Kirchenkreis will mit Ausstellung um Spenden werben

Millionenschwere Schäden am Lübecker Dom

Der Lübecker Dom muss saniert werden.
Der Lübecker Dom muss saniert werden.© Manfred Zajac, Pixabay

04. April 2022 von Nadine Heggen

Der Lübecker Dom prägt die Silhouette der Hansestadt seit mehr als 750 Jahren. Jetzt müssen schwere Schäden an den Zwillingstürmen saniert werden. Kostenpunkt: 23 Millionen Euro. Allein die Finanzierung des Projekts ist eine Herkulesaufgabe.

Die Sanierung des Lübecker Doms wird zum Mammut-Projekt: Jahrelange Voruntersuchungen haben ergeben, dass es 23 Millionen Euro kosten wird, die tiefen Risse in den Zwillingstürmen zu kitten. Mit einer am Sonnabend eröffneten Ausstellung im Dom will der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg jetzt um Spenden werben. Die Finanzierung für das Projekt ist noch nicht annähernd gesichert.

2,3 Kilometer lange Risse durchziehen das Mauerwerk

Der Lübecker Dom bei Nacht.
Der Lübecker Dom bei Nacht.© Margrit Wegner

Seit 2018 laufen Voruntersuchungen an den 115 Meter hohen Domtürmen, die bereits 475.000 Euro gekostet haben. Zunächst galt es herauszufinden, was die Ursache für die gravierenden Schäden sind. Architekten und Historikerinnen haben zwei Arten von Rissen ausgemacht: Tiefe Risse mit einer Gesamtlänge von rund 1.500 Meter und feine Haarrisse mit einer Länge von 800 Meter. Damit durchziehen das Mauerwerk der Dom-Türme 2,3 Kilometer lange Spalten. Zudem müssten knapp 3.800 verwitterte Backsteine erneuert werden.

Mangelhafte Ziegel und fehlerhafte Reparaturen

„Inzwischen wissen wir, dass bereits beim Bau des Doms Fehler gemacht wurden“, sagte Jürgen Rösing von der Bauabteilung des Kirchenkreises. Der Dom wurde 1247 geweiht und war seinerzeit eines der ersten großen Backsteinbauwerke im Norden. „Mit dem Ziegelbrennen hatten die Menschen noch nicht viel Erfahrung.“ Die ursprünglich verwendeten Ziegel hatten offenbar keine gute Qualität. Feuchtigkeit konnte eindringen.

Der Ausstellungs-Designer Markus Endreß, Pröpstin Petra Ka
Der Ausstellungs-Designer Markus Endreß, Pröpstin Petra Kallies und Projektleiterin Cornelia Schäfer mit Domsteinen aus unterschiedlichen Jahrhunderten© Lutz Roeßler

Hinzu kamen fehlerhafte Reparaturen in den nachfolgenden Jahrhunderten. Zementmörtel sprengte förmlich den ursprünglich vermauerten Hochbrandgips bei eindringender Feuchtigkeit. Dadurch entstanden noch mehr Risse und Ausbeulungen. Schon seit mehreren Jahren sind die Türme mit Gerüsten und Zäunen abgesperrt, weil immer wieder Backsteine aus dem Mauerwerk heraus fallen.

Ausstellung "Steine zum Staunen" eröffnet

Die Ausstellung „Steine zum Staunen - Sanierung der Domtürme“ soll nun die Bedeutung des Doms für Lübeck deutlich machen. Pröpstin Petra Kallies betonte bei der Eröffnung, insbesondere die alten Kirchen, die viel Leid und Unglück „gesehen“ hätten, seien in Krisenzeiten Orte, die Halt geben. „Auch darum ist es wichtig, sie für die nächsten Generationen zu erhalten.“

Die sieben Kirchtürme der fünf gotischen Kirchen St. Jakobi, St. Marien, St. Petri, St. Aegidien und des Lübecker Doms gehören neben dem Holstentor zu den Wahrzeichen der Stadt und sind Weltkulturerbe. Seit 2011 trägt das Spenden-Projekt „Sieben Türme will ich sehen“ dazu bei, dass die Kirchtürme nach und nach saniert werden können. Der Dom ist allerdings mit Abstand am teuersten: Der Turm von St. Petri kostete 2,5 Millionen Euro, die Sanierung der St. Marien-Türme 1,5 Millionen Euro.

Sanierung kann bis zu 10 Jahre dauern

Eine elektrische Spendensäule haben die Kuratoren deshalb gleich in die Ausstellung mit integriert. 17 große Schautafeln im Ostchor, drei Tafeln unter der Orgel und zwei Video-Monitore im Eingangsbereich zeigen die Geschichte des Doms, die Ergebnisse der Voruntersuchungen an den Doppeltürmen, die geplanten Sanierungsmaßnahmen, die Finanzen des Doms und des Kirchenkreises und das Leben in der Domgemeinde. Ein großer, illuminierten Riss in der Backsteinwand ist ebenfalls zu sehen.

Projektleiterin Cornelia Schäfer, Bürgermeister Jan Lindenau, Markus Endreß von der Werbeagentur „Faszinovum“, Pröpstin Petra Kallies und der Leiter des Bauausschusses Carlos Blohm (von links).
Projektleiterin Cornelia Schäfer, Bürgermeister Jan Lindenau, Markus Endreß von der Werbeagentur „Faszinovum“, Pröpstin Petra Kallies und der Leiter des Bauausschusses Carlos Blohm (von links).© Lutz Roeßler

Die Schau soll etwa acht Jahre lang laufen - solange bis die Sanierung der Zwillingstürme des Doms abgeschlossen ist. Die Laufzeit sei sehr optimistisch geschätzt, sagte Rösing. „Es kann auch zehn Jahre dauern, bis wir fertig sind. Das kommt darauf an, wann wir starten können.“

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