Barfuß zum Ja-Wort

Einfach heiraten am Meer

Die Schäferwagenkirche am Strand von Eckernförde diente am diesem Tag als Kirchenbüro.
Die Schäferwagenkirche am Strand von Eckernförde diente am diesem Tag als Kirchenbüro.© Antje Wendt, Nordkirche

10. August 2026 von Antje Wendt

Ohne lange Planung, dafür mit viel Herz: Bei der Aktion „Einfach heiraten“ am Eckernförder Strand gaben sich Paare spontan das Ja-Wort oder empfingen einen persönlichen Segen. Eine Premiere, die mit berührenden Geschichten und echter Gänsehaut begeisterte.

Vier Pastorinnen und Pastoren im Talar am Strand
Es war eine Premiere für die Pastorinnen und Pastoren der Kirchengemeinde, was dort an diesem Tag am Strand stattfinden sollte. War an alles gedacht worden? Hielt das Wetter? Und vor allem: Würde das Angebot angenommen werden?© Finn Marquardt/Sehzeichen, Nordkirche

Einfach heiraten – das hört sich wie ein Widerspruch in sich an. Doch die Kirchengemeinde Eckernförde hat gezeigt, wie es geht: ohne Stress und hohe Kosten für die Paare. Stattgefunden hat die Aktion #einfachheiraten am sommerlichen Strand von Eckernförde.

Menschen auf der Strandpromenade von Eckernförde
Spaziergänger+innen und Schaulustige wurden von dem Geschehen am Strand angezogen. Am Stehtisch war für heute die Anmeldung für die Trauungen und Segnungen eingerichtet worden.© Antje Wendt, Nordkirche

Zwischen Strandkörben und Schleppe

Doch die Sorgen waren schnell aus der Welt. Die zahlreichen Helferinnen und Helfer waren kaum fertig mit dem Aufstellen der Tische und Pavillons auf dem Strandsand, dem Herrichten der Stationen in den Strandkörben und dem Verteilen der Kabeltrommeln, als sich schon die ersten Paare einfanden und eine Schlange am Anmeldetisch bildeten. Die meisten hatten sich auf diesen Termin vorbereitet und ihre standesamtliche Eheurkunde eingesteckt. Beim Outfit war alles dabei, was man sich vorstellen kann: Vom Alltags-T-Shirt oder Hemd über das sommerliche Spitzenkleid bis hin zur festlichen Robe mit Schleppe oder Weste kam an diesem Tag alles zum Einsatz  sehr zur Freude der vorbeispazierenden Touristenscharen, die sich an den spielenden Kindern mit Blumenkränzen und den strahlenden Augen der Brautpaaren erfreuten.

ein kleiner Altartisch mit weißer Tischdecke, Kreuz und Blumenschmuck
Direkt am Strand war ein Altar für die Trauungen aufgebaut.© Finn Marquardt/Sehzeichen, Nordkirche

Alles läuft

Nicht allen war sofort klar, was sich hier an der Schäferwagenkirche in Eckernförde abspielte, zumal die Szene von außen betrachtet sehr wuselig war: hin- und hereilende Pastorinnen und Pastoren, barfuß unter ihren hellen Talaren, beschäftigte Menschen, zwei einfache Altäre mit Kreuz und Blumenschmuck und eine Kantorin, die die Andachten live am E-Klavier begleitete. Auch der Wind trug zu diesem wuseligen Eindruck bei, denn mit kräftigen Böen sorgte er dafür, dass immer wieder Dinge durch die Luft flogen. Doch der Schein trog, und auch wenn die Wartezeit mit jedem angemeldeten Paar etwas länger wurde, war alles bestens organisiert und vorbereitet. So fanden alle Geistlichen die Ruhe und Zeit, sich jedem Brautpaar individuell zu widmen und es kennenzulernen.

Ein Brautpaar am Strand bei der Trauung, Blick von hinten
In kleiner Runde heiratet diese Paar am Strand von Eckernförde© Antje Wendt, Nordkirche

Persönliche Trauungen mit Blick aufs Meer

All das zahlte auf die fröhliche Stimmung und die entspannte Atmosphäre ein. Kaum hatten sich die Paare am improvisierten Andachtsort am Meer eingefunden, schien das lebendige Treiben rundherum wie ausgeblendet. Nicht nur der selbst ausgesuchte Bibelvers und die Musik verwandelten jede Zeremonie in einen ganz besonderen Moment: Es waren auch die Pastorinnen und Pastoren, die mit warmherzigen Worten, persönlichen Gebeten, Zuspruch und nicht zuletzt Humor dazu beitrugen. Mit dem rauschenden Meer vor Augen und dem weiten Himmel über den Köpfen wurden sie mit jeder Träne und jedem Lachen der Paare belohnt.

ein junges, festlich gekleidetes Paar sitzt draußen mit Kindern auf dem Schoß
Diese junge Familie hatte sich ganz bewusst für die Trauung am Strand entschieden und war deshalb im Urlaub mit ihren Kindern an die Ostsee gereist. © Finn Marquardt/Sehzeichen, Nordkirche

Spontaner Segen für Kurzentschlossenen

Immer wieder gab es Menschen, die zunächst eine Weile auf der Promenade standen, nachdenklich, unentschlossen, um dann doch den Weg zum Anmeldetisch zu finden. Denn auch für sie gab es die Möglichkeit, einen Segen zu erhalten, genauso individuell und persönlich gestaltet wie die Trauungen. So waren es nach den etwa fünf Stunden, die die Aktion dauerte, 26 Paare, die das Angebot in Anspruch genommen hatten.

Eine Frau trägt in ihrem Rucksack einen Strauß weiter Blumen.
Mit dem Brautstrauß im Rucksack kam eine Teilnehmerin zur Trauung ihrer Tochter vorbei. © Antje Wendt, Nordkirche

Gänsehaut am Ostseestrand

Es waren besonders die kleinen Eindrücke und Erlebnisse, die dieses Ereignis auszeichneten: ein Brautstrauß, der kurzerhand an ein anderes Brautpaar verliehen wurde. Ein Paar, das wegen einer Behinderung nicht an den Strand kommen konnte und deshalb auf der Promenade seine Segensandacht erhielt. Brautpaare mit Bollerwagen und zwei oder drei aufgeregten kleinen Kindern auf dem Schoß. Eine Kita-Leitung, die von ihren Kita-Kindern und Mitarbeitenden überrascht wurde. Ein Paar mit Wanderrucksäcken. Junge, unverheiratete Paare oder Menschen, die bereits die Goldene Hochzeit gefeiert hatten.

So war es an diesem Tag nicht nur der frische Wind am Eckernförder Strand, der für reichlich Gänsehaut sorgte.

 

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