Reformationsempfang der Nordkirche

Bischof Tilman Jeremias: „Gott ist die feste Burg gegen das Böse“

Der Reformationsempfang der Nordkirche fand in der Pasewalker Kirche statt.
Der Reformationsempfang der Nordkirche fand in der Pasewalker Kirche statt.© Nordkirche, Annelie Haack-Birgden

02. November 2026

Zum Reformationstag hat Bischof Tilman Jeremias an die bleibende Aktualität von Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“erinnert: Angesichts von Krieg, Gewalt und Hass bleibt die Verheißung bestehen, dass Gottes Macht stärker ist als das Böse, so Jeremias beim Reformationsempfang der Nordkirche am Sonnabend (31. Oktober 2026) in Pasewalk.

Beim Reformationsempfang in Pasewalk wurde zudem die Bugenhagenmedaille an Gertrud Ohse verliehen.

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Die Reformation erinnere daran, dass der Wert eines Menschen nicht von Leistung und Erfolg abhängt, sondern von der bedingungslosen Liebe Gottes. Zugleich stärke der christliche Glaube Menschen darin, den zerstörerischen Kräften dieser Welt zu widerstehen.

Christlicher Glaube mache Menschen standhaft gegenüber dem Bösen, wer auf Christus

vertraue, müsse vor den dunklen Kräften dieser Welt nicht kapitulieren, so unser Bischof Tilman Jeremias in seiner Predigt.

© Nordkirche, Annelie Haack-Birgden

Beim Reformationsempfang standen die Bach-Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ sowie die Verleihung der Bugenhagenmedaille an Gertrud Ohse im Mittelpunkt .

Reformation als Antwort auf die Machtfrage

„Martin Luther hat das Evangelium neu zum Leuchten gebracht: Nicht Leistung und Selbstrechtfertigung tragen unser Leben, sondern Gottes bedingungslose Liebe. Diese Botschaft ist heute genauso aktuell wie vor 500 Jahren“, sagt Bischof Tilman Jeremias. Zugleich sei die Reformation weit mehr als eine Botschaft persönlicher Gewissheit.

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Johann Sebastian Bachs Kantate "Ein feste Burg ist unser Gott" (BWV 80) wurde von der Kantorei Pasewalk, dem Orchester für Alte Musik Vorpommern sowie Solistinnen und Solisten unter der Leitung von Kantor Julius Mauersberger gestaltet. © Nordkirche, Annelie Haack-Birgden

„Der Choral ,Ein feste Burg ist unser Gott‘ stellt die Machtfrage und beantwortet sie eindeutig. Luther sprach vom Teufel. Wir reden heute eher von Krieg, Gewalt, Hass, Lüge und Unterdrückung. Die Existenz des Teufels mögen viele Menschen bestreiten. Die Fratze des Bösen, die uns aus menschlichem Handeln ansieht, können wir dagegen nicht übersehen.“

Der Reformationstag erinnere deshalb daran, dass Gottes Macht stärker sei als die Mächte der Zerstörung, so der Bischof:  „Christlicher Glaube erschöpft sich nicht in Trost und innerem Frieden. Er macht Menschen standhaft gegenüber dem Bösen. Wer auf Christus vertraut, muss vor den dunklen Kräften dieser Welt nicht kapitulieren. Daraus erwächst die Freiheit, für Frieden, Menschenwürde und Versöhnung einzustehen.“

Bach macht die Kraft der reformatorischen Botschaft hörbar

Johann Sebastian Bachs Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ (BWV 80), gestaltet von der Kantorei Pasewalk, dem Orchester für Alte Musik Vorpommern sowie Solistinnen und Solisten unter der Leitung von Kantor Julius Mauersberger.

Die Pasewalker Musikerin Gertrud Ohse (rechts) bekam im Gottesdienst die höchste Auszeichnung der Nordkirche für ehrenamtliches Engagement verliehen, die Bugenhagen-Medaille. Ohse bekommt die Auszeichnung für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Pasewalker Kirchengemeinde sowie ihren Einsatz als Musikerin und Kulturvermittlerin.© Nordkirche, Annelie Haack-Birgden

Bugenhagenmedaille für Gertrud Ohse

Im Rahmen des Reformationsempfangs verlieh die Nordkirche die Bugenhagenmedaille an Gertrud Ohse. Mit der Auszeichnung würdigt die Kirche ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Pasewalker Kirchengemeinde sowie ihren Einsatz als Musikerin, Kulturvermittlerin und Initiatorin kirchlich-kultureller und deutsch-polnischer Begegnungen. Seit vielen Jahren prägt Gertrud Ohse das kirchenmusikalische Leben in Pasewalk.

Landessynoden-Vizepräses Elke König mit Gertrud Ohse.© Nordkirche, Annelie Haack-Birgden

Als Cellistin, Gambistin und künstlerische Leiterin verschiedener Ensembles verbindet sie musikalische Qualität mit gesellschaftlichem Engagement. Zugleich setzt sie sich dafür ein, Kirche als offenen Ort der Begegnung, der Kultur und des Dialogs sichtbar zu machen. Besonders hervorzuheben ist ihr Einsatz für die Verständigung zwischen Deutschland und Polen. Durch zahlreiche Projekte und den Deutsch-Polnischen Kultursommer schafft sie Begegnungsräume für Menschen beiderseits der Oder und stärkt das kulturelle Miteinander in der Grenzregion.

Reformation, Kultur und gesellschaftlicher Dialog

Unser Film zum Thema Sinn und Geschmack fürs Unendliche auf Youtube

Der Reformationsempfang 2026 steht unter dem Titel „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“. Das Leitwort greift einen Gedanken des Theologen Friedrich Schleiermacher auf und verweist auf das Zusammenspiel von Kirche, Kunst und Kultur. Gemeinsam eröffnen sie Räume der Begegnung, fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt und laden zum Gespräch über die Herausforderungen der Gegenwart ein.

Nach der geistlichen Besinnung, der Verleihung der Bugenhagenmedaille und einem Gespräch mit Gertrud Ohse sind die Gäste zu einem Empfang eingeladen.

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) dankte für den Einsatz der Kirchen für Toleranz, Vielfalt und Menschlichkeit vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen September. © Nordkirche, Annelie Haack-Birgden

Ein Grußwort kam von Dr. Wolfgang Blank, Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Blank würdigte den Einsatz von Kirchenvertretern während der friedlichen Revolution 1989. "Die Deutsche Einheit ist ganz stark der Verdienst der Kirchen", so Blank.

Was ist der Reformationstag?

Der Reformationstag am 31. Oktober erinnert an die Anfänge der Evangelischen Kirche. Um den 31. Oktober 1517 herum verbreitete der damalige Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) 95 Thesen gegen kirchliche Missstände, dies wurde zum Ausgang einer christlichen Erneuerungsbewegung. Der Reformationstag ist in allen ostdeutschen Bundesländern außer Berlin gesetzlicher Feiertag. 2018 haben außerdem die norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Reformationstag zum Feiertag erklärt.

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