Künstliche Intelligenz

KI gehört nicht auf Nordkirchen-Kanzeln

Die Predigtvorbereitung ist für  unsere Bischöfinnen und Bischöfe ein geistlicher Prozess, der nicht durch KI ersetzt werden kann. (Im Bild ist ein Fenster im Greifswalder Dom, Predigtstätte von Bischof Jeremias.)
Die Predigtvorbereitung ist für unsere Bischöfinnen und Bischöfe ein geistlicher Prozess, der nicht durch KI ersetzt werden kann. (Im Bild ist ein Fenster im Greifswalder Dom, Predigtstätte von Bischof Jeremias.)© Jens Ziehe

13. Oktober 2026 von Kristina Tesch

Wie weit wird Künstliche Intelligenz in der Nordkirche genutzt? Die Bischöfinnen Fehrs und Steen sowie Bischof Jeremias ziehen eine deutliche Linie zwischen nützlicher Unterstützung im Büroalltag und unverzichtbarem menschlichem Kernauftrag.

Optimieren, straffen, sparen, entlasten. Dafür wird Künstliche Intelligenz (KI) heute gerne eingesetzt. KI erstellt zum Beispiel in kürzester Zeit einen Dienstplan, der die Stundenzahl und Urlaube von Mitarbeitenden genau berücksichtigt. Doch wie weit darf der Einfluss digitaler Algorithmen in der Nordkirche reichen, deren Fundament auf Vertrauen, Glauben und zwischenmenschlicher Nähe beruht?

Bischöfin Kirsten Fehrs predigt im Ornat aus dem Altarraum der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis
Bischöfin Kirsten Fehrs predigt im Hamburger Michel, der Hauptkirche St. Michaelis.© Marcelo Hernandez

Wenn Kirsten Fehrs, Bischöfin der Nordkirche im Sprengel Hamburg und Lübeck, eine Predigt vorbereitet, versucht sie zuerst die Menschen in den Blick zu nehmen, die diese hören werden. Für sie gründen Predigten, Vorträge oder Grußworte auf etwas Zwischenmenschlichem, das an einem Ort und zu einer Zeit spürbar werde. „Ich glaube nicht, dass Künstliche Intelligenz solche Situationen antizipieren kann“, sagt Fehrs.

Einen Text auch theologisch zu erarbeiten, bleibe für die Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) existenziell. Die Beschäftigung mit biblischen Texten sei für die Bischöfin eine geistliche Inspiration. „Ich würde sehr verarmen, wenn ich das der KI überlassen würde“, betont Fehrs.

Beten, lesen, nachdenken und hören

Die Predigtvorbereitung ist für Tilman Jeremias, Bischof der Nordkirche im Sprengel Mecklenburg und Pommern, ein geistlicher Prozess, der sich nicht delegieren lasse. „Für die Vorbereitung von Predigten und Gottesdiensten bleibt für mich entscheidend, dass ich selbst bete, lese, nachdenke und höre, was ein biblischer Text heute sagen will.“ Das erfordere Zeit, Stille und persönliche Verantwortung.

Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern.© Nordkirche, Marcelo Hernandez

Er nutze im Arbeitsalltag kaum generative KI-Tools. Zwar könne KI bei der Recherche oder dem Ordnen von Informationen unterstützen, „die geistliche Auslegung und die seelsorgliche Urteilskraft“ müssten aber zwingend menschlich bleiben.

KI für kirchliche Verwaltung

Nora Steen, Bischöfin der Nordkirche im Sprengel Schleswig und Holstein, verlässt sich bei der Vorbereitung ihrer Aufgaben auf das Team in der Bischofskanzlei und verzichtet selbst vollständig auf KI-Programme. „Die finale Ausformulierung nehme ich eigenhändig vor. Mir ist wichtig, dass alle Worte, die nach außen getragen werden, auch meinem eigenen Geist entsprechen und ich persönlich dafür einstehen kann.“

Bischöfin Nora Steen im Talar im Schleswiger Dom
Bischöfin Nora Steen im Talar im Schleswiger Dom© Marcelo Hernandez, Nordkirche

Praktischen Erleichterungen verschließe sie sich aber nicht. So sehe sie Potenziale bei der Bewältigung von Routinen. „In der kirchlichen Verwaltung gibt es viele Prozesse, die durch KI effizienter gestaltet und dadurch Mitarbeitende entlastet werden können.“ Geschulte Fachkräfte im Landeskirchenamt sorgten dafür, dass datenschutzkonforme Lösungen in der Nordkirche zum Einsatz kämen.

Ökologische Verantwortung

Beim Korrigieren, Redigieren oder dem Übersetzen von Texten, etwa in leichte Sprache, könne KI Hilfestellungen geben, da sind sich die drei bischöflichen Personen einig. Doch Bischöfin Fehrs mahnt: „KI ist ein Werkzeug, das unterstützen kann, aber das eigene Denken und die eigene Verantwortung nicht ersetzt.“

Anforderungen gebe es zudem bei ökologischen Fragen. Der enorme Energiehunger großer Rechenzentren habe erhebliche Folgen für das Weltklima, gibt Fehrs zu bedenken. Jeremias ergänzt mit Blick auf Partnerkirchen in Tansania und Südafrika sowie die Folgen für weltweite Klimagerechtigkeit: „Wir dürfen KI nur dort einsetzen, wo es ökologisch verantwortbar ist und nicht zulasten anderer Regionen der Welt geht.“

"Kirche lebt von echten Begegnungen"

An verbindlichen kirchlichen Rahmenbedingungen für eine verantwortungsvolle Nutzung werde in der Nordkirche deshalb intensiv gearbeitet. Dennoch bleibe für alle drei das persönliche Gegenüber maßgeblich. Nora Steen bringt es auf den Punkt: „Im Miteinander sollten wir der KI nicht das Feld überlassen. Kirche lebt von echten Begegnungen, davon, dass Menschen mit ihrer eigenen Stimme und Persönlichkeit miteinander ins Gespräch kommen.“

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