Donnerstag, 19.2.2026

Journal zur Landessynode im Februar 2026, Tag 1

Blick von der Präsidiumsempore in den Tagungssaal der Landessynode.
Blick von der Präsidiumsempore in den Tagungssaal der Landessynode.© Thomas Lorenzen, Nordkirche

19. Februar 2026 von Simone Viere, Maren Warnecke, Antje Wendt, Claudia Ebeling

Vom 19. bis zum 21. Februar 2026 kommt die III. Landessynode der Nordkirche zu ihrer 4. Tagung in Lübeck-Travemünde zusammen. In unserem Synoden-Journal berichten wir über Schwerpunkte und Hintergründe.

Die Sitzung der  Landessynode im Livestream auf dem Portal der Landessynode übertragen.  

Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Berichte zum Kirchlichen Entwicklungsdienst und zum Nordkirchen-Energiewerk sowie der Klimaschutzbericht für 2023/2024. Am ersten Sitzungstag ist ein Workshop unter dem Titel „Argumentieren gegen rechte Parolen“ geplant.

Neben der Haushaltsberatung 2026/2027 wird sich das Kirchenparlament auch mit vier Kirchengesetzen befassen. Bischöfin Nora Steen wird ihren Bericht aus dem Sprengel Schleswig und Holstein halten.

Das Präsidium besteht aus zwei Frauen und einem Mann
Das Präsidium der Nordkirche mit Elke König (Vizepräses), Anja Fährmann (Präses) und Friedemann Magaard (Vizepräses) (von Links)© Thomas Lorenzen, Nordkirche

Demokratie stärken: „Argumentieren gegen rechte Parolen“

Am heutigen Donnerstagabend machen die Synodalen einen Workshop zum Thema „Argumentieren gegen rechte Parolen“. Dabei geht es um Haltung, Sprache und Strategien, wie man im Alltag laut werdendem Hass und Hetze entgegengetreten kann. In Kleingruppen üben die Synodalen gemeinsam mit dem Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Lübeck (RBT) konkrete Gesprächssituationen und Argumentationen. Ein Interview mit den Referenten des heutigen abends lesen Sie hier: Widerspruch statt Ohnmachtsfalle – So kann ich Rechtsextremismus im Alltag begegnen

Präses Anja Fährmann.© Thomas Lorenzen

Mehr zum Thema Demokratie stärken und als Kirche Haltung zeigen auf unserer Themenseite

"Jede und jeder von uns ist eine kleine Demokratiezelle. In Vereinen, am Küchentisch, auf dem Schulhof: Wenn es in eine falsche Richtung geht, müssen wir widersprechen. Laut und verständlich. Das ist unbequem, aber unsere Pflicht.", so unsere Präses Anja Fährmann in einem Interview im Vorfeld der Synode. Den Text in voller Länge finden Sie hier.

Die Tagung beginnt mit einem geistlichen Wort von Präses Anja Fährmann und Pastor Julius Jordan zum Thema "Ebenbild.Punkt".

"Ein Satz aus der Bibel, ganz am Anfang, Genesis 1,27: 'Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild.' Dem horchen wir nach."

Präses Anja Fährmann und Pastor Julius Jordan haben ihr geistliches Wort unter den Titel "Ebenbild.Punkt." gestellt.© Thomas Lorenzen, Nordkirche

Gebet: 

Gott, 
du hast uns als dein Ebenbild geschaffen. 
Hilf uns, dass heute und morgen nicht zu vergessen – 
weder bei uns selbst noch bei den anderen. 
Schenk uns einen Umgang, 
der klar in der Sache ist 
aber auch fair im Ton. 
Mutig im Streit 
und achtsam im Miteinander. 
Mach diese Synodentagung zu einem Raum, 
in dem Würde spürbar bleibt  – 
auch wenn es kontrovers wird. 
Gehen wir hinein in diese Tage 
mit Respekt, Offenheit 
und der Erinnerung:  
Ebenbild. Punkt. 
Gott begleite unser Reden, Hören und Entscheiden. Amen. 

Unser neuer Jahresbericht ist online!

www.nordkirche.de/jahresbericht 

"In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?" Mit dieser Frage gibt Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt im Editorial des neuen Jahresberichts 2024/25 der Nordkirche den Tenor der aktuellen Ausgabe vor: Es geht um die klare christliche Haltung gegenüber Hass, Ausgrenzung, Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit. Kirche kann hier nicht neutral bleiben – und deshalb ist christliches Handeln immer auch politisch.

Zu diesem Thema soll Ihnen das FAQ  (Frequently Asked Questions) „Nordkirche & extremistische Parteien“ eine strukturierte  Zusammenfassung der wichtigsten Fragen und Antworten  bieten.  Lesenswert ist auch das Interview mit Pastor Sönke Lorberg-Fehring, Beauftragter für den Christlich-Islamischen Dialog der Nordkirche und Referent im Ökumenewerk, zu Strategien rechter und rechtsextremer Akteur:innen, deren Einfluss auf Theologie und Kirche und wie Gemeinden unterstützt werden können, Widerstand zu leisten. 

Außerdem bietet der Jahresbericht 2024/25 eine aktuelle Übersicht zu Zahlen, Strukturen und Gremien der Nordkirche. Mehr als einen Blick lohnt auch das Wimmelbild zur Vielfalt kirchlichen Lebens zwischen Sylt und Stralsund.  

Und wenn Sie einen ersten Überblick zu den überregional spannenden Terminen und Veranstaltungen in der Nordkirche 2026 benötigen: Der Jahreskalender „Termine der Nordkirche“ am Ende des Jahresberichts gibt eine gute Orientierung. Den Kalender können Sie übrigens auch kostenfrei und datenschutzkonform abonnieren: https://calovo.de/c/termine-der-nordkirche   

Die Synode beschäftigt sich heute tagsüber vor allem mit Kirchengesetzen. Dabei geht es um dienstrechtliche Vorschriften für Pastorinnen und Pastoren, um die MItglieder für Kirchengemeinderäte, um Stiftungswesen und dem Kirchengesetz zur Beendigung der Kirchengrundsteuererhebung.

Eine Frau steht in einem Plenum am Mikrofon und äußert sich
Nora Steen, Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein, äußert sich dazu, ob Pastorinnen und Pastoren verpflichtend regelmäßig Predigtaufträge übernehmen sollten. © Thomas Lorenzen, Nordkirche

Mehr zu den Losungen: www.losungen.de

Nach einem intensiven Austausch zum Gesetzestext zur Änderung dienstrechtlicher Vorschriften nehmen Malte Limberg und Eike Isaak Rethmeier die Landessynodalen mit der heutigen Tageslosung und einem Innehalten mit in die Mittagspause:

Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten. Psalm 66,8-9

Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Römer 15,5-6

Eine Handglocke am Rand einer Bühne
Eine Handglocke am Rande der Landessynode läutet den Ablauf ein. © Thomas Lorenzen, Nordkirche

 

Verpflichtung zum regelmäßigen Predigtauftrag

Die Tagung widmet sich nach der Mittagspause weiterhin in erster Lesung dem Kirchengesetz zur Änderung dienstrechtlicher Vorschriften. Mit der vorgeschlagenen Änderung soll auch eine Vorschrift eingeführt werden, nach der Pastorinnen und Pastoren auf allgemeinkirchlichen Pfarrstellen – die ihren Dienst also nicht in der Gemeinde versehen – verpflichtend einem regelmäßigen Predigtauftrag nachkommen sollen. Damit soll u.a. eine Entlastung der Gemeindepastorinnen und Gemeindepastoren ermöglicht werden.

Dieser Punkt des Gesetzentwurfes wird nach intensivem Austausch auf die Synode im September vertagt, während die anderen Artikel beschlossen werden konnten. 

Ein Mann steht am Rednerpult und spricht in ein Mikro.
Der Synodale Arne Gattermann stellt das "Berufungserprobungsgesetz" vor und bringt dabei auch seine eigenen Erfahrungen ein. © Thomas Lorenzen, Nordkirche

Mehr Flexibilität in den Kirchengemeinderäten 

Mit dem "Berufungserprobungsgesetz" soll eine gewisse Flexibilität bei der Berufung von zusätzlichen Mitgliedern in den Kirchengemeinderat geschaffen werden. Die Idee: Kirchengemeinderäte können während der laufenden Amtszeit bis zu zwei weitere Gemeindeglieder mit Sitz und Stimme in den Kirchengemeinderat berufen. So erleben Interessierte real, wie Kirchengemeinderatsarbeit funktioniert, die Einstiegshürde sinkt und die Übergänge zum  Start einer neuen Amtszeit können besser gestaltet werden.

Wissen geht, so die Hoffnung, weniger verloren und Kontinuität bleibt erhalten. Und es eröffnen sich Chancen für Menschen, die bisher in Gremien unterrepräsentiert sind. Dieses Gesetz soll den Rahmen für eine zeitliche begrenzte Erprobungsphase und einer anschließenden Auswertung bilden. Die zweite Lesung des Gesetzes wird am Sonnabend stattfinden. 

Erhobenen Hände bei einer Abstimmung
Mit dem Kartenzeichen signalisieren die Synodalen ihre Zustimmung. © Thomas Lorenzen, Nordkirche

Bericht zum Kirchlichen Entwicklungsdienst

Beauftragter Björn Begas fragt: „Wer muss sich denn entwickeln?“

„Zuallererst müssen wir selbst uns entwickeln“, betont Pastor Björn Begas, Beauftragter für den Kirchlichen Entwicklungsdienst (KED), in seinem Bericht vor der Synode. Er erläutert: „Weil wir verwickelt sind – in ein ungerechtes globales Wirtschaftssystem, in koloniale Kontinuitäten, in unseren – oft unbewussten – Vorurteilen. In diesen Bildern, die wir haben.“ 

Pastor Björn Begas berichtet über die Arbeit des Kirchlichen Entwicklungsdienstes (KED).© Thomas Lorenzen, Nordkirche

Hintergrund: Der Kirchliche Entwicklungsdienst der Nordkirche 

Die Nordkirche fördert über den Kirchlichen Entwicklungsdienst Projekte in Asien, Afrika und Lateinamerika, um einen Beitrag zu mehr globaler Gerechtigkeit zu leisten. Gleichzeitig möchte die Kirche ein kritisches Verständnis fördern für die globalen ökonomischen, sozialen, politischen und ökologischen Einflüsse, die das Leben in Deutschland prägen. 

Deswegen unterstützt er Bildungsangebote mit dem Ziel, die Verflochtenheit des eigenen Lebens mit dem anderer Menschen in aller Welt zu begreifen. Es werden Fähigkeiten, Einstellungen und Werte vermittelt, um gemeinsam mit anderen gesellschaftliche Veränderungen hier und weltweit herbeizuführen. Dafür erhält der Kirchliche Entwicklungsdienst ein Budget von drei Prozent des Kirchensteueraufkommens. 

Die Themen, die der KED bearbeite, seien nicht neu: Globale Gerechtigkeit, Frieden, Menschenrechte, Bewahrung der Mitwelt. Neu seien die politische Weltlage und auch die Situation unserer Kirche. Aber: „Das darf uns nicht lähmen. Jedes einzelne KED-Projekt zeigt: Wir können etwas tun.“  

Die Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt hat gute Neuigkeiten für die Synode.© Thomas Lorenzen, Nordkirche

Mehr Vikare und Vikarinnen für die Nordkirche

Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, hat gute Nachrichten für die Synode im Gepäck: Der Ausbildungsausschuss hat beschlossen, dass statt 20 Vikarinnen und Vikaren im nächsten Kurs im April 25 junge Menschen starten werden. Auch für den kommenden Kurs im Herbst gebe es viele Bewerbungen.

Yared Dibaba, Landessynodaler und Moderator, begleitet durch den Abend zum Thema "Argumentieren gegen rechte Parolen".© Thomas Lorenzen, Nordkirche

Synodale üben Strategien gegen Hass und Hetze im Alltag

Nach der Abendbrotpause erwartet die Synodalen ein Impuls und Kleingruppen-Übungen zum Thema "Argumentieren gegen rechte Parolen“, mit dem RBT Lübeck (Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus). "Hass und Hetze nehemen viel Raum ein in der heutigen Zeit", sagt Yared Dibaba im Vorfeld der Übung. Selbst er erlebe manchmal Situationen, in denen er sprachlos sei. Mit Hilfe von zwei Experten werde die Synode gestärkt und schlagfertig zu werden. Empowernd, inspirierend und stärkend".

Präses Anja Fährmann (Mitte) mit Bischöfin Kirsten Fehrs (links), Diana Freyer und weiteren Synodenmitgliedern im Gespräch.

„Die Landessynode ist die größte demokratische Kontaktfläche der Nordkirche. Hier treffen die unterschiedlichsten Lebenswirklichkeiten aufeinander. In der Zeit, in der wir leben, wollen wir als Präsidium diese Fläche, diesen Raum nutzen: nicht nur, um christliche und demokratische Werte auf unseren Tagungen zu leben, sondern auch, um Menschen zu stärken, für diese Werte immer wieder einzutreten. Dann, wenn es schwer wird – nämlich außerhalb der eigenen ‚Bubble‘“, erklärt auch die Präses der Landessynode, Anja Fährmann.

Trotz fortgeschrittener Stunde und intensivem Sitzungstag kommt in den Diskussionen auch in dieser Gruppe keine Müdigkeit auf.© Thomas Lorenzen, Nordkirche

Buchtipp: Kirche gegen den Hass 

Mit dem alltäglichen Rechtsextremismus umgehen. Theologische und praktische Ansätze für Gemeinden , von Bettina Schlauraff (Hg.), Sönke Lorberg-Fehring (Hg.) 

Neukirchener Verlag  

Teil 1: Rechtsextremismus und Kirche 

Teil 2: Predigten und Andachten, unter anderem von Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche und Ratsvorsitzende der EKD, und Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Nordkirche. 

Teil 3: Aktionen und Veranstaltungen, Methoden und Formate für Gemeinden und Menschen vor Ort. 

Interview mit Sönke Lorberg-Fehring hier

„Deshalb werden wir in unserer Legislatur immer wieder Gäste einladen, um uns gemeinsam stark zu machen. Bei dieser Tagung lernen wir mit dem Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus (der AWO Schleswig-Holstein) Strategien, wie wir rechtsextremen Parolen und Ideologien im Alltag etwas entgegensetzen können: sprachfähig werden, um die Stimme zu erheben – in unserer Verantwortung als Christinnen und Christen, als kleine Demokratiezellen in dieser Welt, in der die Fliehkräfte an uns allen zerren.“

Ein Interview mit den Referenten des heutigen abends lesen Sie hier: Widerspruch statt Ohnmachtsfalle – So kann ich Rechtsextremismus im Alltag begegnen

Stimmen aus der Synode zum Workshop

Dr. Christiane Eberlein - Riemke

Am Anfang fühlte man sich hilflos. Aber mit der Zeit, mit Vertrauen und Unterstützung, ging es in eine sinnvolle Richtung. Oft genügen einfache Schritte: nachfragen, das Gespräch auf die Sachebene zurückholen. So löste sich die anfängliche Hilflosigkeit Stück für Stück auf. Wichtig ist: nicht verzweifeln, sondern einfach anfangen.

 

Leonore Adina Gerber

Ich habe gelernt, dass man nicht alleine ist. Es ist wichtig, aufzustehen, ein Zeichen zu setzen und sich umzuschauen: da sind noch viele Menschen, die genauso denken. Sich klar positionieren, damit andere den Mut finden, es auch zu tun. Blickkontakt zu halten ist super wichtig – gerade in Sitzungen hilft es, Verbindung zu anderen zu suchen. Das ist entscheidend.

Die Synodalen beim Workshop im Gespräch.© Thomas Lorenzen, Nordkirche

Vera Langmaack

Mir ist aufgefallen, dass Argumente heute auf einem viel höheren Niveau geführt werden. Das verlangt, dass wir selbst sprachfähig sind und Haltung zeigen – nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegenüber marginalisierten Gruppen allgemein.

 

Moritz Münster

Wir haben uns gefragt: Setze ich mich der Diskussion überhaupt aus? Hat es einen Effekt, was ich sage, oder riskiere ich nur, mich angreifbar zu machen. Ich habe erkannt, wie wichtig es ist, die eigene Haltung bewusst zu zeigen und nach außen zu kommunizieren. Meine Haltung hat sich nicht verändert, aber ich muss sie bewusster transportieren.

In Kleingruppen wird angeregt diskutiert.© Thomas Lorenzen, Nordkirche

Hintergrund: Was ist die Landessynode

Die Landessynode ist das verfasste Leitungsgremium der Nordkirche und besteht aus 156 stimmberechtigten Mitgliedern, dazu kommen acht Delegierte mit Rede- und Antragsrecht. Die Vertreterinnen und Vertreter der Nordschleswigschen Gemeinde in Dänemark und die Jugenddelegierten haben kein Stimmrecht. Ende 2024 hatte die Nordkirche 1.646.039 Mitglieder in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Einige Gemeinden liegen auch in Brandenburg.

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