Kristina Kühnbaum-Schmidt ein Jahr im Amt

Corona-Krise: Landesbischöfin wünscht sich Diskurs über Leben in Würde

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt© Marcelo Hernandez, Nordkirche

23. Mai 2020 von Anne-Dorle Hoffgaard

Kristina Kühnbaum-Schmidt (55) ist seit einem Jahr Landesbischöfin der Nordkirche, Pfingsten 2019 war sie im Schweriner Dom in ihr Amt eingeführt worden. Ihr einjähriges Dienstjubiläum fällt genau in die Corona-Krise. Mit dem Evangelischen Pressedienst spricht sie über Herausforderungen in dieser besonderen Zeit.

Wie erleben Sie persönlich die Corona-Krise, wie geht es Ihnen?

Kühnbaum-Schmidt: Danke der Nachfrage! Ich kommuniziere mehr denn je, auch digital und über soziale Medien. So komme ich weiterhin verantwortungsvoll meinen Aufgaben nach - von Seelsorge bis Leitungsarbeit. Und ich freue mich darüber, dass viele Menschen in unserer großen Kirche sich gegenseitig unterstützen und für andere engagieren. Das alles gelingt gut, und deshalb geht es mir gut.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Nordkirche in dieser Corona-Zeit?

Mich stimmt zuversichtlich, dass sich Viele schnell und kreativ der Herausforderung gestellt haben, in neuer Weise für Menschen da zu sein. Auch künftig ist unsere wichtigste Aufgabe, das Evangelium in Wort und Tat glaubwürdig zu kommunizieren.

Die Zusammenarbeit in der großen Fläche unserer Kirche erfordert wegen weiter Anreisen viel Zeit und Kraft. Das möchte ich durch vermehrte digitale Kommunikation ändern. So könnten sich mehr Menschen aus allen Teilen der Nordkirche stärker beteiligen. Und ein Beitrag zum Klimaschutz ist es auch.

Die Kontaktbeschränkungen belasten vor allem Menschen in Pflegeheimen, psychisch Kranke und Familien mit Kindern. Was wünschen Sie sich, um diesen Menschen zu helfen?

Die Kontaktsperren dienen dem Gesundheitsschutz, aber sie stehen unseren Bedürfnissen nach Begegnung und körperlicher Nähe entgegen. Wir haben bei den Landesregierungen erreicht, dass Seelsorger Menschen in Kliniken, Senioren- und Pflegeeinrichtungen begleiten können. Ein Problem dabei ist die oft fehlende Schutzkleidung.

Sorgen macht mir die Situation von Familien und Kindern. Ihre Bedürfnisse müssen noch stärker öffentlich wahrgenommen werden. Ich fände es gut, wenn kirchliche Tagungshäuser Familien mit geringem Einkommen in diesem Sommer Ferienaufenthalte ermöglichen könnten und die Länder das mit finanzieren würden.

Welche Einschnitte erwarten Sie durch die Corona-Krise für die Nordkirche?

Finanzielle Aspekte werden wir erst aufgrund der Ergebnisse des staatlichen Arbeitskreises Steuerschätzung genauer abschätzen können. Ich gehe davon aus, dass alle Ebenen der Nordkirche den zu erwartenden Kirchensteuerrückgang im laufenden Haushaltsjahr über ihre jeweiligen Ausgleichsrücklagen kompensieren und so ihren Zahlungsverpflichtungen verlässlich nachkommen können.

Gibt es für die gemeinwohlorientierten kirchlichen Tagungshäuser "kirchliche Rettungsschirme"?

Wir sind mit Bund und Ländern im Gespräch und tun mit den Trägern unser Möglichstes, um die Häuser gut durch diese Krise zu begleiten.

Welche positiven Erfahrungen der Krise könnten in die Zeit danach "gerettet" werden?

Erstens: dass wir lernbereit und lernfähig sind. Zweitens: dass wir umso entschlossener bereit sind, uns an Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu orientieren und dafür auch auf Liebgewonnenes verzichten. Und drittens zeigt die öffentliche Diskussion um Gottesdienste und Seelsorge, wie wichtig vielen Menschen kirchliche Angebote sind. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir nötige Veränderungsprozesse, etwa im Blick auf den Klimawandel, die Zukunft der Arbeitswelt und das Leben unserer Kirche, mutig und kreativ angehen und bewältigen können. Dazu spreche ich derzeit in meinem Podcast mit Menschen aus verschiedenen Verantwortungsbereichen.

Was tut die Nordkirche, um in der Corona-Krise ihren Partnerkirchen noch mehr zu helfen, aber auch Flüchtlingen weltweit?

Unsere Partnerkirchen in Übersee unterstützen wir derzeit mit Sofortmaßnahmen. In verschiedenen Weltregionen drohen Hungerkatastrophen, es fehlt an Hygieneartikeln und Krankenhausausstattung. Die Not der Menschen ist gravierend. Deshalb haben wir einen Nothilfefonds eingerichtet. Dafür bitte ich herzlich um Spenden.

Über den Lutherischen Weltbund sind wir an weiteren Hilfsprogrammen beteiligt. Wir sind Mitglied im Bündnis United4Rescue zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Auch dieses Bündnis braucht weiterhin finanzielle Unterstützung und wie unsere Partnerkirchen ebenso unser persönliches Gebet.

Wie erleben Sie die Nordkirche, die 2012 aus dem Zusammenschluss von drei ehemaligen Landeskirchen entstand?

Vielfältig und spannend! Markenzeichen der Entwicklung zur Nordkirche ist für mich die Begegnung auf Augenhöhe - das bleibt wichtig. Die Nordkirche leistet außerdem einen wertvollen Beitrag für die Verbundenheit der drei Bundesländer in diesem großen Teil von Norddeutschland. Wir stehen auch dafür, dass unterschiedliche geistliche und theologische Traditionen einander bereichern.

Welche Akzente können Sie sich vorstellen, um das weitere Zusammenwachsen der Nordkirche voranzutreiben?

Verbundenheit im gemeinsamen Glauben, gute Kommunikations- und Kontaktmöglichkeiten sowie eine breite Beteiligung vieler Menschen auf allen Ebenen! Das müssen wir weiter stärken. Digitale Kommunikationsformen können uns dabei helfen, auch andere Generationen mehr als bisher zu beteiligen. Wichtig sind mir geistliche Begegnungen und gemeinsame Feste für die ganze Nordkirche, zum Beispiel das leider verschobene Chorfest 'Dreiklang'.

Wie schätzen Sie das Engagement der Nordkirche für den Klimaschutz ein?

Wir sind auf einem guten Weg. Bei Baumaßnahmen wird auf energetische Optimierung geachtet. Die meisten Kirchenkreise haben Klimaschutzmanager angestellt und Gebäudenutzungspläne aufgelegt.

Der Klimaschutzplan soll für die Jahre 2022 bis 2027 fortgeschrieben werden. Um der Klimaerwärmung zu begegnen, muss jeder und jede persönlich etwas ändern. Die Lockdown-bedingte geringere CO2-Belastung zeigt: Wir können etwas tun, wir müssen es aber auch wollen.

Zum Christsein gehört das Engagement für Menschen in Not. Welche aktuellen Herausforderungen sehen Sie da?

Alle Menschen haben mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu tun. Als Kirche ist unsere Aufgabe dabei, an der Seite der Schwächsten zu stehen. Das sind Kranke und Sterbende; von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit Betroffene; Familien, die schon jetzt die Folgen der Pandemie in besonderer Weise tragen sowie Menschen, die in Pflege- und Senioreneinrichtungen leben.

Wir brauchen einen öffentlichen Diskurs darüber, was für sie und uns alle ein Leben in Würde bedeutet. Und wir müssen darüber sprechen, wie wir als Einzelne und als Gesellschaft dazu beitragen und auf was wir dafür verzichten. So wird ein Kernsatz unseres Glaubens konkret: "Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst".

Sie sind Mitglied im Netzwerk Solidarische Landwirtschaft (Solawi). Was hat Sie dazu veranlasst?

Solawi-Mitglieder unterstützen Betriebe vor Ort finanziell und erhalten dafür saisonale und regionale Produkte. Das ist zugleich ein Beitrag zum Klimaschutz. Als Familie sind wir Mitglied bei Solawis für Gemüse und Obst, Eier und Honig. Pro Monat zahlen wir einen festen Betrag und bekommen dafür regelmäßig Ernteanteile. So möchten wir dazu beitragen, das Einkommen regionaler landwirtschaftlicher Betriebe zu sichern.

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