Traditionelle Halskrause

Das weiße Wagenrad der Pastoren

Pastor Bernd Lohse hält seine Halskrause in die Kamera. In Hamburg gibt es zwischen 60 und 70 Pastorinnen und Pastoren, die noch die traditionelle Halskrause tragen.
Pastor Bernd Lohse hält seine Halskrause in die Kamera. In Hamburg gibt es zwischen 60 und 70 Pastorinnen und Pastoren, die noch die traditionelle Halskrause tragen. © epd-Bild, Nadine Heggen

19. Mai 2022 von Nadine Heggen

​​​​​​​Sie schwer zu reinigen, oft unbequem und nicht gerade preiswert. Dennoch tragen einige evangelische Pastoren in Hamburg, Lübeck und Stralsund bei Gottesdiensten noch eine Halskrause. Ihre einstige Funktion hat die 400 Jahre alte Tradition schon lange verloren.

Ein Hingucker ist das weiße Wagenrad um Bernd Lohses Hals auf jeden Fall: Aus etwa 200 kleinen Schleifen besteht die Halskrause, die der Pastor immer zum schwarzen Talar trägt, wenn er in seiner Hamburger Gemeinde St. Jakobi predigt. Für die Pastorinnen und Pastoren der Hauptkirchen ist das Tragen des großen Kragens Pflicht. Auch evangelische Pastoren in anderen Teilen der Nordkirche halten an der 400 Jahre alten Tradition fest.

Auch Bischöfin Kirsten Fehrs trägt die Halskause.

Als Hauptkirchen werden in Hamburg die fünf innerhalb der historischen Stadtbefestigung gelegenen evangelischen Kirchen bezeichnet. Zu ihnen gehören St. Michaelis (Michel), St. Jakobi, St. Petri, St. Katharinen und St. Nikolai.  www.hauptkirchen.de

Dabei ist die Anschaffung und Reinigung einer Halskrause deutlich teurer als die der schlichteren Halsbinde („Beffchen“). Das Hamburger Ornat, das aus einem Unterkleid, einer Art Mantel und der Halskrause besteht, kostet rund 2.500 Euro. Der preußische Talar mit Beffchen, der in den meisten Gemeinden der Nordkirche getragen wird, liegt bei 1.000 Euro. Anschaffung und Reinigung ihrer Amtstracht müssen die Pastoren selbst finanzieren.

Beffchen (Halsbinde) für Pastoren.
Beffchen (Halsbinde) für Pastoren.© epd-bild / Giulia Iannicelli

Während das Beffchen in die Waschmaschine darf, steckt hinter der Krausen-Reinigung echtes Handwerk. Bis vor 20 Jahren war die Frau vom Küster der St. Michaelis-Gemeinde in Hamburg mit dieser Aufgabe betraut. Als sie starb, bat die damalige Hamburger Bischöfin Maria Jepsen die kirchliche Mehrzweckeinrichtung Rathauspassage, die Tradition weiterzuführen.

Seit mehr als 400 Jahren tragen evangelische Pastoren in Hamburg zum Talar eine weiße Halskrause. Mit einer speziellen Technik müssen sie getollt werden. (Archiv)
Seit mehr als 400 Jahren tragen evangelische Pastoren in Hamburg zum Talar eine weiße Halskrause. Mit einer speziellen Technik müssen sie getollt werden. (Archiv)© Sven Kriszio, epd

"Tollen" dauert bis zu drei Stunden

„Die Technik haben wir uns mühsam angeeignet“, sagt Rathauspassage-Geschäftsführerin Gudrun Stefaniak. Flecken in der Krause wie Blut, Wachs, Make-Up werden zunächst unterschiedlich vorbehandelt. Dann werden die aus Leinen oder Baumwolle bestehenden Krausen bei 100 Grad Celsius gekocht. Wenn sie noch leicht feucht sind, werden sie gestärkt und „getollt“. Durch diesen Vorgang erhält der Stoff seine Schleifen zurück. Dazu wird der Stoff um Metallstäbe gelegt, die in einem Spezialofen erhitzt wurden. Allein das Tollen dauert je nach Krausengröße bis zu drei Stunden.

Bildergalerie auf evangelisch.de: Gundel Purgold pflegt Halskrausen

In der gesamten Nordkirche beherrschen nur noch zwei Frauen dieses Handwerk. Die ehemalige Küsterin Gundel Purgold in Lübeck und Daniela Kiunke in Hamburg, die im Auftrag der Rathauspassage tollt. Beide haben besonders vor Weihnachten und Ostern viel zu tun. Kiunke reinigt etwa 200 Krausen jährlich, Purgold 40. Die Frischebehandlung einer Halskrause dauert bis zu drei Wochen und kostet zwischen 60 und 70 Euro.

Selbst ins Miniatur-Wunderland hat die Halskrause es 2013 zum evangelischen Kirchentag in Hamburg geschafft.
Bischöfin Kirsten Fehrs im Mini-Format zum Kirchentag 2013 im "Miniatur Wunderland" in Hamburg.© epd-bild / Stephan Wallocha

Ursprung weit zurück in der Renaissance 

Dabei hat das Wagenrad, wie die Halskrause auch genannt wird, längst ihre ursprüngliche Funktion verloren. Sie wurde in der Renaissance erfunden, um dem Träger Würde zu verleihen und den Puderstaub der damals üblichen Perücke aus der prächtigen Kleidung fernzuhalten.

Doch nach und nach ging es den Halskrausen an den Kragen, heute sind sie nur noch bei Pastoren in Hamburg und Lübeck sowie vereinzelt in Gemeinden anderer Hansestädte wie Greifswald und Stralsund zu sehen. Der Kirchengemeinderat von St. Nikolai in Stralsund entschied sich vor eineinhalb Jahren, schwarzen Talar und Halskrause gegen deutlich hellere Gewänder zu tauschen. „Einige Gottesdienstbesucher vermissen die Halskrausen“, sagt Pastor Albrecht Mantei. Sie sollen in St. Nikolai wahrscheinlich nur noch an hohen Feiertagen zum Einsatz kommen.

Kleidungsstück mit langer Tradition: Pastor Bernd Lohse aus Hamburg trägt die Halskrause zur Amtstracht.
Pastor Bernd Lohse trägt die traditionelle Halskrause zum Ornat.© epd-Bild, Nadine Heggen

Teil einer langen Geschichte

In Hamburg sind es zwischen 60 und 70 Pastoren, die noch Halskrause tragen. Immer wieder gab es Diskussionen, sie abzuschaffen. Für Pastor Bernd Lohse ist sie eine wichtige Tradition, die die Trennung von Staat und Kirche nach Martin Luther symbolisiert. „Sie befreit uns aus der Beliebigkeit von Moden und erinnert uns daran, dass wir Teil einer langen Geschichte sind, die noch längst nicht zu Ende ist“, so Lohse.

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