Interview

Buß-und Bettag: Verblasster Tag im Kirchenjahr

1994 wurde der protestantische Buß- und Bettag in allen Bundesländern mit Ausnahme Sachsens als gesetzlicher Feiertag abgeschafft (Symbolbild)
1994 wurde der protestantische Buß- und Bettag in allen Bundesländern mit Ausnahme Sachsens als gesetzlicher Feiertag abgeschafft (Symbolbild)© epd-bild / version/Herby Sachs

17. November 2015 von Simone Viere

Rendsburg. Seit 20 Jahren ist der Buß- und Bettag ein Arbeitstag. 1997 setzte sich die ehemalige Nordelbische Kirche in Schleswig-Holstein vergeblich für einen Volksentscheid zur Wiedereinführung des gesetzlichen Feiertags ein. Einer der damals Engagierten war der heutige Landespastor Heiko Naß. Im Interview mit der Evangelischen Zeitung spricht er über Rituale und die Bedeutung des Tages.

Evangelische Zeitung: Wie würden Sie einem Zwölfjährigen erklären, was es mit dem Buß- und Bettag auf sich hat? 

Heiko Naß: Wann finde ich einmal Zeit, darüber nachzudenken, wo etwas in diesem Jahr schiefgelaufen ist? Wo habe ich einem Anderen, aber auch mir gegenüber Unrecht getan? Dazu gibt der Buß- und Bettag einen Anlass und ein wenig Zeit. 

Die Rituale des Buß- und Bettages bleiben aber nicht allein daran stehen, darüber nachzudenken, was schiefläuft. Deswegen hat der Buß- und Bettag auch das Beten aufgenommen. Das bedeutet, seine Anliegen vor Gott zu bringen und Gott darum zu bitten, dass er uns zu einem neuen Handeln befreit. Es ist so, als ob man das, was einem auf dem Herzen liegt und quält, auf einen Brief schreibt, diesen Brief dann zusammenknüllen, wegwerfen oder auch in den Kamin zum Verbrennen geben kann. So wie sich dieser Brief dann langsam in Flammen auflöst, so löst sich das, was uns belastet, auf, wenn wir Gott darum bitten, er möge wegnehmen, was uns beschwert. 

Evangelische Zeitung: Seit 20 Jahren ist der Buß- und Bettag ein Arbeitstag. Ist er heute ein verblasster Tag im Kirchenjahr? 

Heiko Naß: Der Aufruf zur Buße ist zwar die erste der 95 Thesen von 1517, aber Luther war lange unsicher im Umgang mit dem Bußsakrament. Noch heute steht es als protestantisches Sakrament in einer Klammer. Der Umgang mit der Buße war immer blass in der protestantischen Kirche. Das wirkt sich bis heute auch aus. 

Evangelische Zeitung: Warum haben Sie sich damals für die Wiedereinführung des gesetzlichen Feiertags eingesetzt?

Heiko Naß: Als gemeinsamer Feiertag für alle Menschen in diesem Land sollte der Buß- und Bettag vor allen Dingen ein Nachdenken in der Gesellschaft, im Staat und in der Politik anregen. Wo läuft etwas schief in unserer Gesellschaft? Wenn in unserem Land in einigen Regionen mehr als 19 Prozent der Bevölkerung von Armut gefährdet sind, dann stimmt etwas in unserer Gesellschaft nicht. Deswegen war es mir auch 1997 wichtig, dass der Buß- und Bettag ein gesetzlicher Feiertag bleibt.

Evangelische Zeitung: Erinnern Sie sich an den Tag des Volksentscheides? Was ging in Ihnen vor, als Sie das Ergebnis erfuhren? 

Heiko Naß: Ich erinnere mich noch gut an den Tag des Volksentscheides. Ich war damals Pastor in der Kirchengemeinde in Garding. Wir waren gespannt, wie hoch das Quorum sein würde, denn das war entscheidend, ob die Volksinitiative Erfolg haben würde. Nachmittags haben wir Kaffee und Kuchen in die Wahllokale gebracht und uns mit den dortigen Wahlhelfern unterhalten. Am Ende des Tages gab es zwar eine Mehrheit, die für den Erhalt des Buß- und Bettages stimmte, aber das Quorum hatte nicht seine erforderliche Höhe erreicht. Ärgern konnte man sich darüber, dass die Landesregierung den Volksentscheid für sich auf einen einzelnen Tag legte. Wenn sie den Volksentscheid mit der anstehenden Landtagswahl zusammengelegt hätte, wäre das Ergebnis sicher anders ausgegangen. 

Evangelische Zeitung: Wie gestalten Sie persönlich „Ihren“ Buß- und Bettag?

Heiko Naß: Früh morgens gehe ich noch im Dunkeln mit meinem Hund über Felder und lasse den Tag mit all seinen Gedanken und Möglichkeiten auf mich zukommen. Am Morgen feiern wir dann im Martinshaus im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein eine gemeinsame Andacht. Ich freue mich, dass wir dabei auch ins Gespräch kommen mit Menschen, die sich ehrenamtlich insbesondere in der Flüchtlingsarbeit schulen lassen wollen. Diese Energie des Morgens wird mich durch den weiteren Tag begleiten. 

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