Jugend und Kirche

Konfi-Tage am Ratzeburger See: Glaubensfragen diskutieren statt Schulbank drücken

80 Konfirmandinnen und Konfirmanden der Dom-Gemeinde in Lübeck genossen ihre Konfi-Tage auf der Bäk. Begleitet wurden sie von Teamerinnen und Teamern des Jungen Doms sowie Pastorin Margrit Wegner und Pastor Martin Klatt. Bischöfin Kirsten Fehrs war für einen Nachmittag zu Gast.
80 Konfirmandinnen und Konfirmanden der Dom-Gemeinde in Lübeck genossen ihre Konfi-Tage auf der Bäk. Begleitet wurden sie von Teamerinnen und Teamern des Jungen Doms sowie Pastorin Margrit Wegner und Pastor Martin Klatt. Bischöfin Kirsten Fehrs war für einen Nachmittag zu Gast.© Melanie Köhne

06. März 2026 von Melanie Köhne

Die mehrtägige Freizeit gehört zur Konfirmation wie die Hostie zum Abendmahl. Mit jedem Konfi-Jahrgang der Lübecker Domgemeinde fahren Pastorin Margrit Wegner und Pastor Martin Klatt mindestens ein Mal während der gemeinsamen Zeit raus aus der Stadt, um über den christlichen Glauben intensiver in den Austausch zu kommen, aber auch, um gemeinsam eine Menge Spaß zu haben.

Hamburg/Lübeck/Bäk. Während ihre Klassenkameradinnen und -kameraden die Schulbank drücken, genießen mehr als 80 Jugendliche die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres und wagen sich sogar mit hochgekrempelten Hosenbeinen und nackten Füßen in das noch eiskalte Wasser des Ratzeburger Sees.

Sie sind Konfirmandinnen und Konfirmanden der Dom-Kirchengemeinde in Lübeck oder begleitende Teamerinnen und Teamer. „Nur wenige Leute wissen, dass Schülerinnen und Schülern aus religiösen Gründen auf Wunsch eine Schulbefreiung gewährt wird. Wenn es mehr Menschen wüssten, würden sicher häufiger Konfi-Freizeiten während der Schulzeit stattfinden“, vermutet Pastor Martin Klatt.

Die Frühlingssonne brachte die Konfis dazu, ein kleines Fußbad im Ratzeburger See zu wagen.© Melanie Köhne

Konfi-Freizeit auf der Bäk: Ein besonderer Ort

Die Tatsache, dass andere gerade in der Schule schwitzen, ist aber nicht der einzige Grund, warum Jugendliche wie Lotta und Sarah ihre Konfi-Tage so genießen. „Es ist wirklich richtig cool hier“, stellen beide einmütig fest.

Quartier bezogen hat die Gruppe im Christophorushaus der Diakonie Nord Nord Ost „up de Bäk“, wie das Ortsschild auf Plattdeutsch untertitelt ist. „Auf der Bäk“ also steht dieses einladende Gästehaus mit Blick auf und Zugang zum Ratzeburger See. Idylle pur!

Idylle am Ratzeburger See: herrliches Wetter, wohltuender Weitblick. Wo ließe sich besser über Glaubensfragen nachdenken?© Melanie Köhne

So viele Konfirmandinnen und Konfirmanden wie noch nie

Für Lotta stand von vornherein fest, dass sie konfirmiert werden möchte. Sarah hingegen brauchte Bedenkzeit: „Ich war zumindest am Anfang nicht fest entschlossen. Ich wollte mir zuerst einmal den Konfirmandenunterricht ansehen und dann entscheiden.“ Inzwischen freut auch sie sich auf den kommenden Juni und ihre Konfirmation.

Die Konfirmandinnen Lotta und Sarah (v.l.n.r.) vor dem Glaubensbaum, den eine Gruppe der Jugendlichen erarbeitet hatte. Die Blätter des Baums stehen für die Dinge, an die die Konfis glauben, und bringen den Baum zum Blühen.© Melanie Köhne

In diesem Jahr werden 86 junge Menschen im Dom zu Lübeck konfirmiert. „So viele Konfirmandinnen und Konfirmanden hatten wir tatsächlich noch nie“, freut sich Pastorin Margrit Wegner. „Bei uns geht der Trend eindeutig nach oben. Es kommen auch sehr viele Jugendliche, die gar keine kirchliche Anbindung haben.

Wir taufen in diesen Wochen 25 Jugendliche, von denen viele aus völlig unkirchlichen Familien kommen.

Lotta und Sarah gehören nicht dazu. Sie kommen beide aus christlich geprägten Familien und wurden bereits als Babys getauft. „Meine Eltern haben nie gesagt, dass ich mich konfirmieren lassen muss, das war meine eigene Entscheidung. Aber ich wurde die ganze Zeit unterstützt“, erzählt Lotta. Sie blickt schon jetzt auf eine ereignisreiche Konfi-Zeit zurück, in der sie „viel erlebt“ hat und mit anderen Jugendlichen zu einer „coolen Gruppe“ zusammengewachsen ist.

Zu Beginn des Besuchs von Bischöfin Fehrs wurde das Spiel "Tower of Power" gespielt. Ein Spiel, in dem mit Hilfe von 24 Schnüren versucht wird, gemeinsam Holzklötze zu einem Turm zu stapeln. Das Motto: Nur gemeinsam kann es gelingen!© Melanie Köhne

Vom Konfi zur Teamerin

Dieses Gefühl des Zusammenhalts teilen auch die beiden Teamerinnen Gretje und Emma. Sie wurden bereits 2024 und 2025 im Dom konfirmiert und sind das erste Mal begleitend bei einer Konfi-Freizeit dabei.

Emma war nach ihrer Konfirmation klar, „dass ich mich weiterhin in der Kirche engagieren möchte, da sie für mich zu einem sehr wichtigen Ort geworden ist. Die Idee, Teamerin zu werden, hat mir sehr gefallen, weil ich so die Möglichkeit habe, die wertvolle Konfi-Zeit mitzugestalten und meine eigenen Ideen und Gedanken einzubringen.“

"Mir ist besonders hängengeblieben, dass Glaube etwas sehr Individuelles ist und nicht wie Matheformeln unterrichtet werden kann", erinnert sich Teamerin Emma an ihre eigene Konfi-Zeit.© Melanie Köhne

Gretje ergänzt: „An meiner eigenen Konfi-Fahrt hat mir am besten gefallen, die Leute, die man ja wöchentlich im Konfi-Unterricht trifft, nochmal viel näher kennenzulernen. In dieser Zeit unterhält man sich viel über den Glauben und lernt auch den eigenen besser kennen. Das ist eine tolle Erfahrung, die mir auch heute noch sehr in Erinnerung ist.“

Gretje wurde vor zwei Jahren konfirmiert und nahm das erste Mal als Teamerin an einer Konfi-Freizeit teil. "Ich freue mich darauf zu sehen, wie sich die Gruppen entwickeln und neue Freundschaften entstehen."© Melanie Köhne

Hintergrund: Der Junge Dom und seine Teamer:innen-Ausbildung (1/2)

Im Regelfall ist die Teamer:innenausbildung bei den Fachstellen der Kirchenkreise (Jugendpfarramt) oder der Jungen Nordkirche angedockt. Bei der Dom-Gemeinde in Lübeck läuft es gerade anders. Hier gibt es den Jungen Dom. 27 Jugendliche treffen sich derzeit regelmäßig, um miteinander über Themen des Glaubens, der Gemeinschaft und des Lebens ins Gespräch zu kommen. Entstanden ist die Gruppe aus dem Wunsch ehemaliger Konfirmand:innen, auch nach der Konfi-Zeit in Verbindung zu bleiben.

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Ein zentraler Bestandteil der Arbeit im Jungen Dom ist die Teamercard-Ausbildung. Sie bereitet darauf vor, Verantwortung in der Gemeinde zu übernehmen – etwa bei Konfi-Freizeiten, in der Kinder- und Jugendarbeit oder bei Gottesdiensten. In verschiedenen Modulen lernen die Teilnehmenden an zehn Abenden und einem Wochenende, Gruppen anzuleiten, Spiele und Einheiten zu planen, Andachten zu gestalten und eigene Stärken bewusst einzusetzen. Dabei geht es nicht nur um praktische Kompetenzen, sondern auch um die persönliche Entwicklung, um das Entdecken von Gaben und Grenzen, das gemeinsame Reflektieren und das Wachsen im Glauben.

Die Teamercard bildet zugleich den ersten Schritt zur JuLeiCa, der Jugendleiter:innen-Card, die ab 16 Jahren erworben werden kann und eine viertägige Schulung erfordert.

Teamerin Gretje hat im Herbst ihre JuLeiCa gemacht und ist damit erstmalig unterwegs. „Bei der Ausbildung habe ich viel Neues gelernt und freue mich besonders, das jetzt hier auszuprobieren und anzuwenden, was diese Konfi-Fahrt für mich nochmal besonderer macht.“

Ein Höhepunkt: Besuch von Bischöfin Fehrs

Die aktuellen Konfi-Tage sind thematisch dem Glaubensbekenntnis gewidmet. Gemeinsam werden Fragen diskutiert wie: Woran kann ich persönlich glauben? Woran nicht? Wer ist Gott für mich? Wer Jesus? Und was ist mir am christlichen Glauben wichtig?

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch von Bischöfin Kirsten Fehrs, die sich einen Nachmittag Zeit genommen hat, um mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden über den eigenen Glauben ins Gespräch zu kommen. Angesprochen werden nahezu alle grundsätzlichen Glaubensfragen: Glaubt die Bischöfin an ein Leben nach dem Tod? Wie kann man an die heilige christliche Kirche glauben, wenn man doch weiß, dass diese Kirche sich auch schuldig gemacht hat? Darf man Zweifel haben am eigenen Glauben?

Zu Besuch bei den Konfi-Tagen der Dom-Gemeinde Lübeck: Bischöfin Fehrs kam nicht mit leeren Händen und überreichte allen ein kleines Andenken an die gemeinsame Zeit.© Melanie Köhne

Lotta und Sarah sind nach dem Austausch begeistert. „Die Gesprächsrunde mit der Bischöfin war total interessant! Es war spannend, wie sie diese Fragen beantwortet – und auch wie man überhaupt Bischöfin wird“, meinen die zwei Teenager.

Bischöfin Fehrs fährt mit gutem Gefühl zu ihrem nächsten Termin: „Mich hat sehr berührt, wie die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus ihrem gemeinsamen Glauben heraus erkannt haben, dass sie mit Gottes Segen die Welt zum Besseren verändern können. Mir machen diese jungen Menschen große Hoffnung.“

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