Ausstieg aus der rechtsextremen Szene: Eine Beratungsstelle in MV hilft
13. März 2026
Radikalisierung und Härte rückgängig machen: Die Beratungsstelle JUMP des Vereins Christliches Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) hilft Menschen, sich aus rechtsextremen Strukturen zu lösen. Ihr Ziel: Weitere Gewalt verhindern und die Wut mindern.
„Wut im Kopf“ – dieses Problem bescheinigt Paul (Name geändert) vielen seiner Klientinnen und Klienten. Er ist Berater bei JUMP. Die Beratungsstelle in Mecklenburg-Vorpommern hilft anderen, sich von der rechtsextremen Szene zu distanzieren. Paul bleibt anonym, zu seinem und zum Schutz der Menschen, die JUMP berät.
Der Wille zur Veränderung ist entscheidend
Paul sowie seine Kolleginnen und Kollegen beraten hauptsächlich Menschen, die aus der rechtsextremen Szene raus wollen oder Gefahr laufen, in diese abzurutschen. Wie immer, wenn es um Veränderung geht, sind der eigene Wille und die Bereitschaft zur Reflexion wichtig, sagt Paul.
„Gerade in der Ausstiegsarbeit geht es ja darum, sich mit dem auseinanderzusetzen, was ich als Person gemacht habe und damit, was das mitunter für andere Person bedeutet.“
Berater gehen der Wut auf den Grund
Im günstigsten Fall habe die ausstiegswillige Person andere Menschen nur durch Aussagen verletzt, erklärt Paul, wobei der das „nur“ dabei in Anführungszeichen gesetzt wissen will. Im schlimmsten Fall habe diese Person aber Straftaten begangen und jemanden körperlich verletzt.
„Es macht total viel aus, das aufzuarbeiten und zu gucken, wo die Wut oder wo dieses Gefühl herkommt, dass ich mich über jemand anderen stellen oder meine politische Meinung durch Stärke oder Gewalt durchsetzen muss“, sagt Paul.
Klienten lernen, Konflikte auszuhalten
Es sei ein Beratungserfolg, wenn jemand nach drei, vier, fünf oder sechs Jahren sagen kann, dass die Wut im Kopf weg ist. Das höchste Ziel sei, dass die Person für sich eine Veränderung feststellt, anders mit Konflikten umgehen und eine andere Meinung aushalten kann – auch eine andere politische Meinung.
Als Berater lässt es Paul nicht kalt, von teils heftigen Straftaten zu hören, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind. Der Glaube daran, dass jeder eine zweite Chance verdient hat, sei entscheidend in seinem Job. Wichtig sei ihm außerdem, dass die Person Verantwortung für ihr Handeln übernimmt.
Lebenswege sind teils sehr schwierig
Die Wut im Kopf käme bei vielen nicht von ungefähr, erklärt Paul, auch wenn sich das natürlich nicht verallgemeinern lasse. „Ich meine das nicht klischeehaft, wenn ich sage, dass da Biografien dabei sind, die so schlimm sind, dass es eigentlich keinen anderen Weg gab.“
Es gäbe aber auch Biografien, die in wohlbehüteten Mittelstandsfamilien gestartet seien, wo trotzdem etwas gefehlt habe.
Szene wird von manchen als Anker empfunden
Die vielen schlimmen Erfahrungen, von denen Menschen ihm als Berater schon erzählt haben, haben auch in seinem Denken etwas verändert, sagt Paul: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, bevor ich in diesem Job gearbeitet habe, aber ich kann ein Stück weit verstehen, wieso die Leute diesen Weg für sich genommen haben. Also ich finde den Weg nicht gut, kann es aber nachvollziehen.“
Vielen falle der Ausstieg nicht zuletzt darum so schwer, weil die rechtsextreme Szene ihnen Halt gegeben hat. Wer dann aussteigt, dem brechen oft alle Kontakte weg. „Das sind mitunter ganz große Brüche und das stellt Menschen vor große Herausforderungen“, erklärt Paul.
Ziel: Weitere Gewalt verhindern
Menschen, die es nicht aus eigener Kraft schaffen, in dieser Situation zu begleiten und zu unterstützen, das sei wichtig, und dafür sind die Beraterinnen und Berater von JUMP da. Am Ende gehe es darum, „weitere Gewalt und weitere Opfer zu verhindern durch die Arbeit mit den Täterinnen und Tätern.“
