23. Dezember 2018 | Friedenskirche Jenfeld

Zum Guten hin - Neues bricht sich Bahn

23. Dezember 2018 von Kirsten Fehrs

Vierter Advent, Internationaler Gottesdienst

Liebe Festgemeinde,

was ist Deutschland bloß für ein dunkles Land, mögen Sie denken. Heute Morgen ging erst um halb neun die Sonne auf, und um 16 Uhr wird sie schon wieder untergehen. Siebeneinhalb Stunden Sonne, die sich dann auch noch hinter den Wolken versteckt. Die gute Nachricht: Seit gestern werden die Tage wieder länger. Jeden Tag ein bisschen mehr Licht.

Und noch eine gute Nachricht: Morgen feiern wir den Heiligen Abend, der uns zum Weihnachtsfest hin leitet. Und heute schon stimmen wir uns ein – mit Gottesdienst und Gemeindefest. Also: Jeden Tag ein bisschen mehr Freude.
Dass mit der Geburt Jesu die Tage wieder länger werden, ist kein Zufall. Vielmehr wird deutlich: Jesus bringt Licht in unser Leben. Wir haben das eben ganz eindrucksvoll in dem Film gesehen. Er heilt die Blinden. Er spricht mit den Ausgestoßenen. Er tröstet Kranke, spielt mit Kindern. Ich bin das Licht der Welt, sagt er von sich selbst. Und schon bei seiner Geburt zeigte das dieser wunderschöne Stern, der über Bethlehem leuchtete. – Doch davon hören wir morgen noch und übermorgen.

Heute schauen wir auf die noch schwangere Maria, die Mutter Jesu. Ihr wisst: Als der Engel Gabriel ihr vor neun Monaten die Geburt eines Sohnes ankündigte, kam bei ihr erst einmal gar keine Freude auf, sondern Angst und Erschrecken. Und die bange Frage: Was wird werden? Schwanger und allein? Doch sie nimmt es an und sagt dem Engel „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Und dann macht sie sich auf den Weg, eilend, über das Gebirge. Nach Juda, zu Menschen, die sie kennt und die sie verstehen. Sie ist in Not. Hat Angst vor der Zukunft. Um sie herum kann es ungastlicher nicht sein. Lauter Dornen – so beschreibt es ein altes Lied bei uns: „Maria durch ein Dornwald ging“ Maria singt und spürt, wie das Friedenskind in ihr einen schweren Weg vor sich hat. Wie wahr ist das! Der Frieden hat es schwer, immer wieder, auf die Welt zu kommen.

Viele von euch wissen aus eigener Erfahrung, wie das ist, den Frieden zu verlieren und damit auch die Heimat. Ihr habt es erlebt, wie lang und dornig die Wege durch Gebirge und über das Meer sind. Aber ihr habt auf euren Lebenswegen sicherlich auch erfahren, wie wichtig die Gemeinschaft ist und die Solidarität von anderen. Ja, wie gut es tut, mit jemandem zu reden, wenn man traurig ist und belastet. Es ist ja das besonders Verbindende zwischen Menschen, wenn man einander ein Stück auf den Weg mitnimmt und sich anvertraut. Erst Vertrauen schafft Freundschaft. Eine Gegenseitigkeit, die auch für bisher Unverstandenes Verstehen ermöglicht.

Genauso geht es der Maria. Nachdem sie sich nämlich der Elisabeth anvertraut hat, der mütterlichen Freundin. Die Bibel erzählt, dass Elisabeth auch gerade das erste Mal schwanger ist, mit 45 Jahren! Dabei glaubte sie, vor lauter Trauer und Dornen in ihrem Leben, gar nicht mehr daran, je ein Kind zu bekommen. Und als sie dann Maria sieht, hüpft das Kind in ihrem Leibe, heißt es. Und da versteht Maria! Sie fängt an, sich zu freuen über das Wunder, das die Welt verändern wird. Und das ganz allein sie in die Welt tragen wird. Sie versteht erst in der Begegnung mit Elisabeth, wer sie ist und was werden wird.

Schwestern und Brüder werden, weil man einander versteht – ja, und weil man sich selbst und die anderen anfängt neu zu sehen: Das wird auch in unseren Kirchengemeinden Wirklichkeit. Gerade, wenn Menschen neu dazukommen, auch aus ganz anderen Ländern und Kulturen. Das erleben wir ja hier live und in Farbe. Und alle merken doch, dass unsere Verschiedenheit uns überhaupt nicht trennen muss – denn wir sind eins in Christus. Heißt: Gleich ob du 15 Jahre bist oder 75, ob in Farsi oder auf Deutsch, wir alle sollen das Licht Christi in diese Welt tragen.

Trotz der Dunkelheit und trotz des Unfriedens in dieser Welt, der Hoffnung Raum geben – das ist der Weg zur Krippe. Begleitet werden wir dabei von Maria. Sie singt, nachdem sie das Wunder verstanden hat, das schönste Lied aller Zeiten: das Magnificat, den Lobgesang, den wir vorhin gehört haben. Alles, was Menschen traurig und hoffnungslos macht, soll verschwinden. Gott stößt die Gewaltigen vom Thron, die Diktatoren und die Warlords. Gott erhebt die Niedrigen, die Gefolterten und Geflüchteten. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Das Unterste wird zuoberst gekehrt. Zum Guten hin. Neues bricht sich Bahn.

Das ist das Wahrhaftige, die Wahrheit in unserem Glauben, liebe Geschwister. Dass Gott die Verhältnisse total umkehrt. Der große und allmächtige Gott wird ein wehrloses Kind. Und dieses Kind wird zur Rettung für die Welt, weil es uns von den alten Mächten und dem Hass erlöst und frei macht. Weihnachten ist die wunderbare Erkenntnis, dass der eigentliche Triumph in der zärtlichen Liebe eines kleinen Friedenskönigs liegt. Das ist es, was uns Hoffnung gibt.

Viel zu wenig reden und singen wir von dieser Hoffnung. Die Menschen heutzutage brauchen aber diese Klarheit, dass wir Grund zur Hoffnung haben. Das kleine Kind weist über uns selbst hinaus und über die Angst und den Hass und manche furchtbaren Realitäten, die wir zum Beispiel in Syrien sehen können! Hoffnung entsteht ja gerade nicht aus dem, was ich an begrenzter Vorstellung in mir habe. Ich kann meine Unsicherheit vor der Zukunft nicht durch mich selbst besiegen. Hoffnung beginnt vielmehr dort, wo mein Horizont größer wird. Durch die Zusage eines Höheren, dessen Liebe viel größer ist als alles, was wir denken können.
Ein schönes Erlebnis dazu: Vor drei Jahren zu Weihnachten habe ich ein Krippenspiel in einer Hamburger Kirchengemeinde besucht. Zwanzig kleine Engel gemeinsam auf dem Weg. Die eine Hälfte blond, die andere schwarzbezopft – sie kommen aus dem Iran, Afghanistan und viele aus Syrien. Alle Engel mit goldenen Flügeln. Und eine Maria, die kleinste war sie, aber dafür kommt sie aus Eritrea in Afrika. Mit lauter abstehenden Zöpfchen. Umwerfend, ihr Zauber! Und als sie da eingezogen sind in die Kirche, die kleine Maria allen voran, und als die Kinder sangen „Fürchte dich nicht“, da wurde es auf einmal ganz still in der großen Kirche. Die Würde der Kleinen. Hoffnung, die sich Bahn bricht.

Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gesegnete Weihnacht, liebe Schwestern und Brüder. Mit guter Hoffnung auf das Kind, das Frieden auf die Welt bringen will, Friede, der höher ist als alle Vernunft. Er bewahre unsere Herzen und Sinne in ihm, Gottes Sohn.
Amen.

 

Datum
23.12.2018
Quelle
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Von
Kirsten Fehrs
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