Segensworte und Erbauliches - jeden Sonnabend

Wir wünschen Ihnen Zeit zum Kraftschöpfen mit Gottes Segen.

25. Mai 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

erinnern Sie sich noch daran, als Sie zum ersten Mal gewählt haben?

Ich weiß noch genau, wie wichtig mir dieser Augenblick war, als ich in die Wahlkabine trat und den Wahlschein ausfüllte. Endlich durfte ich mitbestimmen, teilhaben an der politischen Gestaltung unseres Landes.

Wie so oft im Leben hat sich dieses Gefühl später dann verändert. Es wurde selbstverständlich – ja, manchmal auch schwer, mein Kreuz zu machen – je  nachdem, wie die politische Lage und die Entwicklung der einzelnen Parteien verlief. Aber mein Recht und meine Pflicht als Staatsbürger unserer Demokratie wahrzunehmen, war für mich immer eine Selbstverständlichkeit.

Eine Demokratie bleibt nicht selbstverständlich stabil. Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit, auch die Freiheit des Internets, gilt es beständig neu zu erringen. Aktiv. Vor Ort. Im Alltag. Aber auch in der Wahlkabine.

Als Christinnen und Christen sind wir Teil der Gesellschaft, in der wir leben. Und wir können diese mit weitem Blick und offenem Herzen mitgestalten, denn wir wissen uns als Teil der Menschheit dieser Welt. Einer Welt, auf der uns ein Leben von Gott geschenkt wurde. Kostbar und einmalig.

Morgen ist Europawahl. Und ich bitte Sie: Gehen Sie wählen! Lassen Sie uns miteinander an einer Zukunft für alle Menschen mitarbeiten! Ein friedliches, demokratisches Europa ist ein wichtiger Teil davon.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen,
Ihr Bischof Gothart Magaard

18. Mai 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Singt Gott ein neues Lied!“ Das ist das Motto des kommenden Sonntags. Es ist der Sonntag der Kirchenmusik. Des Gesangs, der Musik, der Chöre und Posaunenchöre. Also: Singen wir! Bewegend, sehnsuchtsvoll und freudig. Schön und schief, laut und leise.

Nur nicht so, wie man heiter-harmlos ein Liedchen summt. Denn der kommende Sonntag erinnert daran, dass Gott Heil und Gerechtigkeit will. Für alle, die nicht mehr ein noch aus wissen. 

Für alle, die sich abgehängt fühlen und ohne Perspektive leben - an den Rändern und in den Zentren der globalisierten Welt. Für alle, die nach Recht und Frieden schreien - wo auch immer auf dieser Welt: „Singt Gott ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. Gott lässt sein Heil kundwerden, vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.“

Wer von Gott singt, der Heil und Gerechtigkeit schafft, schlägt tatsächlich neue Töne an. Singt von Frieden, Gerechtigkeit und einem Leben aus Gottes Fülle für alle Geschöpfe auf dieser Erde. Und tut etwas dafür, dass das Lied nicht nur ein schönes Liedchen bleibt, sondern Wirklichkeit wird.

Wo immer Sie am Sonntag sind - stimmen Sie ein in Gottes Lied! Ich werde das tun beim Landesposaunenfest in Plau am See. 

Und finde, es wäre wunderbar: Wir öffnen Mund, Herz und Hände. Singen Gottes neue Lieder. Und leben seine Liebe. „Denn er tut Wunder.“ Auch durch uns.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht
Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin

11. Mai 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

von meiner Bischofskanzlei aus konnte ich sie gestern wieder hören: Die Schiffshörner bei der Einlaufparade zum Hamburger Hafengeburtstag. Ein ganz besonderer Ton ist das, der weit über das Wasser trägt und nach Weite und Fernweh klingt.

Hamburg ist um den Hafen herum gewachsen und verdankt ihm seine Bedeutung, genauso wie Lübeck und viele andere Städte hier im Norden.

Ein Hafen ist das Tor hinaus zur Welt - und zugleich ein Ort, an dem die Welt zu Gast ist. Auch wenn der moderne Seehandel wenig Platz lässt für Romantik: Häfen sind Sehnsuchtsorte geblieben. Und so strömen Hunderttausende an diesem Wochenende an die Landungsbrücken, um die Segelschiffe zu bestaunen, Fischbrötchen zu essen, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Seeleute sucht man hier allerdings vergeblich, abgesehen von einigen Matrosen der Segelschulschiffe. Die allermeisten Seeleute kommen wie an jedem Tag kaum herunter von den Containerriesen, denn die Arbeit dort ist hart und eng getaktet.

Zum Glück gibt es unsere Seemannsmission, die zu den Schiffen rausfährt, mit den Seeleuten spricht, ihnen Telefonkarten mitbringt und Gottes Segen wünscht. Auch an den „Seafarer’s Lounges“ in den Kreuzfahrtterminals haben die Leute der Seemannsmission alle Hände voll zu tun, um für die Besatzungen der Kreuzfahrtschiffe da zu sein, die hier in ihren kurzen Pausen vorbeischauen.

Hafenromantik und Alltag der Seeleute - es ist gar nicht leicht, das zusammenzubringen. Der Hafen lebt von der Arbeit der Seeleute, so wie letztlich der gesamte Welthandel.

Und wenn heute und morgen der Hafengeburtstag gefeiert wird, dann sollten wir wenigstens ab und zu an die Männer und Frauen denken, die wie jeden Tag Container verladen, Maschinen ölen und Decks schrubben. Sie haben unseren Dank wirklich verdient.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende!
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

04. Mai 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor wenigen Tagen bin ich im Rahmen einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie der Nordkirche dazu befragt worden, wie der „Soundtrack meines Lebens“ aussieht. Es hat mir große Freude gemacht, das einmal zu bedenken.

Welche Lieder, welche Musikstücke begleiten mich durch mein Leben? Welche waren mal eine Zeit lang wichtig? Welche tauchen immer wieder auf? Der wunderbar melancholisch-lebensfrohe Song „Piano man“ von Billy Joel gehört für mich in meinem Leben dazu, ebenso wie das Kirchenlied „Lobe den Herren“ oder das Protestlied „We shall overcome“.

Aber der „Soundtrack meines Lebens“ umfasst auch ganz anderes: das irgendwie lauter klingende Zwitschern der Vögel am Ostermorgen, das Lachen meiner Kinder, das Fahrgeräusch meines „rollenden Büros“, in dem ich oft stundenlang unterwegs bin – und nicht zuletzt das Läuten der Kirchenglocken, die mich zur Besinnung, zum Gottesdienst rufen – mitten in meinem Alltag. Die alles andere, was mich so umtreibt, für ein paar heilsame Augenblicke unterbrechen.

Und bei Ihnen? Was gehört zum „Soundtrack“ Ihres Lebens?

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

27. April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„das musst du nicht verstehen, glaub mir einfach.“ Haben Sie diesen Satz auch schon mal gehört? Fragen halten auf, Zweifler sind unbequem. Das gilt besonders in Institutionen. In unserer Kirche sind Zweifler in vergangenen Zeiten sogar verfolgt worden.

Glaubenszweifel sind für manch engagierten Christen ein Tabuthema. Aber kann man als vernünftiger Mensch im Ernst glauben, dass da jemand auferstanden sein soll von den Toten? Da muss man doch zweifeln, nachfragen, Beweise verlangen.

Die Bibel zeigt in vielen Texten Sympathien für Zweifler in Glaubenskrisen. Morgen lesen wir im Gottesdienst eine Erzählung aus dem Johannesevangelium, landläufig auch als die Geschichte „vom ungläubigen Thomas“ bekannt.

Thomas, der Jünger, der nicht einfach Ja und Amen dazu sagt, als er vom auferstandenen Jesus hört. Sondern, ganz Skeptiker: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.“ (Johannes 20, 25). Und damit stellt er die Frage, die viele in unserer Gesellschaft umtreibt: 'Wie soll ich an etwas glauben, dass ich nicht sehen, hören, berühren kann?'

Jesus verurteilt den Weg dieses rationalen Zweiflers nicht. Im Gegenteil. Er geht auf Thomas ein, um dessen Zweifel auszuräumen. Und Thomas, in dem Moment, als er Jesus erkennt, spricht eines der tiefsten und schönsten Glaubensbekenntnisse in der Bibel aus: „Mein Herr und mein Gott“.

Gesegnetes Wochenende
Ihr Bischof Hans-Jürgen Abromeit

20. April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, 

haben Sie die Bilder der brennenden Kathedrale Notre-Dame auch so bewegt? Woher diese Erschütterung, auch unter Menschen, die sich nicht als gläubig verstehen? Pascal Mercier schreibt in „Nachtzug nach Lissabon“:

„Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt… Ich will mich einhüllen lassen von der herben Kühle der Kirchen. Ich brauche ihr gebieterisches Schweigen. Ich brauche es gegen das geistlose Gebrüll des Kasernenhofs und das geistreiche Geschwätz der Mitläufer… Ich liebe betende Menschen. Ich brauche ihren Anblick. Ich brauche ihn gegen das tückische Gift des Oberflächlichen und Gedankenlosen.“

Vielleicht führt diese Katastrophe zur Besinnung und zu neuem Miteinander. Die ersten Anzeichen sind ermutigend: Notre-Dame soll auferstehen. Menschen unterschiedlichster Religion und Weltanschauung zeigen sich solidarisch.

Ostern erinnert uns an den Hoffnungs-Grund unseres Lebens: Tod und Zerstörung behalten nicht die Oberhand. Die Quelle allen Lebens, Gott selbst, steht dafür ein. In der Auferweckung Jesu Christi wurde das deutlich. Geben wir Schönheit und Stille Raum! Lassen wir Geist und Poesie unter uns lebendig sein – und wir werden spüren, wie viel uns untereinander verbindet! Und können jede Herausforderung angehen – auch die Not jener, die kaum noch Aufmerksamkeit erregt!

Manchmal braucht es Erschütterung unserer Fundamente, damit wir wach werden – und zur Hoffnung finden, die trägt.

Gesegnete Ostern!

Ihr Bischof Andreas v. Maltzahn

13. April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, 

morgen fahre ich nach England in unsere Partnerdiözese Ely. Ich freue mich darauf, nicht nur weil ich interessante Menschen und gute Freunde treffe.

Fast wichtiger ist es mir zu zeigen, dass wir die Kontakte zwischen Festland und britischer Insel gerade in diesen Zeiten nicht abreißen lassen dürfen. Ich will ein Zeichen dafür setzen, dass die menschlichen Begegnungen das A und O sind. Menschen finden zueinander. Das ist für mich der Kern der europäischen Idee!

Und auch des ökumenischen Geistes! In der Verbundenheit der Kirchen in Europa haben wir in den letzten Jahrzehnten erlebt, wie wunderbar es ist, wenn Menschen aus anderen Ländern, in verschiedenen Sprachen und aus unterschiedlichen Traditionen, gemeinsam nach Frieden und Versöhnung suchen und so in der Begegnung ihren christlichen Glauben leben.

Wann, wenn nicht jetzt, gilt es darauf hinzuweisen. Genau deshalb mache ich mich auf den Weg – und natürlich wegen der guten Freunde.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard aus Schleswig

06. April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

und wenn das nun Schule machen würde? Wenn alle pflichtvergessen die Prioritäten verändern würden? Supermärkte geschlossen, Flughäfen dunkel und auch die Bischöfin nicht erreichbar, weil freitags „Fridays for future“ ist? Man träfe sich bei der Kundgebung, Klimaschutz wäre wichtiger als Lernen und Arbeiten und Konsumieren. Wär‘ das was?

Seit ein paar Jahren steht der Sonntag zwei Wochen vor Ostern für uns in der Nordkirche ganz im Zeichen der weltweiten Gerechtigkeit: Seit 2015, als in Paris die Weltklimakonferenz um angemessene Ziele und richtiges Handeln rang. „Klimapilger“ machten sich damals auf den Weg von Flensburg nach Paris, um auf die Dringlichkeit des Themas hinzuweisen.

Uns sterben die Ziegen weg, berichteten uns Partnerkirchen aus Afrika, und auf den Inseln der Südsee stellten Menschen sich langsam auf ihre Zukunft als „Klimaflüchtlinge“ ein. Wir lernten die Gesichter der Menschen zu sehen, die am Klimawandel sterben würden. Ganz konkret. Und wir mussten erkennen, wie das Thema  in den Hintergrund trat: Schwere Terroranschläge in Paris haben Angst und Schrecken verbreitet, und die Welt hatte völlig andere Probleme.

Jetzt sind wir dreieinhalb Jahre weiter. Die erfrischend deutlichen  und unerschrockenen Formulierungen von Greta Thunberg haben etwas verändert. Ihr ohnmächtiger, anfangs einsamer  Protest freitags in Stockholm, wenn sie in der Schule hätte sitzen sollen, bewegt etwas. Jetzt sind „Fridays for future“ daraus geworden. Und wer weiß, wohin die noch führen.

Protest stört. Er unterbricht das Alltägliche, um an das Wichtige zu erinnern. Das machen Schülerinnen und Schüler nun am Freitag. Genau so waren die Sonntage auch mal gedacht. Sie unterbrechen den Alltag, um an das Wichtige zu erinnern.

Irgendwie ganz schön, dass die junge, nachdenkliche „Generation Greta“ auf die gleichen Ideen kommt, wie unsere Vorfahren in früheren Jahrtausenden. Und irgendwie ganz schön, dass nun der nächste Sonntag, der Sonntag „Judika“, an das Anliegen des Klimaschutzes in besonderer Weise erinnert.

In diesem Sinne: ein gesegnetes Wochenende!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

23. März 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Finnen sind die Glücklichsten. Sagt eine aktuelle Umfrage. Wir Deutschen liegen im Mittelfeld. Was eigentlich macht glücklich?

Die Umfrage nennt Rahmenbedingungen wie intakte Natur, soziale Sicherheit, Freiheit, gesellschaftlichen Frieden.

Im Blick auf den Einzelnen war Jesus überzeugt: Nicht auf das, was du kriegen, konsumieren, erleben kannst, kommt es an. Sondern auf das, was du gibst. Hingabe erfüllt! Etwas tun für mehr Gerechtigkeit; Leid mittragen; Frieden stiften; sein Herz sprechen lassen… Wo dir das gelingt, wird dein Leben reich.

Gerade sah ich die Bilder überfluteter Landstriche in Mosambik und Simbabwe und denke: Lasst uns die Not dort lindern! Aber auch: Lasst uns endlich Ernst damit machen, den Klimawandel zu begrenzen! Sonst können wir nicht glücklich sein. 

Ihr Bischof Andreas v. Maltzahn

16. März 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, 

seit vielen Jahren begehen wir als Nordkirche gemeinsam mit dem Weißen Ring e.V., der Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Familien, den „Tag der Kriminalitätsopfer“ am 22. März. 

In Schleswig steht in diesem Jahr das Thema „Zivilcourage“ im Mittelpunkt. Das Wort „Courage“, Mut, leitet sich vom französischen „Coeur“, also „Herz“, her. 

Beherzt hinsehen, Hilfe holen und Menschen nicht allein lassen – dazu braucht es offene Augen für das, was geschieht, und eben auch ein mutiges Herz.

Auch als Kirche werben wir für Zivilcourage in unserer Gesellschaft. Wir werben dafür, hinzusehen, hinzuhören, Hilfe zu holen. Aber auch schlicht Position zu beziehen, wenn andere –  warum auch immer –  verbal angegangen werden. 

Gerade am „Tag der Kriminalitätsopfer“ denke ich dabei an das Wort aus dem Buch der Sprüche, das uns alle genau dazu auffordert:

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“ (Sprüche 31,8+9)

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen Ihr
Bischof Gothart Magaard aus Schleswig

02. März 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Kommt, alles ist bereit!“ (Lukas 14,17)

So lautet das Motto des Weltgebetstags, den gestern viele, viele Frauen und Männer rund um den Globus gefeiert haben.

Auch in Greifswald haben wir uns im Gottesdienst vor der Wahl des neuen Bischofs für den Sprengel Mecklenburg und Pommern von diesem Motto inspirieren lassen. Nachdem die Synode entschieden hat, freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Tilman Jeremias.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Weg bis zur Entscheidung der Landessynode lang ist, große öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt  und hohes Engagement erfordert. Dafür danke ich beiden Geistlichen, die sich zur Wahl gestellt haben, und wünsche Ihnen Gottes Segen!

Mit der Wahl von Tilman Jeremias ist das bischöfliche Quartett für die nächsten Jahre vollständig. Ich bin zuversichtlich, dass wir ein gutes Team bilden werden, das mit zwei Frauen und zwei Männern paritätisch besetzt ist.

„Kommt, alles ist bereit!“ – so fühlt es sich an, wenn ich auf unsere gemeinsame Zeit schaue und es stimmt mich gleichzeitig freudig und nachdenklich. Wie werden wir unsere Aufgabe gemeinsam gestalten und welche Veränderungen in Kirche und Gesellschaft werden auf uns zukommen? Die Einladung, Gottes Gegenwart in dieser Welt zu feiern und eine offene Kirche zu sein, bleibt unser Auftrag, zusammen mit allen und über Mauern und Grenzen hinweg.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen,
Ihr Bischof Gothart Magaard

23. Februar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

als lächelnder Engel Damiel in Wim Wenders „Himmel über Berlin“ ist er unvergesslich: Bruno Ganz, der letzte Woche gestorben ist. Für die Erwachsenen ist er unsichtbar, nur Kinder können ihn sehen in dem Film.

So stellen auch wir meistens erst im Rückblick fest, wenn wir einem Engel begegnet sind: „Da hatte ich wirklich einen Schutzengel“, sagen wir staunend. Oder, nach schweren Zeiten: „Da war ein Engel an meiner Seite“.

Für Dietrich Bonhoeffer bestand kein Zweifel daran, dass es Engel gibt. Er spricht in einem Brief - ein halbes Jahr vor seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten - von einem „großen, unsichtbaren Reich, in dem man lebt“.

Der Theologe und Widerstandskämpfer meinte: Nicht nur Kinder brauchen Engel. „Wenn es in dem alten Kinderlied von den Engeln heißt, zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute, unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsene heute nicht weniger brauchen als die Kinder.“

Bonhoeffer war im Angesicht der Macht des Bösen überzeugt davon, von Gottes guten Mächten gehalten zu sein. Dies hat er in einem Gedicht formuliert, das bis heute unzählige Menschen berührt und getröstet hat:

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiss an jedem neuen Tag. 

Wenn wir es lernen, uns Gottes guter und leitender Hand anzuvertrauen, schenkt uns das eine große Gelassenheit für unser Leben. Ich wünsche Ihnen ein feines Gespür dafür, die Stimme seiner Engel zu vernehmen.

Einen gesegneten Sonnabend wünscht
Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

16. Februar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

sie waren zu dritt, und sie hatten mir Einiges zu sagen: Wie in jedem Jahr besuchten mich im Dezember die Hamburger Kinderbischöfe. Genauer gesagt: Es waren diesmal drei Bischöfinnen. Das war vor zwei Monaten – und jetzt, am Ende ihrer  Amtszeit, haben sie sich noch einmal gemeldet und mich sozusagen um Amtshilfe gebeten: Sie haben nämlich an ihrer Schule, der Wichern-Schule in Hamburg-Horn, eine Aktion ins Leben gerufen: „Für Vielfalt – gegen Ausgrenzung“. Dazu haben sie und die anderen Kinder aus den 5. Klassen Postkarten gestaltet. Dafür mache ich gerne Werbung - eines der Motive sehen Sie hier.

 

 

Besonders liegt Mathilde, Emma und Julia der Einsatz gegen Mobbing am Herzen. An ihrer Schule gibt es sogar eine „Anti-Mobbing-Woche“ und Streitschlichter-Teams. Aber die drei haben auch das Thema Integration im Blick: Es sei doch absolut wichtig, dass alle Menschen sich ungeachtet ihrer Herkunft gegenseitig akzeptieren müssten. Und dass sie trotz unterschiedlicher Religion friedlich zusammenleben müssten. Sie warten auf Rückmeldung- und wenn Ihnen irgendetwas zum Thema einfällt, dann schreiben Sie gerne auf Facebook oder an kinderbischof@wichern-schule.de.

Ach so, und falls Sie nicht wissen, was Kinderbischöfe sind: Dieses Ehrenamt stammt noch aus dem Mittelalter. Vor 25 Jahren wurde es in Hamburg wiederbegründet. Jeweils drei Kinder aus der 5. Klasse der Wichern-Schule werden berufen und erhalten in einem festlichen Gottesdienst in der Hauptkirche St. Nikolai den Stab, den Ring und die Mitra (so etwas habe nicht mal ich…) als Zeichen ihrer bischöflichen Würde. Dann ziehen sie durch die Stadt, gehen ins Rathaus und reden mit Politikern, oder sie besuchen eine soziale Einrichtung. Und immer kommen sie auch zu mir – und jedesmal bringt mich dieser „Bischofsgipfel“ auf neue Gedanken. Ich freue mich schon auf’s nächste Mal. Und wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende!

Ihre

Kirsten Fehrs

2. Februar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

In der Grundschule im vorpommerschen Loitz wurden Kinder befragt, was sie mit ‚Heimat‘ verbinden. Antwort: „Weihnachtsduft, Gurken, Döner.“

Als Jugendlicher war ‚Heimat‘ für mich nicht recht zu fassen. In der sozialistischen Schule sagten sie uns: „Seid stolz auf die Errungenschaften der DDR!“Ich aber konnte nicht stolz sein auf ein System, dass sein Volk einmauerte, damit es nicht weglief. Heimat war für mich eher, was ich in der Kirche erlebte: einen Raum, wo es möglich und erwünscht ist, frei zu denken; eine Gemeinschaft, in der es nicht darauf ankommt, ob jemand Arbeiter oder Professor ist; Menschen, die wie ich nach Sinn suchten und fragten, was Gott sich von uns wünscht.

Mein Glaube schenkt mir auch heute ein Stück Heimat in allem Wandel, aller Zerrissenheit. Bei allem, was uns in unserem Leben beunruhigen kann – wir können uns bergen in dem guten Gefühl: Gott ist da. Ich kann nicht tiefer fallen als in seine Hände.

Gott behüte Sie!
Ihr Bischof von Maltzahn

26. Januar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ich soll nicht morden
Ich soll nicht verraten
Das weiß ich
Ich muß noch ein Drittes lernen:
Ich soll mich nicht gewöhnen.
(...)
Wenn ich mich auch nur an den Anfang gewöhne
Fange ich an mich an das Ende zu gewöhnen

Worte des Schriftstellers Erich Fried.

Unsere politische und gesellschaftliche Kultur braucht den Reibungswiderstand des wachen Verstandes, der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit. Sie braucht keine Schwarz-Weiß-Malerei, sondern die Erkenntnis, dass es immer auch Grautöne gibt und den Mut zu vielfältigen Farbspielen.

Sie braucht den Willen zur Veränderung. Sie braucht die Hoffnung, dass diese Welt nicht bleiben muss, wie sie ist. Sie braucht auch die Erinnerung an das, was in unserem Land einst geschah und was nie wieder geschehen darf.

„Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ nennt uns Jesus. Er hat sich nicht gewöhnt. Darin möchte ich ihm nachfolgen.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen,
Ihr Bischof Gothart Magaard

Sonnabend, 19. Januar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht ist es ungewöhnlich, über einen Film zu schreiben, der schon seit zwei Monaten in den Kinos läuft. Aber immerhin weiß ich jetzt schon, dass ihn neben mir auch zwei Millionen andere Menschen gesehen haben - und dass viele genauso begeistert sind wie ich.

„Der Junge braucht frische Luft“ ist ein ziemlich spezieller Film. Klar, das liegt zum einen an der Handlung, die ja bekanntlich die Kindheit von Hape Kerkeling beschreibt: Auch mir ist es nahegegangen, wie der achtjährige Hans-Peter immer wieder versucht, seine depressive Mutter aufzuheitern – und letztlich daran scheitert.

Und ja: Die Ausstattung ist überzeugend echt, ich habe quasi eine Zeitreise in meine Kindheit erlebt. Ich bin zwar nicht in Recklinghausen aufgewachsen, sondern in Dithmarschen. Aber Hans-Peters Schulklasse samt der netten Lehrerin hätte auch meine sein können…

Doch da ist noch etwas anderes, was aus meiner Sicht den Erfolg des Films ausmacht: Es ist ein Heimatfilm der allerbesten Sorte. Denn er definiert Heimat nicht über sinnstiftende nationale Ereignisse (wie zum Beispiel „Das Wunder von Bern“) oder über Naturräume (wenngleich Landschaftsaufnahmen gezeigt werden), sondern über menschliche Beziehungen, über die Familie.

„Omma und Oppa“, wie es im Ruhrpott-Slang heißt, die Tanten und Onkel, aber auch Freunde, Nachbarinnen, die Lehrerin. Keine glatten Figuren, viele versehrt an Leib oder Seele, zum Teil noch durch den Krieg, aber auch durch Krankheit und Alter. Und doch alle liebenswert, einander zugeneigt. Auch der Glaube spielt eine Rolle, dezent. Die Tante ist Nonne, aber keine frömmelnde Betschwester, sondern eine, die für den neugierigen Hans-Peter („Hast du eigentlich auch Haare?“) sogar einmal ihr Kopftuch abnimmt.

Uns tragen am Ende die Beziehungen, nicht materielle Werte, nicht Dogmen und Ideologien, nicht Technik und nicht Texte. Nur, dass jemand für uns da ist, wenn es darauf ankommt. Mit tröstendem Wort, wie der Opa - oder im kräftigen Hinlangen, wie der große Bruder, der den kleinen Hans-Peter vor den prügelnden Nachbarsjungen beschützt.

Mit zärtlicher Geste, wie die Oma, die das Lieblingsessen kocht. Es ist längst nicht überall so, aber es ist jedem Menschen zu wünschen.

Das ist die Botschaft dieses wunderbaren Films – den ich hiermit noch einmal wärmstens empfehle!

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen herzlich
Bischöfin Kirsten Fehrs

12. Januar 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

so soll es sich zugetragen haben: Beim Krippenspiel wollte niemand den abweisenden Wirt spielen. Widerwillig ließ sich der kleine Roberto, Sohn von Einwanderern, überreden. Doch er gab sein Bestes. Grimmig schmetterte er bei den Proben: „Nein, von mir bekommt ihr kein Zimmer! Verschwindet!“

Heiligabend kam die Aufführung: Maria bat verzagt um ein Zimmer. Roberto, mit grimmigem Blick, setzte an loszupoltern. Aber dann sagte er: „Kommt nur herein. Ihr bekommt das beste Zimmer. Esst, soviel ihr wollt.“, und wollte Maria ins Haus führen. „Spinnst du?“, entfuhr es Maria. Das Krippenspiel war gelaufen.

Später gestand Roberto seinem Vater: „Ich konnte die beiden einfach nicht wegschicken. Sie waren so verzweifelt, und schließlich ist doch Weihnachten.“ Sein Vater war stolz auf ihn.

Großartig, wenn Menschen so ihr Herz sprechen lassen! Das neue Jahr ist voller Gelegenheiten, weihnachtlich aus der Rolle zu fallen. Möge es auch für Sie gesegnet sein!

Ihr Bischof Dr. Andreas von Maltzahn

22. Dezember 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

der vierte Advent steht vor der Tür. Erwartungsfroh warten wir auf das Licht, des Heiligen Abends. Kerzen und Sterne bezeugen das seit Wochen an den Fenstern und in den Straßen. Der Klang von „Alle Jahre wieder“ hängt dabei über mancher Kommerzbude.

Doch mitten im Trubel der Selbstverständlichkeiten stolperte ich vor ein paar Tagen über eine wunderbare Frage. Ich war eingeladen zu einem Treffen mit Menschen, die nur wenig mit Kirche zu tun haben. Der Austausch über gemeinsame Werte war vielleicht gerade deshalb ungemein spannend. Als Dankeschön für die Einladung hatte ich kleine Fröbelsterne mitgebracht.

Die Geschichte hierzu ist anrührend. Vor einigen Tagen rief ein 91-jähriger Herr an, bedankte sich für die Glückwünsche zu seinem Geburtstag und erzählte, dass seine Frau vor kurzem gestorben sei. Auf einem zwar langen, aber friedensleisen Weg ist sie ins ewige Licht gegangen. Und während er all die Zeit neben ihr am Sterbebett gesessen hat, hat er lauter Fröbelsterne gebastelt. Über 600 Sterne! Ob ich die brauchen könnte? Sie verteilen könnte und mit ihnen helle Gedanken?

Was für eine wunderbare Idee, dachte ich, und verteilte sie als Erstes in dieser Gruppe. Und als ich die Sterne anbot und die Geschichte erzählte, schwappte der Segenswunsch des Witwers förmlich über, auf die Runde am Konferenztisch.

Eine junge Frau fragte: „Was ist eigentlich ein Stern?“ Da war ich im ersten Moment etwas verwundert, weil mir das so selbstverständlich ist. Aber genau diese Fragen sind es ja, die uns das Wesentliche wieder nahebringen und bewusst machen!

Ein Stern, möchte man antworten, darf doch in unserer Welt nicht fehlen, oder? Ja, genau. Der Stern holt uns ein Stück vom Himmel herunter. Er leuchtet für uns dort, wo wir mit unserer Vorstellungskraft am Ende sind. Er leuchtet im Dunkeln, wenn wir Hoffnung und Orientierung brauchen. Und er leuchtet, besonders hell im Dezember am Firmament.

Die Engel und Hirten berichten in der Weihnachtsgeschichte überwältigt vom Stern von Bethlehem, der ihnen den Weg zum Stall weist. Ein Wegweiser der Hoffnung, zur Geburtsstätte Gottes im Stall.

Der Stern verbindet die Welt des Irdischen mit der Welt des Unvorstellbaren und Göttlichen. Sterne in der Weihnachtszeit sind Boten für die wunderbare Nachricht: Uns ist heute der Heiland geboren.

Ich wünsche Ihnen wunderschöne Momente der Besinnung und des Friedens unter dem Stern von Bethlehem. Gesegnete Weihnachten!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

Sonnabend, 15. Dezember 2018

Liebe Leserin, liebe Leser, 

sieben Werke der Barmherzigkeit sind klassisch: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Bedürftige kleiden, Obdachlose beherbergen, Gefangene besuchen, Kranke pflegen und Tote bestatten.

In der kleinen Dorfkirche im mecklenburgischen Gischow werden sie außergewöhnlich dargestellt: Nicht die Helfer tragen einen Heiligenschein, sondern die Armen! Nicht die Barmherzigen werden ausgezeichnet, sondern die Bedürftigen. In ihnen begegnet uns Gott. Wie der französische Bischof Jaques Gaillot es einmal formuliert hat: „Wer in Gott eintaucht, taucht neben den Armen wieder auf.“

Wenn Menschen in Not Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zuteilwird, verwirklicht sich etwas von Gottes Absicht mit der Welt. Hoffentlich auch durch uns!

Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Ihr Bischof Andreas von Maltzahn

Sonnabend, 24. November 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

morgen, am Totensonntag, geht das Kirchenjahr zu Ende. Das ist der Herzschlag der Kirche, seit Hunderten von Jahren. 

Es beginnt mit dem erwartungsfrohen Advent, dann kommt das Weihnachtsfest; danach die Passionszeit und Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten bis hin zum Toten- oder Ewigkeitssonntag, dem Sonntag der Trauer und der Hoffnung. 

Ein Rhythmus, der unbeeindruckt bleibt von den modernen Anforderungen nach mehr Effizienz – auch was das Vergnügen angeht – und Kommerz. Ein Rhythmus, in dem Trauer und Freude, Stille und Gesang, ja auch Zweifel und Zuversicht gleichermaßen ihren Ort und ihre Zeit haben.

Ein liturgisches Jahr, das uns allwöchentlich einen Ruhetag schenkt. Es ist ein heilsamer und menschenfreundlicher Rhythmus, auf dem wir die Melodie unseres Lebens singen können. 

Ich wünsche Ihnen Segen!
Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

17. November 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Augen auf!“ so rufen Schülerinnen und Schülern am Buß- und Bettag in einem Gottesdienst.

Sie haben dieses Thema ausgewählt und diskutieren über Gott und die Welt und darüber, was anders laufen soll.

Die Jugendlichen fragen: „Wofür wollen wir denn die Augen öffnen? Und was folgt daraus, wenn wir mit offenen Augen durchs Leben gehen?“

Sie wollen hinsehen und verstehen, was los ist in der Welt. Mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, bedeutet für sie, sich für mehr Respekt und Toleranz einzusetzen und einander mit Wertschätzung und Hilfsbereitschaft zu begegnen.

Sie machen sich auf die Suche danach, was ihnen wichtig ist, was anderen hilft, wie das Zusammenleben von Menschen gelingen kann. Und sie bitten Gott um Begleitung auf ihrem Weg.

Mit ihren Fragen und ihrer Zuversicht bringen die Jugendlichen Licht in diese Zeit. Dabei trägt sie und uns, dass wir selbst gesehen werden. Wie in der Bibel zu lesen ist: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“

Gott schenke uns allen offene Augen!

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

 

10. November 2018

Ein Gebet zum November

von Swantje Luthe

Lebendiger Gott, Du bist voll Wärme und Licht.
Und doch, Du weißt um Dunkelheiten im Leben, weißt, wie sich Wut, Beschämung und Verzweiflung anfühlen.
Dein Schrei am Kreuz hallt bis heute nach. „Warum?“

Gott, Du bist Licht 

nicht gleißend hell, sondern warm, vorsichtig, suchend.
Lichtstrahlen brechen sich in Wolken, die Gedanken verdunkeln,
sie brechen sich in Schatten, die auf Seelen liegen, und in Tränen, die die Sicht verschleiern.
Deine zarten, tastenden Lichtstrahlen kommen (uns) Menschen entgegen.

Sie suchen unsere Nähe, sie umspielen unsere Fehler, unser lebendiges Straucheln mit einem gnädigen Licht.
Zärtlich erleuchtet es Dunkelheiten und Erinnerungen an versagte Lebensträume,
an gelebtes Leben und an Tode, die sinnlos erscheinen;
an das, was wir schuldig geblieben sind.

Lebendiger Gott, bei Dir ist Wärme

warmes Licht trifft unsere Erinnerungen.
Wir vertrauen darauf, dass Du die Bilder in unseren Köpfen und Herzen vor dem Verblassen bewahrst und sie liebevoll färbst, dass Du die Toten behutsam bettest, in feine, zärtliche Farben.
Sie sind bei Dir aufgehoben.

Lichtstrahlen vom Ostermorgen wecken Hoffnungen,
bescheinen das Kreuz, umhüllen seine Dunkelheit und nehmen sie auf.
Dein Licht leuchtet wärmend, auch heute.

Lebendiger Gott, Du bist voll Wärme und Licht

Mit Deiner Hilfe erinnern wir uns an unsere Zukunft – ohne Leid und ohne Tränen, ohne Krieg und ohne Tod. Alle Tränen sind abgewischt, unsere Münder sind voller Lachen und unsere Körper voller Freude.
Gott, Du kommst uns entgegen, Dein Sohn ist uns Lebenslicht, Dein Geist tröstendes Wort.
Komm Du jetzt uns nah. Finde uns. Birg uns in Dir.
Durch Worte, die uns umhüllen. Durch Deinen Blick, der uns umarmt. Durch Dein Licht, das uns liebevoll umfängt.

Amen.

03. November 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie schon einmal von „singenden Balkonen“ gehört? Ich zum ersten Mal bei der Verleihung des Ökumenischen Förderpreises „Eine Welt“: Im Greifswalder Plattenbaugebiet Schönwalde II gibt’s einmal im Jahr genussvoll auf die Ohren.

Menschen aus dem Viertel, aber auch Bands und Ensemble aus der Innenstadt musizieren auf verschiedenen Balkonen. Unten hören die Leute zu, singen mit, feiern gemeinsam. Begegnen sich, wo man sonst ziemlich allein sein kann.

Die „singenden Balkone“ sind Teil eines Nachbarschaftsprojektes der Caritas Vorpommern.

Stadtteilfrühstück und Internationales Frauencafé, oder auch Gemüse ziehen im Gemeinschaftsgarten, Fahrradwerkstatt am Laufen halten und Stadtteilzeitung erstellen, Deutschkurse anbieten – erstaunlich, was alles durch Ehrenamtliche ermöglicht wird!

Menschen, die zum Segen werden … 

Gott segne auch Sie!

Ihr Bischof Andreas von Maltzahn 

27. Oktober 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

am kommenden Mittwoch ist es wieder soweit: Reformationstag - in Hamburg und Schleswig-Holstein erstmals ein gesetzlicher Feiertag. Ich gestehe, dass mir ein bisschen bange war: Kriegen wir das hin, nach den großen Feiern im vergangenen Jahr diesen Tag inhaltlich zu füllen? Oder wird es einfach ein weiterer „Landes-Ausschlaftag“, wie manche Spötter meinten?

Entwarnung: Die Kirchengemeinden haben sehr viel auf die Beine gestellt und sind auch noch im 501. Jahr vom Reformationsjubiläum beflügelt. Familiengottesdienste oder plattdeutsche Andacht, Lutherschmaus und Filmgottesdienste - und sehr viel Musik, von Bach bis Gospel und Jazz.

Was mich besonders freut: Viele Gemeinden feiern auch ökumenisch, laden die katholischen oder freikirchlichen Nachbarn ein, manche auch Vertreter anderer Religionen. Ich selbst feiere am 31. Oktober mit Vertretern anderer Konfessionen einen Gottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Petri.

Aber auch außerhalb der Kirchen läuft vieles: 25 Hamburger Museen haben bei freiem Eintritt geöffnet. Besonders freue ich mich auf unseren Reformations-Kultursalon der Evangelischen Akademie am Nachmittag im Hamburger Jenisch-Haus mit Schriftstellerinnen und Schauspielern, zum Thema Digitalisierung. Denn Reformation bedeutet zwar, zum Kern der christlichen Botschaft zurückzukehren - aber sie bedeutet nicht, sich hinter Kirchenmauern zu verschanzen.

Welche Veränderungen brauchen wir heute? Diese Frage betrifft die ganze Gesellschaft - gerade in dieser Zeit, in der sich ohnehin alles rasend schnell verändert. Wenn der Reformationstag hier einen Beitrag zum Dialog leistet, dann hat er seinen Zweck schon erfüllt.

Vielleicht haben Sie an diesem Tag auch etwas vor – ich wünsche Ihnen dafür und natürlich auch für das kommende Wochenende alles Gute und Gottes Segen.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

20. Oktober 2018

Liebe Leserin, lieber Leser

Kennen Sie ein besseres Wort für „ehrenamtlich“? Mir fällt es schwer, diesen Begriff für freiwilliges unbezahltes Engagement in der Kirche zu akzeptieren.

„Ehrenamtlich“ – das klingt ein bisschen so, als sei Kirche eigentlich etwas, was „Profis“ machen und ehrenamtlich Tätige dürften sie darin gerne unterstützen. Ehrenhalber. Und in zweiter Reihe.

Doch ist es  nicht eigentlich andersherum? „Ehrenamtliche“ sind die Kirche. Kirche lebt von den Menschen, die Kirche leben – indem sie Kindern von Jesus erzählen, den Gottesdienst mit Musik gestalten, einsame und ältere Menschen besuchen, die Kirche mit Blumen verschönern, sich im Kirchengemeinderat engagieren.

Morgen überreiche ich in einem Festgottesdienst in Gartz an der Oder im kleinen brandenburgischen Teil der Nordkirche Wolfgang Banditt die Bugenhagenmedaille. Das ist die höchste Auszeichnung der Nordkirche für ehrenamtliches Engagement. Als „Ehrenamtlichen“ sieht er sich nicht so sehr. Sondern eher als einen, der in seiner Kirche selbstverständlich mitredet und sie mitgestaltet.

„Denn wir sind Gottes Mitarbeiter“ schreibt Paulus an die Korinther. Gott traut uns zu, seine Mitarbeiter zu sein – welche Würde unseres menschlichen Handelns und welche Ermutigung liegen darin!

Ihr Bischof Hans-Jürgen Abromeit

6. Oktober 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Erinnerungen an einen Hofbesuch im Kreis Plön und die Gespräche dort sind noch frisch. Schön und schwer zugleich ist die Leitung eines landwirtschaftlichen Betriebs.

So steht beim morgigen Erntedankfest für mich nicht allein das bunte Bild aus Früchten, Ähren, Gemüse und frischem Brot im Zentrum.

Ich danke auch für die Arbeit der Menschen, die in landwirtschaftlichen Betrieben, im Handwerk und in der Nahrungsmittelindustrie dafür sorgen, dass unsere Tische oft reich gedeckt sind.

Und ich habe die berechtigten Sorgen dieser Menschen vor Augen: ein zu trockener Sommer, Nachwuchsmangel in den Betrieben und ein Weltmarkt, dessen Gesetzmäßigkeiten für den Laien kaum zu durchschauen sind.

Erntedank ist ein Fest, das uns zum Danken und zum Überdenken unseres Lebensstils ermutigt.

Wir bitten Gott um seinen kreativen Geist. Er stifte uns dazu an, mit frischem Mut zu suchen, was dem Leben dient: Liebe und Gerechtigkeit, Aufmerksamkeit füreinander und Leidenschaft für das Leben in seiner bunten Vielfalt.

Und wir hören, dass wir darin nicht allein sind: „Alle Augen warten auf dich, Herrn, und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.“ (Psalm 145,15)

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

Die Erntedankgottesdienste in der Nordkirche finden Sie hier.

29. September 2018

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Was macht für Sie einen guten Gottesdienst aus?

Eine ebenso einfache wie geniale Definition liefert für mich Martin Luther. Zur Einweihung der Torgauer Schlosskapelle 1543 definierte er einen Gottesdienst so: „Dass darin unser Herr mit uns redet durch sein heiliges Wort und wir wiederum ihm antworten in Gebet und Lobgesang.“

Guter Gottesdienst ist also ein Dialog von Gott und Mensch. Er lässt sich nur sehr bedingt „machen“, sondern geschieht. Natürlich können wir dafür Voraussetzungen schaffen: Eine Predigt, bei der die Hörer spüren: Ich bin gemeint!

Auch für die Atmosphäre können wir etwas tun. Ein herzliches Klima macht viel aus. Leider passiert es manchmal, dass die sonntägliche Gottesdienstgemeinde zu einem eingeschworenen Kreis wird.

Dabei wissen wir doch eigentlich, dass Gott alle meint: Kinder, Familien, Alleinstehende, Zugereiste und Alteingesessene, Gemeindeglieder und Neugierige, Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Heißen wir sie willkommen!

Ein guter Gottesdienst ist niemals das Werk Einzelner. Er lebt von unser aller Beteiligung. Da gibt es die Seniorin, die Sonntag für Sonntag den Altar mit Blumen schmückt. Ein Jugendlicher spielt die Orgel, heute liest ein Landwirt den Evangeliumstext, ein Vater hält den Kindergottesdienst, ein Paar sorgt für den Kirchenkaffee. Sie alle tragen bei zum „guten Gottesdienst”.

Der Gottesdienst eröffnet den Raum, mit Gott in Dialog zu treten. Er vereinnahmt nicht. Wenn er gelingt, ist es ein Geschenk der Gnade Gottes.

Ein gesegnetes Wochenende
Ihr Bischof Hans-Jürgen Abromeit

15. September 2018

Liebe Leserin, lieber Leser, 

heute abend geht es wieder los: 127 Kirchen in und um Hamburg öffnen um 19 Uhr ihre Türen zur „Nacht der Kirchen“.

Für mich beginnt der Abend mit der Taizé-Andacht in der Hauptkirche St. Petri an der Mönckebergstraße. Dann ziehen wir gemeinsam zur großen NDR-Bühne am Mönckeberg-Brunnen auf der Spitalerstraße, Erzbischof Stefan Heße und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher sind auch dabei.

Bands und Chöre bieten da Gospel, Soul und Pop, und ich staune jedes Jahr auf’s Neue, wie die Menschen „mitgehen“, mitsingen, mitbeten, sich segnen lassen. Das ist „einfach himmlisch“ – und so lautet in diesem Jahr übrigens auch das Motto der Nacht.

Normalerweise besuche ich nach dem Bühnenprogramm immer noch andere Kirchen, mal in der Innenstadt, oft auch in den Stadtteilen. In diesem Jahr allerdings ist das ein bisschen anders: Ich fahre raus zum Flughafen. Denn auch dort ist Kirche, das ganze Jahr über, und auch dort gibt es Seelsorger.

Und die haben für heute ein buntes Programm zusammengestellt: Gespräche über Glaube und Naturwissenschaft, eine Klangreise ins All mit einer Astrophysikerin, am Ende eine Nachtwanderung über den Flughafen.

Ich finde es spannend, hier zu schauen: Wo sind die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede? Was verbindet biblische Schöpfungsgeschichte und Urknall-Theorie?

Eine gedankliche Wanderung auf der Grenze zwischen den beiden Himmelskonzepten, die in der englischen Sprache so schön abgegrenzt sind in „heaven“ (göttlicher Himmel) und „sky“ (sichtbarer Himmel). Jedoch: „Die Grenze ist der eigentlich fruchtbare Ort der Erkenntnis“, hat der Theologe Paul Tillich einmal gesagt.

Vielleicht sind auch Sie heute nacht unterwegs, alleine oder mit anderen. Mag sein, Sie entdecken Kirche einmal anders, überschreiten die Grenzen von Konfession oder Stadtteil. Ich wünsche Ihnen dazu eine himmlische Nacht und viele gute Begegnungen.

Und auch allen anderen ein gesegnetes Wochenende, wo immer Sie es verbringen mögen!

Ihre
Bischöfin Kirsten Fehrs

08. September 2018

Liebe Leserin, lieber Leser

„Entdecken, was uns verbindet“. So könnte es lauten, das Motto einer weiteren notwendigen Demonstration gegen Menschenverachtung und Hass.

Aber so lautet tatsächlich das Motto des „Tags des offenen Denkmals“, der morgen bundesweit und auch in vielen unserer Kirchengemeinden begangen wird. Die Initiatoren konnten wohl nicht ahnen, wie politisch und bitter aktuell dieser Satz sein würde, als sie ihn auswählten.

„Entdecken, was uns verbindet“ – zuallererst doch durch alle Jahrhunderte und Jahrtausende und über die Grenzen aller Kontinente, Nationen und Religionen hindurch unsere Sehnsucht nach Frieden und Freiheit, nach Liebe und Gerechtigkeit in dieser Welt.

So arbeiten und hoffen wir dagegen an, dass diese Welt bleibt, wie sie ist. Und vertrauen auf den, der spricht: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht Gott: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“(Jeremia 29,11)

Eine gesegnete Woche!

Ihr Bischof Gothart Magaard

25. August 2018

Liebe Leserin, lieber Leser!

„ZaDonk!“ – ein Wort wie aus der Comic-Sprache. So klingt es, wenn ein Basketball auf den Boden knallt.

Aber man kann es auch hören, wenn zwei Rollstühle ineinander krachen. Denn das passiert oft bei der Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaft. „ZaDonk!“, so lautet das Motto des internationalen Treffens, das morgen in Hamburg-Wilhelmsburg zuende geht. Mit einem Gottesdienst - das haben sich die Veranstalter gewünscht. 

ZaDonk, hier kommen Helden. Aus der ganzen Welt. Junge Spitzensportler im Rollstuhl. Die deutschen Damen haben es sogar bis ins Halbfinale geschafft. Drei Hamburgerinnen stehen mit im Kader. 

Helden und Heldinnen. Teams, die zusammenhalten und internationale Freiwillige, auch ein Seelsorge-Team. Und auch, wenn die deutschen Herren schon draußen sind: Die Euphorie ist spürbar in der Stadt, die sich inklusiv gibt wie selten.

Die Bibel zeigt, wie Gott zu Menschen mit Behinderung steht. Da ist Mose. Gott beruft ihn. Aber zunächst weigert sich Mose, denn er hat Angst. Und als ihm kein Argument mehr einfällt, bringt er den letzten Einwand: Ja, aber ich kann ja auch nicht. Ich bin doch behindert. Meine Zunge ist schwer. Was es war, wissen wir nicht – möglicherweise hat er gestottert.

Aber diese Ausrede zählt bei Gott überhaupt nicht. Sag mal, entgegnet dieser, sichtlich ungehalten. Was glaubst du eigentlich, wer deinen Mund geschaffen hat? Und die Stummen und die Tauben? Ich weiß schon, was ich tue. Und dann gibt es noch deinen Bruder Aaron – ihr seid zu zweit, dann rede doch durch seinen Mund. Und schließlich und endlich: Ich bin auch noch da und bin mit euch. 

Za-Donk! Da hat Gott dem Mose auch noch das letzte Argument aus der Hand geschlagen! Behindertsein?

Das soll ein Hindernis sein? Quatsch! Gott selbst braucht solche Helden, die das Volk herausführen aus der Knechtschaft, aus Hunger und Ungerechtigkeit, aus Unwissenheit und auch aus dem Hass. Es sind keine einzelnen Heldengestalten, die wir in Wilhemsburg anfeuern. Aber als Gruppe, als Team sind sie stark. Das ist eine internationale Botschaft, die so begeistert.

Ihr seid alle Helden, weil ihr eure Kraft und euren Zusammenhalt nach Hamburg gebracht habt. We become each other's brother or sister "in the Lord". Ich freue mich auf die Begegnung am Sonntag um 11 Uhr im Gottesdienst auf dem WM-Gelände.

Ihnen allen einen gesegneten Sonnabend!
Ihre
Bischöfin Kirsten Fehrs

18. August 2018

Liebe Eltern, liebe Kinder,

Am Montag beginnt hier in Mecklenburg-Vorpommern und in Schleswig-Holstein die Schule. Ich habe fünf Kinder und erinnere mich noch gut an den ersten Schultag jedes einzelnen: Wie aufgeregt sie waren, wie sie sich gefreut haben, an ihre große Neugier und ihren schier unstillbaren Wissensdurst. Ganz wichtig war auch immer die Frage: Neben wem werde ich sitzen? Finde ich Freunde?

Häufig höre ich, wie prägend und schmerzhaft bis ins Erwachsenenalter die Erfahrung sein kann, nicht zu den beliebten Schülerinnen und Schülern gehört zu haben, vielleicht sogar ein Außenseiter gewesen zu sein.

Der Evangelist Lukas erzählt dazu eine wunderbare Geschichte: Zachäus ist als Zöllner in Jericho nicht sonderlich beliebt. Als Jesus in die Stadt kommt, brennt der klein gewachsene Zachäus darauf, ihn zu sehen. Da die Menge ihm die Sicht versperrt, klettert er auf einen Maulbeerbaum. Jesus belohnt die kindliche Neugier und fordert ihn auf: „Zachäus, steig schnell herab, denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ (Lukas 19,5)

Ich wünsche allen Schulanfängern in der Nordkirche, dass sie Lehrerinnen und Lehrern begegnen, die ihren Wissensdurst würdigen und stillen. Ich wünsche den Schülerinnen und Schülern Begleiter, die sie unabhängig von ihren Schulleistungen mit liebevollem Blick ansehen. Allen Eltern, Paten, Lehrerinnen und Erziehern Gottes Segen für diese verantwortungsvolle Aufgabe!

Ihr und euer
Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

04. August 2018

In Haitabu begeistert mich eine alte Bronzeglocke. Seit wenigen Wochen gehört Haitabu zum Weltkulturerbe – das Fernhandelszentrum der Wikinger und das Grenzbauwerk Dannewerk sind immer wieder sehenswert.

Die Glocke wurde erst vor 40 Jahren bei Vermessungsarbeiten gefunden und stammt aus der Zeit um 950 nach Christus, als das Bistum Schleswig gegründet wurde. Sie ist die älteste vollständig aufgefundene Läute-Glocke Nordeuropas.

Bis heute gehört das Glockenläuten für viele Menschen zu ihrem Alltag. Als Zeitmesser. Als Unterbrechung und Einladung zum Gebet. Als Trost in schweren Zeiten, und als Begleitung in den Momenten des Glücks.

Am 21. September, dem Internationalen Friedenstag der Vereinten Nationen, sind in diesem Jahr die Kirchengemeinden aller Konfessionen von 18 Uhr bis18.15 Uhr europaweit eingeladen, mit ihren Glocken zu Friedensgebeten zu rufen.

Auch in der Nordkirche bitten wir unsere Gemeinden, sich daran zu beteiligen. Denn der Klang der Glocken ermahnt und ermutigt uns, zu fragen, was in dieser Welt wirklich zählt.

Und die Suche nach dem, was dem Frieden dient, gehört für mich gerade in diesen Tagen unbedingt dazu.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihr Bischof Gothart Magaard

28. Juli 2018

Als Kind habe ich einmal am Strand miterlebt, dass jemand ertrank. Zwei Männer konnten noch geborgen und wiederbelebt werden. Für eine Frau kam jede Hilfe zu spät. Das schöne, wilde Meer kann so tödlich sein.

Sonntag ist Tag der Seenotretter. Ich bin froh, dass es diese mutigen Menschen gibt. Damit meine ich auch jene auf den Rettungsschiffen im Mittelmeer. Sie zu kriminalisieren, geht gar nicht. Es hieße, Ursache und Wirkung zu vertauschen.

Entscheidend bleibt, Fluchtursachen wirklich zu bekämpfen. Europa ist da gefordert. Und auch wir, indem wir gute Entwicklungshilfe unterstützen. Es ist Klasse, was Hilfsorganisationen wie „Brot für die Welt“ in Afrika bewegen!

Jesajas Verheißung kommt mir in den Sinn: „Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt…, dann wirst du sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“ (Jesaja 58,10f)

Ein gesegnetes Wochenende Ihnen – vielleicht ja auch am schönen Meer!

Ihr Bischof Andreas von Maltzahn 

21. Juli 2018

Das Haus steht klein und unscheinbar an einer Durchfahrtsstraße in Hamburg-Rothenburgsort. Es sieht gemütlich aus und ist doch ganz schwarz. Mit Fenstern, wie kleine Luken und einer schwarze Metalltür. Es ist das Denkmal für die Opfer des Feuersturms. Geschaffen von Künstler Volker Lang im Jahr 2004.

Wer sich zu Fuß aufmacht in den kleinen Carl-Stamm-Park und durch die Fenster lugt, erkennt: Im Inneren befinden sich Zitate von Zeitzeugen sowie eine historische Hausnummer.

Das schwarze Haus ist ein Symbol für die vielen Stadtteile, die im Hamburger Osten zerstört wurden. Allein im dicht bebauten Arbeiterstadtteil Hammerbrook, in dem vor dem Angriff 60.000 lebten, starben 12.000 Menschen. Danach lebten dort noch 66.

Das Gedenk-Haus erinnert an all die Bewohner der zerstörten Gründerzeithäuser, die zu Opfer wurden: 35.000 Hamburger und Hamburgerinnen, die im Bombenhagel und durch den Feuersturm starben. 125.000 Verletzte und 900.000 Menschen auf der Flucht. Allein in unserer Stadt.

Die Operation Gomorrha gehörte zu den schlimmsten Angriffen in einem Luftkrieg von bislang unbekanntem Ausmaß. Hervorgerufen durch die Spirale der Gewalt, die sich in Deutschland seit 1933 Bahn gebrochen hat, durch Verfolgung und Völkermord an der jüdischen Bevölkerung, durch Bedrohung und Erniedrigung von Antifaschisten und Demokraten.

In dem schlichten unscheinbaren Haus stecken all die fürchterlichen Geschichten: Das Leid der Mütter, die ihre Kinder zur Unkenntlichkeit verbrannt in den Straßen fanden. Die Schreie der Kinder, die ihre Eltern verloren und in den Trümmern umherirrten. Das Trauma der KZ-Häftlinge aus Neuengamme, die nach den Bombenächten vor 75 Jahren die Toten bergen mussten.

Das Haus beherbergt für mich all diese Erinnerungen und sollte als Mahnmal zur Bewahrung des Friedens geachtet werden. Gerade jetzt, 2018. Denn es sagt auch: achtet die Kultur der Demokratie! Sie schützt Menschenrecht und Friedenshaltung.

Die Verwahrlosung der Sprache hingegen, wie wir sie in den letzten Wochen von allerhöchsten Politikern hören, mit diesem Menschen abwertenden Ton, gefährdet eine demokratische Kultur.

Die Würde eines jeden Geschöpfes ist unantastbar – das gilt für all die, die damals ihr so grausam ihr Leben ließen und derer wir gedenken. Und es gilt für jeden Menschen heute, der Krieg durchleidet und Terror und auf der Flucht ist.

Es gilt, was der Weltkirchenrat 1948 formulierte:

"Wir wollen Gott bitten, dass Er uns miteinander lehre: Ein echtes Nein und ein echtes Ja zu sprechen. Ein Nein zu allem, was der Liebe Christi zuwider ist, ein Nein zu denen, die die Saat des Krieges säen oder zum Kriege drängen. Ein Ja aber zu allem, das mit der Liebe Christi zusammenstimmt und ein Ja zu denen, die sich ausstrecken nach einem neuen Himmel."

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

14. Juli 2018

Dieser Tage war ich wieder einmal auf dem Zingsthof, landschaftlich wunderschön gelegen auf der pommerschen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Im Frühsommer 1935 startete Dietrich Bonhoeffer hier mit angehenden Pastoren der Bekennenden Kirche ein Experiment, das bis heute unzählige Menschen fasziniert: Die erste evangelische Kommunität. Bonhoeffer war überzeugt: „Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders.“ – heute füge ich hinzu „der Schwester“.

Wir begegnen Christus nicht, wenn wir uns aus der Welt zurückziehen oder bei außerordentlichen religiösen Gruppenerfahrungen. Das betont Bonhoeffer. Eine christliche Gemeinschaft basiert auch nicht auf Sympathien. Sondern: „Christliche Gemeinschaft heißt Gemeinschaft durch Jesus Christus und in Jesus Christus.“ Einen großen Teil der Ausstrahlungskraft seiner Gedanken macht für mich Bonhoeffers nüchterner und ruhiger Stil aus.

Ich lege Ihnen das Büchlein „Gemeinsames Leben“ ans Herz: In ihm fasst der 33-Jährige sein „Experiment“ auf dem Zingsthof und in Finkenwalde bei Stettin zusammen. In unserer Zeit der Effekthascherei und des Lärmens um die Wahrheit wirken seine Worte klärend und heilsam. Packen Sie es doch in Ihren Urlaubskoffer!

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

07. Juli 2018

In meiner letzten Sonnabend-Andacht im Juni schrieb ich, dass es nicht mehr lange hin ist bis zu der großen, schönen  Auszeit: den Sommerferien und den Urlaubswochen, auf die viele von uns schon sehnsüchtig warten. Zeit um die Natur, um Gottes gute Schöpfung zu genießen. Ganz besonders, wenn wir in eine schöne Landschaft verreisen, vielleicht unseren Lieblingswinkel in Gottes großem Garten besuchen. Und auch, wer zuhause bleibt, - so wünsche ich es allen – wird hoffentlich in der Sommerzeit die Natur genießen können und die Fülle, aus der wir leben...

Und trotzdem machen wir sie kaputt. Ein Beispiel: Mikroplastik. Überall finden sich mittlerweile diese kleinsten Plastikteilchen. In Mägen von Tieren, in Mineralwasser, im arktischen Eis. In den Meeren und Seen, in denen wir mit unseren Kindern in diesem Sommer schwimme werden. Dieser Müll stammt von uns – und sehr viele Generationen nach uns werden noch damit zu kämpfen haben. Andere müssen ernten, was wir säen.

„Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“ – so heißt es in der Bibel. Ohne sie können wir nicht leben. 

Was kann jede und jeder tun, um die Erde zu bebauen und gleichzeitig zu bewahren, wie es unser biblischer Auftrag ist? Natürlich fängt das im Alltag an. Ich kann Plastiktüten und Plastikflaschen vermeiden. Aber ich kann auch mitdenken, in welche Richtung die Politik handeln muss. Brauchen wir eine Plastiksteuer? Wann werden endlich diese ultraleichten Plastiktüten verboten?

Unsere Welt ist schön. Und es gibt viele Gründe, dafür zu danken. Ob das in Zukunft so bleiben wird, liegt auch an uns.    

Ich wünsche Ihnen eine schöne Ferienzeit und einen wachen Blick für unseren blauen Planeten!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

30. Juni 2018

Die aktuelle Debatte um Europa erinnert mich an ein Gespräch mit meinem Amtsbruder Johan Tyrberg, dem Bischof von Lund. Vor zwei Wochen habe ich ihn besucht, gemeinsam mit  Pröpstinnen und Pröpsten aus Hamburg und Lübeck.

Bei „Smörgåstårta“ (Brottorte mit Fisch) und alkoholfreiem „Öl“ (Bier) diskutierten wir über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der deutschen und der schwedischen Kirche. Und wir sprachen über Europa.

Bischof Johan sagte: „Wir verstehen uns hier eher als ein Teil der Region Malmö-Kopenhagen-Hamburg. Stockholm ist von uns aus ziemlich weit weg.“ Klingt erstmal seltsam, stimmt aber, wenn man auf die Landkarte schaut. Nach Hamburg sind es von Lund aus 400 Kilometer, nach Stockholm 600.Und auch für uns in Hamburg liegen Kopenhagen und Lund ja deutlich näher als etwa München - das gilt in gewisser Hinsicht auch für Religion und Kultur (das Essen einmal ausgenommen – siehe oben…) Da fühlt es sich noch seltsamer an, wenn im Zug wieder der Paß kontrolliert wird, so wie wir es auf der Hinfahrt erlebt hatten.

Schnell waren Bischof Johan und ich uns einig, dass das geeinte Europa unbedingt bewahrt bleiben muss, genauso wie die Grundlagen dieses Projektes: Menschenrechte, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit. Dazu aber braucht es Engagement, Klugheit und Gottvertrauen. Damit Europa niemals wieder durch Grenzen geteilt werde.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende – hjärtliga hälsningar!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

23. Juni 2018

Vor kurzem war ich zu Besuch auf der Hallig Hooge. Ein frischer, klarer Morgen, an dem ich nach der Fahrt von Schleswig in Nordfriesland aus dem Auto stieg.

Am Deich wehte mir der Duft des Wattenmeeres um die Nase, ein leichter Ostwind trieb das Konzert der vielen tausend Vögel aus dem Hauke-Haien-Koog zu uns herüber!

Ich ging in Richtung der Anlegestelle auf die Deichkrone und blickte über das offene Meer, aus dem die Inseln und die Warften der Halligen in der Ferne hervorragten.

Weit am Horizont begegneten sich der azurblaue Himmel und Meer, doch eine wirkliche Grenze zwischen beiden war nicht auszumachen.

Mir fielen die Worte aus Psalm 36 ein:

„Gott, deine Güte reicht so weit der Himmels ist und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen…“

Güte und Wahrheit Gottes, soweit die Wolken gehen! Vielleicht war der einzige Wehmutstropfen, dass der Himmel überhaupt keine einzige Wolke hatte.

Gott in aller Größe und Macht, schier unfassbar – und gleichzeitig uns Menschen so nah!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche!

Ihr Bischof Gothart Magaard

16. Juni 2018

"Gott, zeige mir, welchen Weg ich einschlagen soll und lass mich erkennen, was du von mir willst" Psalm 25,4

Am Sonntag segne ich im Greifswalder Dom drei Männer für ihren Dienst als Pastoren in der Nordkirche.

Bei jeder Ordination bewegt es mich, auf welch unterschiedliche Weisen Gott Menschen klarmacht: Ich brauche dich, um meine gute Nachricht zu verkünden. Gott lässt nicht locker. Auch wenn das Leben schon andere Wege genommen hat.

Einer der neuen Pastoren ist Andreas Uhlig. Er wuchs als Russlanddeutscher in der Ukraine auf. Eine evangelische Kirche gab es nicht, religiöses Leben war verboten. Nach der Wende fand er in der ersten evangelischen Gemeinde in Odessa Heimat.

Karsten Wolkenhauer, heute Pastor in Demmin, arbeitete als Unternehmensberater mehrere Jahre für eine Consulting-Firma. Durch einen Zufall konnte er in einer Berliner Kirchengemeinde predigen und fand so zu seinem Beruf.

Jonas Löffler wollte eigentlich Ingenieur werden. Bei einem Seminar wurde ihm klar: Ich möchte Gottes Wort verkünden.

Was die drei Männer vereint: Sie haben dem Ruf Gottes vertraut und ihn als ihre Berufung erkannt. Wozu hat Gott Sie berufen?

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

09. Juni 2018

Liebe Schwestern und Brüder,

lange ist es  nicht mehr hin bis zu der großen, schönen Auszeit: den Sommerferien und den Urlaubswochen, auf die viele von uns schon sehnsüchtig warten. Und die warmen Tage in der letzten Zeit  mit dem strahlend blauen Himmel machen schon Lust, das, was vor uns liegt, zu genießen. An solch einem Sommertag kann ich nicht anders als an die wunderschönen Worte eines Gesangbuchliedes zu denken:

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.“

© unsplash | Dakota Roos

Hören wir diese Worte langsam und in Ruhe, dann spüren wir: hier geht es um mehr als um eine Sommeridylle. Gleich im ersten Vers klingt das an: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud.“  Steh auf! Mach dich auf den Weg und suche die Freude, das Glück! – Es ist da. Ganz real. Auch wenn Du jetzt vielleicht traurig bist, einsam oder Dich verlassen fühlst.

Der Verfasser dieses Liedes, Paul Gerhard, einer unserer größten Kirchenliederdichter, konnte auch angesichts  gewaltiger Stürme des Lebens von Sommer und Freude singen. Kurz nach 1600 geboren verbrachte er die Hälfte seines Lebens während des Dreißigjährigen Krieges. Eine grauselige Zeit auch für die Mark Brandenburg, in der er lebte. Städte waren verwüstet, Landschaften verödet. Unser Lied wurde einige Jahre nach dem Friedensschluss geschrieben. Da war noch längst nicht wieder alles heil.

Lesen wir das Sommerlied Zeile für Zeile, dann hören wir heraus, dieses Lied hat eine Botschaft für  jeden von uns: Auch wenn Du jetzt noch trauernd in der verletzten Landschaft Deiner Seele stehst - Gott liebt dich und er liebt diese Welt. Darum lässt er immer wieder wunderschöne Sommer heraufziehen, die helfen, deine Seele zu heilen nach schlimmen Erlebnissen.

„Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.“

Das hilft. Die Schönheit der Welt in dem lebendigen Grün der Bäume zu erleben und in den warmen Strahlen der Sonne zu spüren, die streichelnd über die Haut gleiten. Das verdrängt aber nicht, dass unter dem grünen Kleide oft noch Trauer ist, die erst heilen muss: „Das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide.“

Es ist nicht weltfremde Naturlyrik, was Paul Gerhardt hier dichtet. Erst recht  nicht „eiapopeia“. Der Mann war von einem göttlichen Realismus getragen: Was Gott will, das wird gut – wir sollen uns nur darauf einlassen und gemeinsam aufbrechen, das Gute zu suchen. Gott will kein Leid, kein Unrecht, erst recht keinen Krieg. Es ist genug für alle da. Und jeder soll haben, was sie und er wirklich zum Leben braucht: Brot und Liebe, Frieden und Gerechtigkeit. Gott führt immer wieder helle, schöne Sommer herauf - Hoffnungsbilder für unsere Zukunft.

Lassen wir uns darauf ein. Lassen wir es uns in diesem Sommer miteinander gut gehen –  in seiner „schönen Gärten Zier“!

Das wünsche ich uns allen und grüße Sie herzlich!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

2. Juni 2018

Als mein Neffe Finn Johann fünf Jahre alt war, sagte er mir mit schönem Selbstbewusstsein: „Weißt du, ich bin noch viel schlauer als die Erwachsenen.“

Man beachte das „noch“! Als würden wir nur abbauen, indem wir groß werden. Also, wieder das Kind im Mann, in der Frau entdecken?

Sich kindlich des Lebens freuen! Wie ein Kind vertrauensselig sein! Dazu gibt es guten Grund – Gott, der uns zu seinen Kindern erklärt hat. Unglaublich, aber wahr: Der große Gott – jedem und jeder von uns in Zuneigung verbunden! Die Urkraft des Lebens – Liebe in Person! Und macht uns Menschen so zu Geschwistern.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche – mit überraschenden Entdeckungen unter all den Schwestern und Brüdern, unter denen Sie leben!

Ihr Bischof Andreas v. Maltzahn

25. Mai 2018

Zweimal jährlich ordiniere ich junge Pastorinnen und Pastoren, ich segne sie in ihren Dienst ein. Ordinationen sind mir also vertraut.

Vor einigen Tagen jedoch war ich bei einer ganz besonderen Ordination zu Gast - in der Hamburger Synagoge, wo fünf Absolventen des hiesigen Rabbinerseminars ordiniert wurden. Eine sehr beeindruckende Feier, zu der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky nicht nur mich, sondern auch weitere Gäste aus anderen Religiongemeinschaften eingeladen hatte: Muslime und Buddhisten, Hindus und Bahai. Angereist war aus Israel auch einer der beiden Oberrabbiner, David Lau.

In seiner Ansprache erwähnte er, was für ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit Hamburg und besonders Altona in früheren Jahrhunderten war. Rabbiner wie Jonathan Eybeschütz (1690-1764) oder Jacob Emden (1697-1776) beeinflussten bis heute jüdische Theologie.

Und mich ergriffen, wie schon manchmal bei solchen Gelegenheiten, sehr verschiedene Gefühle: Fremdheit, gerade durch die sehr orthodoxe Ausprägung des Hamburger Rabbinerseminars. Aber auch große Nähe, weil Freundschaft gewachsen ist im interreligiösen Gespräch - und weil unser Glaube tief in jüdischer Tradition wurzelt.

"Dies ist der Tag, den der Ewige macht", so stand es in Hebräisch und Deutsch als Motto über der Feier, ein Wort aus dem 118. Psalm, das auch ich schon oft gesprochen habe.

Ich empfand Trauer, weil ich wieder einmal damit konfrontiert wurde, dass in der Shoah neben vielen Menschenleben auch ein enormer kultureller Reichtum zerstört worden ist. Aber ich spürte auch große Freude, weil jüdisches Leben in Hamburg weitergeht.

"Masel Tov", wünschten wir am Ende des Festaktes den neuen Rabbinern. "Alles Gute!" Und das wünsche ich auch Ihnen.

Ein gesegnetes Wochenende,
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

19. Mai 2018

„Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. (...) und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Apg 2,1-4)

Ein langes Wochenende liegt vor uns, an dem wir das Geburtstagsfest unserer Kirche feiern: Pfingsten.

Gottes Geist bringt frischen Wind in die Gemeinde: Gottes Geist überwindet die Grenzen in unseren Gedanken und Herzen, unserer Sprache und Herkunft. Gottes Geist inspiriert zu mutiger Predigt und bringt hilfreiches Tun in diese Welt. Und er wird zum Gegenwind, wo das Leben missachtet wird.

Pfingsten feiern wir als weltweite ökumenische Gemeinde Jesu Christi. Als Menschen, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen und ganz gewiss eigene Wege gehen – und doch ein Ziel haben: einander in Christus zu begegnen.

Trauen wir dem Evangelium zu, dass es sich gerade in der Vielstimmigkeit und Vielfalt der Ausdrucksformen in seiner ganzen Fülle zum Ausdruck bringt!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche!
Ihr Bischof Gothart Magaard

12. Mai 2018

Es gehört Mut dazu, zu sagen, „weil ich an Jesus glaube“ oder „Das sehe ich anders.“ Weil es schmerzt, nicht dazu zu gehören.

Ich höre von Mobbing an Schulen, wenn sich jemand als Christ zu erkennen gibt. Umso wichtiger sind christliche Veranstaltungen und Gruppen, bei denen Jugendliche sich zu Hause fühlen können. Ich war als Jugendlicher beim CVJM. Wir hatten uns selbst organisiert, waren eine tolle Truppe und fühlten uns in der Gemeinschaft aufgehoben und stark.

Seit Donnerstag treffen sich in Ratzeburg rund 400 junge Leute bei "Heaven", dem Jugendfestival der Nordkirche. Sie schöpfen Kraft aus dem gemeinsamen Beten, Diskutieren und Singen. Sie erleben in diesen Tagen: Ich bin nicht alleine!

Das Festival steht unter dem Vers aus dem Johannesevangelium: Euer Herz lasse sich nicht verwirren! Glaubt an Gott und glaubt an mich.(Joh 14,1). In einer Zeit ständig auf uns einströmender Informationen, Beliebigkeiten und populistischer Vereinfacher erfahren junge Leute bei „Heaven“: Mein Glaube an Jesus ist ein Kompass, dem ich vertrauen kann, und die Liebe Gottes mein sicherer Hafen.

Einen gesegneten Sonnabend wünscht

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

05. Mai 2018

Diese Woche Dienstag war 1. Mai – „Der Tag der Arbeit“. Mit etwas Glück und einem Brückentag konnten viele von uns sich da einen kleinen Urlaub oder zumindest eine kleine Auszeit basteln – und so am Tag zuvor auch ganz entspannt in den Mai tanzen. Das würde ich Ihnen auf jeden Fall gönnen!

„Der Tag der Arbeit“ hat auch eine Geschichte: Vor 132 Jahren haben Arbeiter in den USA am 1. Mai für den Achtstundentag demonstriert. So ist dieser Tag als Internationale Tag der Arbeiterbewegung entstanden.

Am 1. Mai geht es auch um  Gerechtigkeit. Wer arbeitet, gestaltet unsere Gesellschaft mit. Er leistet einen Beitrag für uns alle. Egal ob er Bauhelfer ist oder Vorstandsmitglied. Für Martin Luther war jede Arbeit Beruf. Das hat etwas mit Berufung zu tun. Gott ruft dich. Du sollst dich einsetzen: für deine eigenen Interessen und für andere Menschen. Deshalb ist „jeder Arbeiter seines Lohnes wert“. So steht es im Lukasevangelium. Und die Bibel weiß, wovon sie spricht. Jesus predigte zu Bauern und Tagelöhnern. Sein Vater war Zimmermann. Das Christentum begann bei den kleinen Leuten.

Gerechtigkeit und Würde gelten für alle im gleichen Maß. Dazu gehören ein fairer Lohn und gute Arbeitsbedingungen. Daran erinnert uns der 1. Mai: der Tag der Arbeit - der natürlich auch ein Tag zum Ausruhen und Entspannen ist.

Ich wünsche Ihnen beides: Gute Arbeit und immer wieder schöne Auszeiten mit Ihren Familien, mit Ihren Freunden und grüße Sie herzlich!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

28. April 2018

Angriffe auf Juden häufen sich. Mitten in unserem Land. Angriffe mit Worten oder auch tätlich. Verletzen immer. Was kann man dagegen tun?

Ich muss an Eberhard denken, einen Onkel meiner Frau. Seine Kollegen schätzten ihn. Dass er Christ war, störte sie nicht weiter. Eines Tages in der Frühstückspause wurde über die Juden gelästert. Onkel Eberhard stand auf, sagte bestimmt: „Ich bin Jude!“ und verließ den Raum. Die Kollegen schwiegen beschämt. Sie hatten verstanden.

Also: Nicht weghören, wenn antisemitisch gequatscht wird! Dagegenhalten, wenn Menschen herabgesetzt werden, egal aus welchem Grund! „Was ihr einem von meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus, der Jude.

Gott segne uns mit Mut und Geistesgegenwart!

Ihr Bischof Andreas v. Maltzahn

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