs Team und für die Gemeinschaft bringt.

Klar, es kann auch Dämpfer geben. Eine Ausbildung kann anstrengend sein, die Freude am Beruf mag auf sich warten lassen oder Angst vor dem Scheitern aufkommen. Ausbildung braucht Mut und Ausdauer, haben die Schülerinnen und Schüler sich selbst als Motto im Michel gesetzt, auf dem Weg in ihre Ausbildung. Dabei haben sie sich davon inspirieren lassen, wie Jesus mit seinen Jüngern durch den Sturm gerudert ist. Als es brenzlig wird, stellt Jesus sich in den Wind und spricht mit der bedrohlichen Welt: „Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille.“

Jesus vertraut. Er vertraut darauf, dass die Welt auf ihn hört. Er ist davon überzeugt, dass er etwas bewirken kann. Jesus glaubt daran, dass es nicht egal ist, ob er etwas sagt oder nicht. Er redet in den Wind – und der Wind hört auf ihn. Er vertraut auf seine Selbstwirksamkeit, weil er darin Gott wirksam weiß. Das ist Segen ganz praktisch. Eine solch zuversichtliches Vertrauen wünsche ich Ihnen allen.                                                       

Ein gesegnetes Wochenende wünscht

Ihre

Kirsten Fehrs

17. August

Liebe Leserin, lieber Leser,

hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich neben der wunderbaren Musik in unseren Kirchen auch Jazz-Musik schätze? Miles Davis ist dabei einer meiner Lieblingsmusiker. Sein berühmtes Album „Kind of Blue“ wurde heute vor 60 Jahren veröffentlicht. Den Titel „So what“ - „Na und?“ höre ich besonders gern.

Wenn ich dieses Stück höre, macht sich in mir schnell eine gehörige Portion Nonchalance breit. Manche nennen das auch „coolness“ - eine Art unaufgeregte Gelassenheit. Die Musik hilft mir, im eng getakteten Arbeitsalltag mit vielen Ansprüchen und zuweilen auch großen Aufregungen wieder Abstand zu finden. Zur Ruhe zu kommen - auch wenn noch so vieles darauf wartet, erledigt zu werden. Die Musik hilft mir auch, mir selbst und anderen Zeit zu schenken - nicht alles muss heute geschehen. Und nicht alles wird rundum perfekt sein müssen.

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“, heißt es in der Bibel (Matthäus 6, 33f). Das lasse ich mir für dieses Wochenende gesagt sein - und Sie vielleicht auch?

Ein gelassenes Wochenende wünscht Ihnen

Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin

10. August

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Sommerferien enden und auch für mich ist vor zwei Tagen die Urlaubszeit zu Ende gegangen. Ich blicke zurück auf wertvolle Tage und Wochen der Muße und des Loslassens. Eine Auszeit, um einfach mal zur Ruhe zu kommen, die Seele baumeln zu lassen und die Gedanken unter dem sommerlichen Himmel schweifen zu lassen. Ich bin noch ganz erfüllt von wunderbarer Musik, gerade erlebten wir Vikingur Olaffson, einen jungen Pianisten aus Island, der Johann Sebastian Bach in wunderbarer Weise zum Klingen brachte, ganz sanft und träumerisch, aber auch atemberaubend schnell und ungewohnt rhythmisch.

Manche Stunde habe ich im Kajak auf der Schlei verbracht habe. Dort ist das Licht im Spiel zwischen Himmel und Wasser besonders intensiv, wenn die Sonnenstrahlen auf der leicht gekräuselten Oberfläche glitzern und Wind und Wolken sie immer wieder anders reflektieren. Umgeben von Licht: dieses Gefühl nehme ich mit und freue mich über den Wochenspruch für den morgigen Sonntag:

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (aus dem Epheserbrief 5,8.9)

Ich wünsche mir, dass wir etwas von der Erholung, von der Musik und vom Licht mit hineinnehmen in unseren Alltag und Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit dort aufstrahlen, wo wir gebraucht werden und unsere Welt gestalten.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Ihr Bischof Gothart Magaard

27. Juli 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

für Kinder sind Geschenke das Größte – wochenlang fiebern sie auf ihren Geburtstag, Weihnachten oder einige auf ihre baldige Einschulung hin. Uns Erwachsenen fällt es oft schwerer, uns beschenken zu lassen. Zählt in unserer Gesellschaft doch vor allem das, was man sich mit eigener Hand erarbeitet oder was man erworben hat.

Selbst Freundschaften sollen möglichst nützlich, das eigene Wesen will im Rahmen der Selbstoptimierung ständig verbessert sein. Völlig quer dazu steht der heutige Lehrtext (zur Losung) aus dem Römerbrief: „Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns dahingegeben –wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ Paulus stellt hier auf den Kopf, was wir gelernt haben. Er meint: Alles Wesentliche ist uns bereits von Gott geschenkt. In Jesus Christus ist alles, wonach wir suchen, wonach wir uns sehnen.

Dieser Gedanke passt perfekt in die Urlaubszeit. In diesen sommerlichen Wochen können wir üben, uns beschenken zu lassen: Wind auf der Haut, leuchtende Sonnenuntergänge, Zeit im Überfluss…

Eine gesegnete Urlaubszeit wünscht Ihnen
Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

27. Juli 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

endlich Urlaub! Gestern konnte ich die sonnendurchglühte Großstadt hinter mir lassen, heute bin ich schon an der Ostsee, drei Wochen lang - ein schönes Vergnügen.

Für mich sind Strand und Meer immer noch die beste Möglichkeit, zu entspannen. Und was für ein Segen, dass wir in Norddeutschland so schnell am Wasser sind!

Bei allem Freizeitspaß am Wasser kann man allerdings fast vergessen, dass die See auch ihre Gefahren birgt. Dutzende von Schwimmern, Surfern und Paddlern ertrinken jährlich vor unseren Küsten, weil sie sich und ihre Kräfte überschätzen.

Und es wären wohl noch viel mehr, gäbe es nicht die vielen Rettungskräfte. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger unterhält an Nord- und Ostsee zahlreiche Stützpunkte. Morgen, am „Tag der Seenotretter“, öffnen viele ihre Türen für das Publikum. Sogar Seenotrettungskreuzer lassen sich besichtigen. Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit, den vielen Ehrenamtlichen mal zu danken – Männer und Frauen, die aufpassen, wenn andere Urlaub machen. Und die mit äußerstem Einsatz anderen Menschen das Leben retten.

Und meine Gedanken gehen natürlich auch, wie so oft in diesen Zeiten, zum Mittelmeer und zu den Flüchtlingsbooten. Für sie gibt es kaum Seenotrettung, jährlich ertrinken Tausende – ein Skandal! Ich hoffe, dass die europäischen Regierungen hier Anfang September endlich eine Lösung finden werden.

Doch zunächst sage ich: Danke allen Retterinnen und Rettern! Und: Möge Gott alle Menschen behüten, die in diesen Tagen am und auf dem Meer unterwegs sind!

Ein gesegnetes Wochenende wünscht
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

20. Juli 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

vor 75 Jahren haben mutige Frauen und Männer versucht, Deutschland von der Terrorherrschaft der nationalsozialistischen Diktatur zu befreien. Viele derer, die an der Vorbereitung und Durchführung des Attentats am 20. Juli 1944 beteiligt waren, haben das mit ihrem Leben bezahlt. Sie wurden inhaftiert, gefoltert, ermordet. Diejenigen von ihnen, die überlebt haben, erfuhren erst Jahrzehnte nach Ende des 2. Weltkrieges die Ihnen gebührende Anerkennung und Wertschätzung.

Dass 75 Jahre nach dem Attentat des 20. Juli in unserem Land rechtspopulistische Ideologien erneut Zulauf haben, dass rechtsradikales Gedankengut noch immer verbreitet wird und erneut rechtsterroristische Taten verübt werden, ist nicht hinnehmbar. Demgegenüber braucht es den konsequenten Einsatz aller Mittel unseres Rechtsstaates. 

Christliche Nächstenliebe stellt sich klar gegen Hass und Hetze. Und steht ein für die Würde aller Menschen. Ich vertraue darauf: Wer in unserer pluralen Gesellschaft auf Barmherzigkeit, Mitmenschlichkeit, auf ein friedliches Miteinander setzt, wird letztlich immer stärker sein als alle, die Gewalt und Hass säen.

Einen gesegnetes und friedliches Wochenende,
Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

13. Juli 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Urlaub! Zeit, die Seele baumeln zu lassen, Zeit Neues zu entdecken. Und für die, die sich Tapetenwechsel gerade nicht leisten können oder deren Urlaub noch auf sich warten lässt, gibt es auch rund um's Zuhause Neues zu entdecken.

Das dachte ich sofort, als ich von den Stadtteilentdeckern in Hamburg-Uhlenhorst las. Die Strandkörbe vor der St. Gertrud-Kirche sind Treffpunkt und schon geht's los mit den außergewöhnlichen Sonntagsspaziergängen durch Stadtteil und die Nachbarschaft.

Getreu dem Motto: „Neues entdecken und Vertrautes zeigen!“ geht man gemeinsam auf Entdeckungstour. Geführt von Ehrenamtlichen, z.B. von Mitgliedern der Geschichtswerkstatt oder anderen Institutionen aus dem Viertel, auch Pastor Oliver Spies ist dabei.

Und was man entdeckt, ist großartig. Denn selbst wenn man Jahrzehnte Tür an Tür wohnt und sich vielleicht auch freundlich grüßt, hat man doch selten nachgefragt: Was bewegt die Nachbarinnen und Nachbarn? Was können sie erzählen? So viele sind es, die schon lang dort leben und noch aus den letzten Jahrzehnten berichten können, genauso wie die Leute aus dem Neubauquartier.

Nicht nur übereinander reden, sondern miteinander. Gemeinsame Anliegen erfahren. Sich zusammen stark machen. Oder ein Nachbarschaftsfest organisieren, wie das gerade in der Altstadt passiert. Auch das ist wiederholungsfähig!

Da haben Menschen nämlich einfach mal abends einen Tisch in der Straße aufgestellt und eingeladen zu ein paar Erdbeeren und zum Austausch. Und schon wurde daraus die Idee geboren, am 14. September, unmittelbar vor der Nacht der Kirchen, zusammen zu feiern, mit Flohmarkt, Sackhüpfen und Klönschnack.

Sommerzeit ist Seelenzeit, die Chance, aus den eigenen vier Wänden und Gedankengebäuden rauszugehen und neue Ideen, Menschen, Gemeinschaften auf sich zukommen zu lassen. Egal ob in Hohenfelde, in der Hamburger Altstadt oder in Lübeck, wo die Innenstadtkirchen zu ihren Sommernachtsräumen einladen.

Eine schöne Aktion, finde ich, bei der sich sofort Bilder einstellen. Von Kirchen, die Raum geben für Träume, Inspiration und Austausch, ein Segensdach in Sommernächten. Für Sehnsucht, Sinn, Gespräch. Reale Kommunikation, von Angesicht zu Angesicht. Verbindlich auch, einander zugewandt, denn wer fragt ist auch neugierig auf Antworten.

Das wird ein Sommer, liebe Leserin, lieber Leser! Die Kirchen und die Straßen stehen uns offen!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sommer mit vielen erfüllenden Begegnungen!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

06. Juli 2019

„Einfach wieder schlendern,
über Wolken gehn
und im totgesagten Park
am Flussufer stehn.

Mit den Wiesen schnuppern,
mit den Winden drehn,
nirgendwohin denken,
in die Himmel sehn.“

Liebe Leserin, liebe Leser,

so lauten die ersten Zeilen eines Liedtextes von Konstantin Wecker. Gerade in diesen Tagen, die Sommerpause schon in Sichtweite, fühle ich mich davon angesprochen.

Der erste Tag, der dem Menschen von Gott geschenkt wurde, ist der Sonntag – eine Auszeit. Gott ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken.

Ich höre daraus einen wichtigen Fingerzeig: Auch Ich und Du, wir sind nicht in das Hamsterrad einer immer schnelleren 24-Stunden-und-7-Tage-Welt hineingeworfen worden.

„Einfach wieder schlendern“ –  wir dürfen, ja sollen uns sogar die Zeit dazu nehmen. Wer immer hyperaktiver strampelt, verbrennt am Ende sich selbst und seine Welt.

Sicher, Gott hat uns Kreativität und Ungeduld geschenkt. Aber seinen Segen gibt er der Gabe, sich zu begrenzen, Atem zu holen, uns wie es in dem Lied heißt „mit den Winden drehn, nirgendwohin denken, in die Himmel sehn.“

Einen erholsamen und gesegneten Sommer wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

29. Juni 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

endlich Sommerferien! Die einen fahren in Urlaub, die anderen bleiben (noch) zu Hause.

Wer hierbleibt, hat gute Chancen auf den Lieblingsplatz im Café. Kann sich an ungewohnter Ruhe erfreuen und hat auch Straßenbaustellen jetzt fast für sich allein. Zeit, den inneren Motor ein paar Gänge herunterzuschalten. Zeit, den Sommer zu genießen.

Wie schmeckt und duftet er in diesem Jahr: Nach Himbeereis und reifen Kirschen? Nach heißem Strand und kühlem See? Nach Sonnencreme und Brauselimonade? Jetzt braucht man sich nur fallen zu lassen: Mitten hinein ins satte, watteweiche Sommerloch.

„Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ fragt ein Vers der Bibel (Matthäus 6,27). Mich erinnert er daran, dass meine Lebenszeit geschenkte Zeit ist. Zeit, die ich nicht immer mit Aktivitäten füllen muss. Sondern eine Zeit, die ich auch unverplant genießen darf. Vielleicht so, wie Astrid Lindgren es einmal gesagt hat: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“ 

Und etwas Zeit muss man sicher auch haben, um die Hände zu falten und zu beten – für Frieden im Nahen Osten zum Beispiel. Für alle, die auf der Flucht sind. Und für den kranken Nachbarn auch.

Eine behütete Sommerzeit wünscht
Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

22. Juni 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ein Stück vom Himmel, das unerwartet aufscheint – kennen Sie das? Manchmal erlebe ich solch einen Moment bei einem Konzert unserer Greifswalder Bachwoche. Seit Montag bestimmt sie hier den Tagesrhythmus: Von den Geistlichen Morgenmusiken bis zu Orgelchorälen im mitternächtlich verzauberten Dom St. Nikolai.

Ein Höhepunkt ist die Aufführung von Gerard Bunks (1888 bis 1958) Oratorium „Groß ist Gottes Herrlichkeit“: Ein „Lob auf Gottes Schöpfung“, das der Organist und Komponist geschrieben hat mitten in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, wohl unter dem Eindruck der Zerstörung seiner Heimatstadt Rotterdam. Ein beeindruckendes Trotz Allem, ein symphonisches Glaubensbekenntnis, ein hoffnungsvolles Zeichen in einer kirchenfeindlichen Zeit. Damals wie heute.

Morgen feiern wir im Greifswalder Dom den Festgottesdienst zum Abschluss der Bachwoche, bei dem ich predigen werde. Dazu ertönt Johann Sebastian Bachs Kantate "Man singet mit Freuden vom Sieg" (BWV 149 ). Auch sie kündet lautstark von Hoffnung und Vertrauen in Gott:

Ich fürchte mich
Vor tausend Feinden nicht,
Denn Gottes Engel lagern sich
Um meine Seiten her;
Wenn alles fällt, wenn alles bricht,
So bin ich doch in Ruhe.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht
Ihr Bischof Hans-Jürgen Abromeit

15. Juni 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

das kleine Päckchen liegt schon seit Tagen auf meinem Schreibtisch: Liederbuch, Programmheft, Stadtplan von Dortmund. Denn am Mittwoch beginnt schon der Kirchentag. Nach dem großen Fest 2017 in Berlin und Wittenberg, das ja sehr stark durch das 500. Reformationsjubiläum geprägt war, nun wieder ein „normaler“ Kirchentag. Aber was heißt schon normal?

Jeder Kirchentag ist ja besonders. Wenn ich zurückdenke, dann erinnere ich mich besonders gut an Hamburg 2013, da war ich als Bischöfin besonders gefordert. Aber ich denke auch gerne zurück an Dresden 2011, das wunderbare Panorama an der Elbe. Oder an Bremen 2009, den „Kirchentag der Schiffe“. Und natürlich an meinen ersten Kirchentag, das war 1979 in Nürnberg.

Und nun also Dortmund. Mein Tagesplan ist schon gut gefüllt: Ich nehme Teil am Runden Tisch der Religionen, predige beim Feierabendmahl auf der „Seafarer’s Night“, diskutiere über Sexismus in der Kirche und rede auf einem Podium über Vertrauen und Vertrauensmissbrauch. Ich halte eine Andacht bei den Pfadfindern (was wäre ein Kirchentag ohne sie!) – und außerdem bin ich natürlich als Teilnehmerin unterwegs, besuche Gottesdienste, Messestände, Bibelarbeiten. Besonders gespannt bin ich auf den Schlussgottesdienst – der soll erstmals seit vielen Jahren wieder in einem Stadion stattfinden.

Schließlich freue ich mich auf die vielen unverhofften Begegnungen: Ich weiß schon jetzt, dass ich Menschen aus allen Stationen meines Pastorinnenlebens treffen werde – nicht geplant, sondern neben mir in der überfüllten Bahn, beim Ausruhen auf dem schattigen Rasen oder vor mir in der Schlange an irgendeiner Halle. Meist geschieht das, wenn man gerade überhaupt nicht damit rechnet. „Mensch, Du auch hier?“ Und so weiß ich genau, dass ich am Sonntag erschöpft in den Zug steigen werde, voller neuer Eindrücke, Gedanken und Melodien, die ich mit in den Sommer nehme.

Vielleicht sehen auch wir uns in Dortmund?

Doch zunächst ein gesegnetes Wochenende,
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

08. Juni 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

An diesem Wochenende feiern wir den Geburtstag der Kirche – und das ist schon etwas Besonderes. Denn ohne das Pfingstfest würden wir uns nicht Christenmenschen nennen. Es gäbe kein Weihnachten oder Ostern und von Taufe und Abendmahl hätten wir wohl kein Wort gehört.

Für mich ist Pfingsten daher ein Mutmach-Fest im Kirchenjahr. Denn der frühen Christenheit hätte ohne das Pfingstfest vermutlich der Mut gefehlt, das Evangelium in die Welt zu tragen.

Und wir hätten wohl Entscheidendes nicht begriffen, wenn wir nicht von Gott als Geist zu reden wüssten: Gott als wehende Geistkraft, die Menschen antreibt, sich für Mitmenschen einzusetzen. Die uns befähigt, Menschen als Menschen anzunehmen, die anders sind als wir selbst. Die anders leben, anders denken, anders glauben.

Gottes Geist bringt uns in Schwung. Gewiss auch mit Reibung. – Aber er lässt uns aufatmen, Mensch sein.

Denn: „Wo der Geist Gottes ist, ist Freiheit“ (2. Kor 3,17).

Eine gesegnete Woche wünsche Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

01. Juni 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

erinnern Sie sich an Ihren Konfirmationsspruch? Meinen hat mein Pfarrer damals für mich ausgesucht: Trachtet nach dem, was droben ist und nicht nach dem, was auf Erden ist (Kol 3,2). 

Ich weiß noch, dass dieser Vers aus dem Kolosserbrief in dem 14-jährigen Jungen etwas zum Klingen gebracht hat und für mich eine ganz besondere Bedeutung hatte.

Das war so, als ob jemand mir einen Kompass in die Hand gedrückt hätte: Die Nadel zeigt auf das, worauf es ankommt. Das war entgegen allem, was ich sonst in Schule und Gesellschaft lernte, „das, was droben ist“, „Christus, euer Leben“. Darauf sollen wir unsere Gedanken und unsere Energie richten.

Noch heute bin ich meinem Pfarrer dankbar, der intuitiv einen Vers auswählte, der mir mein Leben lang Richtschnur war. Einen Konfirmationsspruch für einen Jugendlichen oder eine Jugendliche auszusuchen, ist eine wunderbare Art, zu sagen „Ich sehe dich“.

Ich wünsche allen Jugendlichen, die in diesen Wochen konfirmiert werden, einen Konfirmationsspruch, der sie ihr Leben lang begleitet, ermutigt und ihnen Orientierung bietet.

Einen gesegneten Sonnabend
Ihr Bischof Hans-Jürgen Abromeit

25. Mai 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

erinnern Sie sich noch daran, als Sie zum ersten Mal gewählt haben?

Ich weiß noch genau, wie wichtig mir dieser Augenblick war, als ich in die Wahlkabine trat und den Wahlschein ausfüllte. Endlich durfte ich mitbestimmen, teilhaben an der politischen Gestaltung unseres Landes.

Wie so oft im Leben hat sich dieses Gefühl später dann verändert. Es wurde selbstverständlich – ja, manchmal auch schwer, mein Kreuz zu machen – je  nachdem, wie die politische Lage und die Entwicklung der einzelnen Parteien verlief. Aber mein Recht und meine Pflicht als Staatsbürger unserer Demokratie wahrzunehmen, war für mich immer eine Selbstverständlichkeit.

Eine Demokratie bleibt nicht selbstverständlich stabil. Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit, auch die Freiheit des Internets, gilt es beständig neu zu erringen. Aktiv. Vor Ort. Im Alltag. Aber auch in der Wahlkabine.

Als Christinnen und Christen sind wir Teil der Gesellschaft, in der wir leben. Und wir können diese mit weitem Blick und offenem Herzen mitgestalten, denn wir wissen uns als Teil der Menschheit dieser Welt. Einer Welt, auf der uns ein Leben von Gott geschenkt wurde. Kostbar und einmalig.

Morgen ist Europawahl. Und ich bitte Sie: Gehen Sie wählen! Lassen Sie uns miteinander an einer Zukunft für alle Menschen mitarbeiten! Ein friedliches, demokratisches Europa ist ein wichtiger Teil davon.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen,
Ihr Bischof Gothart Magaard

18. Mai 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Singt Gott ein neues Lied!“ Das ist das Motto des kommenden Sonntags. Es ist der Sonntag der Kirchenmusik. Des Gesangs, der Musik, der Chöre und Posaunenchöre. Also: Singen wir! Bewegend, sehnsuchtsvoll und freudig. Schön und schief, laut und leise.

Nur nicht so, wie man heiter-harmlos ein Liedchen summt. Denn der kommende Sonntag erinnert daran, dass Gott Heil und Gerechtigkeit will. Für alle, die nicht mehr ein noch aus wissen. 

Für alle, die sich abgehängt fühlen und ohne Perspektive leben - an den Rändern und in den Zentren der globalisierten Welt. Für alle, die nach Recht und Frieden schreien - wo auch immer auf dieser Welt: „Singt Gott ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. Gott lässt sein Heil kundwerden, vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.“

Wer von Gott singt, der Heil und Gerechtigkeit schafft, schlägt tatsächlich neue Töne an. Singt von Frieden, Gerechtigkeit und einem Leben aus Gottes Fülle für alle Geschöpfe auf dieser Erde. Und tut etwas dafür, dass das Lied nicht nur ein schönes Liedchen bleibt, sondern Wirklichkeit wird.

Wo immer Sie am Sonntag sind - stimmen Sie ein in Gottes Lied! Ich werde das tun beim Landesposaunenfest in Plau am See. 

Und finde, es wäre wunderbar: Wir öffnen Mund, Herz und Hände. Singen Gottes neue Lieder. Und leben seine Liebe. „Denn er tut Wunder.“ Auch durch uns.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht
Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin

11. Mai 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

von meiner Bischofskanzlei aus konnte ich sie gestern wieder hören: Die Schiffshörner bei der Einlaufparade zum Hamburger Hafengeburtstag. Ein ganz besonderer Ton ist das, der weit über das Wasser trägt und nach Weite und Fernweh klingt.

Hamburg ist um den Hafen herum gewachsen und verdankt ihm seine Bedeutung, genauso wie Lübeck und viele andere Städte hier im Norden.

Ein Hafen ist das Tor hinaus zur Welt - und zugleich ein Ort, an dem die Welt zu Gast ist. Auch wenn der moderne Seehandel wenig Platz lässt für Romantik: Häfen sind Sehnsuchtsorte geblieben. Und so strömen Hunderttausende an diesem Wochenende an die Landungsbrücken, um die Segelschiffe zu bestaunen, Fischbrötchen zu essen, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Seeleute sucht man hier allerdings vergeblich, abgesehen von einigen Matrosen der Segelschulschiffe. Die allermeisten Seeleute kommen wie an jedem Tag kaum herunter von den Containerriesen, denn die Arbeit dort ist hart und eng getaktet.

Zum Glück gibt es unsere Seemannsmission, die zu den Schiffen rausfährt, mit den Seeleuten spricht, ihnen Telefonkarten mitbringt und Gottes Segen wünscht. Auch an den „Seafarer’s Lounges“ in den Kreuzfahrtterminals haben die Leute der Seemannsmission alle Hände voll zu tun, um für die Besatzungen der Kreuzfahrtschiffe da zu sein, die hier in ihren kurzen Pausen vorbeischauen.

Hafenromantik und Alltag der Seeleute - es ist gar nicht leicht, das zusammenzubringen. Der Hafen lebt von der Arbeit der Seeleute, so wie letztlich der gesamte Welthandel.

Und wenn heute und morgen der Hafengeburtstag gefeiert wird, dann sollten wir wenigstens ab und zu an die Männer und Frauen denken, die wie jeden Tag Container verladen, Maschinen ölen und Decks schrubben. Sie haben unseren Dank wirklich verdient.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende!
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

04. Mai 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor wenigen Tagen bin ich im Rahmen einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie der Nordkirche dazu befragt worden, wie der „Soundtrack meines Lebens“ aussieht. Es hat mir große Freude gemacht, das einmal zu bedenken.

Welche Lieder, welche Musikstücke begleiten mich durch mein Leben? Welche waren mal eine Zeit lang wichtig? Welche tauchen immer wieder auf? Der wunderbar melancholisch-lebensfrohe Song „Piano man“ von Billy Joel gehört für mich in meinem Leben dazu, ebenso wie das Kirchenlied „Lobe den Herren“ oder das Protestlied „We shall overcome“.

Aber der „Soundtrack meines Lebens“ umfasst auch ganz anderes: das irgendwie lauter klingende Zwitschern der Vögel am Ostermorgen, das Lachen meiner Kinder, das Fahrgeräusch meines „rollenden Büros“, in dem ich oft stundenlang unterwegs bin – und nicht zuletzt das Läuten der Kirchenglocken, die mich zur Besinnung, zum Gottesdienst rufen – mitten in meinem Alltag. Die alles andere, was mich so umtreibt, für ein paar heilsame Augenblicke unterbrechen.

Und bei Ihnen? Was gehört zum „Soundtrack“ Ihres Lebens?

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

27. April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„das musst du nicht verstehen, glaub mir einfach.“ Haben Sie diesen Satz auch schon mal gehört? Fragen halten auf, Zweifler sind unbequem. Das gilt besonders in Institutionen. In unserer Kirche sind Zweifler in vergangenen Zeiten sogar verfolgt worden.

Glaubenszweifel sind für manch engagierten Christen ein Tabuthema. Aber kann man als vernünftiger Mensch im Ernst glauben, dass da jemand auferstanden sein soll von den Toten? Da muss man doch zweifeln, nachfragen, Beweise verlangen.

Die Bibel zeigt in vielen Texten Sympathien für Zweifler in Glaubenskrisen. Morgen lesen wir im Gottesdienst eine Erzählung aus dem Johannesevangelium, landläufig auch als die Geschichte „vom ungläubigen Thomas“ bekannt.

Thomas, der Jünger, der nicht einfach Ja und Amen dazu sagt, als er vom auferstandenen Jesus hört. Sondern, ganz Skeptiker: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.“ (Johannes 20, 25). Und damit stellt er die Frage, die viele in unserer Gesellschaft umtreibt: 'Wie soll ich an etwas glauben, dass ich nicht sehen, hören, berühren kann?'

Jesus verurteilt den Weg dieses rationalen Zweiflers nicht. Im Gegenteil. Er geht auf Thomas ein, um dessen Zweifel auszuräumen. Und Thomas, in dem Moment, als er Jesus erkennt, spricht eines der tiefsten und schönsten Glaubensbekenntnisse in der Bibel aus: „Mein Herr und mein Gott“.

Gesegnetes Wochenende
Ihr Bischof Hans-Jürgen Abromeit

20. April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, 

haben Sie die Bilder der brennenden Kathedrale Notre-Dame auch so bewegt? Woher diese Erschütterung, auch unter Menschen, die sich nicht als gläubig verstehen? Pascal Mercier schreibt in „Nachtzug nach Lissabon“:

„Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt… Ich will mich einhüllen lassen von der herben Kühle der Kirchen. Ich brauche ihr gebieterisches Schweigen. Ich brauche es gegen das geistlose Gebrüll des Kasernenhofs und das geistreiche Geschwätz der Mitläufer… Ich liebe betende Menschen. Ich brauche ihren Anblick. Ich brauche ihn gegen das tückische Gift des Oberflächlichen und Gedankenlosen.“

Vielleicht führt diese Katastrophe zur Besinnung und zu neuem Miteinander. Die ersten Anzeichen sind ermutigend: Notre-Dame soll auferstehen. Menschen unterschiedlichster Religion und Weltanschauung zeigen sich solidarisch.

Ostern erinnert uns an den Hoffnungs-Grund unseres Lebens: Tod und Zerstörung behalten nicht die Oberhand. Die Quelle allen Lebens, Gott selbst, steht dafür ein. In der Auferweckung Jesu Christi wurde das deutlich. Geben wir Schönheit und Stille Raum! Lassen wir Geist und Poesie unter uns lebendig sein – und wir werden spüren, wie viel uns untereinander verbindet! Und können jede Herausforderung angehen – auch die Not jener, die kaum noch Aufmerksamkeit erregt!

Manchmal braucht es Erschütterung unserer Fundamente, damit wir wach werden – und zur Hoffnung finden, die trägt.

Gesegnete Ostern!

Ihr Bischof Andreas v. Maltzahn

13. April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, 

morgen fahre ich nach England in unsere Partnerdiözese Ely. Ich freue mich darauf, nicht nur weil ich interessante Menschen und gute Freunde treffe.

Fast wichtiger ist es mir zu zeigen, dass wir die Kontakte zwischen Festland und britischer Insel gerade in diesen Zeiten nicht abreißen lassen dürfen. Ich will ein Zeichen dafür setzen, dass die menschlichen Begegnungen das A und O sind. Menschen finden zueinander. Das ist für mich der Kern der europäischen Idee!

Und auch des ökumenischen Geistes! In der Verbundenheit der Kirchen in Europa haben wir in den letzten Jahrzehnten erlebt, wie wunderbar es ist, wenn Menschen aus anderen Ländern, in verschiedenen Sprachen und aus unterschiedlichen Traditionen, gemeinsam nach Frieden und Versöhnung suchen und so in der Begegnung ihren christlichen Glauben leben.

Wann, wenn nicht jetzt, gilt es darauf hinzuweisen. Genau deshalb mache ich mich auf den Weg – und natürlich wegen der guten Freunde.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard aus Schleswig

06. April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

und wenn das nun Schule machen würde? Wenn alle pflichtvergessen die Prioritäten verändern würden? Supermärkte geschlossen, Flughäfen dunkel und auch die Bischöfin nicht erreichbar, weil freitags „Fridays for future“ ist? Man träfe sich bei der Kundgebung, Klimaschutz wäre wichtiger als Lernen und Arbeiten und Konsumieren. Wär‘ das was?

Seit ein paar Jahren steht der Sonntag zwei Wochen vor Ostern für uns in der Nordkirche ganz im Zeichen der weltweiten Gerechtigkeit: Seit 2015, als in Paris die Weltklimakonferenz um angemessene Ziele und richtiges Handeln rang. „Klimapilger“ machten sich damals auf den Weg von Flensburg nach Paris, um auf die Dringlichkeit des Themas hinzuweisen.

Uns sterben die Ziegen weg, berichteten uns Partnerkirchen aus Afrika, und auf den Inseln der Südsee stellten Menschen sich langsam auf ihre Zukunft als „Klimaflüchtlinge“ ein. Wir lernten die Gesichter der Menschen zu sehen, die am Klimawandel sterben würden. Ganz konkret. Und wir mussten erkennen, wie das Thema  in den Hintergrund trat: Schwere Terroranschläge in Paris haben Angst und Schrecken verbreitet, und die Welt hatte völlig andere Probleme.

Jetzt sind wir dreieinhalb Jahre weiter. Die erfrischend deutlichen  und unerschrockenen Formulierungen von Greta Thunberg haben etwas verändert. Ihr ohnmächtiger, anfangs einsamer  Protest freitags in Stockholm, wenn sie in der Schule hätte sitzen sollen, bewegt etwas. Jetzt sind „Fridays for future“ daraus geworden. Und wer weiß, wohin die noch führen.

Protest stört. Er unterbricht das Alltägliche, um an das Wichtige zu erinnern. Das machen Schülerinnen und Schüler nun am Freitag. Genau so waren die Sonntage auch mal gedacht. Sie unterbrechen den Alltag, um an das Wichtige zu erinnern.

Irgendwie ganz schön, dass die junge, nachdenkliche „Generation Greta“ auf die gleichen Ideen kommt, wie unsere Vorfahren in früheren Jahrtausenden. Und irgendwie ganz schön, dass nun der nächste Sonntag, der Sonntag „Judika“, an das Anliegen des Klimaschutzes in besonderer Weise erinnert.

In diesem Sinne: ein gesegnetes Wochenende!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

23. März 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Finnen sind die Glücklichsten. Sagt eine aktuelle Umfrage. Wir Deutschen liegen im Mittelfeld. Was eigentlich macht glücklich?

Die Umfrage nennt Rahmenbedingungen wie intakte Natur, soziale Sicherheit, Freiheit, gesellschaftlichen Frieden.

Im Blick auf den Einzelnen war Jesus überzeugt: Nicht auf das, was du kriegen, konsumieren, erleben kannst, kommt es an. Sondern auf das, was du gibst. Hingabe erfüllt! Etwas tun für mehr Gerechtigkeit; Leid mittragen; Frieden stiften; sein Herz sprechen lassen… Wo dir das gelingt, wird dein Leben reich.

Gerade sah ich die Bilder überfluteter Landstriche in Mosambik und Simbabwe und denke: Lasst uns die Not dort lindern! Aber auch: Lasst uns endlich Ernst damit machen, den Klimawandel zu begrenzen! Sonst können wir nicht glücklich sein. 

Ihr Bischof Andreas v. Maltzahn

16. März 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, 

seit vielen Jahren begehen wir als Nordkirche gemeinsam mit dem Weißen Ring e.V., der Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Familien, den „Tag der Kriminalitätsopfer“ am 22. März. 

In Schleswig steht in diesem Jahr das Thema „Zivilcourage“ im Mittelpunkt. Das Wort „Courage“, Mut, leitet sich vom französischen „Coeur“, also „Herz“, her. 

Beherzt hinsehen, Hilfe holen und Menschen nicht allein lassen – dazu braucht es offene Augen für das, was geschieht, und eben auch ein mutiges Herz.

Auch als Kirche werben wir für Zivilcourage in unserer Gesellschaft. Wir werben dafür, hinzusehen, hinzuhören, Hilfe zu holen. Aber auch schlicht Position zu beziehen, wenn andere –  warum auch immer –  verbal angegangen werden. 

Gerade am „Tag der Kriminalitätsopfer“ denke ich dabei an das Wort aus dem Buch der Sprüche, das uns alle genau dazu auffordert:

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“ (Sprüche 31,8+9)

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen Ihr
Bischof Gothart Magaard aus Schleswig

02. März 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Kommt, alles ist bereit!“ (Lukas 14,17)

So lautet das Motto des Weltgebetstags, den gestern viele, viele Frauen und Männer rund um den Globus gefeiert haben.

Auch in Greifswald haben wir uns im Gottesdienst vor der Wahl des neuen Bischofs für den Sprengel Mecklenburg und Pommern von diesem Motto inspirieren lassen. Nachdem die Synode entschieden hat, freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Tilman Jeremias.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Weg bis zur Entscheidung der Landessynode lang ist, große öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt  und hohes Engagement erfordert. Dafür danke ich beiden Geistlichen, die sich zur Wahl gestellt haben, und wünsche Ihnen Gottes Segen!

Mit der Wahl von Tilman Jeremias ist das bischöfliche Quartett für die nächsten Jahre vollständig. Ich bin zuversichtlich, dass wir ein gutes Team bilden werden, das mit zwei Frauen und zwei Männern paritätisch besetzt ist.

„Kommt, alles ist bereit!“ – so fühlt es sich an, wenn ich auf unsere gemeinsame Zeit schaue und es stimmt mich gleichzeitig freudig und nachdenklich. Wie werden wir unsere Aufgabe gemeinsam gestalten und welche Veränderungen in Kirche und Gesellschaft werden auf uns zukommen? Die Einladung, Gottes Gegenwart in dieser Welt zu feiern und eine offene Kirche zu sein, bleibt unser Auftrag, zusammen mit allen und über Mauern und Grenzen hinweg.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen,
Ihr Bischof Gothart Magaard

23. Februar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

als lächelnder Engel Damiel in Wim Wenders „Himmel über Berlin“ ist er unvergesslich: Bruno Ganz, der letzte Woche gestorben ist. Für die Erwachsenen ist er unsichtbar, nur Kinder können ihn sehen in dem Film.

So stellen auch wir meistens erst im Rückblick fest, wenn wir einem Engel begegnet sind: „Da hatte ich wirklich einen Schutzengel“, sagen wir staunend. Oder, nach schweren Zeiten: „Da war ein Engel an meiner Seite“.

Für Dietrich Bonhoeffer bestand kein Zweifel daran, dass es Engel gibt. Er spricht in einem Brief - ein halbes Jahr vor seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten - von einem „großen, unsichtbaren Reich, in dem man lebt“.

Der Theologe und Widerstandskämpfer meinte: Nicht nur Kinder brauchen Engel. „Wenn es in dem alten Kinderlied von den Engeln heißt, zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute, unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsene heute nicht weniger brauchen als die Kinder.“

Bonhoeffer war im Angesicht der Macht des Bösen überzeugt davon, von Gottes guten Mächten gehalten zu sein. Dies hat er in einem Gedicht formuliert, das bis heute unzählige Menschen berührt und getröstet hat:

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiss an jedem neuen Tag. 

Wenn wir es lernen, uns Gottes guter und leitender Hand anzuvertrauen, schenkt uns das eine große Gelassenheit für unser Leben. Ich wünsche Ihnen ein feines Gespür dafür, die Stimme seiner Engel zu vernehmen.

Einen gesegneten Sonnabend wünscht
Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

16. Februar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

sie waren zu dritt, und sie hatten mir Einiges zu sagen: Wie in jedem Jahr besuchten mich im Dezember die Hamburger Kinderbischöfe. Genauer gesagt: Es waren diesmal drei Bischöfinnen. Das war vor zwei Monaten – und jetzt, am Ende ihrer  Amtszeit, haben sie sich noch einmal gemeldet und mich sozusagen um Amtshilfe gebeten: Sie haben nämlich an ihrer Schule, der Wichern-Schule in Hamburg-Horn, eine Aktion ins Leben gerufen: „Für Vielfalt – gegen Ausgrenzung“. Dazu haben sie und die anderen Kinder aus den 5. Klassen Postkarten gestaltet. Dafür mache ich gerne Werbung - eines der Motive sehen Sie hier.

 

 

Besonders liegt Mathilde, Emma und Julia der Einsatz gegen Mobbing am Herzen. An ihrer Schule gibt es sogar eine „Anti-Mobbing-Woche“ und Streitschlichter-Teams. Aber die drei haben auch das Thema Integration im Blick: Es sei doch absolut wichtig, dass alle Menschen sich ungeachtet ihrer Herkunft gegenseitig akzeptieren müssten. Und dass sie trotz unterschiedlicher Religion friedlich zusammenleben müssten. Sie warten auf Rückmeldung- und wenn Ihnen irgendetwas zum Thema einfällt, dann schreiben Sie gerne auf Facebook oder an kinderbischof@wichern-schule.de.

Ach so, und falls Sie nicht wissen, was Kinderbischöfe sind: Dieses Ehrenamt stammt noch aus dem Mittelalter. Vor 25 Jahren wurde es in Hamburg wiederbegründet. Jeweils drei Kinder aus der 5. Klasse der Wichern-Schule werden berufen und erhalten in einem festlichen Gottesdienst in der Hauptkirche St. Nikolai den Stab, den Ring und die Mitra (so etwas habe nicht mal ich…) als Zeichen ihrer bischöflichen Würde. Dann ziehen sie durch die Stadt, gehen ins Rathaus und reden mit Politikern, oder sie besuchen eine soziale Einrichtung. Und immer kommen sie auch zu mir – und jedesmal bringt mich dieser „Bischofsgipfel“ auf neue Gedanken. Ich freue mich schon auf’s nächste Mal. Und wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende!

Ihre

Kirsten Fehrs

2. Februar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

In der Grundschule im vorpommerschen Loitz wurden Kinder befragt, was sie mit ‚Heimat‘ verbinden. Antwort: „Weihnachtsduft, Gurken, Döner.“

Als Jugendlicher war ‚Heimat‘ für mich nicht recht zu fassen. In der sozialistischen Schule sagten sie uns: „Seid stolz auf die Errungenschaften der DDR!“Ich aber konnte nicht stolz sein auf ein System, dass sein Volk einmauerte, damit es nicht weglief. Heimat war für mich eher, was ich in der Kirche erlebte: einen Raum, wo es möglich und erwünscht ist, frei zu denken; eine Gemeinschaft, in der es nicht darauf ankommt, ob jemand Arbeiter oder Professor ist; Menschen, die wie ich nach Sinn suchten und fragten, was Gott sich von uns wünscht.

Mein Glaube schenkt mir auch heute ein Stück Heimat in allem Wandel, aller Zerrissenheit. Bei allem, was uns in unserem Leben beunruhigen kann – wir können uns bergen in dem guten Gefühl: Gott ist da. Ich kann nicht tiefer fallen als in seine Hände.

Gott behüte Sie!
Ihr Bischof von Maltzahn

26. Januar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ich soll nicht morden
Ich soll nicht verraten
Das weiß ich
Ich muß noch ein Drittes lernen:
Ich soll mich nicht gewöhnen.
(...)
Wenn ich mich auch nur an den Anfang gewöhne
Fange ich an mich an das Ende zu gewöhnen

Worte des Schriftstellers Erich Fried.

Unsere politische und gesellschaftliche Kultur braucht den Reibungswiderstand des wachen Verstandes, der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit. Sie braucht keine Schwarz-Weiß-Malerei, sondern die Erkenntnis, dass es immer auch Grautöne gibt und den Mut zu vielfältigen Farbspielen.

Sie braucht den Willen zur Veränderung. Sie braucht die Hoffnung, dass diese Welt nicht bleiben muss, wie sie ist. Sie braucht auch die Erinnerung an das, was in unserem Land einst geschah und was nie wieder geschehen darf.

„Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ nennt uns Jesus. Er hat sich nicht gewöhnt. Darin möchte ich ihm nachfolgen.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen,
Ihr Bischof Gothart Magaard

Sonnabend, 19. Januar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht ist es ungewöhnlich, über einen Film zu schreiben, der schon seit zwei Monaten in den Kinos läuft. Aber immerhin weiß ich jetzt schon, dass ihn neben mir auch zwei Millionen andere Menschen gesehen haben - und dass viele genauso begeistert sind wie ich.

„Der Junge braucht frische Luft“ ist ein ziemlich spezieller Film. Klar, das liegt zum einen an der Handlung, die ja bekanntlich die Kindheit von Hape Kerkeling beschreibt: Auch mir ist es nahegegangen, wie der achtjährige Hans-Peter immer wieder versucht, seine depressive Mutter aufzuheitern – und letztlich daran scheitert.

Und ja: Die Ausstattung ist überzeugend echt, ich habe quasi eine Zeitreise in meine Kindheit erlebt. Ich bin zwar nicht in Recklinghausen aufgewachsen, sondern in Dithmarschen. Aber Hans-Peters Schulklasse samt der netten Lehrerin hätte auch meine sein können…

Doch da ist noch etwas anderes, was aus meiner Sicht den Erfolg des Films ausmacht: Es ist ein Heimatfilm der allerbesten Sorte. Denn er definiert Heimat nicht über sinnstiftende nationale Ereignisse (wie zum Beispiel „Das Wunder von Bern“) oder über Naturräume (wenngleich Landschaftsaufnahmen gezeigt werden), sondern über menschliche Beziehungen, über die Familie.

„Omma und Oppa“, wie es im Ruhrpott-Slang heißt, die Tanten und Onkel, aber auch Freunde, Nachbarinnen, die Lehrerin. Keine glatten Figuren, viele versehrt an Leib oder Seele, zum Teil noch durch den Krieg, aber auch durch Krankheit und Alter. Und doch alle liebenswert, einander zugeneigt. Auch der Glaube spielt eine Rolle, dezent. Die Tante ist Nonne, aber keine frömmelnde Betschwester, sondern eine, die für den neugierigen Hans-Peter („Hast du eigentlich auch Haare?“) sogar einmal ihr Kopftuch abnimmt.

Uns tragen am Ende die Beziehungen, nicht materielle Werte, nicht Dogmen und Ideologien, nicht Technik und nicht Texte. Nur, dass jemand für uns da ist, wenn es darauf ankommt. Mit tröstendem Wort, wie der Opa - oder im kräftigen Hinlangen, wie der große Bruder, der den kleinen Hans-Peter vor den prügelnden Nachbarsjungen beschützt.

Mit zärtlicher Geste, wie die Oma, die das Lieblingsessen kocht. Es ist längst nicht überall so, aber es ist jedem Menschen zu wünschen.

Das ist die Botschaft dieses wunderbaren Films – den ich hiermit noch einmal wärmstens empfehle!

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen herzlich
Bischöfin Kirsten Fehrs

12. Januar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

so soll es sich zugetragen haben: Beim Krippenspiel wollte niemand den abweisenden Wirt spielen. Widerwillig ließ sich der kleine Roberto, Sohn von Einwanderern, überreden. Doch er gab sein Bestes. Grimmig schmetterte er bei den Proben: „Nein, von mir bekommt ihr kein Zimmer! Verschwindet!“

Heiligabend kam die Aufführung: Maria bat verzagt um ein Zimmer. Roberto, mit grimmigem Blick, setzte an loszupoltern. Aber dann sagte er: „Kommt nur herein. Ihr bekommt das beste Zimmer. Esst, soviel ihr wollt.“, und wollte Maria ins Haus führen. „Spinnst du?“, entfuhr es Maria. Das Krippenspiel war gelaufen.

Später gestand Roberto seinem Vater: „Ich konnte die beiden einfach nicht wegschicken. Sie waren so verzweifelt, und schließlich ist doch Weihnachten.“ Sein Vater war stolz auf ihn.

Großartig, wenn Menschen so ihr Herz sprechen lassen! Das neue Jahr ist voller Gelegenheiten, weihnachtlich aus der Rolle zu fallen. Möge es auch für Sie gesegnet sein!

Ihr Bischof Dr. Andreas von Maltzahn

Verbinden Sie sich mit uns

Wir heißen Sie willkommen!
Diese und viele weitere Segensworte der Nordkirche:

twitter

facebook

instagram

Sie haben Fragen, Wünsche, Anregungen?

socialmedia@nordkirche.de

Veranstaltungen
Orte
  • Orte
  • Flensburg
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Flensburg-St. Johannis
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Gertrud zu Flensburg
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien zu Flensburg
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Michael in Flensburg
    • Ev.-Luth. St. Nikolai-Kirchengemeinde Flensburg
    • Ev.-Luth. St. Petrigemeinde in Flensburg
  • Hamburg
    • Hauptkirche St. Jacobi
    • Hauptkirche St. Katharinen
    • Hauptkirche St. Michaelis
    • Hauptkirche St. Nikolai
    • Hauptkirche St. Petri
  • Greifswald
    • Ev. Bugenhagengemeinde Greifswald Wieck-Eldena
    • Ev. Christus-Kirchengemeinde Greifswald
    • Ev. Johannes-Kirchengemeinde Greifswald
    • Ev. Kirchengemeinde St. Jacobi Greifswald
    • Ev. Kirchengemeinde St. Marien Greifswald
    • Ev. Kirchengemeinde St. Nikolai Greifswald
  • Kiel
  • Lübeck
    • Dom zu Lübeck
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Aegidien zu Lübeck
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Jakobi Lübeck
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien in Lübeck
    • St. Petri zu Lübeck
  • Rostock
    • Ev.-Luth. Innenstadtgemeinde Rostock
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rostock Heiligen Geist
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rostock-Evershagen
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rostock-Lütten Klein
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis Rostock
    • Ev.-Luth. Luther-St.-Andreas-Gemeinde Rostock
    • Kirche Warnemünde
  • Schleswig
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schleswig
  • Schwerin
    • Ev.-Luth. Domgemeinde Schwerin
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Berno Schwerin
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Nikolai Schwerin
    • Ev.-Luth. Petrusgemeinde Schwerin
    • Ev.-Luth. Schloßkirchengemeinde Schwerin
    • Ev.-Luth. Versöhnungskirchengemeinde Schwerin-Lankow

Kirchenmusik
Orte
  • Orte
  • Flensburg
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Flensburg-St. Johannis
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Gertrud zu Flensburg
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien zu Flensburg
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Michael in Flensburg
    • Ev.-Luth. St. Nikolai-Kirchengemeinde Flensburg
    • Ev.-Luth. St. Petrigemeinde in Flensburg
  • Hamburg
    • Hauptkirche St. Jacobi
    • Hauptkirche St. Katharinen
    • Hauptkirche St. Michaelis
    • Hauptkirche St. Nikolai
    • Hauptkirche St. Petri
  • Greifswald
    • Ev. Bugenhagengemeinde Greifswald Wieck-Eldena
    • Ev. Christus-Kirchengemeinde Greifswald
    • Ev. Johannes-Kirchengemeinde Greifswald
    • Ev. Kirchengemeinde St. Jacobi Greifswald
    • Ev. Kirchengemeinde St. Marien Greifswald
    • Ev. Kirchengemeinde St. Nikolai Greifswald
  • Kiel
  • Lübeck
    • Dom zu Lübeck
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Aegidien zu Lübeck
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Jakobi Lübeck
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien in Lübeck
    • St. Petri zu Lübeck
  • Rostock
    • Ev.-Luth. Innenstadtgemeinde Rostock
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rostock Heiligen Geist
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rostock-Evershagen
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rostock-Lütten Klein
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis Rostock
    • Ev.-Luth. Luther-St.-Andreas-Gemeinde Rostock
    • Kirche Warnemünde
  • Schleswig
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schleswig
  • Schwerin
    • Ev.-Luth. Domgemeinde Schwerin
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Berno Schwerin
    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Nikolai Schwerin
    • Ev.-Luth. Petrusgemeinde Schwerin
    • Ev.-Luth. Schloßkirchengemeinde Schwerin
    • Ev.-Luth. Versöhnungskirchengemeinde Schwerin-Lankow

Personen und Institutionen finden