300.000 Menschen feiern CSD in Hamburg
03. August 2026
Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin wurde in Hamburg die Polizeipräsenz für die CSD-Demonstration am Sonnabend deutlich erhöht. Am Sonntag suchte ein CSD-Abschlussgottesdienst in der St. Pauli-Kirche nach Wegen aus der Angst.
Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst!“ haben sich am Sonnabend in Hamburg Hunderttausende zur Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) versammelt.
Bunt. Queer. Wir: Nordkirche. Alles über unser Engagement rund um die CSDs und Aktionen finden Sie auf unserer Themenseite.
In der Innenstadt setzten sie ein lautes und buntes Zeichen für die Rechte der queeren Community. „Jetzt erst recht!“ zählte dabei zu den häufigsten Plakataufschriften.

Die Polizei Hamburg und der veranstaltende Verein Hamburg Pride sprachen von rund 300.000 Teilnehmenden an der CSD-Demonstration. Laut Hamburg Pride waren das „so viele wie nie zuvor“.

Bereits zum vierten Mal war unsere Kirche mit einem großen Truck auf dem Hamburger CSD dabei und setzte damit ein Zeichen für Vielfalt, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unter dem Motto „Fürchte dich nicht. L(i)ebe frei und sichtbar“ demonstrierten auch viele Engagierte aus den Hamburger Kirchenkreisen, der Nordkirche und darüber hinaus mit.

Gerade in Zeiten, in denen queere Menschen wieder verstärkt Anfeindungen erleben, will unserer Kirche sichtbar an ihrer Seite stehen und deutlich machen: Gottes Liebe gilt allen Menschen ohne Ausnahme.
Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD am vorangegangenen Wochenende waren in Hamburg die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Konkrete Gefährdungshinweise lagen laut Innenbehörde und Polizei nicht vor, dennoch habe man die Polizeipräsenz deutlich verstärkt.
Das Lagezentrum der Polizei Hamburg sprach nach der CSD-Demo von mehr als doppelt so vielen Einsatzkräften wie im Vorjahr. „Das Einsatzkonzept ist voll aufgegangen“, hieß es. Die CSD-Demo sei friedlich verlaufen.
Bei dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag in Berlin war am 25. Juli ein Kastenwagen in eine Menschenmenge gefahren. Eine 65-jährige Frau wurde getötet, 31 Menschen wurden teils schwer verletzt. Der 21-jährige Tatverdächtige wurde später bei einem Polizeieinsatz getötet.
Gedenkminute zum Demo-Start
Zum Hamburger Demo-Start fand eine Gedenkminute für die Opfer des Anschlags auf den CSD in Berlin statt. Hamburg Pride rief zu gesellschaftlicher Solidarität auf und forderte, dass alle für Gleichberechtigung einstehen. An der Demo in Hamburg nahmen auch die Veranstalter des Berliner CSD mit einem eigenen Truck teil. An dem Wagen war ein Banner mit dem Schriftzug „We will dance again“ (Wir werden wieder tanzen) angebracht.

Am Segenszelt bei der Hauptkirche St. Petri sei etwas weniger los gewesen als im vergangenen Jahr. Die Menschen seien aber sehr dankbar für das Angebot gewesen und die Pfarrpersonen von der Ritualagentur st.moment und KonQueer hätten schöne Gespräche geführt, sagte das Team.
Abschlussgottesdienst am Sonntag
Am Sonntagvormittag feierten rund 150 Menschen in der St. Pauli-Kirche einen CSD-Abschlussgottesdienst unter dem Motto „Der Angst die Macht nehmen“. Im Gegensatz zu der lauten CSD-Demo am Vortag sollten in der Kirche nach Angaben der Veranstalter leisere und nachdenklichere Töne im Mittelpunkt stehen.

Pastor Sieghard Wilm sagte, das Motto sei bereits vor Monaten gewählt worden. Nach dem Berliner Anschlag habe es noch einmal an Bedeutung gewonnen. Der Gottesdienst erinnerte an die Opfer queerfeindlicher Gewalt und rief dazu auf, auch im Alltag sichere Orte für queere Menschen zu schaffen. Polizei, Kirche und liberale Muslime warben für sichtbare Solidarität.
Pastor Wilm griff in seiner Predigt den 23. Psalm auf. Das alte Bild vom Gang durch das finstere Tal verbinde er mit den Erfahrungen queerer Menschen: böse Blicke, Beschimpfungen. Die Bibel dürfe nicht denen überlassen werden, die sie gegen queere Menschen verwendeten, sagte Wilm: „Uns gehört dieser Text. Und er gehört nicht denen, die uns mit der Bibel erschlagen wollen.“
Glaube bedeutet auch Widerstand
Glaube bedeute für ihn auch Widerstand: der Angst trotzig die Macht zu entreißen. „Wir werden nicht aufhören zu tanzen, damit die Angst verliert“, sagte der Pastor. Doch nach dem CSD komme der Alltag, und der sehe für viele Menschen keineswegs schillernd und bunt aus.
Wie Kirche in diesem Alltag helfen kann, beschrieb Malte Stets, der neue Pastor bei „positiv leben&lieben“, der früheren Hamburger Aids-Seelsorge. Angst sei zunächst nichts Falsches, sie warne und schütze. Zum Problem werde sie, wenn sie beginne, das Leben zu bestimmen. Kirche habe deshalb die Pflicht, aus Liebe heraus Räume zu schaffen, in denen Menschen so willkommen seien, wie sie sind: „Wir müssen sichere Orte schaffen, und wir müssen sichere Orte sein.“
Das Hamburger CSD-Straßenfest auf dem Rathausmarkt sowie am Ballindamm ging noch bis Sonntagabend.
