Friedensdekade

Unterwegs im Zeichen der Friedenstaube

Diakon Lars Sörensen hat die Holztaube gefertigt: Sie ist zugleich Erkennungszeichen und Hoffnungssymbol in der Friedensdekade.
Diakon Lars Sörensen hat die Holztaube gefertigt: Sie ist zugleich Erkennungszeichen und Hoffnungssymbol in der Friedensdekade. © Bastian Modrow, Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg

04. November 2026

Frieden – was bedeutet er mir? Und wie kann ich dazu beitragen, Frieden zu stiften? Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg hat mehrere Veranstaltungen organisiert, die dieser Frage nachgehen. Von Requiem bis Techno-Gottesdienst. Verbunden sind sie alle durch das Symbol der Taube.

Zweimal ist ihm der Ölzweig abgebrochen. Ausgerechnet der Ölzweig, den die Friedenstaube im Schnabel trägt. „Das Design der Taube auf Holz zu übertragen, war eine gewisse Herausforderung“, erzählt Diakon Lars Sörensen. Vor allem die filigranen Teile hätten ihm einiges an Geduld abverlangt.

Selig sind die, die Frieden stiften

Inzwischen sitzt der Zweig fest. Die rund einen Meter große Friedenstaube aus Holz ist bereit für ihre Reise durch den Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. Vom 7. bis 18. November 2026 wird sie die Ökumenische Friedensdekade begleiten, an der sich zwölf Kirchengemeinden beteiligen.

Unter dem Motto „Selig sind, die Frieden stiften“ stehen Gottesdienste, Friedensgebete und Gespräche auf dem Programm. Die Veranstaltungen greifen unterschiedliche Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu auf und verbinden sie mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Es geht um Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und den Umgang miteinander, aber auch um Krieg, Flucht und die Verantwortung für andere Menschen.

"Lassen Sie uns mitfühlend sein" 

„Gottes Frieden wächst dort, wo Menschen mutig handeln und Unrecht benennen“, sagt Anne Freudenberg-Klopp, Leiterin der Dienste und Werke des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. Für sie bedeutet Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es gehe auch darum, Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht allein zu lassen und gesellschaftliche Missstände anzusprechen. „Lassen Sie uns gemeinsam mutig und mitfühlend sein. Denn ohne Mitgefühl bleibt jeder Friedensruf leer.“

Die Kirchengemeinden haben sich für die Friedensdekade mit den Diensten und Werken des Kirchenkreises zusammengeschlossen. Mitarbeitende aus der Krankenhaus- und Telefonseelsorge, der Schuldnerberatung, der Jugendarbeit, dem Frauenwerk und der Flüchtlingsarbeit bringen ihre Erfahrungen ein. Dabei geht es auch um Generationengerechtigkeit, psychische Gesundheit und den interreligiösen Dialog.

Angebote für verschiedene Geschmäcker 

Wie unterschiedlich die Auseinandersetzung mit dem Thema Frieden aussehen kann, zeigt bereits der Auftakt: Am Sonnabend, 7. November 2026, beginnt die Friedensdekade mit einer Technomesse in der Maria-Magdalenen-Kirche in Lauenburg.

Einen Tag später wird in der Martin-Luther-Kirche in Wentorf ein Gottesdienst gefeiert, an dem unter anderem Menschen aus der Schuldnerberatung, der Jugendarbeit und der Sozialstation mitwirken. Am 9. November erinnert ein Friedensgebet in Lübeck-Kücknitz an die Reichspogromnacht von 1938.

Erinnerung an die Toten 

Weitere Veranstaltungen beschäftigen sich mit Trauer, Krankenhausseelsorge und der Frage, wie unterschiedliche Generationen gerecht miteinander leben können.

Den Abschluss bildet am Buß- und Bettag, 18. November, ein „Requiem für die Toten an den EU-Außengrenzen“ in St. Jakobi in Lübeck. Die Veranstaltung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Theater Lübeck, der Seenotrettungsorganisation Sea Eye und weiteren Partnern. Sie erinnert an Menschen, die auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind.

Taube ist verbindendes Element

Ein sichtbares Zeichen wird alle zwölf Veranstaltungen miteinander verbinden: die von Diakon Lars Sörensen gebaute Friedenstaube. 

Neben der Holztaube gibt es eine weitere Möglichkeit, den Friedensgedanken über die Veranstaltungen hinauszutragen. „Es wird bei den Veranstaltungen auch Postkarten geben, auf die Besuchende persönliche Friedensbotschaften schreiben und versenden können“, sagt Anne Freudenberg-Klopp. Die Idee: Wer eine Friedensbotschaft verschickt, erreicht damit Menschen, die selbst nicht an der Friedensdekade teilnehmen.

Hintergrund

Die Ökumenische Friedensdekade hat ihre Wurzeln in der kirchlichen Friedensbewegung der 1970er-Jahre. Seit 1980 wird sie in Deutschland begangen. Besonders in der DDR entwickelte sie sich zu einem wichtigen Ausdruck christlichen Engagements für Gewaltfreiheit und Abrüstung.

Das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde zum Erkennungszeichen einer Bewegung, die sich auch gegen staatliche Widerstände für den Frieden einsetzte. An diese Tradition knüpft die Friedensdekade im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg an. Zwölf Tage lang wird an unterschiedlichen Orten gebetet, diskutiert und an Menschen erinnert, die unter Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit leiden.

Die hölzerne Friedenstaube wird dabei von Gemeinde zu Gemeinde weitergegeben. 

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