Segensrituale 2021

Konfi-Zeit heißt, mit dem Herzen lernen

Draußen sein und was erleben: Die Konfi-Fahrt ist für viele der Höhepunkt ihrer Konfi-Zeit. Auch bei ihr geht es um Erfahrungen, die man nicht in der Schule machen kann.
Draußen sein und was erleben: Die Konfi-Fahrt ist für viele der Höhepunkt ihrer Konfi-Zeit. Auch bei ihr geht es um Erfahrungen, die man nicht in der Schule machen kann. © Unsplash, Sophia Ayame

13. Juli 2021 von Julia Krause

Wer bei den Worten "Unterricht" und "Konfirmation" an Frontalbeschallung und ein Großereignis in etwas hölzerner Atmosphäre denkt, hat beides wahrscheinlich schon ein paar Jährchen hinter sich. Zwei Hauptamtliche und drei Konfis erzählen, was ihnen heute wichtig ist, um die Glaubensbekräftigung zu einer runden Sache zu machen.

"Die Zeiten, in denen man die Konfizeit schulisch aufzieht, sind vorbei", sagt Jugendreferentin Maike Peters aus dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. Es gehe vielmehr darum "mit dem Herzen zu lernen". Ob bei einer Schatzsuche, einem Escape-Spiel oder der Gestaltung einer Andacht: Das Ziel sei, zu lernen, dass man gemeinsam stark ist, berichtet sie. 

Kreative Konfizeit

Daran habe auch die Corona-Zeit nichts geändert. Was früher bei Freizeiten und Gruppenaktivitäten erlernt wurde, hat sie zusammen mit den Pastorinnen und Pastoren ins Digitale übertragen.

Entstanden sind mit KonApp, Padlet und Co. oft sehr kreative Werke: Angefangen von einer virtuellen Selfie-Collage, die mit individuell ausgewählen Bibelsprüchen hinterlegt ein richtiges Kunstwerk ergibt, bis zu einem Radio-Gottesdienst, für den die Konfis ihre Familien interviewten. Aufgenommen und zusammengetragen wurden die Aussagen für den Weihnachtsgottesdienst dann per Sprachnachrichten. 

Rasmus Wendt
Rasmus Wendt

"Pizza backen, miteinander reden, in der Gruppe interagieren. Das war schön beim Konfi-Unterricht. Mir geht es um das Gemeinschaftsgefühl.

Mein Konfi-Spruch ist: "Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat" (Hebräer, 10,35). Denn ich habe das Gefühl, dass Menschen immer ängstlicher werden. Doch warum? Ich finde, das sollten wir nicht sein. Wir sollten Vertrauen haben." 

Rasmus Wendt, 14 Jahre alt

Natürlich habe es in der Phase der Kontaktverbote etwas mehr Zeit und Energie gekostet, alle Jugendlichen individuell abzuholen und emotional einzubinden. Im Großen und Ganzen habe das aber überraschend gut funktioniert, sagt Peters. Vielleicht auch deswegen, weil sie und die Pastorinnen und Pastoren versucht haben, den Druck herauszunehmen. "Uns geht es nicht um die Note, uns geht es um den Segen", sagt die Jugendreferentin.

Gartenfest statt Kirchgang

Und der sei vielen Jugendlichen immer noch sehr wichtig, meint auch Pastorin Marion Hild aus dem Kirchenkreis Altholstein. Sie feiert den Konfirmationsgottesdienst normalerweise in der Kieler Matthias-Claudius-Kirche. 

Uns geht es nicht um die Note, uns geht es um den Segen.

Maike Peters, Jugendreferentin

2020 war erstmals alles anders: Statt zwischen Mauern feiert sie ihn seitdem open air im Garten – entweder zuhause bei ihren Konfis, in der Kleingartensiedlung oder auf der Gemeindewiese im Kieler Stadtteil Suchsdorf. 

Linda Bär

"Beim Konfi-Unterricht ging es mir um die Erfahrung in der Gruppe. Ich habe viele neue Leute kennengelernt. Und der Unterricht hat echt Spaß gemacht – besonders die Fahrt mit dem Segelboot nach Dänemark. Da waren wir eine Woche unterwegs und haben viel gesungen.

Mein Konfi-Spruch ist aus dem 1. Buch Samuel, Kapitel 16, Vers 7: 'Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.' Der ist mir deswegen wichtig, weil Menschen oft zu schnell urteilen. Gott macht das nicht – und ist damit ein Vorbild." 

Linda Bär, 14 Jahre alt

"Die Eltern waren zuerst skeptisch, ob das dann überhaupt feierlich genug ist", erzählt sie. Doch dieser Einwand hat sich nicht bewahrheitet.

Nach den ersten Festen stellte sich schnell heraus: Die individuelle Zeremonie ist vor allem für die Konfis viel entspannter. "Vorher waren immer 100 Leute in der Kirche, die man gar nicht kannte, weil sie zu den anderen Konfirmanden gehörten. Jetzt ist es sehr viel persönlicher", sagt Pastorin Hild. 

Begleitet wird die Pastorin bei den Gartenkonfirmationen immer von einem Musikensemble – für die Live-Musik. "Wir wollten nichts aus der Konserve." Zudem hat sie immer einen "Altar to go" im Gepäck, sagt sie lachend.

Er ist eine transportable, selbstgebaute Variante. Manchmal hätten Eltern auch schon einen Tisch mit Kerzen und Blumenschmuck vorbereitet. Gesegnet würden aber alle vor dem kleinen Altar, den die Pastorin mitbringt. "Uns war wichtig, dass es bei allen der gleiche ist", begründet sie dies. 

Ein Anker in stürmischen Zeiten

An Bedeutung hat das Fest für die Jugendlichen nicht verloren. Im Gegenteil. In Corona-Zeiten ist es vielleicht sogar noch wichtiger geworden. "Bei der Frage, 'Warum lässt du dich konfirmieren?' geht es sehr darum, einen Schutzraum zu haben", erzählt die Pastorin.

Früher hätten eher ethische Fragen im Vordergrund gestanden. "Nun beobachte ich, dass diese stolzen, starken Jugendlichen auch Haltsuchende sind", sagt sie.

Konfirmand Emil Engel
Emil Engel

"Ich lasse mich konfirmieren, weil es bei uns in der Familie eine kirchliche Tradition gibt. Aber ich wollte auch wissen, wie es ist. Und ich fand’s besser als gedacht! Ich könnte mir vorstellen, auch später noch bei Kirchentreffen mitzumachen.

Mein Konfi-Spruch ist aus der Bergpredigt: "Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen." (Matthäus 5,5). Wichtig ist er mir, weil es darin um den Frieden geht."

Emil Engel, 14 Jahre alt 

Neben dem Konfirmationsspruch bittet sie die Jugendlichen auch immer, einen Gegenstand auszuwählen, mit dem sie ihre Verbindung zu Gott und Kirche erklären können. Es ist eine Art Gesprächsöffner, so Hild.

Zur Auswahl hat sie etwa einen Engel, ein Seil, eine Trompete, ein Stück Holz, eine Diskokugel, ein Herz, einen Anker und ein Handy. Letzteres symbolisiere etwa die Verbindung von Gott und der Gemeinde und verdeutliche: "Es gibt immer jemanden, an den du dich wenden kannst."

Hintergrund

Traditionell finden die meisten Konfirmationen in der Nordkirche im Frühsommer rund um das Pfingstfest statt. In der Pandemie haben sich viele Gemeinden dazu entschieden, sie zeitlich zu entzerren: 2020 und 2021 wurden sie in vielen Kirchenkreisen in den Hochsommer und Herbst verlegt. Auf eine zentrale Feier mit vielen Familien wird mehrheitlich verzichtet. Stattdessen gibt es mehrere kleinere Zeremonien, die auch im Freien gestaltet werden können. 

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