Taufengel in Döbbersen bald wieder im Einsatz

Der Taufengel der Dorfkirche Döbbersen ist restauriert und soll den Täuflingen bald wieder Kraft und Segen spenden.
Der Taufengel der Dorfkirche Döbbersen ist restauriert und soll den Täuflingen bald wieder Kraft und Segen spenden. © epd

21. Januar 2022 von Anne-Dorle Hoffgaard

Der etwa 300 Jahre alte Taufengel der Dorfkirche in Döbbersen soll bald wieder im Altarraum schweben und für Taufen genutzt werden. Noch hängt er in einer Restaurierungswerkstatt und wird für die nächsten Jahrzehnte fein gemacht.

Jahrzehnte lang hing der Taufengel ganz oben im Altar-Gewölbe der evangelischen Dorfkirche Döbbersen (Kreis Ludwigslust-Parchim). „Ich hatte immer ein ungutes Gefühl, unter den Engel zu laufen, weil er seit vielen, vielen Jahren nun unbewegt und unbeachtet im Chorraum über unseren Köpfen hing“, sagt Cornelius Wergin (35), der seit knapp vier Jahren Gemeindepastor in Döbbersen ist.

Der Engel als Sicherheitsrisiko? 

Viele Details wie die Posaune und Finger seien über die Jahre hinweg Stück für Stück verloren gegangen. „Wird er eines Tages herunterfallen?“ habe er sich gefragt. „Einige Gemeindemitglieder sprachen mich darauf an, ob wir den Taufengel nicht wieder restaurieren und für Taufen benutzen könnten.“ So sei das etwa 31.000 Euro teure Restaurierungsprojekt in Gang gekommen.

Taufen in der Nordkirche für Kinderfür Erwachsene

Seit Februar 2020 befindet sich der im frühen 18. Jahrhundert aus Lindenholz geschnitzte Taufengel in einer Schweriner Restaurierungswerkstatt. Wann genau er an seinen angestammten Platz zurückkehrt, stehe noch nicht fest, so Pastor Wergin. So müsse die Art der Aufhängung noch geklärt werden. „Wir wünschen uns aber die Fertigstellung in diesem Frühjahr.“ Die Tauffamilien könnten dann wählen, ob sie ihren Täufling am Engel oder am achteckigen Granit-Taufstein aus dem 13. Jahrhundert taufen lassen wollen.

Mit neuer Posaune und Taufschale ausgestattet 

Stark verschmutzt, vom Holzwurm befallen, mit vielen Fehlstellen sowie einer mumifizierten Fledermaus auf dem Strahlenkranz über der Taube – so kam der etwa 1,60 Meter große Taufengel in die Werkstatt von Mandy Breiholdt-Jescheniak und Annette Voss. Inzwischen haben die beiden Restauratorinnen den Holzwurmbefall gestoppt, Holz und Farbfassung gefestigt sowie einige Retuschen und Ergänzungen vorgenommen, darunter eine neu gedrechselte Posaune. Im Lorbeerkranz der rechten Hand soll künftig – als Dauerleihgabe – eine passende Messing-Taufschale aus der Kirche Uelitz (bei Schwerin) liegen.

Die Kirche in Döbbersen wird dann wieder ein besonderes Ausstattungsstück haben. Denn während sich Taufengel im 18. Jahrhundert als ein typisch protestantisches Taufgerät in den kirchlichen Altarräumen eingebürgert hatten, verschwanden viele Figuren im 19. Jahrhundert wieder aus den Kirchen. „Die Achtung für die Kunst des Barock war gegen Ende des 19. Jahrhunderts generell nicht hoch“, sagt Antje Heling-Grewolls, Referentin für Kunst- und Kulturgut der Nordkirche.

Wertschätzung der Taufengel steigt 

Erst seit den 1990er Jahren würden Taufengel wieder mehr geschätzt, restauriert und aufgehängt, erläutert Heling-Grewolls. In Vorpommern gebe es heute noch etwa 34 und in Mecklenburg 32 Taufengel, darunter auch knieende Figuren in Alt Schönau bei Waren/Müritz und in Groß Markow bei Teterow. Für Hamburg und Schleswig-Holstein wurden 71 Taufengel gezählt. Der älteste datierte Taufengel in der Nordkirche ist eine knieende Figur aus dem Jahr 1642 in der Schlosskapelle Glücksburg, das älteste hängende Exemplar ist der in Gudow von 1692.

Auch der Taufengel von Döbbersen wird offensichtlich geschätzt. „Ich mag seinen Gesichtsausdruck“, sagt Restauratorin Mandy Breiholdt-Jescheniak. Der Engel habe „so eine Melancholie im Gesicht. Das finde ich ganz schön.“ Auch sei die Körperdrehung der Figur gut umgesetzt worden. Wie der Engel die Hüfte etwas zur Seite dreht, „das hat so einen Schwung. Das ist schon eine große künstlerische Leistung.“

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