Kunst und Soziales

Ausstellung zeigt, wie Architektur Obdachlosen helfen kann

Unter dem Titel "Who's Next? Obdachlosigkeit, Architektur und die Stadt" widmet sich eine Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G) Hamburg ab Freitag (14. Oktober) der Frage, wie architektonische Lösungen das Leben Betroffener besser machen können.
Unter dem Titel "Who's Next? Obdachlosigkeit, Architektur und die Stadt" widmet sich eine Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G) Hamburg ab Freitag (14. Oktober) der Frage, wie architektonische Lösungen das Leben Betroffener besser machen können.© epd-bild/Philipp Reiss

17. Oktober 2022 von Marcel Maack

​​​​​​​Hamburg gilt als Hauptstadt der Obdachlosen. Die Ausstellung "Who's Next? Obdachlosigkeit, Architektur und die Stadt" im Museum für Kunst und Gewerbe geht der Frage nach, wie architektonische Lösungen das Leben Betroffener besser machen können.

„Obdachlosigkeit ist ein uns täglich begegnendes Thema.“ Tulga Beyerle, Direktorin des Museums für Kunst & Gewerbe (MK&G) Hamburg, muss nur die Straße überqueren, um zum Hauptbahnhof und damit an einen Ort zu gelangen, an dem sich Obdachlose bevorzugt aufhalten. „Hamburg wird die Hauptstadt der Obdachlosen genannt“, sagt sie und nennt die Zahl 19.000. So viele Menschen gelten in der Elb-Metropole als wohnungslos.

Passend dazu widmet sich eine Ausstellung im MK&G von Freitag (14. Oktober) an unter dem Titel „Who's Next? Obdachlosigkeit, Architektur und die Stadt“ der Frage, wie architektonische Lösungen das Leben Betroffener besser machen können.

Modellprojekt „Housing First“ in Hamburg

Mit 1.021 Wohnungslosen pro 100.000 Einwohnern hat Hamburg die höchste Wohnungslosenquote unter deutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern, das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. In Hamburg, erläutert Beyerle, gebe es jetzt das Modellprojekt „Housing First“ (deutsch: Wohnen zuerst). Zunächst für drei Jahre sollen 30 Wohnungen an Obdachlose vermittelt werden.

Eine Wand mit einer Hamburgkarte zum lokalen Thema Obdachlosigkeit in Hamburg.
Eine Wand mit einer Hamburgkarte zum lokalen Thema Obdachlosigkeit in Hamburg.© epd-bild/Philipp Reiss

Das Projekt, so informierte die Sozialbehörde im Frühjahr, richte sich an Menschen, die seit langer Zeit ohne Wohnung sind und denen aufgrund von Problemen wie psychischer Erkrankung oder Drogensucht bislang kein Wohnraum vermittelt werden konnte. Im Museum erläutert Beyerle das Grundprinzip: Die Menschen bekämen eine Wohnung, um zur Ruhe zu kommen, erst danach würden die Probleme angegangen.

„Alle haben Angst vorm Winter.“

30 Wohnungen seien sehr wenig, wenn man bedenke, dass Deutschland bis 2030 die Wohnungs- und Obdachlosigkeit abschaffen will, sagt Sybille Arendt vom Hamburger Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ im MK&G. Erst am Abend zuvor sei sie durch die Straßen der Stadt gegangen, habe sie in die Hauseingänge geschaut. „Es wird schlimmer und schlimmer“, fasst sie ihre Eindrücke zusammen. „Es sind so viele Menschen, die da schlafen im Elend.“ Und nicht nur das: „Alle haben Angst vorm Winter.“

2021 sind in Hamburg 43 Obdachlose auf der Straße gestorben. Im MK&G erinnern 43 Schlafsäcke symbolisch an sie. Ein wandgroßer Stadtplan zeigt Einrichtungen für Menschen ohne Dach über dem Kopf auf, darunter medizinische Anlaufstellen sowie Möglichkeiten zur Körperpflege. Eine Info-Tafel informiert über das „Hinz&Kunzt“-Haus, das Raum für Redaktion und Wohngemeinschaften bietet.

Ein Foto aus San Fransisco vom Platz vor dem Rathaus. Die Stadt gab ihn frei für Obdachlose um währned der Corona-Pandemie Abstand halten zu können.
Ein Foto aus San Fransisco vom Platz vor dem Rathaus. Die Stadt gab ihn frei für Obdachlose um währned der Corona-Pandemie Abstand halten zu können.© epd-bild/Philipp Reiss

Kurator der Ausstellung „Who's Next?“, die vergangene Woche eröffnet wurde und bis 12. März 2023 zu sehen sein wird, ist Daniel Talesnik. Konzipiert hat er sie für das Architekturmuseum der Technischen Universität München, Hamburg ist nach der Isar-Stadt die zweite Station.

„Who's Next?“ nähert sich dem Problem Obdachlosigkeit durch vielschichtige Herangehensweise: Die Ausstellung blickt auf die internationalen Metropolen Los Angeles, Moskau, Mumbai, New York, São Paulo, San Francisco, Shanghai und Tokio sowie die deutschen Städte Berlin, Dresden, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart. Sie geht der Frage nach, wie sich Obdachlosigkeit in den Städten darstellt. Sie schaut, ob und wie Politik oder sonstige Akteure das Problem bekämpfen. Und sie zeigt, teils anhand von Modellen, Architekturbeispiele auf, die Obdachlosen ein Zuhause bieten.

„Die Ausstellung bringt Sensibilität in das sehr, sehr starke Thema Obdachlosigkeit“, sagt Talesnik. Informationen an Wänden, Dokumentarfilme sowie eine Bibliothek tragen zum Verständnis von Obdachlosigkeit und den damit verbundenen Herausforderungen bei. Weitere Infos sind auf Litfasssäulen zu finden, einem „Element der Straße“, wie Talesnik sie nennt.

Fotoserie über Obdachlosigkeit in Tokio

Neben dem MK&G gibt es noch einen zweiten Ausstellungsort: Parallel zu „Who's Next?“ zeigt „Hinz&Kunzt“ bei sich im Haus in der Minen­straße 9 eine Fotoserie über Obdachlosigkeit in Tokio von Ulrike Myrzik und Manfred Jarisch. Der Eintritt ist frei, geöffnet ist Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr.

Zur Ausstellung im MK&G ist im ArchiTangle Verlag ein von Daniel Talesnik und Andreas Lepik herausgegebener Katalog erschienen.

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