Armut

Ferien für alle - wo Sommerangebote für Kids nichts kosten

Urlaub zu Hause: Für viele Familien sind lange Reisen in den Sommerferien einfach zu teuer. Aber die Sommerferien müssen trotzdem nicht langweilig sein. Die Diakonie in Hamburg hat zahlreiche Angebote für Familien.
Urlaub zu Hause: Für viele Familien sind lange Reisen in den Sommerferien einfach zu teuer. Aber die Sommerferien müssen trotzdem nicht langweilig sein. Die Diakonie in Hamburg hat zahlreiche Angebote für Familien.© iStockphoto, Yana Tatevosian

03. August 2026 von Hannah Reinhard

In den Sommerferien wollen Kinder etwas erleben. Nicht alle Eltern können sich Urlaube und Ausflüge leisten - oder haben Zeit, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Die Diakonie Hamburg bündelt ein breites Angebot an günstigen Betreuungsmöglichkeiten.

Es ist so einiges los in der Jenfelder Arche: Kinder spielen ausgelassen vor dem Gebäude, fahren Skateboard oder Roller, malen mit Kreide auf dem Boden. Um 12.30 Uhr gibt es Mittagessen.

Die Betreuerinnen und Betreuer erinnern die etwa 30 Kinder daran, sich vor dem Essen noch einmal die Hände zu waschen, dann setzten sich alle um die Tische. Zu essen gibt es an diesem Tag Kartoffeln mit Soße, später wird es noch ein Eis geben.

Die kostenlosen oder kostengünstigen Angebote der Mitgliedereinrichtungen der Diakonie Hamburg sind im Internet gesammelt.

Essen und Ausflüge

In der Ferienzeit öffnet die Einrichtung jeden Tag ihre Türen für Kinder von fünf bis dreizehn Jahren. An manchen Tagen werden Ausflüge organisiert, zum Beispiel in den Tierpark Hagenbeck. An den „Archetagen“ können die Kinder kostenlos und ohne Anmeldung vorbeischauen und den Tag dort verbringen.

„Eines unserer großen Ziele ist es, den Kindern und Jugendlichen Teilhabe zu ermöglichen“, erklärt Theresa Bubser, die die Jenfelder Arche leitet. Denn viele Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche sind teuer - nicht alle Familien können sich das leisten.

Flamingos im Tierpark Hagenbeck in Hamburg.
Flamingos im Tierpark Hagenbeck in Hamburg.© Robert Katzki

Sommerferien bereiten Eltern Probleme

Sechs Wochen ausschlafen, spielen und keine Hausaufgaben - während die Sommerferien für viele Schulkinder die schönste Zeit des Jahres bedeutet, ist sie für Eltern mit Organisation und Kosten verbunden. Die meisten Eltern können sich nicht sechs Wochen am Stück freinehmen und klassische Sommerferienaktivitäten wie Ausflüge und Urlaube sind nicht günstig.

Jedes vierte Kind in Hamburg von Armut betroffen

In Hamburg galten im vergangenen Jahr etwa 83.000 Kinder als von Armut betroffen, das bedeutet etwa jedes vierte Kind. Ein Sommerurlaub steht für viele von ihnen nicht auf dem Programm. Die Mitgliedereinrichtungen des Diakonischen Werks Hamburg, wie die Jenfelder Arche, bieten deshalb ein umfangreiches, kostenloses oder -günstiges Ferienprogramm.

Teilhabe und Chancengleichheit

„Diese Angebote sollen bewirken, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln und Spaß aus den Sommerferien mitzunehmen“, erklärt Claudia Langholz von der Diakonie Hamburg. Denn in den langen Sommerferien fällt nicht nur der Unterricht aus, auch viele Kitas und Ganztagsbetreuungsangebote an Schulen bleiben geschlossen, zumindest für einen Teil der Sommerferien.

Wichtige Unterstützungsstrukturen für Familien fallen genau in der Zeit weg. Und die können in der Regel eben nicht durch die Eltern kompensiert werden. Claudia Langholz

Für armutsbedrohte Familien seien Kinderbetreuung und die Kosten von Urlauben und Ausflügen das ganze Jahr ein Thema. „Aber die Sommerferien sind mit sechs Wochen besonders lang.“ Dann werden die Unterschiede der finanziellen Möglichkeiten von Familien besonders spürbar. Das Ziel der Diakonie: Alle Kinder sollen die gleichen Chancen und Voraussetzungen haben. „Das soll eben nicht vom Einkommen der Eltern abhängen.“

Etwas Besonderes erleben

Denn Kinder wollen in den Ferien meist nicht nur betreut werden, sondern etwas Besonderes erleben, weiß Langholz. „Sie wollen nach den Ferien berichten können, was sie tolles erlebt haben.“ Das sei ein wichtiger Aspekt von Teilhabe. Denn, wenn nach den Ferien ein Teil der Kinder in einer Klasse von Urlauben am Strand berichtet, während andere die meiste Zeit zu Hause verbringen mussten, falle das den Kindern auf. „Kinder wollen erzählen, welches T-Shirt sie gestaltet oder welche Glitzer-Tattoos sie aufgehoben haben“, sagt die Sozialpädagogin.

Abwechslung vom Alltag

„Kinder brauchen auch andere Orte, als die, die sie im Alltag schon kennen.“ Denn obwohl Spielplätze und öffentliche Parks kostenlose Möglichkeiten zum Spielen und Spaß haben bieten, würde das in den Sommerferien nicht unbedingt ausreichen. „Jedes Kind soll erleben: Ich gehöre dazu.“ Teil davon sei es, in den Ferien besondere Erinnerungen zu schaffen.

„Kinder thematisieren das nicht unbedingt im Alltag, aber gerade in der Schule ist das total sichtbar, wer sich etwas leisten kann und wer nicht“, sagt Theresa Bubser. Das Ferienprogramm der Jenfelder Arche soll den Kindern deshalb Leichtigkeit und Freude mitgeben.

Angebote im Internet gesammelt

Neben den Ausflügen und „Archetagen“ veranstaltet die Einrichtung auch eine kostengünstige Freizeit für Kinder und Jugendliche. „Für viele von ihnen ist das der einzige Urlaub in den Sommerferien und sie reden noch ein Jahr später darüber“, erzählt Bubser.

Angebote offen für alle Kinder

Das Ferienprogramm der Arche und der anderen Mitgliedereinrichtungen der Diakonie richtet sich ausdrücklich nicht nur an Kinder und Jugendliche aus von Armut betroffenen Familien. „Es soll keine Schubladen oder Voraussetzungen geben, bei uns vorbeizuschauen. Wir freuen uns, wenn sich in den Kindern, die hier herkommen, auch Vielfalt spiegelt“, sagt Bubser.

Das soll Stigmatisierung verhindern, bestätigt Langholz. „Bei unseren Angeboten ist es uns wichtig, dass alle Kinder dabei sein können und es einfach gar keine Rolle spielt, wie viele finanzielle Ressourcen im Hintergrund liegen.“

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