Junge Nordkirche auf dem Holy Ground in Wacken

Festival-Seelsorge: Wenn Metal-Heads mal Pause brauchen

Heiß, staubig, laute Sounds: Auch die härtesten Metal-Fans kommen mal an ihre Grenzen. Foto: Christian Landmann, Junge Nordkirche.
Heiß, staubig, laute Sounds: Auch die härtesten Metal-Fans kommen mal an ihre Grenzen. Foto: Christian Landmann, Junge Nordkirche.

30. Juli 2026 von Inke Pohl

Auf dem Holy Ground in Wacken sind die Metal-Fans zurück - diesmal bei Staub und Hitze statt Regen und Schlamm. Etwa 85.000 Menschen besuchen das größte Metal Festival der Welt, bei Temperaturen bis 35 Grad Celsius. Kühle Orte sucht man tagsüber vergeblich, aber Rückzug und etwas Ruhe sind möglich: Bei der Festival-Seelsorge der Jungen Nordkirche. An drei so genannten Safer Space Standorten sind 34 Seelsorgende und Berater:innen im Schichtbetrieb zu finden. Sie haben offene Ohren für Sorgen und Nöte, notfalls auch rund um die Uhr. In diesem Jahr sind auch Awareness-Teams dabei.

Sanis für alle Fälle

Schlangen an den Trinkwasserbrunnen und Sonnencremespendern, regelmäßiger Temperaturcheck, Fächer, mit denen sich die Festival-Gäste auch mal gegenseitig Luft zufächeln und ab und an eine kurze Dusche mit Wasserpistolen: Wacken 2026 ist heiß, die Stimmung gut, der größte Teil der Fans bestens gelaunt und fröhlich unterwegs. Dass es bei Hitze, Krach, Schlafmangel und Alkoholkonsum nicht immer allen gut geht, ist klar. Dehydrierung, Sonnenstich, Kreislaufprobleme und ähnliches sind Fälle für die Sanis im DRK-Zelt.

Und wenn die Seele Hilfe braucht

Wenn es der Seele nicht gut geht, einen Sorgen und Nöte im Griff haben oder man erlebt hat, wie die persönliche Grenze überschritten wird, hilft das Team der Festival-Seelsorge.

Sie ist auch in diesem Jahr beim Wacken Open Air dabei, seit mittlerweile 16 Jahren organisiert von der Jungen Nordkirche. Auch für den Veranstalter des weltgrößten Heavy Metal-Festivals der Welt ist dies ein wichtiges Angebot und wird immer weiter ausgebaut.

Zwei Männer und eine Frau vor einem pinkfarbenen Bus
Landesjugendpastorin Katharina Schunck mit Fabian Schmidt (Mitte) und Sven Voss vom Team der Festival-Seelsorge unterhalten sich vor dem Safer Space Bus. Foto: Christian Landmann, Junge Nordkirche

Safer Spaces laden zum Reden ein

So genannte Safer Spaces finden sich an mittlerweile drei Standorten. Sie werden gut angenommen - manchmal einfach für einen Ort, der etwas ruhiger ist als der Holy Ground, auf dem man ab nachmittags ständig von Metal- und Hardrock-Musik beschallt wird. Viele kommen aber, weil sie Redebedarf haben. 

„Egal, wie groß oder vermeintlich klein die Sorgen sind, reden hilft und wir sind da, hören zu und unterstützen, offen für alle, rund um die Uhr“, sagt  Katharina Schunck. Die Landesjugendpastorin leitet die Festival-Seelsorge beim Wacken Open Air.

In den meisten Gesprächen geht es darum, da zu sein und dabei zu begleiten, eigene und passende Lösungen für den Moment zu finden, um wieder gestärkter ins Festivalgeschehen eintauchen.

Seelsorgerin auf Festival-Gelände
Landesjugendpastorin Katharina Schunck im Einsatz© Christian Landmann

"Es hilft, den Kummer zu teilen"

Manche fühlen sich einsam inmitten der Menschenmenge oder erleben etwas während der Tage in Wacken, was sie aufwühlt. Katharina Schunck nennt ein Beispiel. "Die Fans freuen sich das ganze Jahr auf Wacken, es soll perfekt sein. Das ist es aber nicht immer. Und plötzlich wird jemand unfassbar traurig darüber. Da kann es helfen, einfach zu reden, den Kummer zu teilen, um dann später weiterfeiern zu können." 

Banner über einem Zelt
Ein Banner zeigt, wo die Festivalseelsorge zu finden ist. © Christian Landmann, Junge Nordkirche

Ein Zelt als Anlaufstelle für Sorgen oder Traurigkeit 

Vor allem aber bringen Menschen Sorgen von zu Hause mit, die hier an die Oberfläche kommen. Trauer, familiäre Belastungen, immer mehr befinden sich in depressiven Phasen. Wie immer beim Wacken Open Air steht ein Zelt als Anlaufstelle direkt neben dem Sanitätsbereich. Hier ist von 13 Uhr bis 2.30 Uhr immer jemand da für spontane Gespräche, eine Schichtleitung koordiniert die Einsätze.

In Zweier-Team mit hellblauen Westen gut erkennbar

Weitere Zweiter-Teams sind auf dem Gelände unterwegs. "Die Teams sind gut in ihen hellblauen Westen zu erkennen und jederzeit ansprechbar", erklärt Katharina Schunck.

Ein alter US-Schulbus in pinker und schwarzer Lackierung
Der Safer Space Bus ist ein ausrangierter US-Schulbus und fällt nicht nur wegen seiner Lackierung auf.© Christian Landmann, Junge Nordkirche

Ein Bus für eine Auszeit zwischendurch

Ein Hingucker ist der pink und schwarz lackierte Safer Space Bus, ein ausrangierter US-Schulbus in der Nähe der Camping Area. Drinnen gibt es gemütliche Sitzgelegenheiten, geräuschdämpende Kopfhörer liegen bereit. Um den Bus herum stehen hinter einer Sichtschutzwand  ein paar Tische und Bänke für eine kleine Auszeit zwischendurch.

Auch in der "Wheels of Steels Area" steht ein Zelt der Festival-Seelsorge. Es ist barrierefrei zu erreichen und damit auch für Menschen, die einen Rollstuhl benutzen, als Ort für Gespräche oder Rückzug geeignet.  

Ein Gruppe von Menschen in schwarzen T-Shirt mit pinkem Aufdruck.
Menschen aus vielen Bereichen sind beim Festival für die Seelsorge im Einsatz. © Christian Landmann, Junge Nordkirche

Ein großes Team für alle Sorgen

Auch das Team wächst immer weiter. Mittlerweile sind mehr als 30 Leute im Einsatz. Zum Team gehören Sozial- und Sonderpädagog:innen, Psychotherapeut:innen, verschiedene Berater:innen, Gemeindepädagogen, Diakon:innen sowie Pastoren und Pastorinnen. Fast alle arbeiten hier ehrenamtlich.

Um Ratsuchenden helfen zu können, auch und gerade in Nachtschichten, nehmen sie Urlaub, finden sich mit Schlafmangel ab und mieten sich zum Teil sogar auf eigene Kosten in der Nähe eine Ferienwohnung.

2025 fanden 328 Gespräche statt, in diesem Jahr waren es bereits 80, die ersten benötigten schon am Dienstag die Unterstützung vom Seelsorge-Team. "Es spielt wirklich überhaupt keine Rolle, ob jemand gläubig ist oder eine Konfessionszugehörigkeit hat", betont Katharina Schunck. Willkommen sind alle, die Rat und Hilfe suchen.

Die Awareness-Teams: Ansprechpersonen bei besonderen Situationen

Die Festival-Seelsorge der Nordkirche organisiert auch, dass beim W:O:A Awareness-Teams bei "help in need" ansprechbar sind. In diesem Jahr sind die erstmalig an eigenen, pinkfarbenen Patches mit der Aufschrift "Awareness" auf der Weste zu erkennen.

„Wer sich unwohl und unsicher fühlt oder übergriffige Situationen erfahren hat, kann sich an die Awareness-Personen wenden. Die Betroffenen sollen einen möglichst sicheren Ort finden, an dem sie das Erlebte teilen können, wo Rückzug möglich ist und, falls nötig, nächste Schritte eingeleitet werden können“ sagt Landespastorin Katharina Schunck.

Es hilft Betroffenen, wenn sie Ansprechpersonen haben, die sie bedingungslos ernst nehmen. Katharina Schunck

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