Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Aus alt mach neu: Ein Tag im Repaircafé der Lutherkirche Pinneberg

Hier wird einem alten Lieblingsstück neues Leben eingehaucht: Gemeinsam arbeiten die Ehrenamtlichen des Repaircafés der Lutherkirche Pinneberg daran, einen Plattenspieler wieder zum Laufen zu bringen.
Hier wird einem alten Lieblingsstück neues Leben eingehaucht: Gemeinsam arbeiten die Ehrenamtlichen des Repaircafés der Lutherkirche Pinneberg daran, einen Plattenspieler wieder zum Laufen zu bringen. © Julia Krause, Nordkirche
Hier wird nichts weggeschmissen, bevor der Fehler gefunden ist. Die Ehrenamtlichen sind mit Leidenschaft am Werk.
Hier wird nichts weggeschmissen, bevor der Fehler gefunden ist. Die Ehrenamtlichen sind mit Leidenschaft am Werk. © Julia Krause, Nordkirche

12. März 2026 von Julia Krause

Reparieren statt wegschmeißen heißt es im Repaircafé der Pinneberger Lutherkirche. Mehrmals im Jahr setzen Ehrenamtliche im Gemeindehaus Elektrogeräte, Fahrräder, Kleidung und Spielzeuge in Stand. Für weniger Müll und mehr Gemeinschaft.

"Bring mal ruhig was mit", sagt Holger Jensen, als ich ihn frage, wie das Pinneberger Repaircafé im Gemeinehaus der Lutherkirche funktioniert. "Dann kannst du gleich den Selbstversuch machen." 

Reparatur mit Anleitung

Denn bei dem Pinneberger Projekt gehe es nicht darum, kaputte Dinge über den Thresen zu schieben, damit andere sie wieder flott machen. Im besten Fall sei es vielmehr so, dass ich am Ende selber wisse, wo der Fehler liege und ihn beim nächsten Mal ganz alleine beheben könne, erklärt mir der Gründer des Repaircafés. 

Das Gründer-Paar Holger und Elke-Bettina Jensen
Elke-Bettina und Holger Jensen haben das Repaircafé vor 12 Jahren ins Leben gerufen. © Julia Krause, Nordkirche

Etwas beschämt frage ich eine Kollegin, ob sie mir mit defekten Geräten aushelfen kann – meine eigenen sind längst in den Müll gewandert. Und zwar ohne dass ich auch nur einen Wimpernschlag lang über eine Reparatur nachgedacht habe. 

Kleines Fehler-ABC

Mit ihrem Pürierstab und Kontaktgrill ausgestattet, mache ich mich auf den Weg. Ich habe so meine Zweifel, ob ich in der Lage sein werde, die technischen Details der Reparatur zu verinnerlichen. Dafür ist Reinhard Fetzer umso zuversichtlicher. Der Elektroingenieur im Ruhestand macht sich begeistert ans Werk.

Reinhard Fetzer arbeitet ehrenamtlich im Repaircafé.
Reinhard Fetzer hat jahrelang als Elektroingenieur gearbeitet, heute repariert er ehrenamtliche alles, was einen Motor, Stecker oder Akku hat. © Julia Krause, Nordkirche

Ich lerne, dass der Pürierstab einen bürstenlosen Gleichstrommotor (Englisch: BLDC) hat, das könne man am vibrierenden Geräusch erkennen. Ebenso, dass der häufigste Fehler bei Elektrogeräten ein Kabelbruch ist: "Immer da, wo der stärkste Knick ist, bricht es", sagt der Profi. Der Pürierstab hat dieses Problem allerdings nicht. Er springt wie von Zauberhand an. 

Sicherheitsprüfung ist inklusive 

Dem Kontaktgrill hingegen bescheinigt Reinhard Fetzer nach der Schutzleiter-Messung ein Sicherheitsproblem. Doch so richtig will der Elektroingenieur ihn noch nicht aufgeben. Nach mehreren weiteren Prüfungen und der Beratung mit Kollegen steht fest: Hier gibt es einen Kabelbruch im Stecker, "der leider von außen nicht zu sehen ist." Also trennt er den alten Stecker ab und verbindet das Kabel mit einem neuen. 

Gäste des Repaircafés
Elke und Dieter Leyk haben das Angebot des Repaircafés schon häufiger genutzt. Heute lassen sie sich von Walter Kitzing (links) erklären, warum ihre Küchenmaschine nicht mehr funktioniert. © Julia Krause, Nordkirche

Während er tüftelt, komme ich mit den Leuten am Nachbartisch ins Gespräch: Elke und Dieter Leyk sind heute mit ihrer Küchenmaschine hier. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das Repaircafé besuchen. Erfahren haben sie von dem Angebot schon vor Jahren – "aus dem Kirchenblatt", sagt Elke Leyk.

Gebührenfrei und erfolgreich

Inzwischen hätten sie auch vielen Freunden und Bekannten davon erzählt. Anfangs seien manche skeptisch gewesen. "Aber ich habe gesagt: Was soll schon passieren? Und hinterher waren die sowas von happy!", erzählt Dieter Leyk. 

Verwunderlich ist das nicht: Denn das Repaircafé arbeitet ohne Gebühren, "nicht gewinn- sondern lösungsorientiert", sagt Reinhard Fetzer. Und es hat dazu noch eine beachtliche Erfolgsquote. Stolz zeigt Gründer Holger Jensen mir seine Excel-Tabelle. Darin ausgewiesen sind die Anzahl der Gäste, Aufträge und erfolgten Reparaturen seit Beginn des Repaircafés im November 2014. Die durchschnittliche Erfolgsquote: 75,19 Prozent. 

Spenden fließen in lokale Projekte

Wer zufrieden ist, darf gerne etwas in die Spendendose stecken. Das gesammelte Geld wird für die Anschaffung von Ersatzteilen verwendet, erklärt mir Holger Jensen. Was übrig bleibt, fließt in lokale Projekte der Gemeinde. Zuletzt konnte das Repaircafé so helfen, einen Defibrilator zu finanzieren. 

Noch einen Tisch weiter blitzt es plötzlich grell auf. Martin Eckert hat das Visier seines Helmes heruntergeklappt und schweißt den abgerissen Metallsteg eines Bügelbrettes wieder ans Gestell. "Unser Allround-Genie", sagt Holger Jensen grinsend. "Der kann alles." 

Alle sind mit Leidenschaft dabei

An anderen Tischen wird ein Bademäntel geflickt, eine Lampe repariert und ein Plattenspieler in Augenschein genommen. Einen Raum weiter wartet der ehemalige Schiffsingenieur Hanspeter Raschle auf Menschen, die ihr Rad in Schuss bringen wollen.

Eine Ehrenamtliche repariert einen Bademantel
Auch Näharbeiten werden im Repaircafé erledigt. Dank der Ausbesserung leben liebgewonne Kleidungsstücke länger. © Julia Krause, Nordkirche

Insgesamt gehören 40 Ehrenamtliche zum Pinneberger Repaircafé. Die meisten von ihnen sind im Ruhestand, wollen ihre Kompetenz aber weiter einbringen oder, wie Peter Raschle es ausdrückt, "einfach gerne schrauben". 

Infrastruktur der Kirchengemeinde ist hilfreich

Der Ort ist nicht zufällig gewählt. "Wir haben festgestellt, dass sich eine Kirchengemeinde ideal eignet, um so ein Repaircafé durchzuführen: Man hat den Gemeindesaal, man hat eine Küche und man hat organisatorisch ein Spendenkonto, so dass man keinen eigenen Verein gründen muss", so Holger Jensen.

Inzwischen macht auch eine andere Kirchengemeinde aus der Umgebung mit: Die Christuskirche Schulau in Wedel bietet ebenfalls regelmäßig Repaircafés an. Viele der Pinneberger Ehrenamtlichen sind auch dort im Einsatz. 

Ehrenamtlicher Radexperte Hanspeter Raschle
Hanspeter Raschle bringt so ziemlich jedes Rad in Gang. In seiner Freizeit macht der frühere Schiffsingenieur nicht nur im Repaircafé, sondern auch bei der Fahrradtafel Pinneberg gebrauchte Drahtesel wieder flott. © Julia Krause, Nordkirche

Auch ohne Reparatur ein Erlebnis

Als ich mich an einem freien Tisch setze, begegne ich einem Paar, das es sich mit einem Teller Gebäck gemütlich gemacht hat. Welches Lieblingsstück sie denn wieder heil machen wollen, frage ich. "Keins. Wir sind nur zum Kaffeetrinken hier", sagt der Mann. Der Kuchen schmecke immer so gut. 

Produkte aus fairem Handel mit Flyer des "Eine-Welt"-Ladens
Neben Kaffee und Kuchen können die Gäste auch andere Produkte aus fairem Handel erwerben. Das Pinneberger Repaircafé kooperiert mit dem "Eine-Welt"-Laden der Rellinger Kirche. © Julia Krause, Nordkirche

Ich erfahre, dass die Franzbrötchen und verschiedenen Blechkuchen vom Vortag stammen und von einer lokalen Bäckerei gespendet sind. Die will ich auch testen! Ich werfe ein paar Münzen in die Spendendose und bekomme einen Streuselkuchen und eine Tasse ökozertifizierten Fairtrade-Kaffee ausgehändigt. 

Längere Einsatzdauer, weniger Müll 

Genüsslich lasse ich es mir schmecken, bevor ich mich mit dem nun wieder voll funktionsfähigem Pürierstab und Kontaktgrill auf dem Heimweg mache.

Einen Stecker kann ich trotz des Crashkurses in Elektrotechnik zwar nach wie vor nicht alleine austauschen, doch dafür weiß ich jetzt, wen ich fragen kann. Ich gehe mit dem guten Gefühl, Müll vermieden, Geld gespart und einen schönen Nachmittag verbracht zu haben. 

Wissenswertes auf einen Blick 

Geöffnet ist das Repaircafé in der Regel viermal im Jahr (samstags von 14 bis 17 Uhr). 60 bis 70 Leute besuchen es an einem durchschnittlichen Tag. Dazu gibt es auch Sondertermine, zum Beispiel für Schulklassen. 

Gegründet wurde es vor 12 Jahren von Elke-Bettina und Holger Jensen. Das Ehepaar kümmert sich nach wie vor um den organisatorischen Ablauf. Wer mitmachen möchte oder Fragen hat, kann es unter repaircafe@luther-pinneberg.de oder 04101 – 693600 kontaktieren. 

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