Der große Traum von Übersee -

140 Jahre Evangelische Auslandsberatung in Hamburg

Eine Familie wandert aus - Radierung um 1880, unbekannter Künstler
Eine Familie wandert aus - Radierung um 1880, unbekannter Künstler© Copyright of Duncan P Walker

04. September 2013 von Doreen Gliemann

"Übersee" hieß im 19. Jahrhundert der große Traum der Auswanderer, die in ihrer europäischen Heimat von sozialer Not bedroht waren. Doch für Tausende endete die Hoffnung bereits vor der weiten Reise in den Slums und Massenquartieren der Hafenstädte. Bis zur Mitte des Jahrhunderts gab es kaum staatliche Regelungen und Schutz. In Hamburg war es der Theologe Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der die Fürsorge für die Auswanderer anmahnte.

1873 wurde in der Hansestadt die erste organisierte evangelische Auswandererfürsorge als Verein gegründet. 

Bereits ab 1848 war im Hamburger Hafen ein Missionar unterwegs, der von Schiff zu Schiff fuhr. Ab 1875 fanden regelmäßige Auswanderergottesdienste statt, immer am Abend vor dem Auslaufen der Dampfer. Für die Überfahrt wurden Bibeln, Gebets- und Liederbücher verkauft oder verschenkt. Der Jahresbericht 1876 verzeichnet 177 Besuche auf Schiffen, darunter 56 Post-Dampfschiffe nach Amerika, 107 Dampfschiffe nach England, vier Dampfschiffe nach Brasilien und zehn Segelschiffe nach Afrika und Australien.

Heimat im Glauben - Praktische Hilfe und Seelsorge vor hundert Jahren

Die Kirchenleute kümmerten sich um Unterbringung und faire Preise für die Schiffspassage, halfen bei Geschäften jeder Art und sorgten für Informationen über die Zielländer. 1913 wurde der Verein der Evangelischen Auslandsberatung in das Vereinsregister eingetragen, 1924 wurde er als gemeinnützig anerkannt. 1927 bekam die Auslandsberatung ein eigenes Haus, direkt hinter dem Hotel Atlantic. Hier, in der Rautenbergstraße, residiert die Einrichtung heute noch. 

Fester Bestandteil der Missionsarbeit war auch die Organisation und Betreuung von Rückwanderern. Anfang der 1930er Jahre nahm diese sogar zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Verein stark in die Arbeit der Flüchtlingshilfe eingebunden: Hunderttausenden hatte der Krieg ihre Lebensgrundlage zerstört, und die Auswanderung erschien vielen als einziger Ausweg. 1950 verzeichnete der Verein 4.253 Beratungen, 1951 waren es 7.072, 1952 immer noch 5.033.

Entwicklung zur evangelischen Beratungsstelle für Migranten

Ab den 50er Jahren und dem einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung stieg in Westdeutschland der Bedarf an sogenannten Gastarbeitern. Viele von ihnen wollten bleiben, weil sie eine Deutsche geheiratet hatten. Die Beratungsarbeit des Vereins verschob sich in Richtung "Eheschließungen mit Ausländern", später im Fachjargon "binationale Ehen" genannt. Statt deutschstämmiger Flüchtlinge und Vertriebene wurden mehr Asylsuchende beraten. Und im Zuge vermehrten Wohlstandes kam es zu dem neuen Phänomen des "Tourismus-Auswanderns": Viele wollten dort leben, wo sie vorher nur Urlaub machten.

Unter dem Motto "Wissen, worauf es ankommt" werden derzeit rund 4.000 Anfragen rund um Auswanderungsthemen bearbeitet. Europäische Zielländer spielen dabei laut Geschäftsführerin Susan Weichenthal (56) eine zunehmende Rolle. Immer mehr Info-Bedarf besteht auch bei der EU-Sozialberatung und bei binationalen Eheschließungen. Knapp 50 Prozent von ihnen haben einen interreligiösen Hintergrund, mit überwiegend christlich-muslimischem Anteil.

Festgottesdienst in der St.-Georgskirche

Das 140-Jahre-Jubiläum der Evangelischen Auslandsberatung soll am Donnerstag (5. September, 16 Uhr) mit einem Festgottesdienst in der St. Georgskirche am Hauptbahnhof gefeiert werden.

Bischöfin Kirsten Fehrs dankte dem Verein in einem Grußwort zur Festschrift, "die Zeichen der Zeit erkannt" und "vorausschauend und flexibel reagiert" zu haben. Nach dem Abebben der großen Auswandererwellen habe man sich den Gastarbeitern und Ausländerehen, später auch der EU-Migration und interkulturellen Fragen zugewendet. Fehrs: "Der Geist der tätigen Nächstenliebe und der nötigen Unterstützung ist über 140 Jahre derselbe geblieben."

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