Konfi-Tage am Ratzeburger See: Glaubensfragen diskutieren statt Schulbank drücken
06. März 2026
Die mehrtägige Freizeit gehört zur Konfirmation wie die Hostie zum Abendmahl. Mit jedem Konfi-Jahrgang der Lübecker Domgemeinde fahren Pastorin Margrit Wegner und Pastor Martin Klatt mindestens ein Mal während der gemeinsamen Zeit raus aus der Stadt, um über den christlichen Glauben intensiver in den Austausch zu kommen, aber auch, um gemeinsam eine Menge Spaß zu haben.
Hamburg/Lübeck/Bäk. Während ihre Klassenkameradinnen und -kameraden die Schulbank drücken, genießen mehr als 80 Jugendliche die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres und wagen sich sogar mit hochgekrempelten Hosenbeinen und nackten Füßen in das noch eiskalte Wasser des Ratzeburger Sees.
Mehr erfahren über die Konfi-Arbeit und Konfirmationen am Lübecker Dom
Sie sind Konfirmandinnen und Konfirmanden der Dom-Kirchengemeinde in Lübeck oder begleitende Teamerinnen und Teamer. „Nur wenige Leute wissen, dass Schülerinnen und Schülern aus religiösen Gründen auf Wunsch eine Schulbefreiung gewährt wird. Wenn es mehr Menschen wüssten, würden sicher häufiger Konfi-Freizeiten während der Schulzeit stattfinden“, vermutet Pastor Martin Klatt.

Konfi-Freizeit auf der Bäk: Ein besonderer Ort
Die Tatsache, dass andere gerade in der Schule schwitzen, ist aber nicht der einzige Grund, warum Jugendliche wie Lotta und Sarah ihre Konfi-Tage so genießen. „Es ist wirklich richtig cool hier“, stellen beide einmütig fest.
Quartier bezogen hat die Gruppe im Christophorushaus der Diakonie Nord Nord Ost „up de Bäk“, wie das Ortsschild auf Plattdeutsch untertitelt ist. „Auf der Bäk“ also steht dieses einladende Gästehaus mit Blick auf und Zugang zum Ratzeburger See. Idylle pur!

So viele Konfirmandinnen und Konfirmanden wie noch nie
Für Lotta stand von vornherein fest, dass sie konfirmiert werden möchte. Sarah hingegen brauchte Bedenkzeit: „Ich war zumindest am Anfang nicht fest entschlossen. Ich wollte mir zuerst einmal den Konfirmandenunterricht ansehen und dann entscheiden.“ Inzwischen freut auch sie sich auf den kommenden Juni und ihre Konfirmation.

Mehr erfahren: Konfirmation - Was ist das eigentlich? Wichtige Fragen und Antworten auf unserer Themenseite.
In diesem Jahr werden 86 junge Menschen im Dom zu Lübeck konfirmiert. „So viele Konfirmandinnen und Konfirmanden hatten wir tatsächlich noch nie“, freut sich Pastorin Margrit Wegner. „Bei uns geht der Trend eindeutig nach oben. Es kommen auch sehr viele Jugendliche, die gar keine kirchliche Anbindung haben.
Wir taufen in diesen Wochen 25 Jugendliche, von denen viele aus völlig unkirchlichen Familien kommen.
Lotta und Sarah gehören nicht dazu. Sie kommen beide aus christlich geprägten Familien und wurden bereits als Babys getauft. „Meine Eltern haben nie gesagt, dass ich mich konfirmieren lassen muss, das war meine eigene Entscheidung. Aber ich wurde die ganze Zeit unterstützt“, erzählt Lotta. Sie blickt schon jetzt auf eine ereignisreiche Konfi-Zeit zurück, in der sie „viel erlebt“ hat und mit anderen Jugendlichen zu einer „coolen Gruppe“ zusammengewachsen ist.

Vom Konfi zur Teamerin
Dieses Gefühl des Zusammenhalts teilen auch die beiden Teamerinnen Gretje und Emma. Sie wurden bereits 2024 und 2025 im Dom konfirmiert und sind das erste Mal begleitend bei einer Konfi-Freizeit dabei.
Emma war nach ihrer Konfirmation klar, „dass ich mich weiterhin in der Kirche engagieren möchte, da sie für mich zu einem sehr wichtigen Ort geworden ist. Die Idee, Teamerin zu werden, hat mir sehr gefallen, weil ich so die Möglichkeit habe, die wertvolle Konfi-Zeit mitzugestalten und meine eigenen Ideen und Gedanken einzubringen.“

Gretje ergänzt: „An meiner eigenen Konfi-Fahrt hat mir am besten gefallen, die Leute, die man ja wöchentlich im Konfi-Unterricht trifft, nochmal viel näher kennenzulernen. In dieser Zeit unterhält man sich viel über den Glauben und lernt auch den eigenen besser kennen. Das ist eine tolle Erfahrung, die mir auch heute noch sehr in Erinnerung ist.“

Teamerin Gretje hat im Herbst ihre JuLeiCa gemacht und ist damit erstmalig unterwegs. „Bei der Ausbildung habe ich viel Neues gelernt und freue mich besonders, das jetzt hier auszuprobieren und anzuwenden, was diese Konfi-Fahrt für mich nochmal besonderer macht.“
Ein Höhepunkt: Besuch von Bischöfin Fehrs
Die aktuellen Konfi-Tage sind thematisch dem Glaubensbekenntnis gewidmet. Gemeinsam werden Fragen diskutiert wie: Woran kann ich persönlich glauben? Woran nicht? Wer ist Gott für mich? Wer Jesus? Und was ist mir am christlichen Glauben wichtig?
Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch von Bischöfin Kirsten Fehrs, die sich einen Nachmittag Zeit genommen hat, um mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden über den eigenen Glauben ins Gespräch zu kommen. Angesprochen werden nahezu alle grundsätzlichen Glaubensfragen: Glaubt die Bischöfin an ein Leben nach dem Tod? Wie kann man an die heilige christliche Kirche glauben, wenn man doch weiß, dass diese Kirche sich auch schuldig gemacht hat? Darf man Zweifel haben am eigenen Glauben?

Lotta und Sarah sind nach dem Austausch begeistert. „Die Gesprächsrunde mit der Bischöfin war total interessant! Es war spannend, wie sie diese Fragen beantwortet – und auch wie man überhaupt Bischöfin wird“, meinen die zwei Teenager.
Bischöfin Fehrs fährt mit gutem Gefühl zu ihrem nächsten Termin: „Mich hat sehr berührt, wie die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus ihrem gemeinsamen Glauben heraus erkannt haben, dass sie mit Gottes Segen die Welt zum Besseren verändern können. Mir machen diese jungen Menschen große Hoffnung.“
