Stellungnahme der Theologischen Kammer auf der Klimasynode der Nordkirche:

Klimaschutzgesetz ist erster Schritt auf einem Weg radikaler Umkehr

Der Hamburger Propst Horst Gorski stellte den 156 Synodalen die Stellungnahme der Theologischen Kammer vor
Der Hamburger Propst Horst Gorski stellte den 156 Synodalen die Stellungnahme der Theologischen Kammer vor© Nordkirche / Stefan Döbler

25. September 2014 von Stefan Döbler

Lübeck-Travemünde. Einen Appell, die Herausforderungen der Klimakrise anzunehmen, hat die Theologische Kammer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) heute (25. September) an die Landessynode in Lübeck-Travemünde gerichtet.

Eine Kirche, die sich den daraus resultierenden Herausforderungen „geistlich, wirtschaftlich und praktisch stellen will, wird sich in allen Teilen ihres Lebens verändern müssen“, heißt es in der Stellungnahme der Theologischen Kammer, die der Hamburger Propst Horst Gorski den Synodalen vortrug: „Das Klimaschutzgesetz ist ein erster praktischer Schritt auf diesem Weg radikaler Umkehr.“

„Die Klimakrise ist offensichtlich auch eine spirituelle Krise“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Es gelte, diese zu beschreiben und in „in einem säkular-aufgeklärten Dialog“ zu übersetzen: „Was bedeutet es, dass diejenigen, die aus dem Geist Gottes, des Schöpfers allen Lebens, zu leben versuchen, sich in der Überwindung dieser spirituellen Krise offensichtlich genauso schwer tun wie alle anderen auch?“

Die Kirche sei gerufen, sich im Zusammenwirken mit vielen Akteuren „mit ihrem Glauben und den von ihr vertretenen Werten hörbar und parteilich für die Armen zu Wort zu melden“. Das könne sie jederzeit, auf allen Ebenen tun:

In ihrer Stellungnahme fragte die Theologische Kammer der Nordkirche deshalb: „Wie könnte Teilen angesichts der Klimakrise konkret werden? Wie müsste eine Spiritualität beschaffen sein, die uns in die Lage versetzt, gewohnte Bilder von Wachstum und gutem Leben loszulassen und neue Bilder zu entwickeln? Wie kommen wir zu einer ‚Ethik des Genug‘?“

Es gehöre mittlerweile zu den fast unumstrittenen Einsichten, „dass eine Politik nachholenden Wachstums für die Entwicklungs- und die Schwellenländer und eine an dauerndem und unbegrenztem wirtschaftlichem und industriellem Wachstum orientierte Politik bei uns geradewegs weiter in die Klimakatastrophe hineinführen würden“, heißt es in der Stellungnahme. „An die Stelle von einseitig an wirtschaftlichem Wachstum orientierten Bildern müssen Bilder treten, die für alle Menschen und ihre Mitgeschöpfe zukunftsfähige Perspektiven eröffnen.“

Der christliche Glaube verfüge mit seinen Bildern vom Reich Gottes über den vielleicht größten und umfassendsten Fundus an Bildern von einer gerechten Welt. „Im Grunde müssten sich Vertreter aller Religionen und Weltanschauungen, die Bilder von einem gerechten Leben in ihren Traditionen haben, zusammensetzen und gemeinsam schauen, wie man solche Bilder für die Aufgaben, die uns allen gestellt sind, konkret umsetzen kann“, fügte Propst Gorski hinzu. „Die entscheidenden Äußerungen der Weltgemeinschaft wie auch die kirchlichen Verlautbarungen der letzten Jahre legen den Fokus auf die Verbindung von Klimawandel und Gerechtigkeit“, hebt die Theologische Kammer in ihrer Stellungnahme hervor.

Diejenigen Länder, die in den vergangenen Jahrzehnten am wenigsten zum Klimawandel beigetragen hätten, würden gegenwärtig und in Zukunft am meisten unter ihm leiden. Zugleich hätten sie die geringsten Ressourcen, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen, „während diejenigen Länder, die ihn am meisten mitverursachen, die Folgen auf andere Teile der Welt abzuwälzen in der Lage sind“. Das sei „eine – im Wortsinne – zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit“. Es werde keine Lösung der Klimakrise geben können, ohne radikal die Fragen nach gerechter Ressourcenverteilung und sozialer Gerechtigkeit zu stellen, sagte Gorski.

Nach Auffassung der Kammer müssen alternative Wege entwickelt werden, „wie die einzelnen Länder auf der Erde für sich Bilder guten Lebens entwickeln und dafür Ressourcen bereitstellen können. Die Konzentration auf die knapper werdende fossile Energie würde dagegen zu weltweiter Instabilität, wenn nicht zu einem weltweiten Verteilungskrieg führen. Insofern ist eine gerechte Klimapolitik auch Friedenspolitik.“ Die Kirche sei dem Thema der Gerechtigkeit nicht nur theologisch, sondern auch aufgrund ihrer Erfahrungen und Kontakte besonders eng verbunden: „Die Nordkirche pflegt – wie alle anderen Kirchen auch – weltweite ökumenische Partnerschaften. Sie ist mit den von den Klimaveränderungen zuerst und am stärksten betroffenen Menschen anderer Kontinente persönlich im Gespräch und weiß sich ihnen geschwisterlich verbunden“, so Gorski.

Die Sorge der Kirche für alle Generationen, die sie angefangen von Hilfe für junge Familien über die Kindertagesstättenarbeit bis hin zu Altersheimen, Pflegediakonie und Hospizarbeit lebe, „führt ihr die Frage nach der Gerechtigkeit zwischen den Generationen besonders deutlich vor Augen. Sie kann nicht die Augen davor verschließen, dass die Klimakrise die Chancen, wenn nicht sogar das Leben nachfolgender Generationen bedroht.“

Zu den konkreten Folgerungen für die Nordkirche stellt die Theologische Kammer fest: „Die Rolle der Kirche ist es, dem, was sie theologisch und spirituell als richtig erkennt, selber zu folgen und ihre Werte im ethischen Diskurs der Gesellschaft zu vertreten. Sie kann überhaupt nur sprechen zu diesem Thema, wenn sie selber aktiv wird.“ Die Kirche sollte dabei auch Bündnisse mit anderen zivilgesellschaftlichen Kräften schmieden.

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