Vorpommern

Seltener Taufstein bei Kirchturmsanierung entdeckt

Große Freude über den sensationellen Fund: Pastor Philipp Staak mit dem kürzlich in der Boldekower Kirche geborgenen Taufstein
Große Freude über den sensationellen Fund: Pastor Philipp Staak mit dem kürzlich in der Boldekower Kirche geborgenen Taufstein© PEK / Sebastian Kühl

14. Dezember 2015 von Simone Viere, Anne-Dorle Hoffgaard

Anklam. Während der Kirchturm-Sanierung in Boldekow bei Anklam (Kreis Vorpommern-Greifswald) ist ein 700 Jahre alter, äußerst seltener Taufstein mit 16 Ecken unter den Stützpfeilern entdeckt worden. Die beiden Steine unter den zwei Emporen-Pfeilern entpuppten sich als Standfuß und Becken eines mittelalterlichen Taufsteins aus gotländischem Sandstein.

Seine Entstehungszeit werde auf das Jahr 1320 geschätzt, teilte der Pommersche Evangelische Kirchenkreis am Montag mit. Damit sei der Boldekower Taufstein vermutlich noch etwas älter als der in der Anklamer Marienkirche. "Das ist ein wahrer Schatzfund", sagte Gemeindepastor Philipp Staak. Geplant sei, das Stück baldmöglichst im Altarraum aufzustellen und später zu restaurieren.

Seltenes Exemplar mit 16 Ecken

Bei dem Boldekower Taufstein handelt es sich um ein großes Steinbecken mit 16 Ecken, das mit einem gleichmäßigen Relief verziert ist. Die 16 könnte als "Zwölf plus Vier" gedeutet werden, sagte Pastor Staak. "Die Zwölf als Symbol für das Heilige und die Vier als Zahl des Irdischen, die Taufe somit als Verbindung." Es handele sich um eine hochwertige Steinmetzarbeit mit präzise gearbeiteten Kanten. Ein solches Werk sei äußerst selten. Bei seinen Recherchen sei er nur auf ein vergleichbares Exemplar in Polen gestoßen.

Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurden im südlichen Pommern viele Kirchen erst nach 1720 unter preußischer Verwaltung wieder aufgebaut. In diese Zeit fällt auch der Wiederaufbau der mittelalterlichen Boldekower Kirche. Sie wurde vor 300 Jahren der damaligen Zeit entsprechend im barocken Stil neu gestaltet.

Kunstschatz wurde Opfer des Zeitgeistes

Warum so ein Kunstschatz wie der Taufstein beim Wiederaufbau der Boldekower Kirche einfach vergraben wurde, ist offen. Wahrscheinlich hätten die Menschen im 18. Jahrhundert den Taufstein nicht als wertvoll wahrgenommen, sagte Pastor Staak. Die Verwendung als Baustoff könne auch als Abkehr vom Mittelalter und als Beginn einer neuen Zeit verstanden werden. Außerdem hätten sich im Laufe der Zeit immer auch die Gottesdienstfeiern und die Taufpraxis gewandelt. Durch die Umnutzung sei der Taufstein in Boldekow jedoch gleichnishaft "ganz greifbar zum Fundament der Kirche geworden".

Verwitterungsspuren an dem Taufstein lassen vermuten, dass er schon Jahrzehnte im Umfeld der Kirche herumlag, bevor er als Fundament verwendet wurde. Staak: "Mir sind Beispiele bekannt, bei der alte Steintaufen als Futtertröge oder für Blumenbeete genutzt wurden."

Bergung per Flaschenzug

Die Bergung der beiden Taufstein-Teile per Flaschenzug dauerte einen ganzen Tag. Beim Heben stellte sich laut Philipp Staak heraus, "dass der bereits vorher festgestellte Schaden größer ist als angenommen". An der Oberkante des Beckens fehle ein beträchtliches Stück. Auch der Umstand, dass der Stein mit der Bruchkante auf Feldsteinen gebettet war, deute darauf hin, dass der Schaden schon beim Eingraben vorhanden war und "wahrscheinlich aus der Zeit stammt, als der Taufstein irgendwo draußen herumlag". Die Beschädigung ändere aber nichts an der Bedeutung des Fundes.

Aufstellung ist für den Sommer geplant

Die evangelische Kirchengemeinde plant, den Taufstein spätestens zur Einweihung des restaurierten Fachwerkturms im kommenden Juli aufzustellen. Dafür muss noch ein geeigneter Platz im Altarraum gefunden werden. Die Sparkassenstiftung hat 5.000 Euro für Bergung, Aufstellung und Sicherung des Taufsteins gespendet. Fernziel ist laut Gemeindepastor, den Taufstein zu restaurieren. Was das kosten wird, steht derzeit noch nicht fest.

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