Adventszeit

Very british: Ein Gespräch über Weihnachtsbräuche in England

Delegation der Diözese Lichfield im Schweriner Dom zur Feier von Anticipating Adven: v.l. Ökumenepastorin des Kirchenkreises Mecklenburg, Melanie Dango, Mitarbeiterin für Jugendarbeit der Diözese Lichfield, Chrissie Thompson, Bischöfin Sarah Bullock, Bischof Tilman Jeremias, Terry Bloor, ehemaliger Ökumenereferent der Diözese Lichfield und zum 20. Mal dabei, Peter Bullock
Delegation der Diözese Lichfield im Schweriner Dom zur Feier von Anticipating Adven: v.l. Ökumenepastorin des Kirchenkreises Mecklenburg, Melanie Dango, Mitarbeiterin für Jugendarbeit der Diözese Lichfield, Chrissie Thompson, Bischöfin Sarah Bullock, Bischof Tilman Jeremias, Terry Bloor, ehemaliger Ökumenereferent der Diözese Lichfield und zum 20. Mal dabei, Peter Bullock© Annette Klinkhardt

20. Dezember 2023 von Annette Klinkhardt

Rund vierzig Jahre alt sind die Beziehungen der Nordkirche und der Kirche von England. Verschiedene Traditionen und Begegnungen beleben den Kontakt. Mit der Diözese Lichfield wird regelmäßig Advent gefeiert, in diesem Jahr im Schweriner Dom.

Hintergrund: Die Diözese Lichfield der Kirche von England. Die Partnerschaft koordiniert das Europareferat im künftigen Ökumenewerk.

Jeweils rund um das erste Adventswochenende heißt es in der Nordkirche alle zwei Jahre: Anticipating Advent! Das heißt übersetzt: Den Advent erwarten. Und dieser feierliche Gottesdienst ist eine Tradition in der Partnerschaft mit der Diözese Lichfield der Kirche von England.

Bischöfin Sarah Bullock aus Lichfield im Gespräch mit Bischof Tilman Jeremias
Eine feste Tradition ist die gemeinsame Feier von "Anticipating Advent": In jedem zweiten Jahr reisten Gäste aus Lichfield in die Nordkirche, in den anderen Jahren fährt eine Delegation der Nordkirche nach Lichfield.© Annette Klinkhardt

Die englischen Partner waren vor vielen Jahren so überzeugt von der deutschen Tradition, den Advent zu feiern, dass sie dies nun auch in ihr kirchliches Leben integriert haben.

Englische Bischöfin: Advent offenbar auch für kirchenferne Menschen wichtig

Nach dem Gottesdienst zum "Anticipating Advent" im Schweriner Dom hat Annette Klinkhardt mit Bischöfin Sarah Ruth Bullock aus Lichfield ein Gespräch geführt:

Annette Klinkhardt: Sie sind mit einer kleinen Reisegruppe für vier Tage nach Mecklenburg gekommen, haben das Grenzhus in Schlagsdorf besichtigt, die Synagoge in Hagenow besucht und nehmen an verschiedenen Gottesdiensten teil.

Bischöfin Sarah Bullock: Wir treffen uns dieses Jahr bereits zum 20. Mal im Advent. Von Anfang an dabei ist Terry Bloor, der noch kein Anticipating Advent verpasst hat.

Ich war das erste Mal vor vier Jahren hier und dann kam direkt Corona. Da haben wir online Advent gefeiert: Wir haben uns Stollen gekauft und aßen, feierten und beteten gemeinsam auf Zoom – die einen in Mecklenburg, die anderen in England.

Ich finde es beeindruckend, dass Advent in Deutschland auch für Menschen, die nichts mit Kirche zu tun haben, wichtig zu sein scheint. In den Straßen sieht man leuchtende Sterne und überall Adventskränze, das ist in England nicht so verbreitet. Die Kirchen sind schon mit Adventskränzen geschmückt, aber es gibt keine in Privatwohnungen oder als Dekoration auf der Straße.

Ein Adventsstern von der Herrnhuter Brüdergemeine hängtvor dem Kirchenfenster mit Kreuz in der Immanuelkirche in Berlin-Prenzlauer Berg.© epd-bild / Rolf Zöllner

Die Adventszeit ist für die Church of England sehr wichtig, als eine Zeit der Rückschau, um zu beten und gemeinsam in der Bibel zu lesen.

Es gibt Bibelkreise, die sich nur im Advent treffen, das ist gute Tradition. Auch wenn es das ganze Jahr über keine Bibelgruppe gibt, dann im Advent.

Der Schweriner Domchor bei der Feier von "Anticipating Advent"
Der Domchor unter KMD Jan Ernst hat im eiskalten Schweriner Dom „O come o come Emmanuel“ gesungen. Es ist das bekanntest Adventslied in England. © Annette Klinkhardt

Wir kennen hier den „Lebendigen Adventskalender“. Menschen treffen sich an den 24 Tagen bis Weihnachten an Feuerstellen im Garten, in Privatwohnungen oder auch an öffentlichen Plätzen, um zu singen, eine Geschichte zu hören und ein Gebet zu sprechen.

Bischöfin Sarah Bullock: Was ich zunehmend sehe in unseren Dörfern und Städten nennt sich Advent Windows Meeting: Verschiedene Geschäfte wie die Bäckerei oder die Apotheke gestalten ein Adventstürchen: Jeden Tag lädt ein anderes Geschäft ein, am Vormittag oder am Nachmittag, wie es gerade passt.

Zur Person: Sarah Ruth Bullock ist seit 2019 Bischöfin von Shrewsbury in der Diözese Lichfield. Die 59-Jährige war zunächst Lehrerin, bevor sie Theologie studierte.

In Shrewsbury, wo ich lebe, treffen sich Kundinnen, Verkäufer und alle, die mitfeiern wollen. Jemand aus der Kirchengemeinde liest eine Adventsgeschichte. Oft bitten die Geschäftsleute oder die Kunden um ein Gebet oder einen Segen für das Geschäft und alle, die da arbeiten.

Danach trinken wir noch einen Kaffee. Menschen, die keine Kirchenmitglieder sind, erleben das mit. Das ist wirklich schön.

In Deutschland gibt es am 24. Dezember verschiedene Gottesdienste, etwa um 14:30 Uhr einen für Familien mit kleineren Kindern, um 17 Uhr eine Christvesper und um 22 Uhr die Christmette. Wie sieht das in England aus?

Bischöfin Sarah Bullock: Viele Kirchen in England unterstützen ihre Schulen in den letzten Tage vor Weihnachten, etwa mit einem Mitmachgottesdienst in der Kirche oder einem Carol Service. Das ist ein Gottesdienst, bei dem Weihnachtslieder gesungen und biblische Texte gelesen werden. Das ist sehr verbreitet, dass Schulen mit einbezogen werden, auch viele Eltern kommen mit zu den Carol Services. 

Einmal habe ich als Bischöfin einen Weihnachtsgottesdienst in einem Viehstall gefeiert. Studenten der Landwirtschaft hatten sich als Maria und Joseph verkleidet und führten ein Krippenspiel auf. Das war fantastisch.

Insgesamt gibt es gibt eine riesige Spannbreite an Gottesdiensten in unserer Kirche in England.

In vielen Kirchen wird in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember ein Vorabendgottesdienst gefeiert. In allen Kirchen feiern wir am Weihnachtsmorgen, das ist bei uns der 25. Dezember , der Christmas Day, an dem es auch die Geschenke gibt.

In Greifswald werden an den Weihnachtstagen traditionell die sechs Teile des Weihnachtsoratoriums aufgeführt. Gibt es etwas Vergleichbares in England?

Bischöfin Sarah Bullock: In den meisten Kirchen in England wird an Weihnachten der Messias von Händel gesungen. Danke für Händel!

Bei uns ist es Tradition, dass Chöre nur für einen Weihnachtsgottesdienst zusammenkommen, um den Messias vorzutragen. Sie nennen es ein Scratch Choire (Anm: oder „Scratch Messiah“, „Sing-it-yourself-Messiah“), also ein Chor, der spontan zusammenkommt und ohne Proben den Messias aufführt. Das ist sehr verbreitet, sowohl in Dorfkirchen als auch in Kathedralen.

Was gefällt Ihnen als Bischöfin an Weihnachten am besten?

Bischöfin Sarah Bullock: Ich bin jedes Weihnachten in einer anderen Kirche, die mich einlädt und liebe die Abwechslung: Wir haben über 600 Kirchen und 200 Gemeinden, vergleichbar mit Mecklenburg.

So halte ich ganz verschiedene Gottesdienste in den Kirchen - je nachdem, was gefragt ist: Kindergottesdienste, Carol Services, Gottesdienste zum Mitmachen und Gottesdienste im Freien.

Wie hier auch in kalten Kirchen?

Bischöfin Sarah Bullock: Wir haben einige warme Kirchen in England, aber auch viele kalte. Aber viele Gottesdienste halten wir auch im Freien.

Während Covid haben wir sogar die Weihnachtsmette draußen gefeiert. Wir standen da mit unseren Kerzen, und es war sehr, sehr kalt. Wir haben auch Carol Services um den Weihnachtsbaum.

Hintergrund: Die Partnerschaft mit der Diözese Lichfield

Die Diözese Lichfield ist eine der ältesten und größten der Church of England und liegt im Westen des Landes zwischen Birmingham und Wales.

Die Geschichte der Partnerschaft zwischen der Nordkirche und der Diözese Lichfield ist reich an verschiedenen Begegnungen, bei denen sogar ein deutsch-englisches Kirchenwörterbuch entstanden ist, in die Zeit vor 1989 zurück.

1999 wurde ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet – damals mit der mecklenburgischen Landeskirche, heute ist es eine nordkirchliche Partnerschaft.

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