Ai Weiwei im Porträt

Der Grenzgänger und seine provokative Kunst

Der Künstler Ai Weiwei bei seiner Ankunft am vergangenen Donnerstag auf dem Flughafen von München
Der Künstler Ai Weiwei bei seiner Ankunft am vergangenen Donnerstag auf dem Flughafen von München© epd

05. August 2015 von Timo Teggatz

Peking/ Berlin. Im Westen gilt Ai Weiwei vielen als Ikone der provokativen Kunst, in seinem Heimatland China wird er zensiert. Jetzt ist der Künstler nach Deutschland eingereist. Porträt eines Grenzgängers zwischen den Welten.

Ai Weiwei hat wieder eine Grenze überschritten. Am vergangenen Donnerstag landete der 57-jährige chinesische Konzeptkünstler in Deutschland. Über vier Jahre lang hatte er auf seinen Pass warten müssen. Er wolle bei seinem sechsjährigen Sohn Lao sein, der mit seiner Mutter in Berlin lebt, sagte er.

Die Reise soll nicht der folgenreichste Schritt in seinem Leben sein. Denn seiner Heimat will Ai nicht endgültig den Rücken kehren: Die chinesischen Behörden hätten ihm die Einreise mit den Worten "Sie sind ein freier Mensch" ausdrücklich erlaubt, sagte Ai im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung".

Ideengeber für das "Vogelnest" von Peking

Ai ist ein Grenzgänger. Für viele im Westen ist der Künstler eine willkommene Ikone der provokativen Kunst und des engagierten Protests. Journalisten schätzen sein gutes Englisch und seine markigen Statements. Kritiker wie Fans gleichermaßen bestaunen seine Bezüge auf chinesische Traditionen und seine virtuose Lebensinszenierung bei der Foto-Börse Instagram  und Twitter, wo er 282.000 Follower hat. Bei dem Kurznachrichtendienst schreibt er auch in englischer Sprache.

In China kennen nur wenige die offiziell freigegebenen Informationen über sein Leben: Ai ist der ältere von zwei Söhnen des bekannten Dichters Ai Qing. Chinas populärste Online-Enzyklopädie Baidu Baike erwähnt auch, das Ai Weiwei von 1981 bis 1993 in den USA gelebt hat und schildert ausführlich seine Architekturprojekte – und mit Stolz auch seine Rolle als entscheidender Ideengeber für den Entwurf des Olympiastadions "Vogelnest" als Symbol für Chinas Inszenierung der Sommerspiele 2008 in Peking.

Engagiert nach dem schweren Erdbeben von 2008

Ai verstand es lange Zeit, beide Welten in ihren Bedürfnissen zu bedienen. Über sein Projekt "Fairytale" auf der documenta12 in Kassel 2007 berichteten sowohl chinesische als auch deutsche Zeitungen enthusiastisch. Die Medien der Volksrepublik betonten die Ausmaße von Ais Projekt: 1.001 Chinesen aus dem ganzen Land reisten verteilt über einen Monat durch Deutschland. 3,1 Millionen Euro kostete das gesamte Unternehmen. Westliche Medien fokussierten lieber auf Ais Vision von "Kunst als Leben", die persönliche Erfahrungen und individuelles Bewusstsein fördern solle.

Mit seinem Engagement nach dem Erdbeben im Mai 2008 in der westchinesischen Provinz Sichuan änderte sich Ais Wahrnehmung in China: Offizielle Behörden sahen ihn mehr und mehr als politischen Aktivisten – eine Rolle, zu der sich Ai von da auch zunehmend selbst bekannte. Ende 2008 begann er seinen Blog als Online-Plattform zu nutzen, auf der er die Namen der über 5.000 Schulkinder, die beim Erdbeben vom 12. Mai 2008 ums Leben kamen, zusammentrug. Als Initiator bot er Angehörigen und Bürgern einen öffentlichen Raum und fand in kürzester Zeit große Unterstützung durch zahlreiche Freiwillige. 

Im April 2011 wurde er in Peking am Flughafen inhaftiert, als er nach Hongkong ausreisen wollte. Lange gab es kein Lebenszeichen von ihm, bis er schließlich nach 81 Tagen wieder freikam – und nach 50 Verhören, wie er selbst mitteilte. Fast ein Jahr lang durfte er nicht einmal Peking verlassen. Im Zuge seiner Verschleppung und Inhaftierung versuchten Chinas Medien Ai durch Hinweise auf seinen außerehelichen Sohn und provokante Nacktfotos im Internet zu diskreditieren.

Von Ai produzierte Werke über seine traumatische Zeit in Haft zensierten die Behörden. Seit Ende 2011 ist Ais Konto auf dem chinesischen Twitter-Pendant Weibo zensiert. Zuletzt bat er dort im November 2011 um Spenden zur Tilgung der seiner Firma vorgeworfenen Steuerschuld in Millionenhöhe. Die Vorwürfe lösten international Proteste aus, weil sie als vorgeschoben betrachtet wurden.

Spenden aus ganz China gesammelt

Was Ai damals überraschte und sehr bewegte: Über 30.000 Menschen aus ganz China beteiligten sich mit Spenden. Bürger, die vorher wenig bis nichts über Ai wussten, erfuhren via Weibo von seinem Engagement in Sichuan und schickten Geld, kleinere oder auch größere Summen.

Die chinesischen Schriftzeichen für Ai Weiwei werden aktuell auf Weibo nicht angezeigt, mit dem Verweis auf gesetzliche Bestimmungen. Die chinesische Suchmaschine Baidu fördert dagegen weiterhin Resultate zu tage, allerdings primär aus der Zeit vor 2011. Auf Englisch sind die chinesischen Behörden allerdings großzügiger – oder nachlässiger. So konnten die Nutzer einige wenige Nachrichten über die Rückgabe des Passes an Ai und seine Ausreise nach Deutschland auf Weibo lesen.

Diese Beiträge wurden allerdings kaum weitergeleitet oder kommentiert. Die chinesischen Behörden haben sich zu Ais Ausreise bis dato nicht geäußert. In Deutschland ist der Künstler sehr gefragt. Ai hat 2011 einen Ruf als Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste erhalten und bereits ein Studio im Viertel Prenzlauer Berg.

Dass ihm dennoch daran gelegen ist, Grenzen immer wieder neu zu überwinden, zeigen jüngste Postings auf Twitter: In diesen erinnert Ai – wie schon so oft – an die Geburtstage der Schüler, die bei dem Erdbeben 2008 in Sichuan getötet wurden. "Ich habe das Glück, Künstler zu sein", sagte Ai auf die Frage, wie er sich seine geistige Gesundheit trotz der Repressionen bewahrte. Und er habe viel Unterstützung von meiner Familie und Hunderttausenden Fans gehabt. "Ich spüre eine Verantwortung für sie. Ich will ihnen helfen."

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