Digitalisierung

Wie geht’s weiter mit #DigitaleKirche?

Smartphone mit Lichtreflexen
© Unsplash/Rodion Kutsaev

26. Januar 2018 von Lena Modrow

Vor gut einem halben Jahr haben wir hier schon einmal gefragt: „Was ist eigentlich #DigitaleKirche?“ und haben Antworten aus Artikeln, Blogs und Social Media Kanälen unter diesem Hashtag gesammelt. Die Frage, die uns nun anlässlich unseres Social Media Barcamps bewegt, ist: Was ist seitdem passiert?

Ein kurzer Rückblick: Im März vergangenen Jahres brachte Journalist Hannes Leitlein in seinem Artikel „Und wie wir wandern im finstern Digital" die Debatte ins Rollen. Die These: Die evangelische Kirche ist dabei, die Digitalisierung zu verschlafen. Es folgte eine ganze Reihe an Artikel, Repliken, Blog-Beiträgen, Postings, die den großen Diskussionsbedarf dokumentierte. Was eine Kirche kurz gesagt tun muss, um mit der Digitalisierung Schritt halten zu können, lässt sich demnach auf drei Themenfelder herunterbrechen, die nach wie vor verhandelt werden:

  1. Wissensvermittlung und Motivation: Ein Wandel kann nicht allein „von oben“ bestimmt werden, sondern funktioniert nur, wenn digitale Talente in den Gemeinden vor Ort gefördert und Mitglieder geschult werden, um an diesem Prozess teilzunehmen.
  2. Netzwerken in den Netzwerken: Digitale Kirche findet in den sozialen Medien bereits statt, oft auch ohne die Institution Kirche - mit einem „Priestertum aller Gläubigen“ durch die flachen Hierachien in den Netzwerken: Menschen unterhalten sich frei über ihren Glauben. In den sozialen Medien sollten Kirchen daher nicht nur verkünden, sondern mit den Mitgliedern in einen Dialog auf Augenhöhe treten.
  3. Positionierung: Eine Digitale Kirche sollte sich zu den Chancen und Problemen, die der digitale Wandel mit sich bringt, im Sinne christlicher Werte positionieren – dazu gehören etwa Themen wie Datenschutz, Hassrede in den sozialen Medien oder Künstliche Intelligenz. Nur dann könne sie auch mitentscheiden und nicht nur reagieren.

Wissenshilfe aus der Netzgemeinde

Zum Thema Wissensvermittlung und Motivation gibt es im Netz einen regen Austausch. "Es ist viel passierrt", schreibt Inga von Thomsen, Social Media Koordinatorin bei der Kirche im NDR, in ihrem Blog. "Kirche ist digital unterwegs." Viele bieten selbst Fortbildungen an - im Fortbildungsprogramm der Nordkirche etwa gibt es allein 16 Veranstaltungen im Bereich Internet im ersten Halbjahr 2018. Es gibt außerdem Fachtagungen oder Barcamps, und Nutzer teilen auch in Ihren Blogs Tipps, wie man etwa die Netzgemeinde vor Ort stärken kann (z.B. "Social Media im Gemeindealltag" von Pastorin Carola Scherf, "Ein paar Wünsche für die #digitaleKirche" von Theologiestudentin Julia Schönbeck) oder stellen ihre Projekte (z.B. "InstaWalks" in der Kirche oder etwa das Kirchenmobil) vor. Die Seite #digitaleKirche von evangelisch.de versucht inzwischen, dieses Wissen zu bündeln.

Segnungsroboter und Twitter-Kanäle

Inwieweit diejenigen damit erreicht werden, die der Digitalisierung in der Kirche kritisch gegenüber stehen oder ob die Themen doch nur wieder in ihrer eigenen Kirchen-Filterblase eine Runde drehen, ist schwer zu erheben. Kirche im Netz wirkt für den „Normalverbraucher“ ohne spezielle Kirchenanbindung an vielen Stellen noch exotisch und weckt dadurch Interesse („Wie, Sie haben einen Twitter-Kanal?“). Ausgefallene Aktionen, wie etwa der Segnungsroboter „Bless-U-2“, sorgen bei regelmäßigen Kirchengängern eher für Vorbehalte, Menschen, die sonst weniger mit Kirche zu tun haben, sind da aber offenbar offener, schrieb zuletzt die Süddeutsche Zeitung. Könnte die digitale Kirche demnach der "Kanal" sein, auf dem die erreicht werden, die vorher schwer zu erreichen gewesen sind? "Twitter, Facebook, Snapchat und Instagram bieten uns die Gelegenheit, hinter unserem Schreibtisch hervorzukommen und Face-to-Face mit Menschen zu kommunizieren", schreibt Pastorin Carola Scherf. "Genauso wie wir das im echten Leben auch tun sollten."

Wie kommunizieren?

„Vor einer proaktiveren Digitalpolitik werden sich also auch die Kirchen nicht dauerhaft verschließen können, wenn sie sich nicht schleichend aus den praktischen Lebensvollzügen der Menschen verabschieden wollen“ – schreibt der Journalist Jonas Bedford-Strohm – denn die Menschen kommunizieren zunehmend digital. Dass kommuniziert werden muss, ist weitgehend Konsens, doch wie das genau vonstatten geht und welche Probleme dabei auftreten, steht auch immer wieder zur Diskussion.

Die Botschaft bleibt die Botschaft - egal auf welchem Kanal

Einerseits dürfte das Medium egal sein, in dem das Evangelium verbreitet wird. „Denn ganz im Ernst: Wieso sollte die christliche Botschaft auf Papier oder Kanzel wahrer sein als auf Facebook, Whats- App und Twitter?“, fragt Jonas Bedford-Strohm. „Wer wenn nicht Christinnen und Christen sollten verstehen, dass Nähe und Intimität nicht auf den Kanal ankommt, auf dem Kommunikation und Gemeinschaft stattfindet?“, schreibt Theologe Wolfgang Lünenbürger-Reidelbach in seinem Blog.

Vertrauen in Institutionen vs. Fake News

Dazu wirft der Ingenieur und Religionspädagoge Stefan Hartelt ein, dass es auch auf das Netzwerk ankomme. Die breite Masse nehme nicht teil, sondern sei stiller Beobachter – stattdessen kristallisiere sich heraus, dass „nur noch die echten Extreme konkrete Aktivitäten befördern können: Hate-Speech ist ein logisches Resultat aus immer heftigeren, provozierenden Clickbait-Meldungen und Unverschämtheiten, die gegeneinander um die Aufmerksamkeit in den News-Streams buhlen.“

Für mehr digitale Nächstenliebe

Seiner Beobachtung nach werde der Ton im Netz rauer. Zudem reiche es nicht, sich nur zu unterhalten, es gehe auch um die Frage, ob überhaupt vertrauensvolle Nachrichten vorlägen. Stichwort Fake News: „Menschen haben das Bedürfnis nach mehr Verlässlichkeit: Vertrauen in Informationen, Vertrauen in Institutionen.“ Und vermutlich auch nach Schutzräumen, in denen digitale Nächstenliebe der Hate Speech entgegengesetzt wird. An der Stelle könnten Kirchen sehr gut ihrem Auftrag nachkommen, meint Ingo Dachwitz, Medienwissenschaftler und Mitglied der sozialethischen Kammer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die EKD hat auch eine Studie mit Handlungsleitlinien zum Umgang mit Hassrede herausgegeben. 

Doch die Forderung nach Kommunikation auf Augenhöhe und die gleichzeitige Positionierung in grundlegenden Fragen, geht laut Hartelt nicht zusammen. Es gehe letztlich nur in einer ein Stück weit hierarchischen Struktur, aber eine mit einem „öffentlich sichtbaren Netzwerk“ mit „schnellen Entscheidungswegen“. 

Was ist mit dem Datenschutz?

Doch beim Stichwort „schnelle Entscheidungswege“ stößt der Diskussionsbeobachter auf das nächste große Thema, das für die #DigitaleKirche eine entscheidende Rolle spielt: der Datenschutz. Denn digital zu kommunizieren, dort Gemeinden zu schaffen und entsprechende Plattformen zu verwenden, bedeutet auch: Daten zu sammeln. An verschiedenen Stellen. Ist das im Sinne einer digitalen „Selbstbestimmung“?

„Mit Blick auf den Datenschutz existieren derzeit zwei Gruppen innerhalb der evangelischen Kirche: Die einen möchten Menschen schützen. Die anderen möchten Menschen erreichen“, schreiben Yvonne Kälbli, Christoph Roth und Bernd Tiggemann vom Arbeitsbereich Kommunikation der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in ihrem Blog nach der EKD-Synode im vergangenen November, in der es eben auch um Datenschutz ging.

Sensibilisierung ja, Reglementierung nein

Die Blogger stört, dass die Beauftragten für Datenschutz Online-Plattformen wie Facebook und Google nicht nur kritisieren, sondern deren Nutzung untersagen würden. „Sensibilisierung? Ja! Aufklärung? Unbedingt! Dann aber bitteschön nicht alles kasuistisch reglementieren, sondern besser auf das verantwortliche Handeln der Mitarbeitenden setzen“, schreiben sie. Denn ohne die beliebten Kanäle und Messengerdienste sei es kaum möglich die Masse der Menschen zu erreichen. „Die Menschen haben die sozialen Netzwerke als Mittel der Kommunikation für sich selbst gewählt und sie erwarten, dass die Kirche dort präsent ist“, schreiben sie (wie auch übrigens Jonas Bedford-Strohm in „Die digitale Gretchenfrage - Die Kirchen müssen in den sozialen Netzwerken präsenter sein“ darstellt).

Kirchen sollten für Nutzer auf den gängigen Plattformen ansprechbar sein

Eigentlich sei kein eigener kirchlicher Datenschutz vonnöten, schreibt Ralf Peter Reimann, Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland, in Reaktion auf den Blog-Eintrag – „der staatliche Datenschutz reicht“. Und denkt über einen Kompromiss nach: „Völlig klar ist: mit WhatsApp und Facebook können wir nach EKD-Datenschutzgesetz keinen Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung schließen, mit anderen Worten: weder Facebook noch WhatsApp können wir als kirchliche Plattformen nutzen, um darüber unsere Angebote zu platzieren.“ Aber es spreche nichts dagegen, auf Facebook und WhatsApp für die Nutzer präsent und ansprechbar zu sein.

Und was ist mit Künstlicher Intelligenz?

Doch das Thema Digitalisierung betrifft längst nicht nur den Umgang mit Daten und sozialen Netzwerken, sondern zunehmend auch Fragen nach Künstlicher Intelligenz. Es geht dabei unter anderem um das selbstfahrende Auto, das in einer kritischen Unfallsituation vielleicht eine ethische Entscheidung treffen muss. Es geht auch um Themen wie Pflege und Medizin, wie unter anderem der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, in seinem Blog schreibt. Pflegepersonal könnte in nicht allzu ferner Zukunft durch Roboter ersetzt werden.

Handlungsentscheidungen und Algorithmen

Diagnosen und Therapien werden per Algorithmus durch das Auswerten von Daten bestimmt werden – und das führt zu dem nächsten die wiederum auf einer statistischen Grundlage basieren, deren Messungen aus der Vergangenheit stammen, und weniger auf Kausalitäten beruhen. „Kann man darauf Handlungsentscheidungen aufbauen?“, fragt Dr. Ralph Charbonnier, EKD-Referatsleiter Sozial- und gesellschaftspolitische Fragen in seinem Vortrag auf dem Fachtag „Digitaler Wandel” in der Nordkirche.

Ob auch möglicherweise Bots im Seelsorge-Bereich eingesetzt werden können und überhaupt dürfen, steht bisher noch als Frage im Raum (Interview mit dem Bot-Programmierer Magnus Niemann: "Kann eine Maschine auch trösten?"). Antworten und Positionen zu diesen Fragen werden auch die digitale Kirche beschäftigen. Ulrich Lilie schreibt zum Abschluss seiner Überlegungen zur Künstlichen Intelligenz in der Zukunft: „Prüfet alles, und das Gute behaltet“ (1. Thessalonicher 5,21).

Ein Barcamp rund um Social Media

Für Social Media Manager könnte das heißen: "Prüfet alles, das Gute kommentieret und liket". Damit eine digitale Kirche wächst, sollte sie ein Netzwerk aufbauen, bei dem das Analoge und das Digitale Hand in Hand gehen. Das Amt für Öffentlichkeitsdienst und das Jugendpfarramt der Nordkirche veranstalten deshalb am Sonnabend (27. Januar) ein Barcamp, eine Art Konferenz, bei der Menschen ihre Projekte aus verschiedenen Bereichen der Kirche vorstellen und zeigen, wie sie etwa bloggen, Pinterest oder Instagram nutzen. Es geht auf jeden Fall weiter, #DigitaleKirche!

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