100 Jahre Weltgebetstag: Sisterhood mit Geschichte
09. Oktober 2026
2027 wird der Weltgebetstag der Frauen seit 100 Jahren gefeiert. Es ist ein besonderes Jubiläum, das in den nächsten Wochen und Monaten an vielen Orten in der Nordkirche vorbereitet wird. Anders als sonst steht diesmal nicht ein Land im Fokus, sondern die weltweite Bewegung selbst.
Wenn Sylvia Schacky aus Sanitz die Werkstätten und Regionaltage für den Weltgebetstag vorbereitet, stöbert sie schon einmal in Kisten mit ausrangiertem Spielzeug. Babypuppen mit unterschiedlichen Hautfarben kamen schon zum Einsatz, 3-D-Puzzle, eine Erdkugel als Wasserball und sogar Orca-Wale aus der Disney-Welt der Meerjungfrau Arielle. „Damit habe ich den Raum dekoriert, als die Gebetsordnung 2025 von den Cook-Inseln kam. Dort waren Wale gerade unter besonderen Schutz gestellt worden.“
Die Begeisterung ist spürbar, wenn Sylvia Schacky erzählt, wie sie als Multiplikatorin für den Weltgebetstag arbeitet. „Wir erreichen alle Generationen. Auch Kinder, die wir schon früh für Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Umwelt- und Tierschutz sensibilisieren können. Und die Älteren erfahren, wie alles zusammenhängt: zum Beispiel, wenn wir Müll produzieren, der auf den Philippinen oder in anderen Ländern gebracht wird und dort für immense Umweltverschmutzung sorgt.“
Veranstaltungen beginnen im Herbst
Das Frauenwerk der Nordkirche bietet in jedem Sprengel Wochenend- und Tageswerkstätten zur Vorbereitung an. Wer daran teilnimmt, trägt die Lieder, Inhalte für Gottesdienste und Begleitprogramm und Hintergrundinformationen weiter, zum Beispiel in die Gemeinden, zu Regionaltagen oder in Weltgebetstagsgruppen.
„Mit dem Weltgebetstag geben wir Frauen eine Stimme und sorgen dafür, dass sie überall hin transportiert und gehört wird“, sagt Sylvia Schacky, die jedes Jahr ehrenamtlich unzählige Stunden in die Planung und Organisation steckt.
Zum 100. Jubiläum gab es an ihrem Wohnort Sanitz eine Feier, bei der auf die vergangenen Jahre der internationalen, ökumenischen Bewegung zurückgeblickt wurde. „Viele Frauen sind seit 30, 40 oder sogar 50 Jahren dabei“, erzählt Sylvia Schacky. „Zu DDR-Zeiten war es eine Gelegenheit, etwas über entfernte Länder zu erfahren, auch wenn Reisen dorthin nicht möglich waren.“

Gerechtigkeit, Frieden und weltweite Verbundenheit
Anders als sonst steht 2027 nicht ein Land im Fokus, sondern die eigene Historie: „Für Gerechtigkeit und Frieden – 100 Jahre Weltgebetstag“. Um die Geschichte geht es auch in der Gebetsordnung, in der die biblischen Figuren Hannah und Maria im Mittelpunkt stehen.
1927 war die Geburtsstunde des weltweiten ökumenischen Gebets. Diese einhundert Jahre gelebter Glaube und Verbundenheit der „Gebetskette rund um den Globus“ sind Thema bei den WGT-Werkstätten ab Mitte Oktober und werden auch online noch einmal lebendig.
Am 14. Oktober gibt es vom Frauenwerk der Nordkirche eine „Digitale Reise“ zum Internationalen WGT. Pastorin Inke Thomsen-Krüger blickt auf die Entstehung, Geschichte und Weiterentwicklung des Weltgebetstag zurück. Als leitende Pastorin vom Hauptbereich Generationen und Geschlechter verantwortet sie die WGT-Netzwerkarbeit vom Frauenwerk der Nordkirche, gestaltet aber auch seit mehr als 40 Jahren aktiv den WGT in Gemeinden mit.
Mit 21 Jahren, als junge Theologiestudentin, war sie erstmals bei einem Weltgebetstag dabei, später hat sie ihre Examensarbeit darüber geschrieben.

Viele Frauen empfinden es als Schatz, sich einige Wochen im Jahr mit biblischen Texten auseinander zu setzen, theologisch zu arbeiten und sich dabei intensiv mit einem Land zu beschäftigen.“ Inke Thomsen-Krüger, leitende Pastorin Hauptbereich Generationen und Geschlechter
In der digitalen Reise geht es um wichtige Ereignisse und den Erfolg der Bewegung, aber auch um besonders schwierige WGT-Jahre, beispielweise 1994 und 2024, als das Weltgebetstagskomitee Palästina zum Schwerpunktland gewählt hatte.
Größte ökumenische Laienbewegung der Welt
Und um einen kritischen Blick auf Zeiten, in denen Sensibilität und Respekt bei der Darstellung anderer Länder häufig gefehlt haben. „Der Weltgebetstag der Frauen ist die weltweit größte ökumenische Laienbewegung,“ sagt sie. Sie ist getragen von einer spirituellen Verbundenheit, von Sisterhood - das ist eine große Kraft und ermutigt Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt."
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Das Jubiläumsjahr wird im April 2027 ein Konzert in Hamburg und ein Fest in Schleswig beenden.
