Spiele mit Bezug zum Glauben

„Godly Play“ – so werden Kinder religiös erzogen

Im religiösen Sinn sollen Kinder erzogen werden. „Godly Play“ trägt dazu bei
Im religiösen Sinn sollen Kinder erzogen werden. „Godly Play“ trägt dazu bei© Karsten Schmid / Fotolia

20. Mai 2015 von Timo Teggatz

Rendsburg. Religiöse Erziehung ist heute in vielen Familien nicht mehr selbstverständlich. Nicht zuletzt deshalb wünschen sich Eltern eine christliche Dimension in den Kitas. Das bietet ein neuer pädagogischer Ansatz: „Godly Play“, glaubensbezogene Spiele.

Vor drei Jahren wurde in der Gemeinde Siek nahe Hamburg darum gestritten, ob die örtliche Kindertagesstätte in kirchlicher Trägerschaft bleiben sollte. Viele Eltern stimmten dafür, erklärt Christan Schack. Er ist seit mehr als sechs Jahren Pastor in der Gemeinde. Der Grund: „Ihren Kindern sollten christliche Werte vermittelt werden.“ Schack ist einer der Teilnehmer, die sich kürzlich im Evangelischen Kitaforum in Rendsburg zum religionspädagischen Konvent getroffen haben.

Dort ging es neben dem kollegialen Austausch in erster Linie um einen relativ neuen religionspädagogischen Ansatz: „Godly Play“. Ulrike Lenz, Pastorin für Kindergottesdienst in der Nordkirche, war in den Konvent gekommen, um die Pastoren und Gemeindepädagogen über diese Methode ins Bild zu setzen. 

Konzept stammt aus den USA

„Godly Play“ bezeichnet ein Konzept religiöser Bildung. Es stammt aus der Sonntagsschularbeit in den USA und wurde vor 30 Jahren von dem Pfarrer Jerome W. Berryman entwickelt. Es handle sich dabei um „ein Konzept zum spielerischen Entdecken von Bibel und Glauben“, wie Ulrike Lenz erklärte. Es berufe sich auf Grundzüge der Montessori-Religionspädagogik. Daher werde auch dem Spiel als kindgemäßer Form des Lernens eine hohe Bedeutung beigemessen. Sowohl biblische Geschichten als auch liturgische Inhalte des christlichen Glaubens sollen auf diese Art den Kindern nah gebracht werden.

Die Bezeichnung „Godly Play“ spricht zwei Aspekte an: „Godly“ meint hier so viel wie „glaubensbezogen“. „Play“, Spiel, drückt die Absicht aus, sich christliche Inhalte in einer „nicht-kognitiven Tiefenschicht persönlich anzueignen“, wie es die Trainer Ute Bögel und Frank Zeeb beschreiben.

Der Begriff kognitiv stammt aus der Psychologie und bezeichnet solche Funktionen des Menschen, die mit Wahrnehmung, Lernen und Denken, also der menschlichen Erkenntnis- und Informationsverarbeitung in Zusammenhang stehen. Wie die „nicht-kognitive“ Schicht aussieht, machte Kindergottesdienst-Pastorin Lenz deutlich: Zwei Erwachsene sitzen mit den Kindern auf dem Boden. Eine Erzählerperson leitet die Einheit, „ankert“ den Kreis der Kinder, bietet eine Geschichte dar und öffnet zugleich den Raum selbstständiger Erschließung. Eine Person an der Tür begrüßt die Kinder, verabschiedet die Eltern und hilft den Kindern, sich zu sammeln.

Gefühl von Identität im Glauben

„Godly Play“ betrachtet die Grundstruktur des Gottesdienstes als die bewährteste Form, mit Gott zu kommunizieren, so Lenz. Deshalb umfasse eine Einheit vier Phasen: Im Ankommen und beim Bilden eines Kreises wachsen die Kinder in die Ruhe des Raumes hinein. Im gemeinsamen Hören, Sehen und Sprechen können sie ihren Weg in die biblische Geschichte finden. Danach könne jedes Kind eine eigene Reaktion in einer Kreativphase gestalten. Einem gemeinsamen Fest mit der Möglichkeit zum Gebet folge die persönlich-zusprechende Verabschiedung.

„Godly Play“ stelle sich in die Tradition der mündlichen Überlieferung lebensdeutender Geschichten, so Lenz: Glaubensgeschichten sollen den Kindern ein Gefühl von Identität und Zugehörigkeit im Glauben vermitteln. Gleichnisse nutzten alltägliche Lebensbilder, um die eigenen Interpretationen des Reiches Gottes herauszufordern. Geschichten zum liturgischen Handeln sollen Lebenszeit und -raum mit den Zeichen der Kirche verbinden, wie dies etwa die Sakramente tun.

„Alle drei Genres wurzeln in der Stille, dem vierten Genre“, erläuterte Ulrike Lenz ihren Zuhörern: In der Stille können sich die Kinder in eine Idee, eine Beschäftigung, eine Begegnung mit Gott vertiefen. Darin sei „die Begegnung mit dem eigenen göttlichen Funken“ möglich, zitierte Lenz einen Ausdruck der Reform­pädagogin Maria Montessori. „Godly Play kann man schwerlich aus Büchern lernen“, betonte Ulrike Lenz. Um den Konvent-Teilnehmern jenseits der Theorie einen Zugang zu der Methode zu eröffnen, lud Lenz zu einer „Wüstengeschichte“ ein.

Euphrat und Tigris als Wollfäden

Ein großer Kreis bildete sich um die Pastorin aus Hamburg, die nach einer kurzen Stillephase in der Mitte auf einem Leinentuch pfundweise feinen „Wüsten“-Sand auseinanderstrich und das Spielmaterial darauf verteilte: Zwei blaue Wollfäden bildeten Euphrat und Tigris, zwei Holzklötzchen die Städte Ur und Haran, zwei Figuren standen für Abraham und seine Frau Sarah. Dann begann Lenz, die Geschichte zu erzählen: über den Stammvater Israels, über seine Nachfahren, über Jesus, die Apostel und das Volk Gottes, dessen Mitglieder an eben jenem Tag auch im Kitaforum in Rendsburg im Kreis saßen.

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