Seenotrettung

353 Gerettete können von Bord der "Sea-Watch 4"

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 4" hat am Mittwochnachmittag (2.9.2020) den Hafen von Palermo erreicht. Die mehr als 350 Geretteten müssen für zwei Wochen auf ein Quarantäneschiff umsteigen, bevor sie an Land dürfen.
Das Rettungsschiff "Sea-Watch 4" hat am Mittwochnachmittag (2.9.2020) den Hafen von Palermo erreicht. Die mehr als 350 Geretteten müssen für zwei Wochen auf ein Quarantäneschiff umsteigen, bevor sie an Land dürfen.© epd-bild, Thomas Lohnes

03. September 2020

Elf Tage nach der ersten Rettung dürfen rund 350 Migranten das Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 4" verlassen und auf ein italienisches Quarantäneschiff umsteigen. Italien dürfe jetzt nicht alleingelassen werden, mahnt EU-Politiker Giegold.

Das Bündnis www.united4rescue.com

Die Erleichterung ist groß an Bord der "Sea-Watch 4": Am Mittwoch erreichten Crew und 353 Geflüchtete den Hafen der italienischen Stadt Palermo. Das bestätigte ein Sprecher der zivilen Seenotrettungsorganisation Sea-Watch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Direkt nach der Ankunft in Palermo begann das Umsteigen auf ein Quarantäneschiff, das die italienischen Behörden bereitgestellt haben. Die italienische Küstenwache begleitete das Manöver, bei dem die "Sea-Watch 4" an das größere Quarantäneschiff andockte und die Geretteten über eine behelfsmäßige Brücke das Deck verlassen konnten.

"Italien mit den Flüchtlingen nicht allein lassen"

Der Grünen-EU-Politiker Sven Giegold nannte die Rettung der 353 Menschen "ein großartiges Ergebnis nach nur wenigen Tagen im Einsatz für das 'Kirchenschiff'". Zwei Wochen lang sollen die Geretteten an Bord des Quarantäne-Schiffs bleiben, bevor sie an Land dürfen. Es brauche nun schnelle Zusagen aus Deutschland und anderen EU-Mitgliedsländern, die Geretteten nach ihrer Quarantäne in Italien aufzunehmen. Italien dürfe mit den geretteten Flüchtlingen nicht alleingelassen werden, erklärte er. Giegold hatte im vergangenen Jahr auf dem Kirchentag in Dortmund die Resolution "Wir schicken ein Schiff" initiiert, die letztlich zur Anschaffung der "Sea-Watch 4" aus überwiegend kirchlichen Spenden führte.

Bedford-Strohm: "Leben retten kann nicht verschoben werden"

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm betonte am Mittwoch in einem Facebook-Eintrag die Dringlichkeit der zivilen Seenotrettung. Er nahm Bezug auf den Tod des syrischen Jungen Alan Kurdi, der am 2. September 2015 tot an einem türkischen Strand gefunden worden war. "Wer besser verstehen will, warum wir die zivile Seenotrettung so aktiv unterstützen, muss sich noch mal der Härte eines Bildes aussetzen, das heute genau vor fünf Jahren an einem türkischen Strand entstanden ist und das um die Welt gegangen ist", betonte der bayerische Landesbischof. Das Foto zeigt den toten Jungen, bekleidet mit rotem T-Shirt und blauen Shorts, auf dem Bauch liegend am Strand. "Mir - Opa eines kleinen Jungen - treibt es immer noch die Tränen in die Augen", schrieb Bedford-Strohm.

Bedford-Strohm auf facebook

Die Staaten Europas retteten weiterhin nicht, erklärte er. "Die zivilen Seenotretter tun es. Sie warten nicht darauf, dass es gute Lösungen für die flüchtlingspolitischen Probleme gibt." Leben retten könne nicht bis zu diesem Zeitpunkt verschoben werden. Deshalb sei er auch für die jüngsten Rettungsaktionen der "Sea-Watch 4" dankbar.

Hintergrund

Die "Sea-Watch 4" war Mitte August zu ihrer ersten Mission im zentralen Mittelmeer aufgebrochen. Das ehemalige Forschungsschiff wurde im Januar für 1,3 Millionen Euro erworben. Es wird von Sea-Watch und "Ärzte ohne Grenzen" im Auftrag des zivilen Bündnisses "United4Rescue" betrieben. Dem Bündnis gehören mittlerweile mehr als 550 Organisationen und Unternehmen an. Es wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründet.

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