„Hier kommt ein Reise-Segen für Sie“: Pastorin am Hamburg Airport unterwegs
13. Juli 2026
Gepäckwagen voller Koffer, Menschen in Flip-Flops und Adiletten, aufgeregte Kinder und lange Schlangen vor dem Check-In: Am Hamburger Flughafen beginnen die Ferien. Für viele geht es in die Heimat oder zu ihren Familien, für manche einfach in die Sonne oder eine Auszeit. Mit der Aktion „Sonne und Segen“ schicken Flughafenpastorin Christina Stemmann und ihr Team die Menschen auf ihre Reise.
Flughafen-Pastorin oder Flughafenseelsorgerin: Das ist Christina Stemmann. Hier mehr erfahren über alle Seelsorge-Angebote der Nordkirche...
In all dem Trubel taucht Pastorin Christina Stemmann plötzlich neben den sich windenden Schlangen auf: „Ich habe hier einen Reise-Segen für Sie“, spricht sie ein Paar um die 50 an, das seine Rollkoffer vor sich herschiebt. Mit dabei hat sie einen Korb mit kleinen Tütchen voller Fruchtgummi-Sonnen und Postkarten. „Ach! Das ist ja nett, den nehme ich gerne“, sagen die beiden überrascht.

Ein skeptischer Blick auf die Postkarte - dann wandert sie doch in die Tasche
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„Ich erlebe fast immer positive Reaktionen“, sagt die Pastorin. "Viele erwarten gar nicht, dass sie einfach nur etwas bekommen und wir etwas geben", erzählt auch Diakonin Doris Hamer vom Bereich "Kirche und Tourismus".
Und so sind sie den Tag über in den Terminals unterwegs: Sie sprechen Familien an, Paare, Gruppen, Suchende, Wartende und auch gestresste Menschen. Kinder seien sofort begeistert! Andere werfen zunächst einen skeptischen Blick auf die Postkarte und stecken sie dann doch irgendwo ein.
Der Herr sei mit dir auf allen deinen Wegen. Er lasse sein Licht über dir aufgehen und schenke dir Sonne für die Seele.
Er behüte dein Gehen und dein Kommen und bringe dich wohlbehalten wieder heim. Der Reisesegen von Pastorin Christina Stemmann

Ehrenamtliche aus den umliegenden Gemeinden unterstützen die Aktion
Mit dabei an diesem Tag sind Mitglieder der umliegenden Gemeinden. Nach anfänglicher Zurückhaltung, fremde Menschen einfach so anzusprechen, wird die Stimmung immer besser. Denn auch sie erleben viele erstaunte und freudige Blicke.
Nachmittags kommen ein paar jugendliche Teamer zur Verstärkung: „Das ist toll, dass die kommen. Am Ende gehen sie alle noch ein Eis essen", verspricht Christina Stemmann.

"Reisen ist eine Ausnahmesituation"
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Die Segens-Aktion am Flughafen war eine Überraschung für viele Menschen, denn: Dass am Flughafen ein Seelsorger – ein „Pastor, eine Pastorin am Flughafen“ – arbeitet, das ist wohl nur wenigen bekannt. Christina Stemmann hat ihr Amt vor wenigen Monaten übernommen, als Nachfolgerin von Pastor Björn Kranefuß, der rund 25 Jahre am Flughafen gearbeitet hat.
„Ich werde öfter gerufen, von Rettungssanitätern, dem Passagierservice oder auch der Polizei“, berichtet sie. Meistens begegne sie dann Menschen, die verwirrt und orientierungslos seien.

„Reisen ist für viele, gerade Ältere, auch eine Ausnahmesituation. Da können Unsicherheiten auftreten und psychische Erkrankungen wieder aufbrechen“, weiß sie. Und jemand, der dement ist und im Alltag unter normalen Bedingungen noch gut zurecht kommt, weiß an einem fremden Flughafen dann plötzlich doch nicht, wo er ist.
Flughafen-Pastorin hat ein Netzwerk, um zu helfen
Krisen-Seelsorge nach Unfällen, Unglücken oder persönlichen Katastrophen erlebe sie zum Glück seltener. „Aber auch wenn jemand unfreiwillig am Flughafen strandet, vielleicht ohne Geld, dann kann das dramatisch sein. Und dem versuche ich mit meinem Netzwerk zu helfen.“ Dankbar wird die Perspektive einer Pastorin auch bei Streit angenommen: „Ich wirke meistens vermittelnd und deeskalierend“, sagt sie.
Besonders aber freut sie sich, wenn sie einer Reisegruppe den Segen erteilen, eine kurze Andacht feiern kann oder Menschen die Kapelle besuchen. „Kirche ist den allermeisten hier ziemlich fremd, aber auch kleine Momente der Begegnung mit mir, dem Glauben oder einem Gebet haben eine Wirkung“, ist sie überzeugt.




