Armut

Kirche und Diakonie fordern mehr Einsatz gegen Armut

Die Rostocker Tafel bittet um Spenden, um alle Menschen mit Lebensmitteln versorgen zu können. Für ukrainischen Familien, die nicht in Hotels untergebracht sind, gibt es eine eigene Ausgabe.
Die Rostocker Tafel bittet um Spenden, um alle Menschen mit Lebensmitteln versorgen zu können. Für ukrainischen Familien, die nicht in Hotels untergebracht sind, gibt es eine eigene Ausgabe. © iStock

20. Januar 2023 von Manja Potts, Jürgen Schindler

Immer mehr Menschen bei den Tafeln, hohe Kinderarmut in Dithmarschen, steigende Lebenshaltungskosten: Kirche und Diakonie im Norden fordern mehr Einsatz der Politik gegen Armut. Gleichzeitig organisieren sie Angebote, um den Menschen zu helfen.

Mehr zu allen Hilfsangeboten des Diakonischen Werkes Mecklenburg-Vorpommern

Es brennt an allen Ecken und Enden – diese Botschaft haben das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern e.V, die Tafel Mecklenburg-Vorpommern und der Bundesverband der Tafeln Landtagspräsidentin Birgit Hesse mit auf den Weg gegeben. Die Präsidentin hatte am Mittwoch zu einem Gespräch in das Schweriner Schloss geladen, um sich über die Situation der Tafeln zu informieren.

Sechs Tafeln in diakonischer Trägerschaft gibt es in Mecklenburg-Vorpommern: Sie sind in Waren, Rostock, Schwerin, Neustrelitz, Demmin und Malchin

Die Liste der Herausforderungen ist lang: die massiv gestiegene Zahl von Tafelkund:innen, gleichzeitig sinkende Lebensmittelspenden des Einzelhandels, stark gestiegene Kosten für Energie- und Sprit, hohe Betriebskosten und überlastete Ehrenamtliche. „Die Tafeln sind derzeit besonders gefordert. Gleichzeitig stellen wir fest, dass sie zunehmend an ihre Grenzen geraten“, sagte Landespastor Paul Philipps in dem Gespräch.

Tostbrot-Spenden stapeln sich bei der Ausgabestelle einer Tafel.
Tafeln in der Diakonie versorgen mit ihren insgesamt 50 Ausgabestellen tausende Menschen in ganz Mecklenburg-Vorpommern.© epd-bild/Philipp Reiss

Spende in Höhe von mehr als 6000 Euro übergeben

Die Politik sei hier gefragt. „Es geht zu einem um kurzfristige Maßnahmen, wie die Übernahme der Mieten und Betriebskosten“, sagte Philipps. Die Erreichbarkeit der Ausgabestellen zu verbessern wäre ein anderer wichtiger Schritt, der auch kurzfristig umsetzbar ist. „Vor allem aber muss die Politik langfristige Lösung entwickeln, damit die Arbeit der Tafeln nicht zum Regelangebot wird.“ Dafür müssten die Sozialleistungen erhöht werden.

 Der gegenwärtige Zulauf der Tafeln ist ein Armutszeugnis für die Politik. Landespastor Paul Philipps

Landtagspräsidentin Birgit Hesse sicherte in dem Gespräch zu, das Thema mitzunehmen. Im Anschluss übergab sie im Namen des Landtags eine Spende in Höhe von 6487,30 Euro.

Dithmarschen: Aktionstag gegen Kinderarmut

Dithmarschen ist aktuell der Flächenkreis Schleswig-Holsteins mit der höchsten Kinderarmut – und das, obwohl der Kreis bereits 2011 ein Bündel gezielter Maßnahmen auf den Weg gebracht hat. Deswegen hat das Diakonische Werk einen Aktionstag initiiert, bei dem Vertreter:innen aus Wohlfahrt, Politik, Verwaltung, Schule und Wissenschaft auf die Situation armer Kinder und Familien im ländlichen Raum aufmerksam machen und der Frage nachgehen, was sich im Sinne der Familien verändern muss.

Einladung an alle Interessierten

Renate Dümchen, Leiterin des Geschäftsbereiches Familie, Soziales und Gesundheit im Kreis Dithmarschen, wird bei dem Aktionstag ein Fazit ziehen, wie das Konzept gegen Kinderarmut in Dithmarschen funktioniert hat. Prof. Kai Marquardsen von der Fachhochschule Kiel betrachtet Zielgruppen und Wirkung armutspolitischer Maßnahmen.

Anschließend diskutieren die Teilnehmenden über Lösungswege und den Handlungsbedarf. Eingeladen sind interessierte Familien, Verantwortliche aus Politik und Verwaltung in Dithmarschen sowie Vertreter:innen sozialer Einrichtungen.

Ganz praktisch: "Suppe für die Seele" in Altholstein

  • Ab dem 24. Januar, 16 Uhr
  • Anscharkirche Neumünster
  • Am Alten Kirchhof 6, 24534 Neumünster

Mal Tai Chi, mal Finanzberatung für Familien, mal Theater: Das und vieles mehr erwartet die Besucherinnen und Besucher der Anscharkirche in Neumünster wöchentlich bei "Suppe für die Seele". Jeden Dienstag soll es mit einem heißen Teller Suppe losgehen. "Und in den folgenden zwei Stunden gibt es dann Infos oder Kultur und immer die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen", kündigt Anschar-Pastorin Mirjam Kull an.

Zum Anfang spendiert Pastorin Mirjam Kull immer eine Suppe bei "Suppe für die Seele" in der Neumünsteraner Anscharkirche.
Zum Anfang spendiert Pastorin Mirjam Kull immer eine Suppe bei "Suppe für die Seele" in der Neumünsteraner Anscharkirche.© Jürgen Schindler, Kirchenkreis Altholstein

Angedacht sind sowohl Angebote für alle, als auch speziell für Senioren, für Frauen oder Familien mit Kindern, für die perspektivisch eine Spielecke in der Anscharkirche entstehen soll.

"Die Seele baumeln lassen" trotz Krieg und Unsicherheit

Zum Start gibt es als kurzen Auftakt Orgelmusik von Sven Thomas Haase. "Die Leute sind eingeladen, die Seele baumeln zu lassen", erklärt Kull. Wichtig ist der Pastorin, dass die Besucher Gemeinschaft erleben in Zeiten von Ukrainekrieg und Unsicherheit, etwa durch die steigenden Lebenshaltungskosten. Zu "Suppe für die Seele" gehört immer auch Kultur und Information. Gefördert wird das Angebot von der Diakonie Schleswig-Holstein gefördert. Aber natürlich sind der Ev.-Luth. Anscharkirchengemeinde auch Spenden willkommen.  

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