Journal zur Landessynode im Februar 2026, Tag 1
19. Februar 2026
Vom 19. bis zum 21. Februar 2026 kommt die III. Landessynode der Nordkirche zu ihrer 4. Tagung in Lübeck-Travemünde zusammen. In unserem Synoden-Journal berichten wir über Schwerpunkte und Hintergründe.
Die Sitzung der Landessynode im Livestream auf dem Portal der Landessynode übertragen.
Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Berichte zum Kirchlichen Entwicklungsdienst und zum Nordkirchen-Energiewerk sowie der Klimaschutzbericht für 2023/2024. Am ersten Sitzungstag ist ein Workshop unter dem Titel „Argumentieren gegen rechte Parolen“ geplant.
Neben der Haushaltsberatung 2026/2027 wird sich das Kirchenparlament auch mit vier Kirchengesetzen befassen. Bischöfin Nora Steen wird ihren Bericht aus dem Sprengel Schleswig und Holstein halten.

Demokratie stärken: „Argumentieren gegen rechte Parolen“
Am heutigen Donnerstagabend machen die Synodalen einen Workshop zum Thema „Argumentieren gegen rechte Parolen“. Dabei geht es um Haltung, Sprache und Strategien, wie man im Alltag laut werdendem Hass und Hetze entgegengetreten kann. In Kleingruppen üben die Synodalen gemeinsam mit dem Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Lübeck (RBT) konkrete Gesprächssituationen und Argumentationen. Ein Interview mit den Referenten des heutigen abends lesen Sie hier: Widerspruch statt Ohnmachtsfalle – So kann ich Rechtsextremismus im Alltag begegnen

Mehr zum Thema Demokratie stärken und als Kirche Haltung zeigen auf unserer Themenseite
"Jede und jeder von uns ist eine kleine Demokratiezelle. In Vereinen, am Küchentisch, auf dem Schulhof: Wenn es in eine falsche Richtung geht, müssen wir widersprechen. Laut und verständlich. Das ist unbequem, aber unsere Pflicht.", so unsere Präses Anja Fährmann in einem Interview im Vorfeld der Synode. Den Text in voller Länge finden Sie hier.
Die Tagung beginnt mit einem geistlichen Wort von Präses Anja Fährmann und Pastor Julius Jordan zum Thema "Ebenbild.Punkt".
"Ein Satz aus der Bibel, ganz am Anfang, Genesis 1,27: 'Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild.' Dem horchen wir nach."

Gebet:
Gott,
du hast uns als dein Ebenbild geschaffen.
Hilf uns, dass heute und morgen nicht zu vergessen –
weder bei uns selbst noch bei den anderen.
Schenk uns einen Umgang,
der klar in der Sache ist
aber auch fair im Ton.
Mutig im Streit
und achtsam im Miteinander.
Mach diese Synodentagung zu einem Raum,
in dem Würde spürbar bleibt –
auch wenn es kontrovers wird.
Gehen wir hinein in diese Tage
mit Respekt, Offenheit
und der Erinnerung:
Ebenbild. Punkt.
Gott begleite unser Reden, Hören und Entscheiden. Amen.
Die Synode beschäftigt sich heute tagsüber vor allem mit Kirchengesetzen. Dabei geht es um dienstrechtliche Vorschriften für Pastorinnen und Pastoren, um die MItglieder für Kirchengemeinderäte, um Stiftungswesen und dem Kirchengesetz zur Beendigung der Kirchengrundsteuererhebung.

Mehr zu den Losungen: www.losungen.de
Nach einem intensiven Austausch zum Gesetzestext zur Änderung dienstrechtlicher Vorschriften nehmen Malte Limberg und Eike Isaak Rethmeier die Landessynodalen mit der heutigen Tageslosung und einem Innehalten mit in die Mittagspause:
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten. Psalm 66,8-9
Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Römer 15,5-6

Verpflichtung zum regelmäßigen Predigtauftrag
Die Tagung widmet sich nach der Mittagspause weiterhin in erster Lesung dem Kirchengesetz zur Änderung dienstrechtlicher Vorschriften. Mit der vorgeschlagenen Änderung soll auch eine Vorschrift eingeführt werden, nach der Pastorinnen und Pastoren auf allgemeinkirchlichen Pfarrstellen – die ihren Dienst also nicht in der Gemeinde versehen – verpflichtend einem regelmäßigen Predigtauftrag nachkommen sollen. Damit soll u.a. eine Entlastung der Gemeindepastorinnen und Gemeindepastoren ermöglicht werden.
Dieser Punkt des Gesetzentwurfes wird nach intensivem Austausch auf die Synode im September vertagt, während die anderen Artikel beschlossen werden konnten.

Mehr Flexibilität in den Kirchengemeinderäten
Mit dem "Berufungserprobungsgesetz" soll eine gewisse Flexibilität bei der Berufung von zusätzlichen Mitgliedern in den Kirchengemeinderat geschaffen werden. Die Idee: Kirchengemeinderäte können während der laufenden Amtszeit bis zu zwei weitere Gemeindeglieder mit Sitz und Stimme in den Kirchengemeinderat berufen. So erleben Interessierte real, wie Kirchengemeinderatsarbeit funktioniert, die Einstiegshürde sinkt und die Übergänge zum Start einer neuen Amtszeit können besser gestaltet werden.
Wissen geht, so die Hoffnung, weniger verloren und Kontinuität bleibt erhalten. Und es eröffnen sich Chancen für Menschen, die bisher in Gremien unterrepräsentiert sind. Dieses Gesetz soll den Rahmen für eine zeitliche begrenzte Erprobungsphase und einer anschließenden Auswertung bilden. Die zweite Lesung des Gesetzes wird am Sonnabend stattfinden.

Bericht zum Kirchlichen Entwicklungsdienst
Beauftragter Björn Begas fragt: „Wer muss sich denn entwickeln?“
„Zuallererst müssen wir selbst uns entwickeln“, betont Pastor Björn Begas, Beauftragter für den Kirchlichen Entwicklungsdienst (KED), in seinem Bericht vor der Synode. Er erläutert: „Weil wir verwickelt sind – in ein ungerechtes globales Wirtschaftssystem, in koloniale Kontinuitäten, in unseren – oft unbewussten – Vorurteilen. In diesen Bildern, die wir haben.“

Die Themen, die der KED bearbeite, seien nicht neu: Globale Gerechtigkeit, Frieden, Menschenrechte, Bewahrung der Mitwelt. Neu seien die politische Weltlage und auch die Situation unserer Kirche. Aber: „Das darf uns nicht lähmen. Jedes einzelne KED-Projekt zeigt: Wir können etwas tun.“

Mehr Vikare und Vikarinnen für die Nordkirche
Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, hat gute Nachrichten für die Synode im Gepäck: Der Ausbildungsausschuss hat beschlossen, dass statt 20 Vikarinnen und Vikaren im nächsten Kurs im April 25 junge Menschen starten werden. Auch für den kommenden Kurs im Herbst gebe es viele Bewerbungen.

Synodale üben Strategien gegen Hass und Hetze im Alltag
Nach der Abendbrotpause erwartet die Synodalen ein Impuls und Kleingruppen-Übungen zum Thema "Argumentieren gegen rechte Parolen“, mit dem RBT Lübeck (Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus). "Hass und Hetze nehemen viel Raum ein in der heutigen Zeit", sagt Yared Dibaba im Vorfeld der Übung. Selbst er erlebe manchmal Situationen, in denen er sprachlos sei. Mit Hilfe von zwei Experten werde die Synode gestärkt und schlagfertig zu werden. Empowernd, inspirierend und stärkend".

„Die Landessynode ist die größte demokratische Kontaktfläche der Nordkirche. Hier treffen die unterschiedlichsten Lebenswirklichkeiten aufeinander. In der Zeit, in der wir leben, wollen wir als Präsidium diese Fläche, diesen Raum nutzen: nicht nur, um christliche und demokratische Werte auf unseren Tagungen zu leben, sondern auch, um Menschen zu stärken, für diese Werte immer wieder einzutreten. Dann, wenn es schwer wird – nämlich außerhalb der eigenen ‚Bubble‘“, erklärt auch die Präses der Landessynode, Anja Fährmann.

„Deshalb werden wir in unserer Legislatur immer wieder Gäste einladen, um uns gemeinsam stark zu machen. Bei dieser Tagung lernen wir mit dem Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus (der AWO Schleswig-Holstein) Strategien, wie wir rechtsextremen Parolen und Ideologien im Alltag etwas entgegensetzen können: sprachfähig werden, um die Stimme zu erheben – in unserer Verantwortung als Christinnen und Christen, als kleine Demokratiezellen in dieser Welt, in der die Fliehkräfte an uns allen zerren.“
Ein Interview mit den Referenten des heutigen abends lesen Sie hier: Widerspruch statt Ohnmachtsfalle – So kann ich Rechtsextremismus im Alltag begegnen
Stimmen aus der Synode zum Workshop
Dr. Christiane Eberlein - Riemke
Am Anfang fühlte man sich hilflos. Aber mit der Zeit, mit Vertrauen und Unterstützung, ging es in eine sinnvolle Richtung. Oft genügen einfache Schritte: nachfragen, das Gespräch auf die Sachebene zurückholen. So löste sich die anfängliche Hilflosigkeit Stück für Stück auf. Wichtig ist: nicht verzweifeln, sondern einfach anfangen.
Ich habe gelernt, dass man nicht alleine ist. Es ist wichtig, aufzustehen, ein Zeichen zu setzen und sich umzuschauen: da sind noch viele Menschen, die genauso denken. Sich klar positionieren, damit andere den Mut finden, es auch zu tun. Blickkontakt zu halten ist super wichtig – gerade in Sitzungen hilft es, Verbindung zu anderen zu suchen. Das ist entscheidend.

Mir ist aufgefallen, dass Argumente heute auf einem viel höheren Niveau geführt werden. Das verlangt, dass wir selbst sprachfähig sind und Haltung zeigen – nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegenüber marginalisierten Gruppen allgemein.
Wir haben uns gefragt: Setze ich mich der Diskussion überhaupt aus? Hat es einen Effekt, was ich sage, oder riskiere ich nur, mich angreifbar zu machen. Ich habe erkannt, wie wichtig es ist, die eigene Haltung bewusst zu zeigen und nach außen zu kommunizieren. Meine Haltung hat sich nicht verändert, aber ich muss sie bewusster transportieren.

