Leben im Alter

Ruhestand: Und was jetzt?

Pastor Andreas Petersen ist seit Kurzem im Ruhestand. Zusammen mit seiner Frau baut er nun neue Strukturen für das Leben im Alter auf.
Pastor Andreas Petersen ist seit Kurzem im Ruhestand. Zusammen mit seiner Frau baut er nun neue Strukturen für das Leben im Alter auf. © Hagen Grützmacher, epd

02. April 2026 von Hagen Grützmacher

Andreas Petersen war 30 Jahre lang Pastor in einer Gemeinde, jetzt ist er im Ruhestand. Ostern zum ersten Mal ohne Predigtvorbereitung. Es ist ein neuer Lebensabschnitt, den aktuell Millionen Menschen in Deutschland vor sich haben.

Kurz vor Ostern gemütlich am Wasser spazieren gehen, das war für Andreas Petersen lange kaum denkbar. 30 Jahre hat er als evangelischer Pastor im schleswig-holsteinischen Haselau (Kreis Pinneberg) gearbeitet, seit einem halben Jahr ist er in Rente. Die großen Feiertage erlebt er plötzlich ganz anders. „In der Adventszeit war das schon ziemlich schwierig. Da fehlte mir ein bisschen was“, sagt er.

Zahl der Rentner:innen steigt

Auch vor dem Osterfest wird der 67-Jährige etwas wehmütig. „Sonst habe ich jetzt immer eine Predigtreihe gemacht in der Passionszeit. Und die Osternacht wird mir fehlen. Da hatten wir in Haselau immer ein super Team zusammen, mit tollen Leuten, die das organisiert haben.“

Der Ruhestand als Einschnitt, das erleben gerade viele Menschen in Deutschland. Denn geburtenstarke Jahrgänge erreichen das Rentenalter. Bis 2030 wird es bundesweit zwischen vier und fünf Millionen neue Rentnerinnen und Rentner geben.

Wichtig ist der Aufbau von neuen Routinen

Der Alltag verändert sich dann oft von einem Tag auf den anderen. „Wenn ich dann gar nichts mehr habe, kann es schwierig werden“, sagt Birgitta Thiel. Die Diplom-Psychologin berät Menschen, die in den Ruhestand gehen. „Manche Männer kommen in die Beratung und haben eine lange Liste von Dingen, die zu tun sind. Keller aufräumen, Haus streichen. Aber diese Liste ist auch irgendwann abgearbeitet.“

Dann ist es wichtig, etwas zu haben, was eine Struktur bietet, rät die Psychologin. Zu ihren Kunden gehören nicht nur Privatpersonen, sondern auch große Unternehmen, die die Beratung für ihre älteren Mitarbeitenden buchen. „Es macht Sinn, sich da schon ein oder zwei Jahre vorher mit auseinanderzusetzen. Ich empfehle ohnehin immer einen langsamen Übergang in den Ruhestand, wenn das möglich ist. Die Arbeitszeit tageweise abzubauen“, erklärt Thiel.

Es ist Zeit, den Horizont zu erweitern

Als sie vor gut zehn Jahren die Ruhestands-Beratung zum ersten Mal anbot, rechnete sie nicht damit, dass das Angebot so stark nachgefragt werden würde. Der Bedarf ist da.

„Ein Kunde sagte zu mir: Ich kann ja nicht acht Stunden am Tag Tennis spielen“, erzählt sie. Wichtig sei, den eigenen Horizont zu weiten. „Ich habe einen Kunden, der ist jetzt Wildnis-Coach. Der hat eine Fortbildung gemacht und bietet jetzt an Wochenenden Touren durch die Natur an. Der hat früher etwas ganz anderes gemacht.“

Es ist nicht leicht, sich von Dingen zu trennen

Andreas Petersen und seine Frau Sabine sind gleichzeitig in den Ruhestand gegangen und direkt umgezogen. Sie haben sich ein kleines Haus in Lauenburg an der Elbe gekauft. Hier sind sie einfach nur Andreas und Sabine und nicht Herr Pastor und Frau Lehrerin. „Der Umzug war nicht einfach“, sagt Sabine Petersen. Sie hat viele Jahre als Lehrerin in einer Grundschule gearbeitet. „Wir mussten viel aussortieren, was wir nicht mitnehmen konnten.“

In 30 Jahren hatte sich in ihrem Haus in Haselau manches angesammelt. „Es war nicht immer leicht, sich zu trennen und loszulassen“, erinnert sie sich.

Eine neue Aufgabe zum neuen Lebensabschnitt

Das neue Haus ist eine Aufgabe für sich. Der Gartenteich muss sauber gemacht werden, das Geländer des Balkons braucht einen neuen Schutzanstrich. Nach etwas mehr als einem halben Jahr sind die Eheleute langsam im Ruhestand angekommen. „Das ist ein ganz neuer Lebensabschnitt, den haben wir bewusst gewählt. Auch um herauszufinden, was soll jetzt unsere neue Aufgabe sein?“

Ostern im kommenden Jahr, sagt der Pastor in Rente, wäre er vielleicht gerne wieder als Aktiver dabei im Gottesdienst. Dann aber nicht auf der Kanzel mit der Predigt, sondern als Teil des Kirchenchors.

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