Ungewöhnlicher Blick auf Altona

Mit Lötkolben und Flex auf die Kirchturmspitze von St. Petri

Von seinem aktuellen Arbeitsplatz, dem Kirchturm der St. Petrikirche in Altona, blickt Mario Zunk über Hamburg.
Von seinem aktuellen Arbeitsplatz, dem Kirchturm der St. Petrikirche in Altona, blickt Mario Zunk über Hamburg.© Julia Reiss

24. Mai 2013 von Simone Viere

Hamburg. Die Möwen auf den Turmspitzen der St. Petri-Kirche in Hamburg-Altona haben einen atemberaubenden Blick über die Elbe. Derzeit können auch Menschen diese Perspektive genießen - zumindest Mario Zunk. Der Klempner und seine Kollegen haben diese Woche damit begonnen, das Kupferdach der eingerüsteten Zwillingstürme zu erneuern. Die Handwerker fahren mit einem Freiluft-Fahrstuhl 50 Meter nach oben.

Die letzten acht Meter geht es zu Fuß bis auf die jeweilige Spitze. Oben sind die Turmspitzen so schmal, dass sie einzeln von Gerüstplanken eingefasst werden mussten. Leitern führen bis zum Wetterhahn auf dem Nordturm und dem Kreuz auf dem Südturm. Die Plattform, auf der Zunk dann arbeitet, ist gut zwei Quadratmeter groß.

"Metallbedachung" nennt sich die Tätigkeit in luftiger Höhe. Alltäglich ist sie auch für den Klempner nicht: "Das ist schon ein besonderer Arbeitsplatz", sagt er und blickt über die Dächer der Stadt. Die Hafenkräne auf der anderen Elbseite sehen aus wie Spielzeug, und die Elbphilharmonie verschwindet in einem Meer von Gebäuden. Auf der anderen Seite erscheint der Volkspark samt Stadion als bewaldeter Fleck. "Hier oben wird einem nochmal klar, wie grün Hamburg ist", sagt Zunk.

Erst nach 15 bis 20 Jahren verfärbt sich ein neues Kupferdach türkis

Grün ist auch das Kupfer auf dem Dach der Kirche. Es dauere etwa 15 bis 20 Jahre, bis sich das neue, rotbraune Metall durch Verwitterung und Korrosion langsam türkis färbe. "Auf der Wetterseite geht es schneller als an der vom Wind abgewandten."

Auf den St. Petri-Türmen hat das Hamburger Schietwetter auch schon schlimmere Spuren hinterlassen: Zunk zeigt auf filigrane Kugeln am Sockel der Spitzen, die so groß sind wie Honigmelonen. Richtung Süden, zur Elbe hin, haben Wind und Regen große Löcher hineingerieben. "Mit jedem Regenguss wird etwas Kupfer abgewaschen", erklärt der Klempner. "Irgendwann ist alles weg."

Jeder Regenguss wäscht das Kupfer vom Dach

St. Petri Altona wurde 1881-83 nach Plänen des Berliner Baumeisters Johannes Otzen gebaut. Während des Zweiten Weltkrieges wurden lediglich die Fenster und ein Teil des Dachs zerstört. Der Innenraum wurde 1956 renoviert, und das Kirchenschiff bekam 1962 ein neues Dach. Nach einem Blitzeinschlag vor 20 Jahren wurde die Spitze des nördlichen Turms erneuert. Doch schon damals war klar, dass beide Türme irgendwann ein neues Kleid benötigen. "Das Thema wird schon lange diskutiert", sagt Jan Steffens, der seit Dezember 2011 Pastor in St. Petri Altona ist. "Nach starken Sturmschäden vor fünf Jahren war klar, dass etwas passieren muss."

Die Kosten für die Turmsanierung sind auf gut eine Million Euro veranschlagt. "Bis auf einige 10.000 Euro haben wir die Summe inzwischen zusammen", berichtet Steffens. Die Gemeinde übernimmt ein Viertel der Gesamtkosten. "Ohne die vielen Spenden von Privatpersonen und Firmen sowie verschiedenen Kultur- und Denkmalschutzstiftungen hätte unsere Kirche wohl bald keine Türme mehr." Vor allem das Angebot eines Kupferbetriebes, das alte Material gegen Neukupfer kostenlos auszutauschen, sei eine sehr große Erleichterung gewesen.

"Ohne die vielen Spenden hätte unsere Kirche wohl bald keine Türme mehr."

Insgesamt lösen Mario Zunk und seine Kollegen in den kommenden Monaten 827 Quadratmeter Kupfer von den Türmen ab - und bedecken sie anschließend mit dem neuen Metall. Parallel zu den Dacharbeiten wird auch das Mauerwerk der Türme teilweise frisch verfugt. Das Baugerüst hat über die 60 Meter insgesamt 27 Etagen, da können Maurer und Klempner problemlos gleichzeitig arbeiten. "Mal sehen, ob wir den 130. Geburtstag der Kirche schon ohne Gerüst feiern können", sagt Steffens.

Für den 22. September ist ein festlicher Gottesdienst geplant - gegebenenfalls auch mit Gerüst. Doch bis dahin fährt Mario Zunk noch oft mit dem Fahrstuhl auf seinen außergewöhnlichen Arbeitsplatz mit Aussicht.

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