Ende der Sommerzeit

Kirchturm-Uhren: Im Mittelalter war die genaue Uhrzeit noch nicht so wichtig

Die Uhr vom Hamburger Michel ist weithin sichtbar: Sie ist die größte Turmuhr Deutschlands und hat einen Durchmesser von 8 Metern
Die Uhr vom Hamburger Michel ist weithin sichtbar: Sie ist die größte Turmuhr Deutschlands und hat einen Durchmesser von 8 Metern© Kara - Fotolia

23. Oktober 2015 von Simone Viere

Hamburg/Greifswald. In der Nacht zum Sonntag (25. Oktober) endet in Deutschland wieder die Sommerzeit, und die Uhren werden von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Damit gilt in vielen europäischen Ländern bis zum 27. März 2016 wieder die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Im Mittelalter wäre eine solche Zeitumstellung undenkbar gewesen. Damals zeigten die Kirchturm-Uhren in den verschiedenen Orten ohnehin unterschiedliche Zeiten an.

Im Sommer 1370 stand mittags in Paris eine große Menschenmenge vor dem Schlossturm des Palais de la Cité und lauschte. Und dann kamen zwölf Schläge, ohne dass ein Türmer zu sehen war.

Die Pariser vermuteten einen Spuk und verlangten vom König, den Turm bewachen zu dürfen. Doch es half nichts. Der deutsche Uhrmacher Heinrich von Wick hatte im Turm ein künstliches Räderwerk installiert.

Mönche bauten die ersten Räderuhren

Räderuhren gab es bereits. Am Hofe Ludwig IX. in Paris war um 1250 eine erste mechanische Uhr entwickelt worden, die Viscontis in Mailand hatten eine seit 1335. Doch keine war öffentlich zu sehen. Es waren Mönche, die erste Räderuhren bauten und diese neue Epoche im Wortsinne "einläuteten". Der Benediktiner Gerbert d'Aurillac, später Papst Silvester II., soll mit seiner Räderuhr die Gebetsstunden markiert haben.

Für die meisten Stadtbewohner war die Anschaffung einer mechanischen Uhr unerschwinglich. So entstand die Idee, eine große Uhr für alle anzuschaffen. Im 14. Jahrhundert verbreitete sich diese Idee auch nördlich der Alpen: 1398 bekam Augsburg und 1405 Lübeck eine Turmuhr. Sie zeigten die Zeit bei jedem Wetter an und verdrängten damit die traditionelle Sonnenuhr. Auch Wasser- und Sanduhren waren für Langzeitmessungen ungeeignet.

Glockenzeichen regelten viele Dinge im mittelalterliche Leben

Nicht immer war es die Kirche, die eine Uhr am Turm anbringen ließ und bezahlte. In manchen Städten übernahm dies der Bürgermeister. Die Türmer wurden dadurch aber nicht arbeitslos: Türmer wohnten oben im Turm und mussten auch darauf achten, ob sich ein Feind oder ein Unwetter näherte oder ob es in der Stadt brannte.

 

Das mittelalterliche Leben wurde durch eine Vielzahl von Glockenzeichen geregelt. Nicht nur die Gebetszeiten der Klöster, auch Öffnungszeiten von Stadttoren, Gerichts- und Marktzeiten wurden von den Türmern eingeläutet. Wer draußen auf dem Feld auf den Feierabend wartete, blickte sehnsüchtig zum Kirchturm. Der Türmer hatte wenig Schlaf und viel Verantwortung. Doch Geld und Ansehen waren gering. Jost Schneider schreibt in seiner "Sozialgeschichte des Lesens", dass der Beruf des Türmers als "ehrlos" galt. Kinder aus Türmerfamilien wurden meist von der Aufnahme in andere Zünfte ausgeschlossen.

Viele alte Turmuhren zeigten auf ihrem Ziffernblatt 24 Stunden an. Während der Reformationszeit wurden sie durch "halbe Uhren" ersetzt, wie Jobst Tehnzen in einer Festschrift zur Bothfelder Turmuhr beschreibt. Der Gangregler sorgte für Ganggenauigkeiten von etwa zehn Minuten pro Tag. Zunächst begnügte man sich mit einem Zeiger, der die Stunden zählte. Der Minutenzeiger kam Mitte des 17. Jahrhunderts hinzu, die Sekunde Anfang des 18. Jahrhunderts.

Überall in Deutschland herrschte eine andere Zeit

Die Uhren wurden mit Hilfe von Sonnenuhren auf die jeweilige Ortszeit eingestellt. Wenn es in Hamburg 12 Uhr war, konnte es in Greifswald oder Hannover bis zum Mittag noch dauern. Überall in Deutschland herrschte eine andere Zeit, und es war normal, dass eine Kirchturmuhr nach heutigen Maßstäben nur ungefähr angab, wie spät es war. Für Verabredungen innerhalb eines Dorfes oder einer Stadt genügte das ja auch. Die zuverlässigste Turmuhr einer Stadt wurde zur Normaluhr erklärt und alle anderen danach gestellt.

Erst im Zuge der Industrialisierung wurde eine einheitliche Zeit im ganzen Land notwendig. Die Menschen reisten jetzt mit der Eisenbahn von einer Stadt in die andere. Wie in den Anfängen der Uhren-Entwicklung geben Kirchturmuhren auch heute nicht den Takt der Zeit vor. Das erledigen Handys, Bahnhofsuhren und die "Tagesschau".

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