Ehrenamt

Schatzmeister und Ratgeber für den Lutherischen Weltbund

© Daniel Vogel, kirche-mv.de

04. August 2016 von Tilman Baier

Olaf Johannes Mirgeler ist Oberkirchenrat der Nordkirche und für die Vermögensverwaltung des Kirchenkreises Mecklenburg zuständig. Doch Mirgeler ist im Ehrenamt auch Schatzmeister des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB).

Herr Mirgeler, was ist das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes?

Olaf Mirgeler: Das Nationalkomitee ist die Vertretung der deutschen Landeskirchen, die Mitglied im Lutherischen Weltbund (LWB) sind. Das ist nicht identisch mit der Vereinigten Lutherischen Kirche Deutschlands, der VELKD. So sind die württembergische und die oldenburgische Landeskirche zwar lutherische Kirchen, aber keine VELKD-Mitglieder. Sie sind aber Mitglieder im LWB, weil sie das Luthertum als Weltkirche, nicht aber als eine deutsche Kirche verstehen. Das DNK LWB ist aber strukturell angebunden an die VELKD. Es ist das oberste Beschlussgremium der deutschen LWB-Mitgliedskirchen im Blick auf die Weltgemeinschaft. Dort bin ich Schatzmeister. Das ist eine ehrenamtliche Aufgabe.

Die Administration wird bei der VELKD in Hannover gemacht, ich begleite dies aber. Und in dieser Funktion bin ich auch "Advisor to council", also Ratgeber des Rates des Lutherischen Weltbundes in Finanzfragen. Ich nehme an den Ratstagungen als Nichtmitglied des Rates teil.

Was ist an diesen Ratstagungen so spannend?

Die Ratstagungen sind das höchste Gremium des LWB zwischen den Vollversammlungen. Die letzte fand im Juni in Wittenberg statt. Auch dort habe ich wieder die Interessen der deutschen LWB-Mitgliedskirchen vertreten. Man muss wissen, dass sie die größten Geldgeber des LWB sind.

Die skandinavischen Kirchen ziehen sich immer mehr heraus, auch durch die großen Veränderungen dort: So ist die Schwedische Kirche keine Staatskirche mehr, die Dänen sind es noch, aber es ist schwierig, Geldmittel zu erhalten. Der dritte große Geldgeber ist die amerikanische lutherische Kirche, auch die steht vor erheblichen finanziellen Problemen. Es gab dort ja auch eine Abspaltung der Missouri-Synode im Zusammenhang mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und der Ordination von Frauen.

Wie und was wird von den Mitgliedskirchen und damit letztlich von unseren Kirchensteuern finanziert? Und wie wird darüber entschieden?

Es gibt zwei Umlagen der Mitgliedskirchen. Einmal gibt es die normale Umlage, um die Administration in Deutschland und in Genf zu finanzieren, wie z.B. das Communion office, das Gemeinschaftsbüro. Und dann gibt es eine zweite Umlage für den Programmausschuss. Dieser Programmausschuss des Nationalkomitees unterstützt einzelne Maßnahmen des LWB. Dazu erscheinen die einzelnen Departements des LWB zum Nationalkomitee und stellen ihre Programme vor, die dann Mittel, die die deutschen Kirchen gesammelt haben, bewilligt oder nicht bewilligt bekommen. Das Nationalkomitee ist also ein Durchlauffilter für das Geld, das die deutschen Mitgliedskirchen für Programme nach Genf geben.

Lässt sich bei diesen Größenordnungen als ehrenamtlicher Schatzmeister der Überblick behalten?

Es ist eine Umlagefinanzierung Die Verantwortung ist daher sehr übersichtlich. Es ist eher ein politisches Ehrenamt. Wir im DNK sind von den Umlagen abhängig, die zurzeit sehr gut sind, da sie an die Finanzkraft der Landeskirchen und an die EKD-Umlage gekoppelt sind. Von dem Geld, das die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) von den Landeskirchen erhebt, geht bei den lutherischen Kirchen ein gewisser Prozentsatz an das DNK.

Das Ganze läuft über fünf Jahre. Wenn also morgen die Kirchensteuern einbrechen würden, würde es uns erst wesentlich später treffen.

Wie effizient arbeitet der Lutherische Weltbund aus Ihrer Sicht?

Sicher gibt es in einigen Bereichen Verbesserungsmöglichkeiten. Aber es ist sehr positiv, dass es mit dem LWB-Büro in Genf eine gemeinsame Ansprechstelle für alle Mitgliedskirchen weltweit gibt, die sehr unterschiedlich sind. Wir sind in der Konfession zwar alle gleich, aber es gibt Riesenunterschiede zwischen den finanzkräftigen deutschen Kirchen und asiatischen oder südamerikanischen Minikirchen, die es ja auch gibt, wie die in Kolumbien mit 1000 bis 2000 Mitgliedern, die aber sehr aktiv sind. Andere sehr große lutherische Kirchen wie die in Äthiopien und Tansania sind kaum begütert.

Der größte Bereich der Arbeit des LWB ist der Lutherische Weltdienst mit der Flüchtlings- und Katastrophenhilfe sowie der Entwicklungsarbeit. Dieser Weltdienst arbeitet schon Jahrzehnte sehr effizient, oft im Auftrag der UNO.

Andere Departements sind dabei, die Effizienz zu verbessern, auch schon durch den Druck des Dienstortes Genf. Es ist ein Grundproblem des Lutherischen Weltbundes, dass die Gehälter in Franken zu bezahlen sind. Die Gehälter waren aus unserer Sicht schon immer sehr hoch - doch wenn man in Genf leben muss, dann gehören diese Gehälter zu den unteren Kategorien. Denn der Franken war schon immer sehr stark. Doch als 2015 die Schweizer Notenbank den Kurs freigegeben hat, hat sich in kurzer Zeit das Budget des LWB durch den Kursanstieg um 20 Prozent verringert. Denn die meisten Gelder erhält der LWB in Dollar und in Euro - und dieser Wechselkurs ist dramatisch heruntergebrochen. Der Reformierte Weltbund ist deswegen nach Hannover gewechselt. Hier konnte das DNK wenigstens für 2015 schnell und unbürokratisch helfen.

Der LWB weiß, dass er sich auf die Finanzkraft der deutschen Mitgliedskirchen verlassen kann. Doch Generalsekretär Martin Junge weiß auch, dass diese schnellen Hilfen keine Dauerlösung sein können. Er arbeitet daran, dass die Weltorganisation in Genf mit weniger Geld auskommen kann.

Entspringt dieser Ruf nach Effizienz und Kontrolle nicht einem sehr westeuropäischen Denken?

Es gilt neben allem Streben nach Effizienz auch, die Pluralität der Kulturen und wirtschaftlichen Hintergründe der einzelnen Mitgliedskirchen anzuerkennen. Das ist es, was ich gelernt habe bei den wechselnden Orten der Ratstagungen wie in Kolumbien oder Indonesien. Ich habe zwar keinen Hunger gesehen, aber doch Elend und arme Menschen. Kontrolle kann auch seine Richtigkeit haben - aber der Weltdienst ist schon sehr effizient.

Und das gemeinsame Büro in Genf ist ja paritätisch besetzt. Aus allen Teilen der Welt arbeiten hier Menschen. Klar geht es immer auch um die Nachhaltigkeit der Aktionen des LWB. Aber was wir lernen können jenseits der Finanzzahlen, ist die Lebendigkeit des gelebten Glaubens. Die ist in vielen anderen Mitgliedskirchen viel größer als bei uns. Selbst in dieser kleinen Kirche in Kolumbien ist es Wahnsinn, was die auf die Beine stellen. Und wie in der lutherischen Minderheitskirche im größten muslimischen Land der Erde, in Indonesien, der Glaube trotz Repressalien gelebt wird, hat mich schon sehr beeindruckt. Es gibt darum auch das LWB-Programm "Mission to the North", das diese Lebendigkeit des Glaubens auch zu uns bringen soll.

Was hat eine Gemeinde davon, dass ihre Landeskirche Mitglied im LWB ist?

Der LWB ist zwar weit weg von der Gemeinde, aber es gibt ja Gemeinden hier, die haben Partnerschaften nach Tansania, nach Kasachstan, nach Rumänien... Der LWB bietet die Möglichkeit zu erleben, dass wir Lutheraner weltweit eine Glaubensgemeinschaft sind und sich unser Protestantismus nicht irgendwo in unübersichtlicher Vielfalt verliert.

Das ist ein hoher Wert. Und es erdet uns. Darum haben wir auch bei den Vorbereitungen zu den Reformationsfeierlichkeiten darauf geachtet, dass wir kein deutsches Fest daraus machen. Zwar ist die Reformation von Mitteldeutschland ausgegangen. Doch ist es gut, dass wir weltweit und gemeinsam mit Katholiken und Reformierten daran erinnern.

Der LWB ist eine Gemeinschaft von lutherischen Christen, die sich in einer Weltkirche zusammengeschlossen haben. Als lutherische Weltkirche wird der LWB vom Vatikan als echter ökumenischer Gesprächspartner anerkannt. Es ist schon ein starkes Zeichen, dass der Papst zum diesjährigen Reformationstag zum gemeinsamen Gottesdienst in den lutherischen Dom von Lund in Schweden kommen wird.

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