Covid 19-Pandemie

Festsitzende Seeleute dürfen nach Kiribati ausreisen 

Seemänner aus Kiribati in der Jugendherberge Hamburg-Horn.
Seemänner aus Kiribati in der Jugendherberge Hamburg-Horn.© epd-bild/Philipp Reiss

02. März 2021

Nach monatelangem Warten in Hamburg dürfen die gestrandeten Seeleute aus dem südpazifischen Inselstaat Kiribati endlich nach Hause reisen.

Nach dem Auf und Ab der vergangenen Wochen sei dies "ein relativer Durchbruch", sagte der Hamburger Reeder Frank Leonhardt am Montag bei einem Treffen mit Bischöfin Kirsten Fehrs und Staatsminister Niels Annen (SPD) aus dem Auswärtigen Amt. Der bislang coronafreie Inselstaat lässt seit Beginn der Pandemie keine Menschen ins Land.

Zweimonatige Reisezeit erwartet

Die Rückreise über Neuseeland und die Fidschi-Insel gestaltet sich allerdings kompliziert. Aufgrund der unterschiedlichen Quarantäne-Bestimmungen rechnet die Reederei mit einer Reisezeit von knapp zwei Monaten. Die meisten der betroffenen 170 Seeleute aus Kiribati leben in der Jugendherberge Hamburg-Horn. 

"Es ist eine Berg- und Talfahrt der Gefühle."

Für eine Handvoll Seeleute soll es diese Woche schon losgehen, weitere 64 sollen in der kommenden Woche folgen, die anderen zu einem späteren Zeitpunkt. Einige von ihnen waren seit knapp zwei Jahren nicht mehr zu Hause, weil sie schon vor der Pandemie monatelang auf See waren. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Rückreise noch scheitern könnte, sagte Reeder Leonhardt. "Es ist eine Berg- und Talfahrt der Gefühle."

Kapitän Tekemau Kiraua, der einzige Kapitän zur See des Inselstaates, zeigte sich dennoch optimistisch. Die Sehnsucht, die eigene Familie wiederzusehen, sei groß. Derzeit laufe die Verbindung meist über Facebook. Einige der Seeleute hätten ihre Babys noch nie auf dem Arm gehabt.

Zum ersten Mal Schnee gesehen

Nichtsdestotrotz sei die Betreuung in Hamburg sehr gut. Es sei sehr selten, dass eine so große Gruppe von Seeleuten gemeinsam Aktivitäten unternimmt. Kiraua: "Und wir haben das erste Mal Schnee gesehen." Besorgt zeigte er sich allerdings, ob die Männer künftig noch als Seeleute arbeiten können, wenn die Corona-Regeln auf Kiribati so streng bleiben.

Die Nordspitze der Kiribati-Insel Tarawa.
Die Nordspitze der Kiribati-Insel Tarawa.© epd/Stello

Kontakte zur Regierung von Kiribati herzustellen, sei ausgesprochen schwierig, sagte Staatsminister Annen. Briefe an die Regierung seien unbeantwortet geblieben. Die Verbindung laufe über die deutsche Botschaft in Neuseeland. Die Sorge der kiribatischen Regierung, dass mit den Seeleuten auch das Virus auf die Inseln komme, sei verständlich. Deutschland unterstütze mit der Covex-Initiative weltweit Impfungen, die unter anderem auch Kiribati zugutekommen.

Einsatz von Bischöfin Fehrs für die Seeleute 

Bischöfin Kirsten Fehrs hatte sich als Schirmherrin der Deutschen Seemannsmission für die Ausreise der Seeleute eingesetzt und bei Reedern und Regierungsstellen auf eine Lösung gedrungen. Zudem hatte sie gemeinsam mit Erzbischof Stefan Heße einen Brief an die Gemeinden auf Kiribati geschrieben, um im gemeinsamen Gebet und mit praktischer Hilfe die Seeleute zu unterstützen.

Der Staat Kiribati

Kiribati liegt im Pazifik, etwa 6.000 Kilometer nordöstlich von Australien. Die 33 Inseln des Staates erstrecken sich nördlich und südlich des Äquators über eine Distanz, die der Strecke von Norwegen bis Sizilien entspricht.

Die reine Landfläche der Inseln Kiribatis hingegen ist kaum größer als die Stadt Hamburg. Bis 1979 war Kiribati britische Kolonie, damals hießen die Inseln Gilbert Islands. Die meisten Bewohner sind Christen.

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