Kunst und Kirche

Barlach in der Kapelle: Vor 70 Jahren wurde das erste Ernst-Barlach-Museum eröffnet

Das Ernst-Barlach-Museum in der Gertrudenkapelle in Güstrow zeigt 25 plastische Arbeiten des Bildhauers, Zeichners und Schriftstellers.
Das Ernst-Barlach-Museum in der Gertrudenkapelle in Güstrow zeigt 25 plastische Arbeiten des Bildhauers, Zeichners und Schriftstellers.© epd-bild/Anne-Dorle Hoffgaard

01. November 2023 von Anne-Dorle Hoffgaard

Am 31. Oktober 1953 wurde in der Gertrudenkapelle im mecklenburgischen Güstrow das erste Museum für Kunst von Ernst Barlach (1870-1938) eröffnet. Genau 70 Jahre danach wurde dieses Ereignis mit einem Festakt gewürdigt.

Es ist erstaunlich ruhig in der Güstrower Gertrudenkapelle, wenn sich hinter dem Besucher die hölzerne Eingangstür schließt. Die Geräusche der Stadt bleiben außen vor. Im spätgotischen Innenraum des einschiffigen Backsteinbaus aus dem 15. Jahrhundert laden 25 plastische Arbeiten des Bildhauers, Zeichners und Schriftstellers Ernst Barlach (1870-1938) zu Besinnung und Betrachtung ein. Darunter Arbeiten, die für einen sakralen Raum wie geschaffen scheinen, wie etwa „Der Zweifler“, „Die lesenden Mönche“, „Das Wiedersehen“ und „Lehrender Christus“.

Eine kleine Kapelle steht zwischen grün belaubten Bäumen auf einer Wiese.
Ernst-Barlach-Museum in der Gertrudenkapelle in Güstrow: Vor 70 Jahren, am 31.10.1953, wurde in dem einschiffigen Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert das erste Museum mit Werken des Bildhauers, Grafikers und Schriftstellers Ernst Barlach (1870-1938) eröffnet. Dies entsprach einem mehrfach geäusserten Wunsch des Künstlers. Sein in Güstrow verbliebener Nachlass ist der grösste zusammenhängende Werkbestand Barlachs an einem Ort und konnte nach der deutschen Wiedervereinigung für das Land Mecklenburg-Vorpommern erworben werden. © Anne-Dorle Hoffgart

Der von den Nazis verfemte Ernst Barlach gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Moderne. Er lebte von 1910 bis 1938 in der mecklenburgischen Kleinstadt an der Nebel und schuf dort den größten Teil seines Werkes. Sein in Güstrow verbliebener Nachlass ist der größte zusammenhängende Werkbestand Barlachs an einem Ort und konnte nach der deutschen Wiedervereinigung für das Land Mecklenburg-Vorpommern erworben werden.

Kunst von Ernst Barlach entdecken

Barlach Stiftung Güstrow:www.ernst-barlach-stiftung.de
Barlach Haus Hamburg:www.barlach-haus.de/
Barlach Museum Wedel:www.ernst-barlach.de/wedel.html
Barlach Museum Ratzeburg:www.ernst-barlach.de/ratzeburg.html

Die 1994 gegründete „Ernst Barlach Stiftung Güstrow“ bewahrt diese Sammlung in ihren drei Museen Gertrudenkapelle, Atelierhaus und Ausstellungsforum-Grafikkabinett. Dabei ist die Gertrudenkapelle das erste Barlach-Museum überhaupt.

Seit am 31. Oktober 1953 in der Gertrudenkapelle die bereits 1950 angekündigte ständige Barlach-Ausstellung eröffnet wurde, zieht es Bewunderer seiner Kunst und Interessierte hierher. Im Jahr 2022 wurden 17.268 Besuchende gezählt, informieren die Güstrower Barlach-Museen.

Der Künstler und die Kapelle

„Wie Barlach dieses stille Plätzchen liebte...“, zitiert die Güstrower Autorin Ditte Clemens in ihrem Buch „Marga Böhmer“ aus der Rede, die Barlachs Lebensgefährtin, die Bildhauerin Marga Böhmer (1887-1969), bei der Eröffnung der Gedenkstätte gehalten haben soll. „Wie oft weilte er auf dem kleinen umliegenden Friedhof, genoss seine traumhafte Atmosphäre... Das kleine Kapellchen hätte er sich wohl gerne als Arbeitsplatz ersehen, aber er war zu bescheiden, darum zu bitten“, so Böhmer damals.

Nach Kriegsende hatten sich Barlach-Freunde in Ost- und Westdeutschland für die Einrichtung der Gedenkstätte eingesetzt, insbesondere seine Lebensgefährtin Marga Böhmer. Sie wohnte unter bescheidenen Verhältnissen seit März 1951 in der kleinen Dachgeschoss-Wohnung der Gertrudenkapelle und wirkte als Kustodin.

Kapelle mit wechselvoller Geschichte

Dabei ist die Geschichte dieses sakralen Bauwerkes ebenso wechselvoll wie Leben und Rezeption Barlachs. Denn bevor die Gertrudenkapelle zur Barlach-Gedenkstätte wurde, diente sie auch als Pilger-, Siechen- und Friedhofskapelle. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurden hier Futter für die Pferde und Munition eingelagert. Nachdem das Gebäude städtisches Eigentum geworden war, wurde es von den Nationalsozialisten 1937 nach erfolgter Rekonstruktion als Ahnenhalle geweiht.

Nach dem Krieg drohte die Eröffnung der ständigen Barlach-Ausstellung in der Gertrudenkapelle zunächst zu scheitern, auch wegen Baustoffmangel. In der Zeit der sogenannten Formalismusdebatte in der DDR wurde Barlach 1951/52 erneut angegriffen. „Barlachs Werk enthält nichts Zukunftsweisendes“, zitiert Ditte Clemens in ihrem Marga-Böhmer-Buch beispielsweise aus einem Artikel, der im Januar 1952 im „Neuen Deutschland“ erschien. Barlach sei „rückwärtsgewandt“ und seine Geschöpfe „eine graue, passive, verzweifelte, in tierischer Dumpfheit dahin vegetierende Masse“.

Amtliche Pressebeiträge hätten das Werk Barlachs als „westliche Dekadenz“ und von „antidemokratischen Tendenzen beherrscht“ bezeichnet, berichtete die Kunstwissenschaftlerin Ilona Laudan zum 50. Jahrestag der Eröffnung. Eine erneute Verfemung drohte, was einen „Proteststurm“ ausgelöst habe.

Vor 70 Jahren konnte dann in der Gertrudenkapelle das erste Barlach-Museum eröffnet werden. 4.000 Besucher habe es 1954 gehabt, 8.800 im Jahr 1965 und 10.000 im Jahr 1969, sagt Jakob Schwichtenberg (Schwerin). Der promovierte Historiker hat am 31. Oktober in Güstrow bei einem Festakt  zum 70-jährigen Bestehen dieses Barlach-Museums einen Vortrag gehalten „über die Hintergründe, die leidenschaftliche Motivation und die Entstehung dieses wegweisenden Museums für das künstlerische Erbe von Ernst Barlach“, so die Güstrower Barlach-Museen. Heute gibt es neben Güstrow auch Barlach-Museen in Ratzeburg, Wedel (bei Hamburg) und in Hamburg.

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Der "Geistkämpfer" von Ernst Barlach vor der Kieler Nikolaikirche.© AdobeStock, Nikolai Korzhov

Kunstwerke für Kirchen in Kiel und Lübeck

Barlach wuchs in einem protestantischen Elternhaus auf, war aber kein regelmäßiger Kirchgänger. Und doch ging er davon aus, dass sich seine Werke gut in einen Kirchenraum fügen würden. So entstanden etwa der "Geistkämpfer" für die Stadtkirche Kiel und die "Gemeinschaft der Heiligen" für die Lübecker Katharinenkirche.

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