Landeskirchliche Beauftragte von Schleswig-Holstein wurde entpflichtet

Claudia Bruweleit: "Menschen hinter Funktionen sehen"

Pastorin Claudia Bruweleit bei ihrer Entpflichtung im Januar 2023 in Kiel
Pastorin Claudia Bruweleit bei ihrer Entpflichtung im Januar 2023 in Kiel© Antje Wendt, Nordkirche

18. Januar 2023 von Antje Wendt

Pastorin Claudia Bruweleit war acht Jahre lang, von 2015 bis 2023, Landeskirchliche Beauftragte (LKB) in Schleswig-Holstein, eine Position, die sie mit vielen Themen und verschiedensten Akteuren zusammenbrachte. In einem Gespräch erzählt sie von ihren vielfältigen Aufgaben, von herausfordernden Phasen und von den Themen, die ihr besonders am Herzen lagen.

Liebe Claudia Bruweleit, kannst du erläutern, worin deine Aufgabe als Landeskirchliche Beauftragte bestand und welche Themen dich beschäftigt haben?

Claudia Bruweleit: „Meine Aufgabe war es, die Beziehungen der Nordkirche zur Landesregierung und zum Landtag zu pflegen. Damit war ich die Ansprechperson des Landtags für Fragen an die Kirche, im Gegenzug ebenso für Fragen der Kirche an die Landesregierung. Spannend wurde es, wenn Gesetze erlassen werden sollen, die die Handlungsfelder der Kirche berühren, beispielsweise den Religionsunterricht.

Ganz oft wird die Kirche auch als ethische Größe gehört. Dann galt es, eine Stellungnahme für das Anhörungsverfahren des Landtags zu verfassen, wobei ich mich inhaltlich immer eng mit dem Landeskirchenamt abgesprochen habe. Schließlich habe ich die Kirchenleitung und die bischöflichen Personen über das aktuelle politische Geschehen und die politischen Zusammenhänge beraten.

Mir war es bei meiner Arbeit immer ein Anliegen, die Menschen hinter ihren Funktionen zu sehen. Im Grunde genommen ging es immer um das Kommunizieren mit den Menschen in ihrer Rolle, um ihre Haltung zu verstehen. Ich habe also immer sehr, sehr viele Gespräche geführt, aus denen manchmal auch sehr schöne Begegnungen entstanden sind."

Großes Thema: Gottesbezug in Verfassung

Bei den großen Themen, die sie begleitet haben, erinnert sich die Pastorin an die Frage der Aufnahme des Gottesbezugs in die Landesverfassung. Dies war, so Claudia Bruweleit, das erste große Thema, mit dem sie so richtig kopfüber in die Arbeit gesprungen war. 

Die Nordkirche hatte seinerzeit gemeinsam mit dem Erzbistum Hamburg eine Reihe von Initiatoren aus der Gesellschaft bei dieser Initiative tatkräftig unterstützt. Mit der katholischen Kollegin Beate Bäumer suchte Claudia Bruweleit damals das Gespräch mit den Landtagsabgeordneten und warb für das Anliegen: "Organisatorisch lief sehr viel über mein Büro, wo sich am Ende nach einer Unterschriftenaktion die Listen mit über 20.000 Unterschriften stapelten," erzählt sie. 

Gute Arbeitsbedingungen für Kita-Mitarbeitende

Die Reform des Kita-Gesetzes war ein anderes Thema, das die Landeskirchliche Beauftragte intensiv begleitet habe. Sie berichtet: "Es ging uns damals darum, die Qualität der Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen und Erzieher zu verbessern und die Finanzierung der Betriebskosten von Kitas der von anderen Trägern anzugleichen.

Meine Aufgabe bestand darin, bei den Abgeordneten des Landtages Verständnis für unser Anliegen zu wecken, während Landespastor Heiko Nass und Markus Potten, Geschäftsführer des Verbandes Evangelischer Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein e.V,  in unendlichen Gesprächsrunden verhandelt haben. Wir haben unsere Ziele erreicht, doch angesichts des Fachkräftemangels ist die Situation in den Kitas allerdings ist weiterhin angespannt", resümiert die Pastorin. 

Herzensanliegen: Unterstützung für Geflüchtete

Gab es Themen, die dir besonders am Herzen lagen?

Claudia Bruweleit: Eines meiner Herzensthemen war, dass die Menschen, die von Flucht und Migration oder auch von Abschiebung betroffen sind, Unterstützung erfahren. Bei der Einrichtung der Abschiebeanstalt in Glückstadt habe ich daran mitgewirkt, ein Seelsorgeangebot einzurichten.

Am liebsten wäre es mir aber, dass es diese Abschiebehaftanstalt gar nicht gäbe. 

Ihr zweites Herzensanliegen sei die Beratungstätigkeit des Frauenwerks der Nordkirche, ergänzt Claudia Bruweleit und zählt die Fachstelle gegen Frauenhandel, ՙcontraՙ, die Beratungsstelle ՙcara*SHՙ, die Prostituierte berät, und ՙMyriamՙ, die mobil Rechtsberatung für geflüchtete Frauen anbietet, auf.

Für diese Einrichtungen hatte sie sich im Rahmen ihrer Tätigkeit sehr eingesetzt und freut sich nun, dass sich Finanzierung dieser Arbeit in den letzten Jahren positiv entwickelt hat. "Vielleicht," so Bruweleit, "weil sich prominente Unterstützerinnen in der Kieler Politik gefunden haben".

Große Herausforderung: Corona-Zeit

In den vergangenen zwei Jahren lag ein ganz großer Teil der Arbeit darin, die Coronaverordnung des Landes zu erfassen und sie dann in Informationsschreiben für die Kirchengemeinden, die Kirchenleitung und andere aufzubereiten. Die Kirchengemeinden hatten in dieser Zeit sehr viele Fragen danach, wie sie ihre Arbeit rechtskonform weiterhin leisten konnten, berichtet Claudia Bruweleit.

Andersherum ging auch darum zu vermitteln, was die Bedürfnisse als Nordkirche waren, indem wir Verordnungen, die uns über Gebühr beschränkten, diskutiert haben. Manchmal war eine harte Regelung aus fehlender Kenntnis der Situation heraus entstanden. Man muss hier aber auch berücksichtigen, dass alle Beteiligten damals unter einen großen Zeitdruck standen und Tag und Nacht über den Verordnungen gebrütet haben.

Möchtest du noch eine besonders schöne Erinnerung oder Geschichte erzählen?

Claudia Bruweleit: "Gerne. Eine meiner Aufgabe war ja immer wieder, Festgottesdienste auf Anregung des Landes – oft gemeinsam mit anderen – vorzubereiten. Ein solcher ökumenischer Gottesdienst war 2016 zum Landesgeburtstag bei der Landesgartenschau in Eutin geplant.

Es war mein erster Festgottesdienst, und ich hatte wirklich alle Hände voll zu tun. Der Gottesdienst fand mit dem Ministerpräsidenten, dem Bischof und dem Erzbischof statt, sehr viele geladene Gäste fanden sich ein.

Erstmals waren Vertreter der jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein und der Schura Schleswig-Holstein eingeladen, um gegen Ende einen Friedensgruß zu sprechen. Während sich die Gottesdienstgemeinde anschließend gegenseitig Friedenswünsche aussprach, stimmte jemand einen jüdischen Kanon an, in den die gesamte Festgemeinde spontan mit einstimmte.

Der Raum war vom 'Shalom aleichem' - 'Friede sei mit dir' erfüllt. Das war nicht im Programm vorgesehen und ein sehr ergreifender und erlösender Moment für mich.

Die Entpflichtung am 17. Janaur 2023

Landtagspräsidentin Kristina Herbst, Pastorin Claudia Bruweleit, Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt und Landfrauenpräsidentin Ulrike Röhr bei der Entpflichtung im Kieler Landeshaus
Landtagspräsidentin Kristina Herbst, Pastorin Claudia Bruweleit, Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt und Landfrauenpräsidentin Ulrike Röhr bei der Entpflichtung im Kieler Landeshaus© Annelie Haack, Nordkirche

Im Rahmen einer ökumenischen Andacht wurde Pastorin Claudia Bruweleit am 17. Januar im Kieler Landeshaus von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt entpflichtet. Unter den Gästen aus Politik, Gesellschaft und der Nordkirche hatten sich viele eingefunden, die in den zurückliegenden Jahren eng mit der Landeskirchlichen Beauftragten zusammengearbeitet haben.

Mit einem sehr persönlichen Grußwort würdigte Landtagspräsidentin Kristina Herbst die Arbeit von Claudia Bruweleit. Auch Bischof Gothart Magaard und Landfrauenpräsidenten Ulrike Röhr warfen in ihren Grußworten einen Blick zurück auf die vielfältigen Aufgaben von Pastorin Bruweleit und bedankten sich für die intensive Zusammenarbeit mit ihr. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt verband ihren Segen für Claudia Bruweleit mit den herzlichsten Wünsche für die Zukunft der Pastorin. 

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