Flüchtlinge

Ein Heißgetränk verbindet: Die Hamburger Flüchtlingsinitiative „Das Teemobil“

© epd-Bild, Felix Tenbaum

07. Februar 2017 von Felix Tenbaum

Alles fing 2015 mit zwei Thermoskannen voll Tee an - seit kurzem ist das Hilfs- und Begegnungsprojekt "Das Teemobil" eingetragener Verein und die zweitgrößte Flüchtlingsinitiative in Hamburg.

Im Herbst 2015 sieht der Hamburger Informatiker Sami Khokhar (33) auf dem Heimweg, wie am Hauptbahnhof unzählige Flüchtlinge stranden und in der Kälte frieren. Er beschließt zu helfen und kommt am nächsten Tag mit zwei Thermoskannen Tee und ein paar Pappbechern. Er möchte den Menschen ein warmes Getränk reichen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Knapp eineinhalb Jahre später wird "Das Teemobil" ins Vereinsregister eingetragen, Khokhar ist erster Vorsitzender.

"Damals haben wir versucht, mit dem Tee innere Wärme zu vermitteln, indem die Menschen was Warmes in den Händen halten", erinnert sich Khokhar an die Anfänge der Teemobil-Geschichte. Schnell wurde ihm klar, wie gut das den Flüchtlingen am Hauptbahnhof tat. Er organisierte große Wasserkocher, warb im Internet um Helfer und Spenden und stieß damit auf ein riesiges Echo: "Anfangs haben wir gepostet: 'Wir brauchen Zucker oder Obst', und am Abend hatten wir dann so viel, dass wir kaum mehr wussten, wohin damit."

„Teemobil“ beliebter Treffpunkt  in rund 20 Hamburger Einrichtungen

Nach und nach weiteten die Teemobil-Helfer ihr Angebot auch auf Erstunterkünfte aus. Abend für Abend sind sie seitdem in ganz Hamburg unterwegs. Anfangs erreichten sie rund 20.000 Flüchtlinge in ganz Hamburg. Die eingehenden Geld-Spenden reichten sogar für einen Kleinbus, mit dem Tee, Obst und Gebäck in die Unterkünfte transportiert werden konnten.

Doch nach der anfänglichen Euphorie kam das Teemobil in eine Krise. Das Dauer-Thema Flüchtlingsstrom verschwand aus den Medien, und die Spenden gingen spürbar zurück. Trotzdem fährt Khokhar, der aus einem deutsch-pakistanischen Elternhaus stammt, noch mindestens einmal pro Woche mit dem weißen Teemobil-Bus in eine große Hamburger Bäckerei, um Reste für die Unterkünfte einzuladen. Etwa 300 bis 400 Helfer organisieren in rund 20 Hamburger Einrichtungen regelmäßig Kaffee- und Teeausgaben. Die sind bei vielen Flüchtlingen zu einem beliebten Treffpunkt geworden.

Hilfe bei Behördengängen, Kinderbetreuung und mit der deutschen Sprache

Heute ist das Teemobil nach eigenen Angaben die zweitgrößte Initiative in der Flüchtlingshilfe der Hansestadt, gemessen an der Anzahl aller bisherigen Helfer. In der Einfachheit der Idee liegt für Helferin Manuela Szepan der Charme des Projekts: "Einfach nur ein heißes Getränk. Wenn ich mich mit meinen Freundinnen treffe, dann auch auf einen Kaffee, ein heißes Getränk. Das ist etwas, das verbindet."

Mit der Vereinsgründung wollten der neue Vorsitzende Khokhar und seine Mitstreiter das Tief überwinden. Jetzt können sie auch offiziell Fördergelder für ihre Arbeit beantragen und sich für Stadtteilpreise bewerben. Mehr Mittel seien dringend nötig, sagt Khokhar, "denn inzwischen hat das Teemobil viele neue Aufgaben". Das Ausschenken von Tee sei inzwischen eher Mittel zum Zweck. "Wir versuchen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen über ihre Sorgen und Ängste." Das Team helfe den Flüchtlingen zudem beim Lesen und Beantworten von Briefen und bei Behördengängen. 

Es kommen auch viele Kinder zu den Ausgaben. "Wir helfen ihnen beim Deutsch lernen oder malen, um das Geschehene zu verarbeiten." Über die Entwicklung des Projekts und neue Aktionen freut sich auch Helferin Szepan: "Das Netzwerk ist super, auch zu anderen Hilfsorganisationen." Durch den Verein sollen weitere integrative Projekte in den Flüchtlingsunterkünften entstehen. 

Weitere integrative Projekte in den Flüchtlingsunterkünften geplant

Auf dem weißen Transporter, mit dem Sami Khokhar durch die Straßen Hamburgs fährt, Spenden einsammelt und verteilt, steht in großen Buchstaben das Motto des Vereins: "Wenn wir jetzt nicht zusammenhalten - wann dann?!" Dass Menschen zusammenhalten, hat das Teemobil bewiesen.

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