Frieden

Jugendliche aus drei Ländern pilgern an der deutsch-dänischen Grenze

Die Gruppe bildet eine Menschenkette über die deutsch-dänische Grenze.
Die Gruppe bildet eine Menschenkette über die deutsch-dänische Grenze.© Hannah Reinhard, epd

12. August 2026 von Hannah Reinhard

Die "Peace Games" haben in diesem Jahr Jugendliche aus den USA, Südkorea und Deutschland in die Nordkirche eingeladen. Sie sprechen über Frieden, offene Grenzen und ihre Identitäten.

„Sind wir eigentlich gerade in Deutschland oder Dänemark?“ Keine Frage wird so häufig gestellt wie diese, an einem sonnigen Tag an der deutsch-dänischen Grenze. Eine Gruppe Jugendlicher aus Deutschland, den USA und Südkorea ist hier unterwegs - für viele der koreanischen und amerikanischen Teenager ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie eine offene Grenze zwischen zwei Ländern sehen.

Die 26 Jugendlichen nehmen an den „Peace Games“ teil, einer internationalen Jugendbewegung. Die Idee kommt aus der „Border Peace School“, die direkt an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea liegt.

Die beteiligten Gemeinden kommen in einem der drei Länder zusammen, für Frieden und Austausch. In diesem Jahr findet das Programm zum ersten Mal in Deutschland, auf dem Gebiet der Nordkirche, statt.

Pilgern für den Frieden

Los geht es für die Gruppe in einer Jugendherberge in Breklum, dann mit dem Bus nach Padborg und zu Fuß entlang der deutsch-dänischen Grenze. Sie machen eine Friedens-Pilgerwanderung.

Das Konzept sei in Südkorea weitverbreitet, erzählen sie, während sie durch Wälder, Wiesen und kleine Ortschaften spazieren. Die Jugendlichen begegnen Menschen, die spazieren gehen, Fahrrad fahren und Gassi gehen - Grenzzäune, Kontrollen und Grenzbeamte sind weit entfernt.

Angekommen an einem kleinen Grenzübergang mitten im Wald, machen die beiden Betreuer Katharina Lauszus und Thore Sell die Jugendlichen darauf aufmerksam, wo sie sich gerade befinden. Für die sieben Teenager aus der Nordkirche ist das keine Überraschung, für ihre koreanischen und amerikanischen Kolleginnen und Kollegen schon.

Weite statt Zäune: Bake am Ellenbogen-Strand, welche die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland markiert.© AdobeStock/Lightboxx

Grenzen ohne Mauern

„Wenn ich an eine Grenze denke, denke ich eigentlich an Soldaten, die eine Mauer bewachen“, erzählt mir Shin Hoo Ryu (16) aus New York, später. Er muss vor allem an die Grenze zwischen seinem Heimatland und Mexiko denken. Selbst gesehen habe er diese zwar noch nicht, aber er kenne die in den Medien sehr präsenten Bilder. „Ich glaube nicht, dass sich Menschen an der Grenze sicher fühlen. Hier ist das natürlich ganz anders“, sagt er.

Leicht erstaunt darüber, dass das möglich ist, bildet die Gruppe eine Menschenkette - Hand in Hand von Deutschland nach Dänemark. Niemand wird nach einem Ausweis oder Visum gefragt. Zum größten Hindernis wird ein Viehgitter auf dem kleinen Waldweg, in dem ein paar der Teenager stecken bleiben.

Aus dem Gitter befreit bekommen alle ein buntes Bändchen. Jeder darf einen Friedenswunsch darauf schreiben, dann werden sie an einen kleinen Zaun am Wegesrand gebunden. Das sei ebenfalls eine koreanische Tradition.

Koreanische Identitäten

Nach der Grenzerfahrung geht es für die Gruppe ins Wasser: An einem kleinen dänischen Strand mit Blick auf die Flensburger Werft. Das Wasser ist kalt, aber ein Großteil der jungen Pilger traut sich trotzdem rein.

Anschließend sitzen sie zusammen und essen das mitgebrachte Picknick. Die Jugendgruppe aus den USA kommt aus einer koreanischen Gemeinde in New York, auch drei aus der Nordkirchen-Gruppe haben koreanische Wurzeln - deshalb dreht sich in den Gesprächen viel um ihre koreanische Identität.

Seit dem ersten Abend gibt es sogenannte Familiengruppen, damit die Jugendlichen länderübergreifend miteinander ins Gespräch kommen. Eine Familiengruppe hat sich „Tropical Miners“ genannt. Der Name bezieht sich auf die Migrationsbewegung von Koreanerinnen und Koreanern in den amerikanischen Bundesstaat Hawaii („Tropical“) und in das deutsche Ruhrgebiet („Miners“).

Kleine Unterschiede und große Gemeinsamkeiten

Grenzen, Migration, Sprache, Identität - das alles spielt eine Rolle im Umgang der Jugendlichen miteinander. Thema sind vor allem kleine Unterschiede. Die Gruppen aus New York und Seoul sind überrascht, dass es in Deutschland schon mit 16 erlaubt ist, Bier zu trinken. Dass Babys in Korea direkt nach der Geburt schon ein Jahr alt sind, wird erklärt.

Die Begeisterung für ein klassisches Abendbrot können viele der Jugendlichen nicht verstehen. Shin Hoo Ryu verteilt scharfe Chips aus New York und alle probieren gespannt. Worin sich alle einig sind: Das Beste an den „Peace Games“ ist, so viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen.

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