Digitale Kirche

So war Tag eins beim #Hansebarcamp der Nordkirche

29. Januar 2021 von Simone Viere, Julia Krause

Rein digital findet das vierte #Hansebarcamp der Nordkirche an diesem Wochenende am 29. und 30. Januar statt. Rund 120 Teilnehmer kamen an Tag eins online unter dem Motto "How are you, digitale Kirche?" zusammen.

Der Freitagnachmittag des Hansebarcamps begann als Fachtag, mit vier Impulsvorträgen rund um die Digitale Kirche. Keynote und Sessions stehen am Sonnabend auf dem Programm.

Digitale Barmherzigkeit

Als erster Impulsgeber sprach Pastor Philipp Kurowski aus der Kirchengemeinde Großsolt-Kleinsolt bei Flensburg. Auf Twitter ist er als @PhiKuro unterwegs und hielt ein Plädoyer für digitale Barmherzigkeit. "Barmherzigkeit ist eine christliche Tugend, die ganz vorne steht, für die das Christentum bekannt ist", so Kurowski und verwies in diesem Zusammenhang auf die Jahreslosung: "Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!" (Lukas 6,36)

Wellen von Wärme und Trost im Netz

Pastor Philipp Kurowski
Pastor Philipp Kurowski hielt seinen Impulsvortrag über "Digitale Barmherzigkeit".© Screenshot

Philipp Kurowski auf Twitter

Auch wenn Barmherzigkeit in Bildern immer eine sehr körperliche Sache sei, so gebe es natürlich auch eine digitale Barmherzigkeit. Virtuelle Umarmungen, Wellen von Wärme und Trost in der Begleitung kranker, sogar sterbender Menschen, seien zahlreich zu finden. Es gebe ganz viele Menschen, die über das Internet Liebe geben und auch empfangen.

Kirche sollte laut Kurowski ihr professionelles Wissen auf dem Gebiet der Barmherzigkeit mehr nach vorne tragen: "Barmherzigkeit, Diakonie und Solidarität – wenn wir als Kirche das digital leben, machen wir das richtig". Natürlich gebe es im Netz auch viel Unbarmherzigkeit. Auch da gelte für ihn, Betroffenen Loyalität, Solidarität, Geborgenheit und Stärkung zu geben. "Vielleicht ist es Zeit für eine neue Netiquette?", fragt der Pastor. 

Digitalisierung in Corona-Zeiten

Mit dem Impulsvortrag „digitalisierte Gemeinde – ein (Corona-) Update traf Pastor Jonas Goebel der Auferstehungskirche Hamburg-Lohbrügge ins Schwarze. Er verdeutlichte: Die Corona-Krise hat seiner Gemeinde einen digitalen Schub verpasst: Zum einen weitete sie Online-Angebote wie etwa Youtube- oder Zoom-Gottesdienste aus. Zum anderen sei aber auch die Wertschätzung insgesamt für digitale Arbeit gestiegen – und zwar auch unter den Kollegen.

Jonas Goebel motiviert Kirchengemeinden dazu, Dinge auszuprobieren und analoge und digitale Angebote zu verknüpfen.
Jonas Goebel motiviert Kirchengemeinden dazu, Dinge auszuprobieren und analoge und digitale Angebote zu verknüpfen. © Screenshot: Nordkirche

Ob Diensthandys, Online-Konferenz-Tools, Software-Updates, cloudbasierte Backups oder auch die Steuerung der Thermostate in den Gemeinderäumlichkeiten per App: 2020 hat sich einiges in seiner Gemeinde Sachen Digitalisierung getan.

Netflixisierung hilft bei Projektumsetzung

Doch wann lohnt sich der Aufwand für etwa WhatsApp-Newsletter und Gottesdienst-Livestreams? Jonas Goebel ermutigt, in Serien, Staffeln und Folgen zu denken. Er nennt dies „Netflixisierung“ von Projekten. Der Vorteil? Dieses Denken erleichtert es, etwas bei Erfolg fortzuführen und auszubauen – und bei Misserfolg abzusetzen.

Und wie sieht es mit dem Datenschutz dabei aus? „Datenschutz ist für uns nicht der Heilige Gral“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Zwar versuche er datenschutzkonforme Tools zu finden und anzubieten. Doch manchmal müsse man auch einfach Dinge ausprobieren. WhatsApp etwa halte er momentan für die Arbeit in den Gemeinden vor Ort noch für unverzichtbar.

Digital über Grenzen hinweg

Lea Zeiske
Theologie-Studentin Lea Zeiske beim Hansebarcamp 2021.© Screenshot

Lea Zeiske auf Twitter

Lea Zeiske aus der Schweiz ist unter @REF_lektionen auf Twitter aktiv. Ihr Thema: "#digitaliChile - Wie Digitale Kirche über Landesgrenzen und Konfessionsgrenzen hinaus wirkt". In ihrem Vortrag ging es um religiöse Identitäten und das Sprengen von Grenzen. "In der Schweiz haben wir viele Grenzen", so Zeiske. Sprachgrenzen, Grenzen zwischen 26 Kantonen und Konfessionen seien zu finden, jedes Kanton habe seine eigene Landeskirche und dann sei da noch die Grenze zur EU.

Raum für Gemeinschaft

"Der Hashtag #digitalichile ist im Laufe des vergangenen Jahres entstanden", berichtet Zeiske. Drei Schweizer und Schweizerinnen, die vor allem auf Instagram aktiv sind, haben eingeladen, sich zu vernetzen. Es gebe jetzt Formate wie beispielsweise ein "Pray together". "Dabei geht es um gesprengte Grenzen, die Digitale Kirche möglich macht." Vieles von dem, was nun in der Schweiz ausprobiert werde, habe Vorbilder in Deutschland.

"Wieso machen wir das eigentlich? Ich glaube die zwei wichtigsten Punkte sind nicht die Reichweiten oder Klicks, sondern die Gemeinschaft miteinander und Raum zu schaffen für die Gemeinschaft mit Gott", so die Theologie-Studentin. "Da ist keine Grenze zwischen analog und digital, es gehört zusammen, ist verbunden und verwoben". 

Christlicher Netzfeminismus

Vikarin Maike Schöfer sagt: "Social Media kann Machtverhältnisse umdrehen."
Vikarin Maike Schöfer sagt: "Social Media kann Machtverhältnisse umdrehen." © Screenshot: Nordkirche

"Nein und Amen – Christlicher Netzfeminismus" war das Thema von Maike Schöfer. Die Vikarin und ehemalige Religionslehrerin aus Potsdam ist seit zwei Jahren auf Instagram aktiv. Warum? "Ich habe mich am Anfang meiner Arbeit sehr allein gefühlt", sagt sie. Junge, weibliche Identifikationsfiguren sind in der christlichen Kirche rar gesät, Männerbünde dagegen eher nicht. Das Problem: Es fehlt oft an Stimmen, die eine andere als die weiße, heterosexuellen Perspektive einnehmen.

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation

Die Folge: Eine männliche Interpretation der Bibel ist immer noch allgegenwärtig. Ein Beispiel lieferte sie gleich mit: Die Schöpfungsgeschichte wird oft so ausgelegt, dass Eva die Gehilfin Adams ist, ihm also nicht gleich-, sondern nachgestellt ist. "Dabei lassen biblische Texte immer verschiedene Lesarten zu, nicht nur die eine, die vielleicht andere niedermacht", sagt Schöfer.

Social Media dreht Machtverhältnisse um

Seit sie auf Instagram für eine feministische Sichtweise wirbt und dort auch bewusst Provokation als Impuls- und Kommunikationsmittel einsetzt, hat sie viel Zuspruch erfahren. Ihre These: Social Media hilft nicht nur, sich über Ländergrenzen hinweg zu verbinden. Social Media hat auch die nötige Dynamik, um Machtverhältnisse umzudrehen – und so Vielfalt möglich zu machen.

"Ich schreibe für die Verletzten und Unsicheren. Denn Gott liebt alle Menschen", sagt sie. Dass sie dabei auch auf Hass stoße, will sie nicht verhehlen. Ihr Ansatz sei es jedoch, immer auf einem "freundlichen, energischem Diskussionslevel" für ihre Sache einzustehen. Sie ist sicher: Es gibt viele Menschen, die eine feministische Sichtweise begrüßen (auch weiße Männer) – "doch die sind mir noch zu leise."

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