Gold und Silber statt Elektroschrott
07. Januar 2026
Ein neues Smartphone lag unter dem Weihnachtsbaum - doch was passiert nun mit dem alten? Meist bleiben ausrangierte Mobiltelefone für Jahre erst einmal in einer Schublade liegen. Dabei könnten sie ressourcen- und klimaschonend recycelt werden und Geld für einen guten Zweck bringen.
„Ist das überhaupt ein Handy?“ Skeptisch betrachtet July das Gerät, das sie aus dem Haufen auf dem Tisch gefischt hat. Nein, dieses undefinierbare Teil ohne Tasten oder Display landet in der Kiste mit Elektroschrott. Das nächste ist jedoch eindeutig ein altes Tastenhandy. July setzt den Schraubenzieher an, hebelt die Abdeckung auf und entfernt den Akku. Denn ein ausrangiertes Telefon ist wertvoller, als es auf den ersten Blick scheint.
Bei der Handy-Sortier-Party der Ökologischen Freiwilligendienste geht es genau darum: Trennen und Sortieren, damit die verbauten Rohstoffe später recycelt werden können. 20 junge Leute sind dafür ins Knikhus, der Umweltberatungsstelle Kreis Plön im Wildpark Schwentinental, gereist. An einem Tag nehmen sie sich mehr als 1000 alte Geräte vor.
Edelmetalle bringen Geld
Akkus, Tastentelefone und Smartphones wandern getrennt in bereitgestellte Kisten. Gerade die alten Telefone haben es in sich: Neben Kupfer stecken Silber, Gold und auch Platin darin. Kostbare und teure Metalle, die wiederverwendet werden können. Wenn so viele mit anpacken, kommen an einem Tag etwa 300 Kilo vorsortierte Alt-Handys zusammen.
Moderne Smartphones kommen mit deutlich weniger Edelmetall als alte Tastenhandys aus. Trotzdem lohnt sich das Recyceln, denn was wiederverwendet werden kann, muss nicht in der Natur abgebaut werden. „In den leitenden Teilen war früher viel mehr Metall notwendig.
Bei Smartphones ist die Technik weiter, so dass Rohstoffe sparsamer eingesetzt werden können“, erklärt Hinrich Goos, der sich ehrenamtlich beim Handy-Recycling engagiert. Als früherer Leiter der Ökologischen Freiwilligendienste, die zum Hauptbereich Generationen und Geschlechter der Nordkirche gehören, hat er die Sammel- und Sortier-Aktionen vor etwa 20 Jahren ins Leben gerufen. Dafür gibt es Kooperationen mit Abfallwirtschaftsbetrieben, wo Handys abgegeben werden können. In vielen Bibliotheken in Schleswig-Holstein sind zudem Sammelbehälter aufgestellt.
Gutgelaunt im Einsatz für die Umwelt
Die Teilnahme an den Handy-Sortier-Partys ist freiwillig. Für die engagierten Jugendlichen sind sie eine gute Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen. „Mir gefällt der Hintergrundgedanke, dass die Handys recycelt und die Ressourcen genutzt werden“, sagt Kira. Wer einmal den Berg von ausrangierten Telefonen gesehen hat, der allein bei einer einzigen Party auf den Tischen liegt, geht vielleicht weniger sorglos beim Kauf eines neuen Smartphones vor.

Sortiert nach Tastenhandys, Smartphones ohne und mit Akku werden die Telefone von einem Partnerbetrieb abgeholt. Festverbaute Akkus müssen mit Spezialwerkzeug entfernt werden, danach landet alles in einer so genannten Scheideanstalt. Dort können das verbaute Gold, Silber und Kupfer von Kunststoffen und anderen Materialien getrennt werden.
Das Geld, das der Recyclingbetrieb zahlt, kommt in einen Förderfonds. „Damit unterstützen wir zusätzlich bedürftige Freiwillige zum Beispiel aus dem globalen Süden“, sagt Birgitt Fitschen, Leiterin der Ökologischen Freiwilligendienste Koppelsberg. „Oder wir finanzieren damit zusätzliche Projekte im Rahmen der Freiwilligenarbeit.“ Seit 2006 kamen so ungefähr 250.000 Euro zusammen.

Wichtig: Daten löschen
Einige der Smartphones könnten sogar komplett wiederverwendet werden – generalüberholt und professionell repariert, also refurbished. Das sind aber gerade mal zwei Prozent aller Alt-Geräte. Das Problem: „Oft sind die Handys noch mit einem personalisierten Zugang gekoppelt und wurden nicht auf Werkseinstellungen zurückgesetzt“, erklärt die Freiwillige Léa. Das aber ist Voraussetzung für eine Weiternutzung. Ansonsten können sie nur wie alle anderen auseinandergenommen und eingeschmolzen werden.
Ab und zu geraten die jungen Leute in Verzückung, wenn sie ein besonders ausgefallenes Telefon finden. „Das ist eigentlich Kulturgut“, meint Hannah bei einem pinkfarbenen Klapphandy mit mechanischen Tasten. Es ist wohl älter als sie selbst und lag vermutlich lange Zeit ungenutzt herum.

